Dossier

Wir waren Helden

Lustreisen, Huren, Tarnfirmen bei VW – heute weiß man, wer die Fäden zog: Helmuth Schuster, der beste Mann von Peter Hartz.

Würde man mit einer Kamera die beiden Herren im Halbdunkel heranzoomen, wäre man sich sicher, Trauergäste vor einem offenen Grab zu sehen. Die versteinerten Gesichter, die kontrollierten Gefühle, die Blicke ins Leere. Ganz sicher, der Industrielle Ferdinand Piëch und der Gewerkschaftsboss Jürgen Peters – Seite an Seite auf einer Beerdigung.

Es ist der 11. November 2005, ein Freitag, in Wolfsburg hat der Aufsichtsrat von Volkswagen getagt. Wortlos sind die Männer in die anschließende Pressekonferenz geschlichen. Es ist so still, dass man das Räuspern von Jürgen Peters noch am anderen Ende des Raumes hört. Eine lästige Affäre soll beerdigt werden, so haben sich die Konzernlenker das gedacht. Schluss mit den widerwärtigen Geschichten, die schon so lange die Republik beschäftigen. Immer ist einer gekommen, hat diesen Geschichten ein neues, überraschendes Ende angehängt und alles neu aufgewirbelt. Die Menschen sollen wieder an deutsche Autos denken, wenn sie Volkswagen hören, nicht mehr an portugiesische Huren.

Den Journalisten in Wolfsburg wird aus einem Bericht vorgetragen, in dem externe Wirtschaftsprüfer im Auftrag von VW ihre Sicht der Affäre zusammenfassen. Die Journalisten dürfen vier Fragen stellen, danach verschwinden die Aufsichtsräte durch eine Hintertür. Wie haben sie das Ganze gerade genannt? »Die so genannte Volkswagen-Affäre.« Volkswagen ist ein Zeuge, Volkswagen ist auch ein Opfer. Nur davon haben die fahlen Gesichter erzählt. Von Schuster haben sie erzählt.

Ein weltweites Tarnnetz von Scheinfirmen

Kein Name taucht öfter in dem Bericht der Wirtschaftsprüfer auf. Kein Name beschäftigt die Staatsanwälte in Braunschweig mehr. Egal, welchen Bereich der Affäre man sich anschaut – die Lustreisen von Managern und Betriebsräten auf Firmenkosten, die ausländischen Tarnfirmen, die Verbindungen in die Konzernspitze: immer wieder Schuster. Dr. rer. pol. Helmuth Wolfgang Schuster, 51 Jahre alt, Sohn eines Hamburger Kaufmanns, bis zum vergangenen Sommer Personalvorstand der VW-Firma koda. Indien-Beauftragter des gesamten Konzerns war er, Chef des VW-Pensionsfonds. Die Schlüsselfigur der Affäre.

Helmuth Schuster hatte bei VW beste Aussichten, der Nachfolger von Peter Hartz zu werden. Schuster sollte das Erbe eines Mannes antreten, der wie kein anderer für den Umbau des deutschen Sozialstaates steht. Beide hat die Affäre ins Bodenlose stürzen lassen, gegen beide wird ermittelt, gegen zehn weitere Beschuldigte auch. Verdacht auf Untreue, darum geht es bei Hartz. Verdacht auf Untreue und Betrug, darum geht es bei Schuster. Den Verantwortlichen droht in diesem Jahr eine Anklage vor Gericht. Lehrreicher als andere große Schmierenstücke ist dieser Fall, weil er Verbindungen offen legt, die vorher unvorstellbar schienen. Von brasilianischen Separees führt ein Weg zum deutschen Tariffrieden und von Blondinen in Prager Edelklubs zu den Ghettos der Arbeitslosen in Deutschland. An diesem Wegenetz hat Schuster jahrelang gebaut.

Will man seine Geschäftsverbindungen auf eine Karte zeichnen, muss man eine Weltkarte heranziehen und wird nach wenigen Minuten irre vor lauter Linien. Indien, Angola, Tschechien, Deutschland, Luxemburg, USA, Dubai, die Schweiz. Treuhänder, Holdings, Finanzierungsgesellschaften, Teilhaber, Projektberater, Bauträger. Die Braunschweiger Staatsanwälte haben den Leuten vom Landeskriminalamt einen Buchhalter zur Seite stellen müssen.

Wenn Schusters Leben nur ein bisschen so ist wie das Geflecht dieser Firmen, dann gibt es sehr wenige Menschen, die noch durchblicken. Peter Hartz könnte es bestimmt, aber der spricht nicht mit Journalisten über die VW-Affäre. Mit Staatsanwälten sprach Hartz darüber, als er noch Zeuge war. Seit er Beschuldigter ist, redet er auch mit ihnen nicht mehr.

Rief Hartz seinen Vertrauten Helmuth Schuster an, dann erwischte er ihn manchmal in diesem gepflegten Einfamilienhaus in einem württembergischen Dorf. Ein Geländewagen steht in der Garageneinfahrt, ein blauer Touareg von VW mit tschechischem Kennzeichen. Das könnte Schusters Auto sein, zuletzt wohnte er in Prag. Aber er ist nicht da, seine Frau Ilona-Luise Reutter öffnet die Haustür. Sie trägt eine Perlenkette und eine weiße Bluse, ihre Fingernägel sind rot lackiert. Sie bittet hinauf ins Dachzimmer, in dem ein Kaminfeuer brennt. Sollte jemand unten im Haus ihre kleine Boutique betreten, kriege sie das sofort mit. Das Klingeln, sagt sie, würde sie hören.

Ihr Telefon läutet. Sie nimmt ab.
Sie lächelt. »Doktor Kimble?«

Ihr Handy brummt, eine SMS. »Das ist er«, sagt sie, liest die Nachricht lächelnd durch und erzählt mit großer Achtung von »Doktor Schuster«, wie sie ihn nennt. Vor einigen Jahren hat sie sich von ihm getrennt, die gemeinsamen Kinder leben bei ihr. Ilona Reutter will die Scheidung, aber plötzlich drängt er sich wieder in ihr Leben. Sogar spät in der Nacht rufe er sie an und gebe atemlose Berichte von sich selbst. Oft wolle er über früher reden. Auf der halben Welt suchen Ermittler inzwischen nach Belegen für Schusters dubiose Geschäfte, Indien beantragte sogar einen internationalen Haftbefehl. Ilona Reutter jedoch redet über ihn, wie eine Ärztin über ihren schwierigsten Patienten redet.

Das Handy auf dem Tisch spielt eine Melodie. Schuster. Er will wieder irgendwas. Seitdem sich VW von ihm im vergangenen Sommer trennte, wohnt er mal hier, mal da und bemüht sich, seine Spuren zu verwischen. Ilona Reutter beruhigt ihn und legt auf. Es geht um Anwälte, Ermittlungsakten und Strategien, immer wieder sucht Schuster bei ihr Rat. Die VW-Affäre hat in die zerrüttete Ehe endlich ein verbindendes Thema gebracht. Mit einem Mal ist Ilona Reutter in die stärkere Position geraten. Ihr Mann hat seine Macht verloren und irrt betäubt umher wie ein Kater kurz nach der Kastration.

