Medien al-CNN
Der arabische Fernsehsender al-Dschasira will jetzt auch Journalismus für den Westen machen. Kann das gut gehen? Protokoll eines Beratertreffens in Doha
Doha
Al-Dschasira (»Die Halbinsel«) gilt seit 1996 im Westen als Darth Vader im Krieg der Sender, als arabisches CNN-Pendant, dem Übles nachgesagt wird. Ein Hausorgan von al-Qaida sei die in Qatar beheimatete TV-Station, ein Aufwiegler der arabischen Massen gegen Amerika, Israel und den Westen. Obwohl al-Dschasira (im Englischen deshalb: »AJ« die Schelte stets zurückgewiesen hat, scheint sich neuerdings der Selbstzweifel zu regen – und der Besserungswille. Will AJ nunmehr an die Seite von Luke Skywalker und Prinzessin Leia, der Kräfte des Guten, rücken? Professionell, verantwortungsvoll, ausgewogen möchte AJ werden – getreu seinem Motto:
Der Wunsch kommt nicht von ungefähr. Denn in diesem, seinem zehnten Jahr will AJ , inzwischen zur weltweit bekannten Marke (nach Ikea, Apple und Starbucks) aufgestiegen, den nächsten Schritt wagen: einen englischsprachigen Dienst mit 230 Mitarbeitern und 30 Auslandsbüros. Zur Begleitung hat der Satelliten-Sender einen Board of Visitors rekrutiert, ein Gremium journalistischer Veteranen aus Amerika, England, Frankreich, Japan, Kolumbien, Südafrika und Deutschland, das sich gerade in Doha getroffen hat und in den nächsten zwei Jahre noch dreimal zusammentreten soll.
Der Autor dieser Zeilen ist einer dieser »Weisen aus dem Abendland«. Er hatte spontan zugesagt, weil sich in Doha eine Chance auftat, im clash of civilizations auf der Seite von Vernunft & Verständigung mitzumischen, auf jeden Fall zugunsten des Professionalismus. Unsere Bedingung war indes: Alles muss öffentlich sein, alles on the record, weshalb hier auch über dieses Experiment berichtet werden soll.
Vorweg: Es war ein faszinierendes erstes Gespräch mit einer Führung, die bei Mezze (»Vorspeisen«), Kebab und Orangensaft (Alkohol musste später an der Bar auf eigene Kosten bestellt werden) Gastfreundschaft mit Offenheit paarte und keiner Frage auswich. Der Managing Director (etwa: Intendant), der Palästinenser Wadah Khanfar, gab ohne Zögern zu, dass AJ Probleme habe, die nicht allein auf übler Nachrede beruhten. Ja, man habe Berichte laufen lassen, die nicht »akkurat« gewesen sein; ja, man habe nicht von Selbstmord-Bombern, sondern »Märtyrern« gesprochen und im Irak politisch aufgeladene Begriffe wie »Widerstand« benutzt statt – wie erst seit Juli 2005 – »Aufständische«. Aus der »Besatzungsarmee« sei das »US-Militär« geworden.
Außerdem mochten doch die Herren und Damen Besucher bedenken, dass AJ aus allen Richtungen beschossen werde, so einseitig also nicht sein könne. Während des Afghanistan-Krieges sei AJ in Amerika und Europa zwar als Propaganda-Verstärker für Osama bin Laden verdammt worden, daheim indes als »Verbündeter des Westens«. Die Speerspitze des militanten Islamismus? Mit feinem Lächeln merkt Khanfar an, der Sender dürfe keine Büros in just jenen beiden Ländern unterhalten, die sich als Wächter des wahren Glaubens gerieren: in Iran und Saudi-Arabien. Immerhin lasse AJ inzwischen auch israelische Politiker zu Wort kommen.
Trotzdem blieb nach der ersten Runde ein nagender Zweifel in den Köpfen der Besucher: Sind wir nun hier, um mit den AJ-Redakteuren professionellen Journalismus zu proben? Oder als Feigenblatt, gar um als Alibi zu dienen?
Geiselnehmer dürfen ihre Forderungen nicht mehr vorlesen
Auf jeden Fall türmt sich ein schier unüberwindbares Handicap auf: Keiner der acht »Visitors« beherrscht das Arabische, was sie wissen oder glauben, haben sie aus zweiter Hand. Als wir den Chefredakteur des künftigen Englisch-Dienstes, Nigel Parsons, fragten, was er denn zu offerieren gedenke, gab sich dieser einzige Westler in der Führungsmannschaft ironischerweise zugeknöpfter als die arabischen Kollegen. Er bestätigte das Bekannte, zum Beispiel, dass er Riz Khan, den berühmten »Ankermann« von CNN abwerben, dazu Sir David Frost, eine Ikone des britischen Journalismus, für AJ gewinnen konnte.
