DIE ZEIT: Sie sind Jesuit und Astronom. Wenn Sie in den Himmel gucken, sehen Sie dort die Schöpfung Gottes?

George Coyne: Zunächst mal sehe ich Sterne, und ich versuche, sie als Wissenschaftler zu verstehen. Mein religiöser Glaube wird natürlich durch die Wissenschaft bereichert. Als Priester versuche ich herauszufinden, was die Forschungsergebnisse für meinen religiösen Glauben zu bedeuten haben.

ZEIT: Viele Wissenschaftler halten die Existenz des Universums für Zufall, religiöse Menschen sehen dahinter einen Plan. Auf welcher Seite sind Sie?

Coyne: Die Frage ist unzureichend formuliert. Es gibt eine dritte Komponente, und das ist die Fruchtbarkeit des Universums. 10 hoch 22 Sterne gibt es im Universum! Es begann vor rund 14 Milliarden Jahren im Urknall, und durch das Entstehen und Vergehen der Sterne wurden jene chemischen Elemente hervorgebracht, aus denen alles zusammengesetzt ist, wir eingeschlossen. Wir bestehen im wahrsten Sinne aus Sternenstaub. Nur im Innern der Sterne konnte genug Kohlenstoff entstehen, um Fußnägel, Ohrläppchen und all das hervorzubringen.

ZEIT: Zufall oder Notwendigkeit?

Coyne: Zufall und Notwendigkeit gehen über eine lange Zeitspanne Hand in Hand, sodass menschliches Leben in einem fruchtbaren Universum aus beiden heraus entsteht. Zum Beispiel treffen zwei Wasserstoffatome im frühen Universum aufeinander. Eigentlich müssten sie ein Molekül bilden, denn das ist die Natur der chemischen Bindung. Aber das passiert nicht, weil Druck und Temperatur zu dieser Zeit und an diesem Ort dafür ungünstig sind. Also driften die Atome wieder durchs All. Zufällig treffen sie wieder aufeinander, und diesmal stimmen die Bedingungen. Abermilliarden Wasserstoffatome machen das viele Milliarden, Trilliarden Mal. Warum also sollten wir überrascht sein, dass nach langer Zeit eine komplizierte Chemie daraus hervorgeht? Es ist ein deterministischer Prozess mit einer Zufallskomponente.