Der Kellner sagt: »Mister Frankfurt, mir hat Ihr Buch wirklich sehr gut gefallen.« Harry G. Frankfurt sitzt in einem Restaurant in Manhattan, und sein Lächeln verschwindet hinter seinem Bart, den er inzwischen trägt. 50 Jahre lang war er Philosoph, jetzt ist er bekannt. Er hat ein Buch geschrieben, das On Bullshit heißt, das sich in Amerika sensationell gut verkauft hat und jetzt auf Deutsch im Suhrkamp Verlag erscheint. Es ist dünn, es ist überraschend, es ist eine Art Gebrauchsanweisung für unsere geschwätzige Gegenwart. Harry G. Frankfurt BILD

DIE ZEIT: Herr Frankfurt, hat es heute schon jemand mit Bullshit versucht?

Harry G. Frankfurt: Höchstens der Typ, der mir vorhin unbedingt einen Sharp-Fernseher verkaufen wollte. Erst sagte er, der hier, der sei der beste. Dann redeten wir ein bisschen, und plötzlich meinte er, der dort sei noch besser. Weil er gemerkt hatte, dass ich mir auch einen teureren Fernseher leisten konnte.

ZEIT: Was war daran Bullshit?

Frankfurt: Er versuchte, mich zu manipulieren. Und dazu musste er erst wissen, wer ich bin und was ich will: um zu verstehen, welcher Bullshit bei mir wirken könnte.

ZEIT: Wie reagieren Sie auf Bullshit?

Frankfurt: Ich reagiere gar nicht mehr – Bullshit ist so normal geworden und so allgegenwärtig. Nur wenn es um etwas Wichtiges geht, um eine politische Frage etwa, bei der Bullshit gefährlich ist und schädlich, dann zucke ich zusammen. Aber was soll ich machen, ich bin hilflos.

ZEIT: Im Alltag nehmen Sie Bullshit hin?

Frankfurt: Die Leute, mit denen ich normalerweise den Tag über zu tun habe, produzieren zum Glück nicht besonders viel Bullshit.

ZEIT:Princeton ist ein Ort ohne Bullshit?

Frankfurt: Das würde ich nun nicht sagen. Im Ge-genteil, es wird dort von manchen Kollegen jede Menge Bullshit in die Welt getragen.