Als die Fabrikantentochter ihn vor 13 Jahren kennen lernte, war er gerade Bereichsleiter Personal bei VW geworden und schwärmte Ilona Reutter etwas von »Frauenförderungsprogrammen« vor. Ilona Reutter arbeitete damals für eine Unternehmensberatung, die Führungsleute auf lange Aufenthalte im Ausland vorbereitete. »Interkulturelles Management.« Volkswagen schickte Angestellte zu seinem Werk im chinesischen Changchun, Ilona Reutter gab China-Seminare. Sie habe die Männer von VW »massiv gewarnt, mit Frauen in Kontakt zu kommen«.

Mit Helmuth Schuster, dem Chef der Männer in ihrem Kurs, saß sie abends an einer Hotelbar. Ilona Reutter kannte ihn bis dahin nur vom Hörensagen, sie wusste erst nicht, dass Schuster schon Kinder hatte. Die lebten bei Schusters erster Frau, von der er sich gerade getrennt hatte. Ilona Reutter hatte nur mitgekriegt, dass Schuster bei VW »einer von außen war«. Er hatte sich nicht, wie viele seiner Kollegen, bei Volkswagen beharrlich hochgedient, er war aus der Personalabteilung von Hoechst nach Wolfsburg gewechselt. Als sich Schuster öfter bei Ilona Reutter meldete, sich mit ihr zu einem Kaffee verabredete und noch einmal, dachte sie verzückt, ob sie »mit dem Herrn eine Liaison eingehen« wolle. So drückt sie das noch heute aus.

Das Handy spielt wieder seine Melodie. Ilona Reutter sieht die Nummer des Anrufers auf dem Display und flötet ins Telefon:

»Doktor Kimble?«
Sie lacht vergnügt.
»Bin im Gespräch …Jahaa, tschühüs!«
Dann legt sie auf und sagt: »Gebauer.«

Klaus-Joachim Gebauer war bei VW der Mann, der auf Dienstreisen die Huren besorgte. Wie Schuster ist auch Gebauer raus bei VW, auch gegen Gebauer ermitteln Staatsanwälte. Auch er sucht einen Job, und weil auch er keinen findet, sucht auch er bei Ilona Reutter Trost. In diesem Wirtschaftskrimi ist sie offenbar so etwas wie die Gesprächsleiterin einer irrlichternden Therapiegruppe geworden. Helmuth Schuster, sagt sie, sei eigentlich »ein sehr witziger Mensch«. Sogar ein Theaterstück habe er geschrieben. Eine Satire auf die Viertagewoche, nie wurde das Stück aufgeführt. »Man hat seinen Witz gar nicht verstanden.«

Die Viertagewoche, das war der Plan, mit weniger Arbeit und weniger Lohn die Krise zu meistern, ohne einen einzigen Arbeiter zu entlassen. Die Viertagewoche, das war der Beginn einer sanften Schlankheitskur, das war Peter Hartz. Als der neue Personalvorstand Hartz 1993 von einem Stahlwerk im Saarland zu VW wechselte, war Schuster schon seit ein paar Monaten da.

Peter Hartz und Helmuth Schuster – Szenen einer Symbiose

»Sie haben sich sehr gut verstanden«, sagt Ilona Reutter, ihr Mann sei »immer abrufbar« gewesen. Einmal, in den Ferien, ließ er sie mit dem drei Monate alten Baby auf Mallorca zurück, stieg in einen Werksjet und flog zurück nach Wolfsburg. Peter Hartz habe »sein Hirn« ständig in seiner Nähe haben wollen. »Sein Hirn«, sagt sie, war Helmuth Schuster. Sie spricht von einem »Abhängigkeitsverhältnis«. Mal habe Hartz ihn angehimmelt, mal sich nach einem Streit schmollend abgewandt, Schuster aber schon am nächsten Tag wieder umgarnt. Szenen einer aufgeladenen Beziehung erlebte sie.

Ilona Reutter öffnet einen Schrank, sie sucht ein bestimmtes Buch. Auf ihrer Couch liegt schon ein hoher Stapel Bücher, ganz oben Was Frauen verschweigen. Nein, sie finde im Moment keines der Bücher, die »er geschrieben hat«. Sie meint Schusters Texte, aus denen Bücher wurden, die als Verfasser Peter Hartz nennen. Drei Bücher hat Hartz veröffentlicht, in allen findet man vorn, ziemlich versteckt, die Zeile: »Redaktion: Dr. Helmuth Schuster«. Schon zu Beginn der Ehe habe Schuster oft zu ihr gesagt: »Du, ich muss mich jetzt mal zurückziehen, ich muss da Ghostwriter spielen. Hartz braucht innerhalb von kürzester Zeit ein Buch.«

Hartz I, Hartz II, III und IV – von der großen Arbeitsmarktreform, sagt Ilona Reutter, habe sie »vieles hier im Haus mitbekommen«. Nachts noch saß Schuster in Ilona Reutters Arbeitszimmer, tippte Texte in den Computer und schickte sie dem Chef nach Wolfsburg. Hartz rief seinen Denkarbeiter meist auf dem Handy an, und nur wenn es ausgeschaltet war, konnte es passieren, dass Ilona Reutter den prominenten Namensgeber der Reform persönlich am Apparat hatte. »Die Telefone liefen hier zeitweise heiß.«

Der Draht zu Hartz sei immer kürzer geworden, beklemmend kurz. »Er wollte weg aus diesem Dunstkreis«, sagt Ilona Reutter, sie selbst wollte nie wirklich hinein. In einem Streit endete es, als sie sich weigerte, ihren Mann zu der großen Feier zu begleiten, die Peter Hartz an seinem 60. Geburtstag gab. Sogar der Bundeskanzler war da. »Ich bin nicht die Staffage«, sagte sie.

Schuster zog allein in die schöne Penthouse-Wohnung über der Moldau. Im Konzern hatte man ihn wissen lassen, dass er nun im Ausland sein Talent beweisen müsse, um weiter aufzusteigen – mit etwas Glück dereinst auf den Posten seines Gönners Hartz. Oder zum Vorstandschef von Ŝkoda. Hin und wieder flog Schuster in die Vereinigten Staaten und unterrichtete als Gastprofessor an der Pfeiffer’s International Academy of Business in der Stadt Charlotte, North Carolina. Nach zwei Jahren wurde ihm dort die Ehrendoktorwürde verliehen.

Anfangs kam Schuster noch oft bei seiner Frau und den Kindern im bürgerlichen Idyll vorbei, meist mit dem Dienstwagen, manchmal landete er mit einem Werksflugzeug in Schwäbisch Hall. Aber schon bald war die Ehe kaputt. Für Hartz tat er auch von Tschechien aus noch viel, aber mit jedem Monat entfernte sich sein Leben von Ilona Reutter. Er richtete sich ein in einer ihr unzugänglichen Sphäre, überladen mit grellen Symbolen männlicher Macht, Angeberautos und jungen Frauen zum Vorzeigen. Ilona Reutter hätte nicht gedacht, dass ihr kluger, beflissener Helmuth den Ehrgeiz entwickeln könnte, sich in dieser Welt zu beweisen.

