Arbeitsmarkt Kollegen zweiter Klasse

Immer weniger Vollzeitjobs, immer mehr Leiharbeiter und Kleinselbstständige: Der Arbeitsmarkt zerfällt in zwei Klassen - und der Sozialstaat unterstützt nur die Privilegierten

Früher, als das Wort Proletarier noch nicht nach Geschichtsbuch klang, waren Beschäftigte zweiter Klasse leicht zu erkennen. Sie trugen Blaumänner. Sie bekamen ihr Geld in der Lohntüte. Sie wollten gleiche Rechte wie die Angestellten und zogen auf die Straße mit Forderungen wie »Samstags gehört Vati mir!«.

Inzwischen haben Wissenschaftler ein neues Wort erfunden: Nach dem Proletariat gibt es neuerdings das »Prekariat«. Gemeint ist die steigende Zahl der Arbeitenden, die ihr Geld nicht in festen Jobs verdienen: Leiharbeiter, Beschäftigte mit befristeten Stellen, Minijobber, Ich-AGs, Ein-Euro-Jobber sowie alle, die unfreiwillig Teilzeit arbeiten.

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Das Besondere an den neuen Verlierern ist ihre Unauffälligkeit. In den Werkhallen der Firma Schmitz Cargobull im westfälischen Altenberge etwa sind sie auf den ersten Blick von den Gewinnern nicht zu unterscheiden. Hier arbeiten 500 Festangestellte in der Produktion, hinzu kommen bis zu 220 Leiharbeiter. Alle tragen die gleichen Blaumänner mit kleinen Elefanten, dem Firmenlogo. Alle tragen Sicherheitsschuhe, und wer im Transport arbeitet, trägt einen Helm. Die Arbeiter zweiter Klasse reden nicht anders, sie laufen nicht anders, sie sind nicht einmal Neulinge im Betrieb. 27 von ihnen waren schon zuvor bei Schmitz Cargobull beschäftigt. Nach der Kündigung kehrten sie als Zeitarbeiter zurück.

Wenn Franz-Josef Franke, 53, morgens um kurz vor fünf zur Frühschicht kommt, ist beinahe alles wie früher: Er stempelt die Zeit, trifft altbekannte Kollegen und steht am gleichen Band wie sie, wo er im 13-Minuten-Takt Fahrgestelle verschraubt. Seit Anfang des Jahres ist er Leiharbeiter, zuvor war er zweieinhalb Jahre angestellt, allerdings nur mit befristetem Vertrag. Die Arbeit ist geblieben, nur bekommt er, aufs Jahr gerechnet, »etwa sechstausend Euro weniger« dafür. »Was soll ich machen, immer noch besser als Hartz IV«, sagt Franke tapfer.

Bei Schmitz Cargobull erkennt man die Unterschiede zwischen Festangestellten und Zeitarbeitern auf den Gehaltszetteln und an den Urlaubsplänen. Die Stundenlöhne unterscheiden sich, bei guten Betriebsergebnissen wird an Festangestellte ein Bonus gezahlt, der meist zwischen 1000 und 2500 Euro lag. Der Kollege Leiharbeiter bekommt solche Extras nicht.

Am deutlichsten sind die Unterschiede bei der Urlaubsplanung: Anfang des Jahres verteilt die Personalabteilung Zettel, auf denen die Mitarbeiter ihre Terminwünsche eintragen. In der ersten Runde werden nur Festangestellte befragt. Erst in der zweiten Runde gehen die Zettel an die Leiharbeiter. Dann sind die schulfreien Tage schon reserviert.

In den Ferien gehört Vati der Firma.

»Das ist hier eine richtige Zweiklassengesellschaft«, sagt Rolf Tschorn, Chef der IG Metall in Rheine und Aufsichtsrat bei Schmitz Cargobull.

