Namenswitze gelten mit Recht als unfein. Aber es ist kein Witz, dass die kürzlich gewählte Miss Germany 2006 Isabelle Knispel heißt, die Miss World 2006 hingegen Unnur Birna Vilhjalmsdottir. Nun gut, wir können nicht alle Unnur Birna Vilhjalmsdottir heißen. Isabelle Knispel ist ein klangvoller Name, und man kann ihn sich gut merken. Wie Angela Merkel zum Beispiel. Auch Schröder konnte man sich gut merken oder Schmidt oder Brandt. Das sind einfach gute, klare, vertrauenerweckende Namen. Weit entfernt davon, mit unseren islamischen Freunden im Inland oder im Ausland unerlaubte Scherze zu machen, wird man doch sagen dürfen, dass es die Völkerverständigung voranbrächte, wenn man sich im arabischen oder persischen Raum auf einprägsamere Namen besänne. Nicht wenige westliche Zeitgenossen haben dem amtierenden Regierungschef in Teheran nur deshalb einen baldigen Abgang gewünscht, weil sein zungenbrecherischer Name unaussprechlich ist. Inzwischen sind leider andere Gründe hinzugekommen, aber der Name ist und bleibt ein Problem. In den alten Dostojewski-Übersetzungen übrigens gab es immer eingangs eine Liste der Personen, was äußerst hilfreich war, allerdings die onomatopoetische oder vielmehr nominalpoetische Opulenz der Figuren nicht minder lästig machte. "Alexéj Fjódorowitsch Karamásow war der dritte Sohn Fjódor Páwlowitsch Karamásows…", so beginnt Dostojewskis Roman, und das sind erst zwei aus einer unendlichen Galerie unendlich langer Namen. Das wäre nicht nötig gewesen, hätte sich Dostojewski dazu bequemt, deutsch zu schreiben.

Es ist leider wahr: Nicht alle Sprachen sind so knapp und präzise wie die deutsche. Kürzlich gab es in einer hessischen Kleinstadt Kriminalitätsprobleme, woraufhin die Polizei mitteilen ließ, sie werde das Wohnviertel "bestreifen und anlassbezogen einschreiten". Kann man es besser ausdrücken? Wäre eine andere Sprache dazu imstande? Einerseits die sinnfällige Unterscheidung zwischen einem bestreiften und einem unbestreiften Viertel; andererseits die begriffliche Trennung zwischen einem anlasslosen Einschreiten, welches gute alte Polizeitradition gerade auch in Deutschland ist, und einem anlassbezogenen Einschreiten, was sich übrigens im Falle Teherans durchaus anböte. Natürlich müsste das Land zuvor bestreift werden, um die Personalien festzustellen. Aber wer gäbe sich dazu her – bei diesen Namen?