Dies veranlasste einen altgedienten Briten zu der wohlwollenden Warnung: »In dem Moment, da Sie auf Englisch senden, wird die Welt Sie an den Maßstäben der internationalen Fernsehanstalten messen.« In der Tat tut sich hier für AJ ein Dilemma auf, das so leicht nicht zu knacken sein wird. Was »street credibility«, also Glaubwürdigkeit beim Mann auf der amerikanischen Straße verschafft, könnte im Westen Abscheu und Empörung erzeugen. Und umgekehrt: Warum zwischen Levante und Golf nicht gleich BBC und Sky News gucken, wenn AJ International ein ähnliches Schonkost-Menü vorlegt? Am schlimmsten aber wäre es, wenn al-Dschasira mit zwei Zungen spräche: so nach Westen und anders nach Mittelost – das Ende aller Glaubwürdigkeit.
Dass AJ eine Agenda hat, verneinen auch die freundlichen Kollegen aus Doha nicht. Aber welche? Sie verweisen immer wieder darauf, dass ihre wahren Gegner die arabischen Potentaten seien, dass sie der »Straße« eine Stimme gegenüber dem staatlich gelenkten TV-Journalismus vom Typ »Ihre Hoheit hat heute den neuen Schuljahrgang begrüßt« verleihen wollten. »Nirgendwo«, so ein leitender Redakteur, »wurde Saddam Hussein heftiger dämonisiert als in unseren Talkshows.«
Kritiker wie der aus dem Libanon stammende Fouad Ajami, Professor für Nahöstliches an der Washingtoner Johns-Hopkins-Universität, sehen die »arabische Straße«, die in der AJ-Lesart als Metapher für »Demokratie« herhalten soll, in einem dunkleren Licht. Ende 2001 hat er sich für das New York Times Magazine ein paar Tage lang al-Dschasira angesehen.
Sein Bericht: »Nach dem 11. September ist al-Dschasira noch agitatorischer geworden. Die schäumenden Berichte von der ›Straße in Kabul‹ oder der ›Straße von Bagdad‹ transportieren anti-amerikanische Ressentiments. Die vielen Talkshows laden Zuschauer dazu ein, Meinungen auszudrücken, die in den USA als hate speech (etwa: strafwürdige Diffamierung) betrachtet würden. Tagein, tagaus bläst al-Dschasira in die Flammen arabischer Wut.« Ajamis Fazit: »AJ wird im Westen manchmal als autonome Nachrichtenquelle gelobt; es wäre allerdings falsch, den Sender fair oder verantwortungsbewusst zu nennen.« Die Neue Zürcher Zeitung geht in einer Analyse von Ende Januar einen Schritt weiter: »All zu weit ließ sich offenbar ein Dschasira-Korrespondent in Spanien mit Terroristen ein. Er wurde vor einem halben Jahr wegen Unterstützung von Qaida-Militanten zu sieben Jahren verurteilt.«
- Datum 16.02.2006 - 13:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT 16.02.2006 Nr.8
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Wird sicherlich hauptsaechlich von Muslimen angesehen werden da sie sich permament diskriminiert fuehlen.Dieser arabische Sender ist kaum als neutral zu bezeichnen und hat sicherlich wie andere Sender auch, eine Agenda und Botschaft die hauptsaechlich muslimisch sein wird.
Ich glaube kaum dass al-Dschasira nun auch noch den letzten deutschen Fernseh-Schauer erreichen will sondern seine Message ist unverkennbar islamisch.Dann koennen wir wahrscheinlich Enthauptungen irgendwelcher Geiseln live beobachten und die letzte Nachricht von Osama schneller erhalten als jetzt.
Wie wäre es wenn Josef Joffe an westliche Medien die gleichen Maßstäbe anlegen würde, mit denen er Al Jazeera mißt? Foxnews, überhaupt die ganze Murdoch-Presse, aber auch die meisten anderen US-Medien legen ein journalistisches Niveau an den Tag, das das von Al Jazeera weit unterschreitet. Nicht grundlos halten die meisten US-Amerikaner Saddam Hussein für den eigentlichen Drahtzieher des 11. September. Und was ist mit der Springer-Presse in Deutschland, die ihre Journalisten per Redaktionsstatut gängelt?
Gerade gegenüber Al Jazeera ist diese überhebliche Einstellung nicht angebracht. Die Büros des Senders in Afghanistan und im Irak wurden von den USA bombardiert. Und Bush plauderte mit Blair über einen Angriff auf den Hauptsitz des Senders in Katar. Meinungsfreiheit auf US-amerikanisch?
