Porträt Keine Angst vor QuantenSeite 3/3
Fernsehen hält die Physikerin für reine Zeitverschwendung
Sie habe aber längst akzeptiert, dass die Physik heute in einer Parallelwelt existiert. Die lässt sie auch gern hinter sich, wenn sie abends mit Freunden in Berlin-Mitte ausgeht. Dass sie klassische Geige spielt, hindert sie nicht daran, auch mal Rock oder gar Metal zu hören. Nur Techno liegt ihr nicht. Fernsehen auch nicht: »Ich hab das als reine Zeitverschwendung empfunden. Da gehe ich besser ins Kino.« Die jüngste Casanova-Verfilmung habe ihr gefallen, erzählt sie lachend.
Dass die Physik ihre Zukunft ist, daran gibt es für sie keinen Zweifel. In der Grundlagenforschung möchte sie arbeiten, an »spannenden offenen Fragen«, etwa in der Quantenoptik. Bis dahin sind es noch einige Jahre. Vorher muss sie vor allem damit umgehen lernen, zur öffentlichen Figur aufgebaut zu werden. »Ich mache mir schon ein wenig Sorgen, dass das für einen so jungen Menschen zu viel werden könnte«, sagt Hans Dieter Zeh.
Keine Frage, der Springer-Verlag hat mit der jungen Autorin einen Coup gelandet. Ob es angemessen ist, die Wunderkind-Karte zu spielen, steht auf einem anderen Blatt. Das mag in einer Zeit auf fruchtbaren Boden fallen, in der von neuen Eliten und jungen Leistungswilligen schwadroniert wird. Die eigentliche Botschaft dürfte anders lauten: die Dinge selbst zu durchdenken und sich nicht abschrecken zu lassen – nicht einmal von theoretischen Monstern wie der Quantenphysik. »Ich erhoffe mir von dem Buch, dass auch andere sagen: Wenn eine Schülerin das schafft, muss man das doch verstehen können«, sagt Zeh. Ein wenig ist das der Autorin schon gelungen: Beim Online-Buchhändler Amazon schaffte es ihr Buch in der vergangenen Woche auf Platz zwei – drei Ränge vor Heiner Lauterbachs Sex-’n’-Drugs-Autobiografie.
Der Mensch...Silvia Arroyo Camejo, geboren 1986 als Tochter eines Spaniers und einer Deutschen, studiert Physik an der Humboldt-Universität zu Berlin. Als Schülerin gewann die Geigenspielerin zwei Musikwettbewerbe. Inspiration zum besseren Verständnis der Physik sucht sie auf ausgedehnten Waldspaziergängen mit ihrem Hund in Berlin-Tegel. Sachbücher zieht sie bislang jedem Roman vor. Je komplexer, desto besser Stephen W. Hawking ist ihr zu oberflächlich.
...und seine IdeeAus der Faszination eines Teenagers für den Sternenhimmel wurde eine akribische Aufarbeitung der Quantenphysik noch zu Schulzeiten. Die Leidenschaft gipfelt jetzt in der Buchveröffentlichung »Skurrile Quantenwelt« (Springer Verlag). Arroyo ist davon überzeugt, dass man sich bei der Suche nach Erkenntnis auch auf schwieriges, unbekanntes Terrain wagen müsse.
- Datum 02.03.2006 - 13:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT 02.03.2006 Nr.10
- Kommentare 9
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Ich habe ihr Buch noch nicht gelesen, werde es aber tun!
Vielleicht liest sie ja sogar Zeit Kommentare, die sie vielleicht beantwortet:
1. Leonard Susskind: »Die Naturwissenschaft ist das Pferd, das den Karren der Philosophie zieht. Lasst uns nicht den Karren vors Pferd spannen.«
Ich behaupte das genaue Gegenteil: die letzten Grenzen des Wissens lassen sich nicht allein durch Logik und Nachdenken erreichen, das zeigt ja schon die Heisenbergsche Unschaerferelation.
Den letzten Grenzen werden die Menschen, oder ich moechte lieber sagen: Wesen (das Universum ist gross!), nur dann sich weiter annaehern koennen, wenn zur Logik auch ein "Fuehlen um diese Grenzen" tritt.
Dieses "Fuehlen um die Grenzen des Groessten und des Kleinsten" ist Gegenstand der Philosophie und der Religion!
Wie weit man dann kommt, ist schliesslich fast allein abhaengig von der positiven oder negativen Natur dieses Fuehlens.
Die Physiker muessen sich langsam wieder vom Duenkel befreien, ihr Fach sei die Koenigin der Wissenschaften!
2. Das Produkt aus Unschaerfe des Ortes und Unschaerfe des Impulses ist immer groesser gleich Planscksches Wirkungsquantum geteilt durch vier Pi!
Ich folgere daraus, dass es eine Grenze gibt, jenseits derer wir nicht mehr exakt sagen koennen, wie etwas ist oder sich verhaelt.
Das ist eine prinzipielle Grenze in der Faehigkeit mit physikalischen Begriffen etwas zu beschreiben, die mich dazu gefuehrt hat zu formulieren:
"... die letzten Grenzen des Wissens lassen sich nicht allein durch Logik und Nachdenken erreichen, das zeigt ja schon die Heisenbergsche Unschaerferelation."
Warum sich Einstein und Heisenberg und sogar Goedel jetzt unruhig in ihrem Grabe drehen (wuerden), das verstehe ich nicht, lieber Kommentator "mscharrer"!
Punkt eins und zwei Kommentare zu einem anderen Artikel!
