Kriminalroman Der Tod macht stumm, es redet der RomanSeite 2/2
In Tannöd hat das Entsetzliche den Überlebenden die Stimme verschlagen. In Magdalen Nabbs Eine Japanerin in Florenz ist der aus Sizilien stammende, im kalten Florenz immer noch nicht ganz heimische Maresciallo Guarnaccia mit anderen Arten von Stummheit konfrontiert. Im Fischbecken der Boboligärten wird eine beinahe schon skelettierte weibliche Leiche gefunden. Mit übermenschlicher Geduld (das einzige wirksame Mittel gegen den Zynismus der Florentiner) kriegt Guarnaccia heraus, dass die Tote aus Japan stammte und just in seinem bevorzugten Stadtviertel gearbeitet hat, als Lehrling bei Peruzzi, dem begnadeten Schuhmacher. Doch dann, als er, stecken geblieben, »alle Freunde brauchte, die er auftreiben konnte«, ersticken sie ihn in Schweigen. Sein Lieblingswirt, der Möbelrestaurator von gegenüber, der Bäckerlehrling – alle drucksen herum. Und keineswegs deshalb, weil sie mit dem Tod der Einwanderin etwas zu tun hatten.
Nicht Selbstschutz lässt sie die Aussage verweigern. Guarnaccia, der im mondänen Florenz herumtapst wie ein Dorfgendarm – verständnisvoll, betulich, ein wahrer Freund und väterlicher Beschützer –, findet schließlich doch heraus, warum. Und wird mit seiner großen Schande konfrontiert: Die Freunde schützen die Ehre der Toten – vor ihm, dem braven Polizisten, und seinen Ermittlungen. Dass er zum Schluss doch noch einen zynischen Mörder überführen kann, ist für den guten Mann aus dem Süden kein Trost. Man hat ihm einmal nicht getraut.
TannödAndrea Maria SchenkelBelletristikBuchEdition Nautilus2006Hamburg12,90126Eine Japanerin in FlorenzMagdalen NabbKriminalromanBuchDiogenes2006Zürich19,90352- Datum 02.03.2006 - 13:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT 02.03.2006 Nr.10
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