Wir müssen die Filme den Leute wieder geben, von denen sie handeln, sagt der heute leider in der Versenkung verschwundene Regisseur Roland Klick im Interview. Für ihn war die bundesdeutsche Wirklichkeit der sechziger und siebziger Jahre eben nicht Schauplatz abgehobener soziologischer Betrachtungen. Anders als die meisten seiner Kollegen des jungen deutschen Films machte er Kino, mit allem, was dazugehört. Er drehte deutsche Western und Genrefilme und blieb mit der Kamera dennoch immer auf Augenhöhe seiner Helden.

Nie hat Hamburg auf der Leinwand trostloser und grauer ausgesehen als in Klicks 1973 entstandenem Film Supermarkt. Schon nach wenigen Einstellungen ist klar, dass es hier um einen Typen geht, mit dem es das Leben nicht gerade gut meint. Einsam zieht der halbwüchsige Willi durch abgerissene Hinterhöfe, schäbige Gassen und ranzige Kneipen. Weil er selbst nichts hat, klaut er der armen Toilettenfrau die wenigen Groschen vom Teller. Wir befinden uns in einem trostlosen Deutschland der siebziger Jahre - und sind dennoch im Kino.

Im großen Kino. Denn bei Klick wird Willi nicht zum Sozialfall, sondern zum Helden. Den traurigen Kerl in abgerissener Lederjacke umgibt ein Rebellentum, wie wir es von James Dean und anderen Outlaws der Filmgeschichte kennen. Aus der Melancholie seines Straßenjungen extrahiert Klick das große, universelle Grundgefühl einer Jugend, die sich unverstanden und ungewollt fühlt.

Gerade ist Willi wieder einmal auf dem Polizeirevier gelandet. Statt sich von einem schrecklich wohlmeinenden Sozialarbeiter im üblichen Jargon vollquatschen zu lassen, haut er ab - und der Moment absoluter Einsamkeit wird zum romantischen Tableau: Willi hat uns den Rücken zugewandt, die Kamera heftet sich an seine Fersen, die Lichter der Reeperbahn funkeln, und Marius Müller-Westernhagens bitterschöner Song Celebration hebt an. Trotz solcher großen Momente lässt Klick keinen Zweifel daran, dass es nicht nur das Kino, sondern auch das Leben ist, das für diesen Helden nichts bereithält.

Supermarkt ist ein wunderbar dreckiges Stück Kino, gefunden auf der Straße, mit einem Helden, der erfahren muss, dass die Wirklichkeit kein Supermarkt ist, in dem sich die Willis dieser Welt bedienen können.

Roland Klick: Supermarkt

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