Die neuen Verlierer fallen nicht auf – auch den Politikern nicht

Klassengesellschaft? Es ist viel Zeit vergangen, seit Gewerkschafter die Arbeitswelt so beschrieben. Die Forderung »Gleicher Lohn für gleiche Arbeit« übernahm irgendwann die Frauenbewegung, und auch das ist lange her. Als Verlierer der Arbeitswelt galten seit den achtziger Jahren weniger die Arbeiter als die Arbeitslosen. Den Gewerkschaften hielt man vor, dass sie bei den Verteilungskämpfen zwischen Arbeitsplatzbesitzern und Arbeitslosen zu oft auf der Seite der Starken statt auf der Seite der Schwachen standen. Inzwischen ist eine neue soziale Frage hinzugekommen, die in anderen Industrieländern viel intensiver diskutiert wird: die Spaltung des Arbeitsmarktes in Arbeitnehmer erster und zweiter Klasse. Nur einige Soziologen schreiben seit längerem über die »Brasilianisierung« der Arbeitswelt (Ulrich Beck) oder die »neue Dienstbotenklasse« (André Gorz). Die meisten Ökonomen jedoch halten die neuen flexiblen Jobs für den besten Weg, um Arbeitslose überhaupt wieder in Beschäftigung zu bringen.

Die neuen Verlierer fallen nicht auf. Auch daran liegt es, dass so selten über sie gesprochen wird. Doch die Statistiken zeigen, dass prekäre Jobs für viele Beschäftigte keine Übergangslösung sind – und überdies ein Massenphänomen. »In der Bauwirtschaft oder dem Einzelhandel sind Normalarbeitsverhältnisse für Mehrheiten nicht (mehr) erreichbar«, schreibt die Friedrich-Ebert-Stiftung in einer gerade erschienenen Untersuchung.

Obwohl die Zahl der Erwerbstätigen von 38,6 Millionen im Jahr 1991 auf 38,8 Millionen im Jahr 2005 leicht stieg, gab es in dieser Zeit immer weniger reguläre Jobs. Nach Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung ging die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung um 13 Prozent zurück, von 30 auf gut 26 Millionen Menschen. Kürzlich warnten die fünf Wirtschaftsweisen und der Deutsche Gewerkschaftsbund fast zeitgleich, dass zunehmend reguläre Stellen durch Minijobs ersetzt würden. »Der Staat sollte diese Arbeitsplätze nicht auch noch durch verringerte Sozialabgaben subventionieren«, sagt Bert Rürup, der nicht eben linke Chef der Wirtschaftsweisen.

Zu wenig Wirtschaftswachstum, zu viel Kündigungsschutz, der steigende Wettbewerbsdruck global agierender Unternehmen – so lauten die Erklärungen der Experten für die Zweiteilung des Arbeitsmarktes. Skandinavische Forscher nennen auch die steigende Erwerbstätigkeit der Frauen: Sie machen mehr Kompromisse, um überhaupt zu arbeiten, und sie fragen als berufstätige Mütter ihrerseits einfache Dienstleistungen nach. »Wir brauchen mehr Jobs am unteren Ende der Lohnskala, wenn es weniger Hausfrauen und mehr Mütter gibt«, sagt der dänische Soziologe Gösta Esping-Andersen. Der Wandel der Arbeitswelt wäre demnach eine Art Kollateralschaden der Frauenbewegung. Tatsächlich haben so unterschiedliche Länder wie Großbritannien, Dänemark und Schweden hohe Frauenerwerbsquoten, flexible Arbeitsmärkte und vergleichsweise wenig Arbeitslose.

Riester-Rente? Ja, aber nicht für die Bedürftigen

Der entscheidende Grund für den Wandel ist jedoch ein politischer Großversuch, dessen Ausgang bisher ungewiss ist. Als Anfang der neunziger Jahre die Arbeitslosenzahlen in die Höhe schnellten, kamen Arbeitsmarktexperten und Gewerkschaften unter Druck, ihre Politik grundlegend zu verändern.