Wie war das eigentlich mit der "sorgfältig recherchierten ARD-Dokumentation", die zu dem Schluss kam, daß die Israelis den kleinen Mohammed Dura nicht umgebracht haben können?
Das einzige Beweismaterial der Dokumentation von Esther Schapira für eine Entlastung der israelischen Soldaten stammt von einer Untersuchung die von Generalmajor Yom Tov Samia (ein Hardliner wie auch Schapira eingestehen mußte) in Auftrag gegeben wurde.
Mit dieser ominösen Untersuchung hat es folgende Bewandtnis:
Nach einer Untersuchung unmittelbar nach dem Vorfall kam die israelische Armee zu der Schlußfolgerung daß al Dura mit "hoher Wahrscheinlichkeit" von israelischen Kugeln getroffen wurde.
Es gab jedoch hohe Offiziere im Südkommando, insbesondere der besagte Samia, die sich damit nicht abfinden wollten.
Dann betraten zwei illustre Gestalten die Bühne: der Physiker Nahum Shahaf und der Ingenieur Yosef Duriel. Sie kennen sich von einer früheren gemeinsamen Arbeit in der sie anhand von Fotos beweisen wollten daß Yitzhak Rabin nicht von Yigal Amir sondern vom Mossad ermordet wurde um dies den israelischen Rechtsparteien in die Schuhe schieben zu können. Duriel schreibt gleich nach dem Armeegeständnis wütende Zeitungsartikel in denen er das Geständnis der Armeeführung heftig kritisierte.
Als sie hören daß die Gebäude um die Netzarim-Kreuzung abgerissen werden sollen, begeben sie sich zu Samia mit der Bitte sie mit einer Untersuchung der Vorfälle zu beauftragen. Natürlich rennen sie damit bei Samia offene Türen ein, der eigenmächtig eine Kommission mit den beiden Freunden ernennt und Shahaf zum Vorsitzenden dieser Kommission macht.
Bereits fünf Tage später lud Shahaf ein amerikanisches Fernsehteam ein um großspurig seine sensationellen Ergebnisse herauszuposaunen. Das warf natürlich ein schlechtes Licht auf die Seriosität des Unternehmens. Die Sache kam am 7. November 2000 vor die Knesset wo sich der damalige Generalstabchef Mofaz von der Untersuchung distanzierte.
Seitdem ist es um diese Untersuchung still geworden. Angesichts der Umstände der Untersuchung und der daran Beteiligten sah sich die Armee genötigt die Sache klein zu halten.
Nachzulesen war das alles in der englischsprachigen Onlineausgabe der israelischen Zeitung Haaretz.
Insofern wirkt es befremdlich, wenn Josef Joffe Al Jazeera ausgerechnet eine derart schlecht recherchierte und tendenziöse ARD-Dokumentation, die auf dem Material von notorischen Verschwörungsfanatikern beruht, unter die Nase reibt.
Ist wirklich jemand so naiv zu glauben, dass al-Dschasira an aufgeklärtem westlichem Publikum interessiert ist? Al-Dschasira ist daran interessiert, alle Moslem in der westlichen Welt zu erreichen! Ebensowenig ist Erdogan daran interessiert, mit dem Eintritt der Türkei in die EU sich westlichen Standards anzupassen, sondern den Einfluss des Islam(-ismus) in den Westen zu transportieren und es darf sich doch niemand der Illusion hingeben, dass Millionen Moslem und die Meisten davon noch lange nicht in der Neuzeit angekommen Europa nicht grundlegend verändern wird. Das Wahlvolk macht die EU-Gesetze und in absehbarer Zeit wird ein Großteil davon muslimisch sein. Schon reist Solana in die arabischen Länder, um den Kotau vor mittelalterlichen Feudalherrschern zu machen, die sich eigentlich für die Gefährdung von Westeuropäern in ihren Ländern entschuldigen sollten! Würde man den Boykott umdrehen und der Westen nichts mehr in arabische Länder exportieren, müssten die Leute dort verhungern, weil sie nichts selbst produzieren, sondern ausschließlich vom Öl leben. - Noch votiert die EU für die Pressefreiheit! Noch!
Es ist immer schwierig für einen wie ich, der aus dem Morgenland kommt und in einem (un)demokratchen Land gelebt hat und die Sensucht nach einer politchen Freiemeinung gehabt hat und die Abendländler beneidet,weil sie ihre Meinung frei äusern können,zubegreifen, warum ein Jornalist ,wie Herr Joffe,der chefredaktur eine angesehne,unabhängige,anständige Zeitung ist, und nicht in irgend einer Banenrepablik lebt,die Tatsache so manupoliert, das sie überhaupt nicht die Wahrheit darstelt und nur bestemten Propaganda Zweke dient.