»Aber das kann er Ihnen bestimmt besser erzählen als ich«, sagt sie. Draußen ist es dunkel geworden, gleich muss sie die Kinder zu Bett bringen, die Boutique abschließen. Niemand hat den Laden betreten. Zum Schluss sagt sie: »Ich denke, er wird Sie anrufen.«

Als Helmuth Schuster tatsächlich anruft, ist er nicht sehr gesprächig, zuerst sagt er nur: »Meine Frau hat gesagt, ich soll Sie anrufen.« Dann mischt er zehn verschiedene Gedanken wild durcheinander, in jedem steckt ein Vorwurf gegen irgendjemanden auf dieser ungerechten Welt. Am Ende schlägt er vor, sich schon bald in Hamburg zu treffen. Ein paar Tage später sagt er den vereinbarten Termin ab. Er könne nicht reden, nicht jetzt, später, vielleicht.

So ist nicht nur er – so ist es auch um ihn herum. Nennt man in Prag und Umgebung den Namen Helmuth Schuster, verstummen die meisten Leute plötzlich oder werden auf der Stelle krank. Der Präsident des Fußballclubs der Stadt Mladá Boleslav zum Beispiel hat einem Gespräch über den großzügigen Sponsor Schuster spontan zugestimmt, dann aber erwischt ihn mit atemberaubendem Tempo ein Grippevirus. Der spendable Deutsche sollte sogar Ehrenbürger werden

Es ist Samstagnachmittag in Mladá Boleslav, der Stadt der Ŝkoda-Werke, des größten Arbeitgebers im Land. Fabrikhallen, eine breite Durchgangsstraße, Wohnhausquader – ein Wolfsburg in Tschechisch-Grau. Hier also hat Schuster gearbeitet, in diesem trostlosen Hochhaus, das sie ehrfürchtig »Pentagon« nennen, weil es das Hauptquartier der tschechischen Volkswirtschaft ist. Der Pförtner öffnet die Eingangstür und zeigt stolz auf ein Jubiläumsauto: 100 Jahre Ŝkoda. Die Namen aller Arbeiter und Angestellten sind auf den Lack geklebt, den Namen Helmuth Schuster sucht man vergeblich.

Svatopluk Kvaizar, der Bürgermeister von Mladá Boleslav, schließt sein Zimmer im Rathaus auf, setzt sich auf einen Stuhl und sagt: »Ich spürte, dass Schuster große Unterstützung aus Wolfsburg hatte. Sonst hätte er nicht so schnell und großzügig entscheiden können.«

Eine Ŝkoda-Hochschule wollte Schuster in der Altstadt gründen, einige historische Gebäude werden gerade restauriert. Der örtliche Fußballverein, sagt der Bürgermeister, verdanke Schusters Förderung den Aufstieg in die erste Liga. Der Verein holte Schuster in den Aufsichtsrat. Sogar das Stadion ist jetzt renoviert. Als sich herausstellte, dass auch bei der tschechischen Metallgewerkschaft 100000 Euro angekommen waren, rollte die VW-Affäre gerade über Schuster hinweg. »Es tut mir leid, dass er nicht mehr hier ist«, sagt der Bürgermeister. Im Stadtparlament schlug die sozialdemokratische Partei sogar vor, den Deutschen wegen seiner Verdienste zum Ehrenbürger zu ernennen.

Im Prager Nachtleben hieß er »Lambo-Schuster«

Helmuth Schuster war erstaunlich gut imstande, sich seiner Umgebung anzupassen – und er tat erstaunlich viel dafür. Bei einem Privatlehrer lernte er Tschechisch, schließlich beherrschte er diese schwierige Sprache so gut wie kein anderer deutscher Ŝkoda-Vorstand vor ihm. Seine Frau blieb mit den Kindern im Schwäbischen, als er 2001 nach Tschechien zog und dort Personalvorstand von Ŝkoda wurde. »Da gehöre ich nicht hin, da geh ich auch nicht hin«, sagte Ilona Reutter nach einem so genannten Look-and-see-Trip, den Volkswagen in Prag für die Ehefrauen ausländischer Manager veranstaltet hatte.

Eine Frau von VW hatte ihr empfohlen, sie solle »den Mann unterstützen« und sich beispielsweise für Sozialprojekte in Tschechien einsetzen. Es widerstrebte ihr aber, sich ganz und gar abhängig zu machen von ihrem Mann.

Der gab sich bescheiden in der Tristesse von Mladá Boleslav und spielte sich auf Empfängen nicht in den Vordergrund. Eine Limousine vom Typ Superb, das Spitzenmodell von Ŝkoda, genügte dem Vorstand Schuster als Dienstwagen. Nur einmal sah ihn der Bürgermeister mit einer jungen Blondine am Rande des Fußballplatzes stehen, aber er gab darauf nichts. Auch der Stellvertreter des Bürgermeisters ist voll des Lobes: »Das Soziale lag Schuster am Herzen. Er war dabei, aus einer Arbeiterstadt eine Bildungsstadt zu machen, in der sich auch Intellektuelle wohlfühlen können.« Was Peter Hartz mit Wolfsburg vorhatte, das versuchte Helmuth Schuster in Mladá Boleslav. Die beiden verstanden sich blind.

Helmuth Schusters Geheimnis war aber: Es gab nicht nur den guten Menschen von Mladá Boleslav, den Schuster bei Tage – es gab auch den Schuster bei Nacht. Niemand in der aschgrauen Stadt sah Helmuth Schuster je in einem Lamborghini durch die Straßen fahren. Der Lamborghini war Schusters Auto für sein anderes Leben, er war das Auto für die Prager Nächte. Dort nannten sie ihn »Lambo-Schuster«. Prag ist ein idealer Ort für einen wohlhabenden Ausländer, der für ein paar Stunden verloren gehen will. Dämmert das übrige Land langsam weg, schaltet Prag die Leuchtreklamen ein. Wegen der Nacht geht einer wie Schuster nach Prag, Mladá Boleslav hält er wegen der Prager Nächte aus. Wieder und wieder führten die Ausflüge, die Schusters Kollege Gebauer organisierte, in Prager Bars. In einem kubanischen Club nicht weit vom Luxushotel Four Seasons ging Schuster ein und aus. Sein Heimweg allerdings endete in einem Vorort von Prag, in seinem unscheinbaren Haus in der Nähe des Flughafens. Auf halber Strecke zwischen Tag und Nacht. Auf der Weltkarte von Schusters Geschäftsverbindungen liegt der auffälligste Knotenpunkt im teuren Einkaufszentrum Schwarze Rose in der Prager Innenstadt. F-Bel stand auf einem Klingelschild am Bürotrakt. »Sie haben alles weggeräumt«, sagt ein Wachmann, die Firma ist verschwunden. F-Bel hatte ein paar Räume, Angestellte und Dienstwagen, aber das war nur die Fassade. Dahinter lag ein Dschungel aus Tochter- und Beteiligungsfirmen, nach Ansicht von Ermittlern zog Schuster die Fäden. Angeblich wollte er auch Geld aus dem VW-Pensionsfonds, den er unter sich hatte, in dubiose Anlagefirmen leiten.