Das neue Zauberwort hieß damals »Brückenfunktion«; im Bericht der Hartz-Kommission war Jahre später vom so genannten Klebeeffekt die Rede. Arbeitslose sollten mit verschiedenen staatlichen Hilfen nicht länger in einem künstlichen zweiten Arbeitsmarkt, sondern auf regulären Stellen arbeiten – in der Hoffnung, dass mancher Arbeitgeber einige der Vermittelten später auch ohne Subventionen im Betrieb behalten würde.

Die Regierung Kohl experimentierte in ihrer Spätphase mit vielerlei Lohnsubventionen. Später wurde von den rot-grünen Nachfolgern mit den Hartz-Reformen ein ähnlicher Ansatz im großen Stil verfolgt, bisher fast ohne Erfolg. Für den Versuch sprechen im Nachhinein immerhin noch drei Argumente: Erstens ist es möglich, dass die Arbeitsverwaltung den Umgang mit einigen neuen Instrumenten erst noch lernen und trainieren muss. Zweitens könnten sich bei anziehender Konjunktur mehr prekäre Jobs als bisher tatsächlich als Brücken zu festen Stellen erweisen. Drittens zeigen die ersten Hartz-Evaluationen, dass zumindest in Teilbereichen auch neue Jobs entstehen. Sollte die Politik die Flexibilisierung der Arbeitswelt deshalb weiter vorantreiben, oder sollte sie sie verlangsamen? Die rot-grüne Regierung hat sich gleichzeitig als Bremser und Beschleuniger versucht. Erst kam mit den Gesetzen zur Scheinselbstständigkeit und zu den 630-Mark-Jobs, den Minijob-Vorläufern, die Bremse, dann folgte mit Hartz die Beschleunigung. Joschka Fischer warf dem damaligen Gewerkschaftschef Dieter Schulte vor: »Eure Konzepte für die Rente sind doch für Leute mit Chaotenbiografien wie meiner überhaupt nicht gemacht.« Auch der Ex-Taxifahrer, Ex-Buchhändler, Ex-Opel-Facharbeiter und Ex-Minister gehörte einmal zum Prekariat.

Gleichwohl hat die alte Regierung Menschen mit solchen Lebensläufen in ihrer Sozialpolitik nicht berücksichtigt – einer ihrer schwersten Fehler. Nachdem Schröder und Fischer die Ausweitung prekärer Jobs nicht stoppen konnten oder wollten, hätten sie den neuen Verlierern immerhin helfen können. Wer den Arbeitsmarkt stark flexibilisiert, muss sein soziales Netz so stricken, dass es die Verlierer des Prozesses stützt. Doch bisher hat die Politik die Anforderungen von Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik selten zusammengebracht.

Rot-Grün tat meist das Gegenteil, etwa bei der Riester-Rente. Der Staat, so die Grundidee, sollte seinen Bürgern helfen, zusätzlich zur gesetzlichen Rente eine private Altersversorgung aufzubauen. Dafür gibt es Zuschüsse. Dabei gehen allerdings ausgerechnet diejenigen leer aus, die darauf besonders angewiesen sind: schlecht verdienende Selbstständige – die Kunsthandwerkerin, der freiberuflich arbeitende Werbetexter oder der junge, unter Auftragsmangel leidende Architekt. Absurderweise erhalten nur diejenigen Riester-Förderung, die bereits Mitglied der gesetzlichen Rentenversicherung sind. Für Freiberufler gibt es die so genannte Rürup-Rente. Damit lassen sich aber vor allem Steuern sparen, was wiederum eher den Gutverdienenden nützt.

