DIE ZEIT: Herr Professor Liessmann, die Regierung möchte ihre Elite-Universität "Wittgenstein Institute of Technology" nennen. Glauben Sie, dass der Philosoph Wittgenstein der geeignete Pate für ein naturwissenschaftliches Exzellenzinstitut ist?

Konrad Paul Liessmann: Nur dann, wenn man dieser Namensgebung subtile Ironie unterstellen möchte, um auszudrücken, dass man an diesem Institut eigentlich Wissenschafts- und Technologiekritik betreiben will und eben nicht mit dem MIT oder der ETH Zürich auf Feldern wie Quantenphysik in Konkurrenz zu treten versucht. Wittgenstein war ein großer Skeptiker, was den wissenschaftlich-technischen Fortschritt betrifft. Von ihm stammt der wunderschöne Satz: Ein westlicher Wissenschaftler werde den Geist, in dem er schreibe, nie verstehen.

ZEIT: Also eine glatte Fehlleistung?

Liessmann: In der internationalen Wirkung geht das wahrscheinlich nach hinten los, weil vor allem im angelsächsischen Raum jedermann mit Wittgenstein den Sprachkritiker und Wissenschaftsskeptiker verbindet und sich mit Recht fragen wird, warum ausgerechnet ein avanciertes naturwissenschaftliches Forschungsinstitut den Namen eines technologiepessimistischen Philosophen trägt.

ZEIT: Wird das abschreckend wirken?

Liessmann: Wahrscheinlich, falls sich die Idee durchsetzen sollte. Es wird überall sofort die Absicht erkannt werden, dass man sich hier lediglich mit einem berühmten Namen schmücken will, ohne zu wissen, wofür dieser Name eigentlich steht. Offensichtlich scheint man auf Regierungsebene von Wittgensteins Philosophie relativ wenig Ahnung zu haben. Aber es sollte sich zumindest herumgesprochen haben, dass Wittgenstein kein Hardcore-Physiker war.