Wenn das stimmt, dann hatte Schuster vor, das Vermögen anzutasten, das die Leute bei VW für ihre Absicherung im Alter zurücklegen. Es war Schuster, der den Pensionsfonds mitgegründet hatte. Massiv soll er versucht haben, sich auf Kosten von VW und anderer Geldgeber zu bereichern. Schusters ehemaliger Kollege Gebauer war an einer Firma im F-Bel-Dschungel beteiligt, außerdem Klaus Volkert, der frühere Chef des Gesamtbetriebsrates von Volkswagen. Die drei waren aus vielen gemeinsamen Prager Nächten vertraut. Zu Peter Hartz dagegen führt von der Firma F-Bel keine Spur. In Prag wollte F-Bel eine moderne Autostadt mit Ausstellungsräumen und Erlebniswelten bauen, Schusters Idee, ganz nach dem Vorbild der Autostadt in Wolfsburg. Um einen 60-Millionen-Euro-Auftrag von Ŝkoda ging es. Aber zur Auszahlung kam es nicht, das Projekt wurde vorher gestoppt, wie die meisten der angebahnten Geschäfte, die jetzt Staatsanwälte beschäftigen. Nur aus Indien floss tatsächlich Geld – zwei Millionen Euro an die Firma eines Beraters, mit dem Schuster gemeinsame Sache gemacht haben soll. Die Regierung des indischen Bundesstaates Andra Pradesh glaubte, sich mit dem Geld den Zuschlag für ein neues VW-Werk geholt zu haben. Der Berater ist verschwunden, das Geld auch.

Wo heute »die Dagmar« stecken könnte, weiß auch Schusters früherer Partner Gebauer nicht. Dagmar Kalá∆ková, 28 Jahre alt, bis in die Endauswahl zur Miss Economia an der Wirtschaftsuniversität in Prag brachte sie es mal. In der »Bikini-Promenade« vor geladenen Managern setzte sie sich noch durch, danach schied sie aus. »Mädels, und jetzt nach oben zu den Direktoren«, rief damals eine der Veranstalterinnen. Einen Ŝkoda gab es zu gewinnen.

Dagmar Kalá∆ková, die inzwischen geheiratet hat und anders heißt, führte offiziell die Geschäfte in der Tarnfirma F-Bel. »Er war ihr hörig«, sagt Gebauer über Schuster. Mit Beziehungen zwischen Mann und Frau kennt Gebauer sich aus, das war ja sein Beruf. Personalprojekte? Was genau auf seiner Visitenkarte stand, hat er vergessen. Er habe für die Manager »die Menüs zusammengestellt«. Alles konnte das bedeuten.

Gebauer hat am Telefon gesagt, er wolle sich im Ritz Carlton in Wolfsburg treffen, mitten im Revier von VW. In der Lobby des Hotels lässt er sich in einen Sessel sinken und schaut durch die Glasfront auf das Volkswagen-Werk. Er sieht sehr traurig aus, seine Stimme klingt jämmerlich. Er habe wieder angefangen zu rauchen, sagt er, Zigarillos.

Gebauer, zuständig für die »Mädchen«, sitzt im Ritz Carlton

Da drüben, in dem verwitterten Backsteingebäude, habe er früher Tür an Tür mit Helmuth Schuster gesessen, nur durch ein Vorzimmer getrennt. Die Viertagewoche des Peter Hartz war ihr erstes großes Projekt. Schuster machte Karriere, wurde Bereichsleiter im Personalwesen. Gebauer hatte nur eine kleine Unterabteilung, die zu einer richtigen Abteilung aufgewertet wurde, als Schuster Personalpolitik machte. Schuster zog Gebauer immer mit. Er zog ihn durch die elend langen Flure der Hierarchien. Sektoren nennt man einzelne Abschnitte in diesen Gebäuden, der Geist der alten Patriarchen hat darin überlebt.

Fachwissen hatte der tatenhungrige Helmuth Schuster reichlich gesammelt, aber ein paar Dinge konnte Gebauer immer besser als der einflussreiche Freund. Vertrauen schaffen. Vertrauen war wichtig für die Verbindung zu den mächtigen VW-Betriebsräten. Gerade fünf Minuten lief Gebauer zum Büro des Arbeiterführers Volkert. Und wo Gebauer auftauchte, hellte sich die Stimmung auf. »Ich habe die Neigung, schnell jemanden zu duzen«, sagt er. Ganz anders Schuster, ein ernster, durch und durch ehrgeiziger Mann. »Geht nicht, das gab es für ihn nicht.« Zu dem arbeitswütigen Schuster hätten seine Sekretärinnen niemals wechseln mögen, sagt Gebauer. Drei Sekretärinnen hatte Gebauer, eine mehr als der Manager Schuster. Reisen, Hotels, Pläne für den Tag, Pläne für die Nacht – bei Gebauer, dem Logistiker der guten Laune, gab es immer jede Menge zu organisieren. »Wir hatten ein sehr offenes Verhältnis«, sagt er über sich und seine Sekretärinnen, »das Verhältnis war: Ich duze sie, und die siezen mich.«

Über die Rolle von Frauen bei VW spricht Gebauer pausenlos, ohne dass er davon etwas merkt. Er denkt, er redet die ganze Zeit nur über seine Arbeit. »Mädchen«, das können für ihn Sekretärinnen sein oder Huren. Die halbe Welt besteht für Gebauer aus Mädchen. »Ihm zugeführt«, sagt er einmal, als er eine Frau meint, die Schuster vorgestellt wurde. Das Wort »Ware« rutscht ihm leicht heraus, sobald er über Frauen in Südamerika spricht.

Man spürt nichts von Peter Hartz, dem politischen Denker, wenn Gebauer redet. Die beiden sind sich in Wolfsburg nur selten begegnet. Auf Reisen sahen sie sich öfter. In Wolfsburg waren sie getrennt durch dreizehn Etagen Machtgefälle. Hartz saß oben im VW-Hochhaus, Gebauer unten in einem Nebentrakt. Vor manchen Sitzungen stellte Gebauer Namensschilder auf Tische. Vor manchen Sitzungen gruppierte Hartz die Schilder neu. So sah ihre Beziehung die meiste Zeit über aus. Nur als Gebauer von seinen Sekretärinnen erzählt, schimmert etwas Vertrautes von Hartz durch. Im Umgang mit den Mädchen, sagt Gebauer, sei sein persönliches Motto immer gewesen: »Fördern und fordern.«

Kann es sein, dass die Bücher des Peter Hartz aus Schusters Feder stammen? Für Gebauer ist das so, »die Bücher sind von ihm geschrieben worden«. Alle? »Alle drei.« »In Teamarbeit« seien die Bücher »vorbereitet« worden, lässt Hartz der ZEIT mitteilen, in Schusters Händen lag »die redaktionelle Tätigkeit und die Textgestaltung. Er hat die in zahlreichen Arbeitsgesprächen entstandenen Aufzeichnungen ausformuliert bzw. überarbeitet.« Hartz jedoch habe »die wesentlichen Ideen« für die Bücher »geboren«.

Peter Hartz, sagt Gebauer, habe Schuster »regelrecht ausgenutzt«. Doch viel zu eitel sei Hartz, um überhaupt zu realisieren, was er Schuster verdanke – zugeben würde er das nie. Auf einer Reise in Indien sei Hartz begeistert gewesen von einem Philosophen, der das Verhältnis der Inder zur Lüge erklärt habe.