»Für Leute wie mich gibt es keine Angebote«, sagt Angela Grotjahn, 47, die als selbstständige Fußmasseurin in Preetz in Schleswig-Holstein arbeitet. Sie war Altenpflegerin, Kunsthandwerkerin und Schneiderin. Sie hat immer gearbeitet, dabei selten viel verdient und kommt mit rund 800 Euro Nettoverdienst pro Monat nur über die Runden, wenn keine Anschaffung oder Autoreparatur ihr die Rechnung verdirbt. Urlaub ist seit Jahren nicht drin. Grotjahn hat keinen Anspruch auf Riester-Förderung, Rürup-Rente lohnt sich nicht, die strengen Kriterien der Künstlersozialkasse, die für viele Kreative gute Angebote hat, erfüllte sie auch in ihren Kunsthandwerker-Jahren nicht. »Ich jammere ja nicht und komme auch mit wenig Geld klar«, sagt sie. »Aber wenn ich mit staatlicher Hilfe mehr fürs Alter sparen könnte, wäre ich eine große Sorge los.« Besonders absurd: Über ihre Steuern finanzieren klamme Selbstständige wie Grotjahn auch die Riester-Förderung mit. Genutzt werden die Hilfen aber vor allem von Besserverdienern: In der Einkommensgruppe über 4000 Euro Monatseinkommen nutzen zehn Prozent die Angebote, bei Beschäftigten mit Einkommen unter 1250 Euro vier Prozent.

Berlin gilt als Hauptstadt unsicherer Beschäftigungsverhältnisse

Solche Fehler sind keine rot-grüne Spezialität. Der Rentenbonus für Eltern, den die Union im Wahlkampf forderte, war nach der gleichen Logik konstruiert: Um 50 Euro pro Kind sollte der Rentenbeitrag sinken. Auch das hätte nur Arbeitnehmern erster Klasse genützt, der jungen selbstständigen Schneiderin nicht. Ähnlich verhält es sich mit einer Idee, für die der Bundespräsident unlängst viel Beifall erhielt: die Beteiligung der Arbeitnehmer an den Kapitalerträgen ihrer Unternehmen, eine alte Forderung der CDU-Sozialausschüsse. Auch sie hilft nur in der traditionellen Arbeitswelt. Ob rot, grün oder schwarz: Die Politiker reden vom Ende der Normalbiografie – und machen dennoch Gesetze für diese schrumpfende Klasse. Nur gut 26 Millionen Sozialversicherte gibt es – nicht einmal ein Drittel aller Deutschen. Und auf jeden voll Erwerbstätigen – Beamte und Selbstständige mitgerechnet – kommt mittlerweile ein Rentner oder Arbeitsloser.

Die meisten Politiker brauchten nicht weit zu fahren, um die veränderte Arbeitswelt zu erleben. Der Berliner DGB-Vorsitzende Dieter Scholz kürte Berlin gerade zur »Hauptstadt unsicherer Beschäftigungsverhältnisse«, weil dort nur noch 40 Prozent der Berufstätigen unbefristete Vollzeitstellen hätten. Die Sozialsysteme geraten von zwei Seiten unter Druck. Auf der einen Seite stehen die Gewinner des Strukturwandels, die sich bewusst entziehen. Menschen wie Christian Scholz, Anwalt und Vater, Wohnsitz Berlin, Prenzlauer Berg. Er verließ eine große Anwaltskanzlei auch deswegen, weil die Abzüge für die Sozialsysteme ihm ein Dorn im Auge waren. Inzwischen ist er selbstständig, zahlt nichts mehr in die staatlichen Solidarsysteme ein und sorgt mit Immobilien für das Alter vor. Das läuft gut. Gerade in seinem Wohnviertel leben viele gut ausgebildete Selbstständige, die dank flexibler Arbeitszeiten tagsüber die Cafés bevölkern. Einige verdienen mehr, einige weniger, aber die meisten geben davon an den Sozialstaat wenig ab.