Das Aj Sie eigeladen hat, ist nicht ,weil Sie der Weise aus dem Abendland sind, sondern weil Sie,wie ich vorher erwent habe, Chefredakteur eine in der arabichen Welt als anständige librale Zeitung sind, und weil Aj seriose Sendung betreiben will, und die andere Meinung teilhaben möchte und das finde ich als große Gäste empfende, weil ich denke, das keine westliche Sender auf dieser Idee kommt, einen arabichen Jornalisten lädt, um seine Meinung über die Sende zu fragen.
In Ihrem Artikl haben Sie geschrieben, das Aj berichte aus Afganistan und aus dem Irak sind Anti-amerikanisch,aber Sie uns leider nicht gesagt, welche positiven sachen die die Amerekaner in der arabichen Welt getan haben, weil wir bis dato nichts finde konnen,was Aj positive über Amerika berichten könnte.
Mann kann nicht pro-amerkanich senden,wenn die amerkaner selber nur anti-amerkaniche Bilder produziern.
Was Mohammed dura und der sorgfältig recherchierte!!! Dokumintation der ARD habe ich selber gesehen und möchte ich Ihnen folgends sagen:
Wir wiesn,das die deutschen durch den Holokust Israel nicht krietisieren dürfen und wir wiesen,das die ARD dazu gehört, aber das bedeutet nicht, das die deutschen die selben Fehler mit den Palestinenser machen,weil sie denken,das das zu der Gutmachung für die Juden ist.
Das Sie den Bericht von Herrn Fouad Ajmi in Ihrem Artkil verwendet haben obwohl Sie wiesen(oder nicht) das er zu den Planeren von Irakkrieg ist und das er zu den Neozionisten gehört,wudert mich wacheinlich haben genausogut rechrchiet wie die ARD oder wollen Sie Anti-Aj Artkil schreiben?.
Und Sie habe noch den Fall,der in Spanien gefangen gehaltener Jornalist obwohl Sie wiese, das die Justitce in Spanien außer Indiezie gegen ihn gar keine Bewise hat.
Aber ich freue mich,das minestens die Mezze und Kebab und Orangensaft bei Aj Ihnen geschmekt haben.
K.Oklla
Das Herr Joffe die Propaganda der Neocons durch Interviews mit Fouad Ajami, einem Neocon, als seriösen Journalismus verkaufen möchte, ist nichts Neues. Er besitzt die Dreistigkeit, Ajami nach dem Interview in der Zeit immer noch als Fachmann verkaufen zu wollen, obwohl seine im Interview gezeigte Analyse des Zustands im Libanon gänzlich falsch war, und lediglich Wunschdenken der Neocons dargestellt hat. Die Fakten sprechen da für sich.
Ist das das Maß für seriösen Journalismus, mit dem er über AlJazeera urteilen möchte?
Ich war froh in der Türkei AlJazeera in Englisch schauen zu können, um über den Libanonkrieg informiert zu werden. Im Vergleich zur DIE ZEIT lässt sich nach dem Krieg inklusive der mittlerweile fortgeschrittenen Aufarbeitung in der israelischen Presse sagen, dass DIE ZEIT weit mehr Propagandaorgan der israelischen Regierung gewesen ist, als dass es AlJazeera an Seriosität gefehlt hat.
Kümmern Sie sich lieber um Ihre Glaubwürdigkeit Herr Joffe. Geschichten können Sie ja ganz gut erzählen, aber die Fakten sprechen eine andere Sprache. Abgesehen davon, dass die "sorgfältige" Dokumentation sehr zweifelhaft ist, gibt es noch sehr viele andere durch israelische Soldaten ermordete Kinder und Frauen. Selbst wenn AlJazeera vermeintlich falsch berichtet hat, wie Sie nahe legen Herr Joffe, wiegt das weit weniger schwer (weil es hunderte von gleichartigen Mordopfern durch Israel gibt), als der permanente Versuch hier Opfer auf palästinensischer Seite zu verleugnen, oder als notwendigen "Kollateralschaden" klein zu reden, und so einen gegebenen Zustand zu verleugnen.
Das nur zur Glaubwürdigkeit, als dessen Anwalt Sie sich hier gerieren wollen.
Der mündige Leser baut aus vielen Quellen seine Wahrheit. Wer seine Meinung zur Nahostproblematik auf Grundlage von ZEIT-Berichten aufbaut, der ist sicher nicht mündig.
Die Jounrnalisten von Al-Dschasira sind und werden weitaus unparteilicher und objektiver sein als Herr Joffe jemals war und sein wird.
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