»Da konnte er sich gar nicht beruhigen.«
Welches Verhältnis haben die Inder zur Lüge?
»Sie haben keines.«

In der Lobby des Ritz Carlton laufen ständig Männer in seidig schimmernden Anzügen an Gebauer vorbei und starren aus Augenwinkeln hart an ihm vorbei. Gebauer, der schamlose Nestbeschmutzer, wagt es, an diesen vornehmen Ort zurückzukehren. »Ich bin lange Zeit nicht hier gewesen«, sagt er, »ich habe schon einige Leute gesehen, die mich gesehen haben.« Er will hier sitzen, genau hier. Er will den früheren Kollegen zeigen, dass er dazugehört, dass er »Teil des Systems« war, kein durchgeknallter Sonderling.

Anfangs glaubten die Staatsanwälte, Gebauer übertreibe maßlos, aber als sich seine Aussagen mit den Aussagen von Zeugen deckten, gewann er an Glaubwürdigkeit, von Monat zu Monat mehr. Dass Polizisten Hartz’ früheres Arbeitszimmer bei VW durchsuchten und Papiere beschlagnahmten, geht nicht allein auf Gebauers Anschuldigungen zurück. Auch andere Befragte belasten Hartz. Er soll gewusst haben, dass Lustreisen systematisch abgerechnet wurden.

Klaus-Joachim Gebauer hat schon lange sein Kännchen Kaffee ausgetrunken, aber keiner der sonst so aufmerksamen Kellner räumt das Geschirr ab. Kein Kellner erkundigt sich, ob noch ein Getränk gewünscht sei. Gebauer soll endlich verschwinden. Mit Helmuth Schuster, erzählt er, habe er in der Prager Altstadt den großen Tag gefeiert, als die Tschechen in die Europäische Union aufgenommen wurden, den 1. Mai 2004. Ein paar Monate vorher musste Gebauer in eine Klinik, eine längere Kur, der Freund habe ihn dort besucht. Über seine junge Geliebte in Tschechien habe Schuster reden wollen. »Ich war der Psychiater für ihn«, sagt Gebauer, »weil sie Schluss gemacht hat und er es nicht verkraftet hat.«

Den Lamborghini habe Schuster ihr ab und zu gegeben, damit sie bei ihm blieb. »Sein Lebensstandard war einfach nicht mehr zu bezahlen von seinem Gehalt. Es ging nicht, es war zu wenig.« Sogar eine Villa habe Schuster kaufen wollen. Wie muss man sich dieses Leben vorstellen? Grübelnd über Hartz-Reformen, Auswege suchend für Sozialhilfefamilien in Deutschland und am Ende des Tages mit einem nachtschwarzen Lamborghini zu den Klubs mit den teuren Frauen?

»Genau so«, antwortet Gebauer. »Durch diesen Umgang mit den Girls verlieren wir unwahrscheinlich viel an Persönlichkeit«, habe er den Freund einmal gewarnt, »wir werden letzten Endes genauso wie die.«

Als in Deutschland die Hartz-Gesetze für Arbeitslose in Kraft traten, bemühte sich Schuster um eine Blondine, die mal im Playboy auf sich aufmerksam gemacht hatte und in der schillernden Welt der Prager Halbprominenz zu Hause ist – die Schauspielerin Kate≤ina Bro≈ová. Mit ihr brachte Schuster es auf die Titelseite eines Klatschmagazins in Prag. Von ihr zeigte er Gebauer ein Foto und sagte: »Die schönste Frau Tschechiens.« Das Leben wurde nur noch vorgelassen, wenn es Superlative bot. Da hatte sich schon alles in ihm verknotet, die gekaufte Schönheit aus Tschechien, die geliehene Macht aus Deutschland, Hartz IV.

»Die Welt, in der wir lebten«, sagt Gebauer, hält inne und sucht nach einem Wort – »Scheinwelt will ich gar nicht mal sagen. Es war eine Welt, die mit dem normalen Bürgertum nichts mehr zu tun hatte. Sie war abgehoben. Geld spielte keine Rolle.« Auch Frauen waren immer da, »meistens 20, 30 Jahre jünger«. Auf einer Flugreise nach China wurden an die Männer von VW kleine Tablettendosen verteilt, drei Pillen lagen darin. Für den Morgen Aspirin, für den Mittag ein Schlafmittel, für den Abend Viagra. »Da haben alle drüber gelacht«, sagt einer, der dabei war. Nach Brasilien fuhr die VW-Clique oft. Lauter junge Frauen, die einen deutschen Gast anhimmeln. »Im Normalfall würden solche Mädchen einen ja gar nicht angucken«, sagt Gebauer. Seine Aufgabe war, Geld in die Hand zu nehmen und den Normalfall außer Kraft zu setzen. Schon möglich, dass Schuster versucht habe, sich in Tschechien ein kleines Brasilien nachzubauen.

Anruf bei Helmuth Schuster. Ob er inzwischen bereit sei, sich zu äußern? Er sei, antwortet er, mit seinem Auto unterwegs, Tempo 180, irgendwo auf einer Autobahn. Nein, kein Gespräch. Er redet wirr und ungehalten, nennt die Namen von VW-Leuten: »Die haben alles gewusst.« Nach ein paar Minuten bricht er das Telefonat ab. Nicht zur Flucht dienen Autos in den Büchern des Peter Hartz, Autos bringen ein ganzes Land voran. Revolutionen brechen aus, aber sie laufen friedlich in Fabrikhallen ab. Betriebsräte werden zu Comanagern, Unternehmen lernen zu atmen. Es sind Szenen einer zuversichtlichen Gesellschaft, die sich retten kann vor dem Absturz, weil sie zum Wandel bereit ist, auch zum Verzicht. Bei VW hatten sie nach dem Krieg das Modell vom harmonischen Miteinander stark gemacht, das am Ende in eine Sackgasse führte. Vorstände und Betriebsräte leiteten einvernehmlich das Werk. Gewinne wurden großzügig an die Arbeiter verteilt, Löhne stiegen und stiegen. So lief in Wolfsburg auch ein Prototyp der westdeutschen Gesellschaft vom Band, der Sozialismus für Besserverdienende. In dessen größter Krise tauchte Peter Hartz auf und versuchte sich an einer behutsamen Reparatur. Erneut sollte VW Modell für Deutschland stehen, diesmal mit Hilfe von tausend kleinen Stellschrauben, die sehr abgedrehte Namen haben mussten – Bridge System, Workholder Value, lauter verhartzte Begriffe. Aber das war nur ein persönlicher Tick.

Unter der Worthülle steckte ein hoch anständiges Motiv, das sich durch all diese Überlegungen zieht, der Lebensfaden des Peter Hartz. Eine tiefe Sorge um deutsche Arbeitsplätze, ein unablässiges Bohren nach Lösungen. Ist das alles verraten worden? War es vielleicht nie da, wurde es nur verblüffend glaubhaft gespielt? Entlarvt Helmuth Schuster unabsichtlich auch seinen Mentor?