Auf der anderen Seite stehen die Verlierer des Wandels, die unfreiwillig nichts mehr in die Sozialkassen einzahlen. In Berlin trifft man sie etwa, wenn in Pankow das Arztmobil der Caritas hält. Die Krankenschwester Jeanette Leberecht und der Sozialarbeiter Rainer Macht behandeln ausschließlich Menschen, die nicht krankenversichert sind. »Wer hier arbeitet, begegnet Menschen aus der halben Welt«, sagt Macht. Polen, Afrikaner, Araber. Aber immer öfter kämen Deutsche »mit solider Kleidung«, die nicht mehr Mitglied bei AOK oder Barmer sind.

Menschen wie Sieglinde Schelling, Inhaberin der Kornblume, eines Blumenladens in Berlin-Mitte. Gut ausgebildete, eloquente Mittelständler, die in schwierigen Zeiten aus ihrer Versicherung rutschten – aus Nachlässigkeit, wegen Rechtsstreitereien oder weil zeitweise das Geld fehlte. Die Rückkehr ist, etwa bei schweren Krankheiten, manchmal unmöglich und fast immer teuer. »Ich weiß, dass ich viel riskiere«, sagt Sieglinde Schelling, die nach langem Streit mit ihrer Kasse ohne Versicherungsschutz lebt. Ein Unfall könnte sie ruinieren. Geht nicht anders.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung stellte Anfang der Woche Zahlen vor, wonach allein seit Ende 2004 bundesweit eine halbe Million Menschen ihren Versicherungsschutz verloren – vor allem eine Folge der Hartz-Gesetze, denn wer aus der alten Arbeitslosenhilfe fiel, war unversichert. Nur ein Teil wurde durch Ehepartner weiter mitversichert.

Mehr Krankenversicherungsschutz, eine bessere Altersversorgung auch für Teilzeitkräfte, keine indirekte Subventionierung der Minijobs: Einige politische Antworten auf die Prekarisierung liegen auf der Hand. Die Gewerkschaften könnten dem italienischen Vorbild folgen und sich stärker um die neuen Verlierer kümmern. Nötig ist zudem ein realistischeres Bild von der neuen Arbeitswelt. Längst nicht jeder Zeitarbeits- oder Minijob ist eine Brücke zum Job erster Klasse – wer zu viel verspricht, schürt damit nur Frust. »Wird das Versprechen nicht eingelöst, droht genau das, was eine aktivierende Arbeitsmarktpolitik eigentlich zu verhindern beabsichtigt: Erschöpfung, Resignation, Verzweiflung, Passivität«, heißt es im Bericht der Ebert-Stiftung.

Der nötige politische Druck könnte von den Gewinnern, den Arbeitern erster Klasse, kommen. »Durch die Leiharbeiter fühlt sich auch die Stammbelegschaft unter Druck, man wird ja ständig daran erinnert, dass man für weniger Geld ersetzbar ist«, sagt der Gewerkschafter Tschorn von Schmitz Cargobull. Angst vor dem Absturz haben inzwischen fast alle. Wer die Mitte gewinnen will, muss sich deshalb um die Ränder kümmern.

 
Leser-Kommentare
  1. Dieser längst fällige Artikel thematisiert zu recht die gravierenden Verändeungen am Arbeitsmarkt, die durch die Liberalisierung der Leiharbeit durch Wolfgang Clement entstanden sind. Wir sollten uns nichts vormachen - die dadurch verursachte Unsicherheit am Arbeitsmarkt wird die Konsumschwäche im deutschen Binnenmarkt weiter etablieren. Da helfen auch keine lockeren Sprüche von "Selbstbedienern" die (für sich persönlich) nur Vorteile von dieser Entwicklung erwarten. Wer diese Situation an den Pranger stellt, ist kein Gestriger mit "Sehnsucht nach der Lebensstellung in einem Großunternehmen". Es geht um die Forderung nach "aufrichtigen" Beschäftigungsverhältnissen in den Betrieben und gleichberechtigten Belegschaften.

