Interview »Silvio, wo steckst du? Ich habe dich lieb!«Seite 5/5
Benigni: Ich sagte: Ich will auf der Bühne stehen, Papa. Und er sagte: In Ordnung. Mein Vater war wunderbar. Er glaubte an mich. Ich sang schon früh Gedichte, das ist eine alte toskanische Tradition, mit sehr viel Improvisation, ähnlich wie die Commedia dell’Arte. Mein Vater hatte mich da eines Tages reingeschubst, weil er wissen wollte, ob sie wirklich aus dem Stehgreif dichten oder nur so tun. Mit dieser toskanischen Gruppe habe ich viel gearbeitet, bis mir ein Regisseur vorschlug, Schauspieler zu werden – ich war zwar sehr jung, hatte aber bereits 14 Jahre Erfahrung im Improvisationstheater. Und so spielte ich in Rom bei einem Underground-Theater. Ohne Geld. Aber sehr glücklich. Als 1975 mein erster Film herauskam, Berlinguer, ti voglio bene, hat ihn mein Vater fünfmal hintereinander gesehen. Er ging zum ersten Mal in seinem Leben ins Kino.
»Für mich sind Frauen die Krone der Schöpfung. Schönheit in Vollendung! Dass wir hier sind, verdanken wir euch!«
ZEIT: International wurden Sie dank Ihrer Rollen in Down By Law und Night On Earth von Jim Jarmusch bekannt. Als Sie den sexbesessenen Taxifahrer spielten, haben Sie da auch improvisiert?
Benigni: Ah! Wunderbar! Einer, der mit allem Liebe macht! Ja, Jim ließ mich sehr viel improvisieren. Wir haben drei Tage hintereinander diesen Monolog gedreht, immer in neuen Varianten, und dann haben wir die beste ausgewählt.
ZEIT: Gelingt es Ihnen überhaupt, sich als Schauspieler einem Regisseur unterzuordnen?
Benigni: Mir gefällt es sehr, wenn mich ein Regisseur dirigiert. Ich mag es überhaupt nicht, wenn einer sagt: Mach’ es mal so, wie du denkst.
ZEIT: Wie war es mit Fellini?
Benigni: Er war unbeschreiblich. Unaussprechlich. Ein Geschenk an die Menschheit. Er war ein Gigant. Wenn er über ein Wasserglas sprach, wurde dieses Wasserglas einzigartig. Er fehlt mir sehr. Er liebte die Clowns wie die Frauen. Und er beschützte sie wie die Frauen. Er sagte: Versteck dich, sprich mit niemandem, du musst dich rar machen, das Publikum darf nur wenig von dir zu sehen bekommen. Und wenn es dich sieht, dann musst du wie eine Erscheinung sein.
ZEIT: Gelingt Ihnen das?
Benigni: Auf der Straße fotografiert mich jeder, jeder filmt mich mit dem Handy, es ist die Hölle.
Das Gespräch führte Petra Reski
- Datum 17.05.2009 - 10:33 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT 02.03.2006 Nr.10
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Stegreifgedichte (mit stehen und greifen hat das nichts zu tun, heißt Steigbügel).
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