In der Doktorarbeit, die Schuster Anfang der achtziger Jahre schrieb, zeichnet er nach, wie der soziale Gedanke in die private Wirtschaft fand. Es ging um die Zeit zwischen den Weltkriegen. Arbeitsschutz, Sozialpolitik, Max Weber. Damals dachten Industriesoziologen darüber nach, wie der Kapitalismus zu bändigen sei. Es gab Leute, die sich »Sozialingenieure« nannten und die Auswüchse der Rationalisierung bekämpften. Schusters Doktorarbeit ist eine Hommage an die gestalterische Kraft von Sozialpolitik. 410 Seiten Analyse, 230 Seiten Anmerkungen und Literaturhinweise, Schusters Doktorvater Karl-Heinz Hörning war tief beeindruckt. Nur zweimal in seiner langen Zeit als Soziologieprofessor in Aachen war Hörning bereit, einem Doktoranden die Auszeichnung »Summa cum laude« zu verleihen. Einer der beiden ist Helmuth Schuster.

»Schuster war mein bester Student«, sagt sein früherer Professor

»Mein bester Student«, so nennt ihn der emeritierte Professor noch heute. Schon lange hat Hörning ihn nicht mehr gesprochen, aber ein Foto von Schuster hat er in einer Zeitschrift gesehen. »Ich habe ihn sofort erkannt«, sagt Hörning. »Dieser Bursche«, habe er gedacht, »dieses Lachen. Er hatte immer etwas leicht Ironisches.« Schuster wollte im Beruf weit hinauf, deswegen blieb er nicht an der Uni. Fragten Studienanfänger Hörning später, was man als Soziologe denn mal werden könne, antwortete der Professor: »Man kann in die Personalabteilung kommen.« Er dachte an Schuster.

Schuster beeindruckte den Professor schon dadurch, dass er seine Diplomarbeit in Hamburg gleich in zwei Fächern angemeldet hatte – in beiden mit Erfolg. Hörning sah in ihm einen »typischen Hamburger Sozialdemokraten«. Zielstrebig, ökonomisch gebildet, politisch unauffällig, ziemlich spröde. Der wissenschaftliche Mitarbeiter war dem Professor sympathisch, weil sich der Volkswirt Schuster für die Soziologie interessierte. Und weil er nicht aufgab. Obwohl es ihm Behörden der DDR zunächst verwehrt hatten, gelang es Schuster schließlich doch, in die Max-Weber-Archive in Merseburg zu kommen. Von dort brachte er die überraschende Nachricht mit, dass prominente Max-Weber-Forscher nie in diesen Archiven gewesen seien. Schuster war offenbar die Kartei mit den Benutzernamen durchgegangen.

Hörning sagt: »Er hat bei mir alles Mögliche gemacht. Aber er war nicht mein Schüler.« Nie habe sich Schuster wie ein Schüler verhalten.

»Wollen wir doch mal sehen«, sagt der Professor, nimmt Schusters Doktorarbeit in die Hand und blättert im Literaturverzeichnis. »Sehen Sie, er zitiert mich nicht einmal. Er war immer ganz selbstständig.«

Hin und wieder meldete sich Schuster noch bei seinem Doktorvater. Weihnachtsgrüße, dann eine Hochzeitskarte. Hörning stutzte. Die Anzeige sollte ihm sagen, »dass Schuster nach oben geheiratet hatte«. Es sei diese Art von Karte gewesen, die man gar nicht anders habe lesen können.

Als Schuster vor zwei Jahren plötzlich bei Hörning anrief, entschuldigte er sich, leider könne er nicht dabei sein, wenn der Professor bald feierlich verabschiedet werde. Er habe in Tschechien zu tun. Über Hartz plauderten die beiden noch eine Weile, über Reisen nach Südafrika, Verhandlungen in Indien, Schusters neue Welt. »Sie sind ja wirklich erfolgreich«, sagte Hörning.

Mit einem Mal trumpfte Schuster auf und erzählte, dass er mit einer Schönheitskönigin zusammen sei. »Das war sehr merkwürdig«, sagt Hörning. Da habe plötzlich ein fremder Mann gesprochen, diesen anderen Schuster hatte er nie kennen gelernt.

Zwei Monate lang hat ein Manager von Volkswagen überlegt, ob er über Schuster und Hartz etwas sagen soll. Als er schließlich redet, ist er dazu nur bereit, wenn er in der Zeitung einen anderen Namen hat. Er soll hier einfach Herr Kruse heißen. Sein halbes Leben hat er bei VW verbracht, und wenn er mit Hartz oder Schuster sprach, dann war das wie ein Gespräch unter guten Bekannten. Kein dünkelhaftes Gehabe, man verstand sich.

Auf einer Couch in einem Hotel in Hannover sitzt Herr Kruse und drückt sich selbst dann noch gewählt aus, als er schließlich bei den Huren angekommen ist. Man kann lauter Leute mit guten Manieren treffen, wenn man in die VW-Affäre eintaucht. Männer mit Denkergesichtern. Männer mit doppelten und dreifachen Gesichtern. Multiple Gestalten.

Über Helmuth Schuster sagt Herr Kruse: »Das typische Beispiel für den Übergang vom Genie zum Wahnsinn.« Kritik sei an ihm abgeprallt, »der entzog sich dem einfach. Der war nicht zu greifen. Er war sehr stark in seiner eigenen Welt.« Mit unpassender Krawatte und einem lässigen Anzug sei Schuster bei Sitzungen erschienen, verspätet, manchmal gar nicht. Wie ein akademischer Oberrat sei er aufgetreten, unbeeindruckt von den Konventionen der Industrie. Hartz war die Einhaltung der Form sehr wichtig. Auf Pünktlichkeit legte er großen Wert. Eigentlich hätte er einen wie Schuster rundweg ablehnen müssen. Aber Hartz habe dessen »ungeheure Kreativität« benötigt, sagt Herr Kruse, die Cleverness. »Schuster hat uns alle in die Tasche gesteckt. Er war der Beste.«

Kam im Unternehmen Widerstand gegen Veränderungen auf, habe Schuster »alle Bedenkenträger ausgeschaltet oder umgangen«. Ein neues Modell für einen weichen Übergang in den Vorruhestand habe er durchgesetzt. Das Thema war »so politisch, dass viele andere daran gescheitert wären«. Von der geplanten Autostadt in Prag habe Schuster vor europäischen Betriebsräten und Bereichsleitern so begeistert berichtet, als sei schon morgen Baubeginn. »Schuster ist VW-Beauftragter für Indien geworden, weil er sich de facto selbst dazu gemacht hat. Und der Vorstand hat das dann abgenickt, im Nachhinein. Dazu gehört was.«

Am stärksten seien Schuster und Hartz miteinander verbunden gewesen, als sie anfingen, in Gedanken ihre perfekte Welt zusammenzusetzen. Ich-AGs, Job Floaters. »Sie waren auf diesem Trip, in die Zukunft zu gucken«, sagt Herr Kruse. »Ein Tagträumer« sei Schuster, und Hartz sei »nicht zu bremsen« gewesen, »wenn er diese Visionen hatte«. Er spricht von den beiden wie von den Anführern einer esoterischen Sekte.

