Tampa und Washington

Das Hauptquartier des Westens wirkt genauso unfertig wie seine Ideen im Kampf gegen den Extremismus. An den Stirnseiten der Bürocontainer surren klobige Klimaanlagen gegen die Sonnenglut Floridas an. Über jeder der Blechboxen weht eine Landesflagge, gut sechzig an der Zahl. Unter ihnen, auf der Asphaltfläche, sind noch die Markierungsstreifen für die amerikanischen Offizierskarossen zu sehen. »Das Dorf« nennen sie nebenan, im Bunker des US Central Command in Tampa, das Abgesandtenquartier. Vertreter all jener Staaten sitzen hier, die sich seit dem 11. September 2001 an der »Operation Enduring Freedom« beteiligen. In den Containern brüten Generäle, von Deutschland bis Singapur, gemeinsam mit den Amerikanern darüber, wie sie al-Qaida besiegen können. Der globale Krieg gegen den Terrorismus, er wird vorerst von einem Parkplatz aus geführt. Auf dem Parkplatz vor dem Centcom-Bunker in FloridaFoto: Jochen Bittner BILD

Mehrmals pro Woche kommen die Spitzenmilitärs in der größten Baracke zum »Koalitionstreffen« zusammen. Sie nehmen auf Klappstühlen Platz, und was folgt, macht ein wenig den Eindruck einer sicherheitspolitischen Selbsthilfegruppe. Der Feind ist ein bisschen zu neu und ein bisschen zu amorph für die bisherige Methode Krieg. Der Gegner verbreitet eben nicht nur Schrecken, sondern vor allem Ideen. Welche Bodentruppen soll man gegen die schicken? »Langfristig«, sagt ein dänischer General mit einer Mischung aus Selbstverständlichkeit und Kapitulation, »wird der militärische Anteil des Krieges gegen den Terrorismus ein geringer sein.«

Nach der Sitzung verrät draußen in der Mittagssonne ein Luftwaffenleutnant aus Qatar, was seiner Meinung nach die aussichtsreichste Strategie gegen den Dschihad-Extremismus wäre. »Letzten Endes lösen wir das nur mit Bildung, nicht mit Gewalt.« In seinem Rücken, hinter einem Maschendrahtzaun, pflügen Baumaschinen derweil den Grund für eine feste Unterkunft der internationalen Militärgesandten.

Amerika, und damit zwangsläufig auch seine Verbündeten, richtet sich auf einen »Langen Krieg« ein. So jedenfalls lautet der inoffizielle Titel des neuesten Strategiepapiers (offiziell: Quadrennial Defense Review), welches das Pentagon dieser Tage dem Kongress vorlegte. Viel ist darin die Rede von einer Umformung des Militärs, der Allianzen und bestimmter Weltregionen. Von einem Krieg der Waffen und der Ideen. Von der Notwendigkeit mithin, neue Sprachen zu lernen und sich in fremde Kulturen einzufühlen. Aber auch von der Gefahr radiologischer und biologischen Waffen, von Bevölkerungsschwund hier und wachsender Radikalisierung dort.

Viel spricht dafür, dass der »Lange Krieg« zu einer neuen Chiffre der Weltpolitik werden wird, zu einem Begriff, der die künftigen Jahrzehnte ähnlich prägen könnte, wie es der Kalte Krieg zwischen 1945 und 1990 getan hat. Die neue Doktrin jedenfalls scheut den Vergleich nicht. »Der Sieg«, heißt es im Pentagon-Papier, wird kommen, wenn die extremistischen Ideologien des Feindes diskreditiert sind (…) und anderen diskreditierten Weltanschauungen wie dem Kommunismus und dem Nazismus in die Vergessenheit folgen.«

»Wir kämpfen, solange ihr nicht aufhört, mein Volk zu bombardieren«