Konstruktion Platt machen, fertigSeite 3/3
Niete wird man auch künftig noch für Hosen brauchen. Und gegen Angst
Noch einmal Wiefelstede. Brötje-Chef Harstorff hat den Duden zu Rate gezogen. Man kann der oder das Niet oder die Niete sagen, alles erlaubt. Aber auch sinnvoll? Niet kommt von althochdeutsch hniutan, »befestigen«. Niete dagegen hat mit dem holländischen niet zu tun, was »nichts« bedeutet und eben auch »nichts gewonnen«. Welch fatale Verwirrung!
Michael Harstorff, der als Lieferant ja schon früh in die Neuentwicklungen von Airbus und Boeing eingeweiht ist, muss Geheimnisse für sich behalten können. Doch so viel ist bekannt: Das neue Großflugzeug von Boeing hat einen Rumpf aus CFK, die gesamte hintere Rumpfsektion besteht aus einem Stück. Das bedeutet für die Fügetechnik Nieten: Nur noch rund 30 Prozent der Niete werden benötigt. Die Zukunft bei Airbus wird aller Voraussicht nach ähnlich aussehen. Kleben kommt ebenfalls in Mode – mit zunehmender Erfahrung und besseren Kontrollmöglichkeiten der Klebenähte. Nebenbei verwendet Brötje neuerdings eine sehr pfiffige Methode, wie man auch Alu schonend schweißen kann. Das so genannte Reibrührschweißen kommt mit vergleichsweise lächerlich geringen Schweißtemperaturen aus und wird ab sofort bei Boeing eingesetzt. Brötje stellt sich bereits darauf ein, in Zukunft neben automatischen Nietanlagen auch automatische Klebanlagen zu fertigen. Der Kunde ist König.
Und was wird aus dem Niet? Er wird überleben. Nicht nur in den Jeans (»Nietenhose«). Das Schreckgespenst der Klebfreunde trägt den hässlichen Namen Delaminierung. Die wunderschönen neuen Kunststoffe, in Schichten aufgebaut, neigen gelegentlich dazu, von den Rändern her aufzureißen. Damit dies nicht geschehen kann, damit sich Autos und Flugzeuge in Zukunft nicht plötzlich zerlegen, wird man in gewissen Abständen zur Nietzange greifen und einen Niet setzen. Sein Name ist in der Fachwelt schon geläufig: Angstniet.
- Datum 02.03.2006 - 13:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT 02.03.2006 Nr.10
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Sehr geehrte Damen und Herren der Redaktion Wissen,
mit Erstaunen haben wir den Artikel Platt machen, fertig der Ausgabe 10/2006 gelesen, um so mehr, als diese Rubrik für uns bislang den Status seriöser, gut recherchierter und verständlich aufbereiteter Vermittlung von Wissen inne hatte.
Als langjährige Leser und Abonnenten drücken wir hiermit unser Unverständnis über die in Inhalt und Ausdrucksform inakzeptable Verflachung einer innovativen und durch deutsche Unternehmen und Forschungseinrichtungen auch im internationalen Maßstab dominierten Fertigungstechnik aus.
Beginnend mit der fehlerhaften Verfahrensdarstellung des Blindnietens begibt sich dieser Beitrag, sowohl durch die über den saloppen Umgangston hinausgehenden verbalen Entgleisungen des Verfassers, als auch die Vielzahl unkorrekter bzw. falscher fachlicher Begriffe und Aussagen auf ein für DIE ZEIT unwürdiges Niveau.
Exemplarisch sind aus unserer Sicht nachfolgende Kommentare dazu unerlässlich:
Im Gegensatz zum konventionellen Nieten wird im Automobilbau das in Verfahren und Eigenschaften vollkommen eigenständige Stanznieten eingesetzt. Dies erfolgt bei Taktzeiten von ca. 1sec., nahezu geräuschlos und wird seit 1991 bis heute in einer Vielzahl unterschiedlicher Fahrzeugmodelle, auch in Kombination mit dem strukturellen Kleben als Hybridfügen erfolgreich angewendet. Der Stanzniet wird dabei nicht als Angstniet, sondern vornehmlich zur Fixierung der Fügeteile bis zur Klebstoffaushärtung und zur Aufnahme hoher statischer Lasten eingesetzt. Das Maß der Dinge beim Kleben sind 191,7 Meter Klebnaht (7th International Car Body Benchmarking Plattform 2005, Bad Nauheim) in der aktuellen Mercedes S-Klasse (BR221). Selbstverständlich ist auch das Schweißen von Stahl-Aluminium-Verbindungen praxisrelevant möglich.
Unter Federführung der Europäischen Forschungsgesellschaft für Blechverarbeitung e.V. und dem Deutschen Verband für Schweißen und verwandte Verfahren e.V. wurde in Zusammenarbeit von Anwendern, Systemherstellern, sowie Werkstofflieferanten und Forschungseinrichtungen der Stand der Technik in Form von Merkblättern dargelegt, wo z.B. die Definition des Clinchens als Fügen durch Umformen ...ohne Zusatz- oder Hilfsstoffe nachzulesen ist. Darin hätte Herr Strassmann das für den Artikel relevante Fachwissen und kompetente Ansprechpartner für die jeweiligen Verfahren vorgefunden (www.efb.de und www.dvs-ev.de).
Alternativ dazu laden wir Herrn Strassmann herzlich zur Teilnahme am Dresdner Fügetechnischen Kolloquium 2006 (www.tu-dresden.de) vom 23. bis 24.03. 2006 an die Professur Fügetechnik und Montage der Technischen Universität Dresden ein, anlässlich dessen wir Ihm gerne Verfahren und Anlagen vorführen, sowie zugehöriges Hintergrundwissen vermitteln; denn - Fügen verbindet!
Als wissenschaftliche Mitarbeiter der Professur Fügetechnik und Montage im Institut für Produktionstechnik der Technischen Universität Dresden verbleiben wir
mit freundlichen Grüßen
Dipl.-Ing. Jan Kalich
Dipl.-Ing. Fritz Liebrecht
Dipl.-Ing. Steffen Six
01062 Dresden
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