Eine Oligarchie der Vertrauten sei unter Hartz im Unternehmen entstanden. Hartz-Menschen, die über das große Ganze sannen oder aus sehr praktischen Gründen dazugehören durften. Wie Klaus Volkert, der frühere Chef des mächtigen Gesamtbetriebsrates. Im »Vertrauenszentrum« des Peter Hartz habe er einen Stammplatz gehabt. Vorstände, Personalmanager, Betriebsräte – alle hätten doch gesehen, dass Volkert mit seiner brasilianischen Freundin ständig über das Werksgelände in Wolfsburg gelaufen sei. Niemand habe sich beschwert. »Es geht auch um unsere Feigheit«, sagt der Manager Kruse.

»Wie Unberührbare« hätten sich Volkert, Schuster und Hartz benommen. Männer, die sich auf dem Gipfel ihrer Macht wähnten und selbstverliebt auf ihr Imperium herabblickten, von keinem Horizont mehr begrenzt. Arbeitslose, Arbeiter, Mädchen – ihr Reich war voller Untertanen, die hoffen durften auf die Ankunft der Visionäre. »Wir hielten sie tatsächlich für Unberührbare.«

Hartz’ Mann für gute Stimmung droht nun Hartz IV

Vorbei. Es ist Mitte Februar, die Staatsanwälte ermitteln gegen zwei neue Verdächtige. Die Spur der Tarnfirmen führt zu Kontaktleuten in Dubai. Jetzt sind es insgesamt zwölf Männer. Volkswagen redet nur noch über Autos und Personalabbau. Peter Hartz schweigt, Helmuth Schuster fährt irgendwo 180 Sachen und schweigt. Ilona Reutter wird im März ihre Boutique auflösen, keine Kundschaft mehr. Vor wenigen Tagen hat sie sich von Schuster scheiden lassen. Da musste er mit einem Anwalt vor einem Gericht erscheinen. Diese Szene könnte sich bald wiederholen.

Und Klaus-Joachim Gebauer? Nein, er ist nicht mehr der Mann für die gute Laune. Mürrisch streift er durch den Berliner Grunewald und überlegt, was alles schief gelaufen ist. Und Hartz? Ein wohlhabender Pensionär im Saarland.

Und Volkert? Ein wohlhabender Pensionär in Niedersachsen. Und VW-Patriarch Piëch? Der steht. Er hat die Macht als oberster Aufseher verteidigt. Und VW-Vorstandschef Pischetsrieder? Gute Aussichten auf eine Verlängerung seines Vertrags. Schuster: arbeitslos. Gebauer: arbeitslos.

Der Sachbearbeiterin im Arbeitsamt, sagt Gebauer, habe er erst einmal erklären müssen, wer da vor ihr stehe. Neulich habe er noch dem Wall Street Journal ein Interview gegeben. Er ist jetzt 61, für Leute in seinem Alter haben sie im Amt nichts mehr. Seit den Sozialreformen ist das so.

»Es muss was passieren«, sagt Gebauer.

Wenn nichts passiert, dann ist er bald ein Fall für Hartz IV.

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Leser-Kommentare

    • 26.02.2006 um 22:39 Uhr
    • iceman

    Vielen Dank an die ZEIT und Stefan Willeke für den besten Artikel, den ich seit vielen Jahren gelesen habe.
    Das war der tiefe Blick in das Innere eines Systems und eines Menschen, und voller Wahrhaftigkeit.

    Workaholics wie Schuster bewegen sich auf einem schmalen Grad, befinden sich praktisch in einem permanenten Fronteinsatz. Um nicht abzustürzen brauchen sie ein ausreichendes Mass an Aussenkontrolle sowie an Entspannung.
    Die beste Aussenkontrolle ist ein guter Ehepartner, der mitzieht und präsent ist (gerade bei einem Auslandseinsatz). Unzählige Ehen sind schon in die Brüche gegangen, weil die Ehefrauen sich an dieser Stelle verweigerten.

    Workaholics verlieren schnell ihre innere Mitte.
    Sie arbeiten manchmal 40 Stunden am Stück, pennen erschöpft und traumlos einen ganzen Nachmittag durch, und wachen im Dämmerlicht auf, ohne zu wissen, wie spät es ist oder wo sie gerade sind.
    Das menschliche Bedürfnis nach Harmonie, nach einem geregelten Tagesablauf und einem stabilen sozialen Umfeld kommt immer zu kurz.
    Das gleiche gilt auch für Menschen, die Schichtarbeit in der Produktion leisten. Zwar sind da die Arbeitszeiten geringer, aber ebenso die Energierückflüsse, und die Belastungen sind höher. Bei VW sind nach der Einführung der Vier-Tage-Woche die Scheidungszahlen bei den Beschäftigten gestiegen, weil viele Arbeiter psychisch degeneriert und haltlos geworden sind.

    Der Manager als Workaholic entwickelt sich im schlimmsten Fall zu einem sich selbst entfremdetem Wesen, zu einer menschlichen Maschine.
    Duch Dauerstress und ständige Selbstdisziplinierung besteht die grosse Gefahr des Libido-Verlustes.
    Es gibt Manager, die nur noch die Hälfte eines normalen männlichen Hormonspiegels besitzen, die also sexuell und damit seelisch verkümmert sind.
    Verhindern kann man das nur durch die Kultivierung der körperlichen Antriebskräfte.
    Viele tun das nicht, sondern suchen den Ausgleich auf einer anderen geistigen Ebene, halten Vorträge, sammeln Ikonen oder Antiquariate.

    Schuster hat das nicht getan, sondern versucht, sich seine männlichen Instinkte zu bewahren.
    Das macht ihn sympathisch.
    Leider hat er die falschen Mittel benutzt.
    Käufliche Frauen oder Alkoholfluchten schädigen den Ruf, machen erpressbar, führen zu einem Doppelleben, und sprengen oft den Finanzrahmen.
    Letzteres führt dann zu einer "Optimierung der Einkünfte". Ein tödlicher Kreislauf.

    Wäre Schuster in seiner Freizeit ein Langstreckenläufer gewesen, dann wäre das alles nicht passiert.

    Und Peter Hartz?
    Der hat versagt, weil er seine Fürsorgepflicht vernachlässigt hat.
    Unter ihm wurde ein System gepflegt, das die Führungskräfte mit der Finanzierung unpassender Freizeitaktivitäten korrumpiert hat.
    Peter Hartz trägt die Hauptverantwortung in diesem Fall, aufgrund seines Übermasses an persönlicher Eitelkeit und Ausbeutung fremden geistigen Eigentums, ohne sich gleichzeitig stärker um die persönlichen Belange seiner Mitarbeiter zu kümmern.
    Wie schade, dass man ihn dafür nicht haftbar machen kann.

    Justitia ist nicht blind - hat aber leider auch keine Augen im Hinterkopf.

