Stimmt es, dass die Nasa zwölf Millionen Dollar ausgegeben hat, um einen Kugelschreiber zu entwickeln, der auch im Weltall funktioniert – während die Russen auf die preiswertere Lösung verfielen und einfach Bleistifte benutzten? Gunda Stolleib, Bergheim

Es antwortet Christoph Drösser

Es stimmt, dass die russische Raumfahrtagentur sich in vielen Fällen auf einfachere, aber robustere Techniken verlässt als die Nasa und damit offensichtlich gut fährt – die Sojus-Kapseln aus den sechziger Jahren fliegen noch heute, während das amerikanische Spaceshuttle (eine Technik der Siebziger) längst nicht so zuverlässig funktioniert. Auf diese russische Bodenständigkeit ist die Geschichte vom High-Tech-Kuli gemünzt. Sie stand auch schon einmal in der ZEIT – nur hat sie den Schönheitsfehler, dass sie unwahr ist. Und zwar in allen Punkten.

Erstens: Der »Space Pen«, den inzwischen auch Normalsterbliche kaufen können, wurde nicht von der Nasa entwickelt. Der Stift, dessen Mine ständig unter Druck steht und der deshalb unabhängig von der Schwerkraft funktioniert – sogar unter Wasser –, ist eine Erfindung von Paul Fisher. 1967 kaufte die Nasa nach umfangreichen Tests 400 Stifte bei Fishers Firma, zum Stückpreis von 2,95 Dollar.

Zweitens: Fisher steckte nicht etwa zwölf Millionen Dollar in die Entwicklung des Wunderstifts, sondern (nach Angabe des Unternehmens) etwas über eine Million.

Drittens: Die russischen Kosmonauten schreiben schon lange nicht mehr mit Bleistiften. Auch wenn diese technisch robust sind, so haben sie doch den Nachteil, dass sie ständig feinen Grafitstaub absondern – und der schwebt in der Schwerelosigkeit unkontrolliert durch die Kapsel. Bricht gar die Spitze ab, dann kann sie sich in die Atemwege der Raumfahrer oder in irgendein wichtiges elektronisches Gerät verirren, mit eventuell katastrophalen Folgen.

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