Es ist mir nicht bekannt, dass es ausser der Logik in der Physik noch sonstige Hilfsmittel gibt, ausser vielleicht der Intuition, die sich dann aber der Logik stellen muss, mit denen man zu weiteren physikalischen Erkenntnissen kommen koennte!
Mangelnde Einsicht in die Physik äußert sich in dem Drang, sich durch Kommentare über dieselbe zu outen, in grotesker Fehleinschätzung und Überschätzung des Erklärungspotentials von ``Philosophie'', in der stigmatisierenden, volkstümlichen und leicht dümmlichen Reduktion der Physik auf ``Logik'' und ihrer Kontrastierung zu ``Fühlen'' sowie in dem daraus abgeleiteten eingeschränkten Geltungsbereich, dem ein dem 19. Jahrhundert entsprechendes Verständnis der Disziplin zugrunde liegt.
Die Leute, die dieses Buch (ich gehöre nicht dazu, alldieweil ich das Thema kenne), werden es sicher frustriert nach mehreren Seiten beiseite legen.
Sie kaufen es, damit sie ihre Halbbildung beweisen, wenn sie auf Parties darüber reden. Igittigitt, sage ich dazu nur. Es hilft ihnen dann trotzdem nicht weiter und führt nicht etwa dazu, dass Physik und Technik zur Allgemeinbildung gehören.
Das Buch wird ein Bestseller, aber die meisten Leser sind anschließend immer noch stolz darauf, dass sie nicht einmal wissen, wie ein Schalter funktioniert, obwohl das bereits im 3. Schuljahr in der Grundschule demonstriert wird - ich weiß es, weil meine Frau das macht.
Trotzdem bin ich neidisch auf Sylvia, weil ich nicht selbst auf die Idee gekommen bin, das zu schreiben. Aber bei mir fehlt auch der sexuelle Anreiz und das Phänomen
Teenager mit faszinierendem Lebenslauf - also hätte ich da auch keine Chance.
Tanja Schilling hat fast genau den Kommentar geschrieben, den ich auch schreiben wollte. Vielen Dank! Die "unverständlichste Theorie aller Zeiten" ist für jede Physikstudentin (von denen es eine ganze Menge gibt) Grundlagenwissen, das man heutzutage im 2. Studienjahr lernt. Einschließlich der ach so schrecklichen "Diracnotation"; die wird in meiner Quantenmechanikvorlesung im kommenden Semester etwa in der 9. oder 10. Vorlesung "dran" sein.
Der talentierten Nachwuchskollegin alles Gute, und dass Ihr die Medienleute nicht zu viel Zeit stehlen.
Die Journalisten, die auf diese Weise ueber diese junge Dame berichten, verstehen nicht, dass sie womoeglich einen so grossen Druck auf sie aufbauen, dass sie es vielleicht nicht mehr schafft, eine wirklich gute Physikerin zu werden, weil sie mit den an sie gestellten Erwartungen nicht umgehen kann. Ich kann nicht verstehen, wie man einen jungen Menschen als solchen "weirdo", als Streber und Verrückten zugleich darstellen kann, bloss um den gierigen Buchkaeufermassen eine gute "story" zu geben.
Journalisten sind skrupellose Seelen. Weiter so Frau Arroya! Ignorieren oder geniessen Sie den Zirkus, aber lassen sie ihn Sie nicht unter Druck setzen.
Warum reizt es Journalisten immer wieder auf den Klischees von weltfremden Physikern und unverstaendlichen Theorien herumzureiten? Wer je eine Physikvorlesung besucht hat, weiss, dass die Studenten dort genauso vielfaeltige Interessen haben wie in jedem anderen Fach. Die meisten beschaeftigen sich neben dem Studium mit Musik oder Kunst oder sind politisch aktiv. Ich bin Physikerin. Weder an der Uni noch auf Tagungen bin ich je dem Menschetyp begegnet, der in der Oeffentlichkeit als "typischer Physiker" gilt.
Die Quantenmechanik ist weder die "unverstaendlichste Theorie aller Zeiten" noch "ein Monster". Im Gegenteil, sie ist eine sehr runde, "schoene" Theorie. Das schmaelert Frau Arroyo Camejos Leistung natuerlich nicht. Es geht mir nur darum, den verzerrten und oft beleidigenden Klischees entgegenzuwirken, mit denen man als Physiker jeden Tag konfrontiert wird. Welchen Zweck soll es erfuellen, Wissenschaftler immer wieder als weltfremde Spinner hinzustellen?
Die Leute, die dieses Buch kaufen(ich gehöre nicht dazu, alldieweil ich das Thema kenne), werden es sicher frustriert nach mehreren Seiten beiseite legen.
Sie kaufen es, damit sie ihre Halbbildung beweisen, wenn sie auf Parties darüber reden. Igittigitt, sage ich dazu nur. Es hilft ihnen dann trotzdem nicht weiter und führt nicht etwa dazu, dass Physik und Technik zur Allgemeinbildung gehören.
Das Buch wird ein Bestseller, aber die meisten Leser sind anschließend immer noch stolz darauf, dass sie nicht einmal wissen, wie ein Schalter funktioniert, obwohl das bereits im 3. Schuljahr in der Grundschule demonstriert wird - ich weiß es, weil meine Frau das macht.
Trotzdem bin ich neidisch auf Sylvia, weil ich nicht selbst auf die Idee gekommen bin, das zu schreiben. Aber bei mir fehlt auch der sexuelle Anreiz und das Phänomen
Teenager mit faszinierendem Lebenslauf - also hätte ich da auch keine Chance.
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