  1. Der Autor bietet schon Information. Eine Fleißarbeit. Interessant, aber auch zuviel Klatsch - wie in der Bunten. Nur, wer will auf einer Geschäfts- oder Kongressreise keinen Spaß haben. Interessant ist aber auch, daß der Autor Stefan Willeke VW wohl für einen Einzelfall hält. Lebensfremd. In der Top-Liga gelten andere Regeln - bundesweit, auch in Pressekonzernen. Geld spielt keine Rolle. Sex für Professional und von Professionals ist zeitsparendes Verhalten. Für das Drumherum hat doch ein Top-Manager keine Zeit. Wovon existieren denn die Edelpuffs in Deutschland. Kenner der Szene schätzen, daß für jedes Kernkraftwerk in Deutschland u.a. zwischen 1.000 und 1.500 erstklassige Bordellnächte vom 'Lieferanten' bezahlt wurden. Das waren noch Zeiten! Wie für Roberto Blanco gilt: 'Spaß muß sein'! Dieser Skandal bei VW hat sicher einen hohen Unterhaltungswert. Aber VW ist doch eher ein kleiner Fisch. Auf die politische Dimmension ist er Autor garnicht eingegangen. Hier liegt wohl die Motivation dafür, daß diese nicht zu akzeptierende 'Geschichte' hochgespielt wurde. Christian Wulff, Deutschland bravster Schwiegersohn, läßt grüßen.

  2. Wenn Willeke Hartz und Schuster in die Nähe der Arbeit von Industriesoziologen rückt, ist das völlig unsinnig. In Job-Revolution von Hartz steht: „Erfolg haben wird nur noch derjenige, der in die differentielle Wahrnehmung des einzelnen Kunden gelangt und ihn für sich einnimmt.“ Hartz und Schuster ging es demnach um den Zugriff auf und die Steuerung von Arbeitsvermögen. Was aber nicht nur nicht möglich ist, auch das wissenschaftliche Erkenntnisinteresse ist auf ganz andere Fragen gerichtet. Das Zitat aus Job-Revolution ist letztlich nichts anderes, nur anders formuliert, als das, was F. W. Taylor vor über achtzig Jahren in seiner Wissenschaftlichen Betriebsführung schrieb, die zwar so hieß, aber eben nicht wissenschaftlich war. Hartz/Schusters Job-Revolution füllt also lediglich alten Wein in neue Schläuche. Willeke behauptet deshalb indirekt, Industriesoziologen seien keine Kritiker, sondern in Wirklichkeit nichtwissenschaftliche Apologeten Taylors. Es sei die Frage erlaubt: Was ist der Sinn dieser Verdrehungen Willekes?

  3. Mit viel Fleiß bemüht sich der Autor ein Beziehungsgeflecht aufzuzeichnen, das Hedwig Courts-Mahler zu Tränen rühren würde. Doch so einfach ist das nicht. Oder ist das Leben doch so einfach gestrickt?

    Ist Gerhard Schröders Mutter aller Reformen wirklich in einsamer Schreibarbeit eines übernächtigten Managers im schummrigen Dachzimmerlicht eines württembergischen Einfamilienhauses entstanden? Auf dem Fußboden lag womöglich eine vergilbte Kopie des anbezahlten Bausparvertrages.

    Nein, das Bild Schusters und die Bedeutung von Peter Hartz ist so widersprüchlich wie der VW-Konzern selbst. Hier hochtechnologische Anlagen und Sparprogramm, die aus den Zulieferern das Letzte herauspressen. Dort unpraktische Autos zu einem überhöhtem Preis.

    Die Führungsetage des Konzerns muß schon eine illustre Truppe sein. Jeder Lehrling und Praktikant wird mit modernsten Einstellungstests auf seine persönliche Eignung untersucht. Assessment Center, gestufte Interviews, Bewertungsgespräche etc. versuchen die Besten der Besten aus der Vielzahl der Bewerber herauszufinden. Und was kommt heraus? Die Spitzenkräfte des Konzerns - ausgerechnet angeführt vom Personalbereich - kennen nicht die einfachsten biologischen Grundlagen menschlichen Zusammenlebens und verstoßen im Kollektiv gegen alle Sicherheitbestimmungen, die bereits dem gesunden Menschenverstand zugänglich sind. Das Wort "vertraulich" muß aus dem Munde eines Peter Hartz oder des Spitzenmanagers Schuster einen komischen Beigeschmack haben. Der VW-Konzern muß sich eingestehen, daß sein Personalbereich lange Zeit von Führungskräften geführt wurde, die bei einer normalen Bewerbung noch nicht einmal für eine Sachbearbeiterstelle in Frage kämen.

    Insofern hält sich auch das bemühte Mitleid mit dem gequälten Herrn Gebauer in Grenzen. Der Herr dürfte in den vergangenen Jahren nicht so schlecht verdient haben, daß er allzu schnell mit Hartz IV in Verbindung zu bringen ist. überdies offenbart der Autor ungewollt eine manifeste Unkenntnis der derzeit praktierten Arbeitslosenverwaltung. Mit 61 wird Herr Gebauer schon von Amtswegen in den Vorruhestand übergeleitet. Also, keine Sorge Gebauer!!!

    Eine Frage hat der Autor in seiner einfühlsamen Lovestory allerdings ausgelassen. Wo war in all den Jahren das vielgerühmte Controlling von VW? Wo war das Berichtswesen? Hat VW eine Konzernrevision? Wen oder was hat der hochdotierte Aufsichtsrat kontrolliert? War der Vorstand nur eine spätpubertierende Rauf- und Saufgruppe aus dem Wohlstandsmilieu der Republik? Wieviele Stunden Nachtleben war eine Preiserhöhung bei z.B. Materialpreisen wert? In welches Schummerlichtlokal mußte der gewiefte Zulieferer einladen, um die geforderte Kostensenkung zu umgehen? Sind die Hartz-Gesetze im Freudenhaus entstanden?

    Fragen über Fragen. Die Arbeitnehmer, Zeitarbeiter und Arbeitnehmer der Zulieferer werden die Antwort bezahlen müssen.

    Korfstroem

  4. Die persönlichen Eigenschaften von Schuster und Hartz zu beschreiben, fällt zurück in Diskurse des 19. Jahrhunderts zur Deutschen Ideologie und reproduziert lediglich dieselbe. Etliche müssen sich schon die Frage gefallen lassen, was dieser Rückgriff austragen soll? Schuster und Hartz genauso ideologisch verfangen zu behandeln wie die individuellen Eigenschaften von Beziehern von Arbeitslosengeld II gegenwärtig diskutiert werden, kann man, wenn überhaupt, vielleicht noch mit einem Psychiater besprechen, aber man kann es keineswegs als einen Beitrag zu einer politischen Debatte verstehen. Wenn schon an dieser Stelle angesetzt wird, dann soll endlich auch eine wissenschaftliche Falsifikation der Generalthese von der Existenz des alter ego auf den Tisch gelegt und nicht weiter irgendwie vom menschlichen Wesen als einem dem Einzelnen innewohnenden Abstraktum fabuliert werden. Wer A sagt, muss auch B sagen, d.h. wenn der Mensch angeblich kein soziales Wesen ist, ist die Begründung offen zu legen. Nebenbei gesagt: Der Papst hat mit der jüngst veröffentlichten Enzyklika ein ganz anderes Erkenntnisinteresse. Diejenigen, die sich heute zu Repräsentanten der Deutschen Ideologie faktisch aufschwingen, bekämen vermutlich keinen sinnvollen Satz über die Lippen, falls sie je zu einer Audienz bei Benedikt XVI. eingeladen würden.

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  • Von Stefan Willeke
  • Datum
  • Quelle ZEIT 23.02.2006, Nr. 9
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