    Bitte mehr davon!

  2. Die Symptome sind hinlänglich beschrieben. Auch die begrenzte Einflußnahmemöglichkeit und folglich mäßige Wirkung nationalpolitischer Maßnahmen ist längst Konsens.
    Warum halten wir uns dann immer noch damit auf über Realitätsferne, Unfähigkeit, vielleicht auch Verlogenheit vermeintlich politisch Verantwortlicher zu jammern?
    Hebt sie hoch, die Käseglocke institutioneller Vollkaskoversicherung, der aufsteigende Mief wird Euch den Atem nehmen.

  3. hat sich über den Tisch ziehen lassen. Zweieinhalbjährige Befristungen sind nicht zulässig. Klage auf Festanstellung wäre angebracht gewesen.

    • wowman
    • 02.03.2006 um 10:55 Uhr

    Herrje, da bekennt sich mal wieder jemand zum "deutschen Traum": lebenslang abhängig in einem Großunternehmen beschäftigt sein.
    Festangestellt. Bloß kein Risiko! Selbständig? Eigene Füße? Brrrrrrrrr!!!!!!!!

    Welch ein Albtraum!

  4. So lange es unsere "Demokratie" noch zulässt, dass man bei einer Wahlbeteiligung von unter 50% mit gerade mal 30% der abgegebenen Stimmen "Richtlinienkompetenzen" erwerben kann, wird sich an den geschildeten Zuständen nichts ändern. Man kann sich mit sehr wenig Mathematik ausrechnen, wie klein hierzulande die Interessengruppen werden können, die über gesellschaftliche Entwicklungen entscheiden. Das sogenannte "Lobbying" sichert unter den gegebenen Bedingungen hohe Abgeordnetendiäten weit eher, als das Agieren (und Regieren) zu Gunsten einer Mehrheit von Zukurzgekommenen - und dabei hat das Geld selbst noch gar keine große Rolle gespielt.

    • doldi
    • 02.03.2006 um 14:48 Uhr

    Nach einer Pleite des Arbeitgebers folgt in der Regel die Arbeitslosigkeit.

    Nicht allerdings, wer es schafft in einer Beschäftigungsgesellschaft unterzukommen. Obwohl die Kosten i.d.R. zum größten Teil vom Arbeitsamt übernommen werden, zählt die Zeit der nicht "arbeitlos" genannten Mitglieder der Beschäftigungsgesellschaften nicht zur Arbeitslosigkeit. Ausserdem werden sie aktiver auf einen neuen Job vorbereitet und viel besser vermittelt, als einer, der weniger Glück hatte und nur normaler Arbeitsloser ist.

    Wenn Betriebsräte stolz darauf sind, eine Beschäftigungsgesellschaft herausgehandelt zu haben, dann verbessern sie die Chancen ihrer Klientel auf Kosten der anderen Arbeitslosen, die sich einmal mehr mal wieder hinten anstellen dürfen.

  5. Häufig werden die ach so armen Arbeitnehmer betrachtet, die die Verlierer diese Systems sind. Da gibt es viele und das ist traurig und daher hat dieser Artikel seine gute Berechtigung. Es ist allerdings nicht überall gleich schwer in Deutschland. Es gibt Gegenden, da ist es mit Sicherheit weit frustrierender als in München, der Stadt in der ich lebe. Schaue ich mich um, sehe ich Verlierer- und Gewinnertypen und dabei ist es unabhängig, wie der Sozalstaat gestaltet ist. Die Gewinner kommen einfach immer wieder auf die Füße, die Verlierer leider nicht. Ich frage mich oft, was können wir tun, um die Zahl der Verlierer zu verringern. Dabei komme ich immer wieder zum Anfang des Lebens. Die ersten Lebensjahre, die Erziehung, das Aufwachsen. Das was wir jetzt tun müssen, wird erst in vielen Jahren Früchte tragen.

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