Zeitläufte Das große Versprechen
Vor 150 Jahren wurde die Türkei in das Konzert der europäischen Mächte aufgenommen. Zur selben Zeit entwickelte sie ein erstaunliches Reformprogramm
Im Spätsommer 1855 neigte sich der Krimkrieg dem Ende zu. Er war einer der schrecklichsten europäischen Kriege des 19. Jahrhunderts gewesen – in vielem schon eine Vorwegnahme dessen, was das 20. Jahrhundert noch an Grauen bringen würde.
Begonnen hatte der Konflikt, dem mehr als 150000 russische, französische und britische Soldaten zum Opfer fallen sollten (die osmanischen Verluste sind weniger genau erfasst), im Februar 1853. Seine tiefere Ursache lag in der Schwäche des Osmanischen Reiches und in der Absicht vor allem Russlands, sich diese zunutze zu machen – drängte es St. Petersburg doch seit eh und je danach, den Schwarzmeerraum und Konstantinopel zu kontrollieren. Der despotische Zar Nikolaus I. erhob zudem den Anspruch, Schutzherr aller griechisch-orthodoxen Untertanen des Sultans zu sein. Wenige Wochen zuvor hatte er im Gespräch mit dem englischen Botschafter der Türkei die berühmte Diagnose vom »kranken, ja schwer kranken Mann« gestellt. Es wäre ein großes Unglück, wenn er entglitte, bevor man die notwendigen Vorkehrungen ergreifen könnte. Im Klartext: Man sollte das »Erbe« noch vor dem Ableben des »Kranken« verteilen.
Zur Sicherung ihres »Erbteils« marschierten russische Truppen in die Donaufürstentümer Moldau und Walachei ein (die Kernländer des heutigen Rumäniens), die seit Jahrhunderten Istanbul tributpflichtig waren. Im Oktober erklärte die Türkei dem weit überlegenen Gegner den Krieg, im September des folgenden Jahres, 1854, kamen Frankreich und England mit Landungstruppen und ihrer Flotte dem Sultan zu Hilfe. Bald schon konzentrierte sich der Kampf auf die Halbinsel Krim im Schwarzen Meer – wo er schließlich auch zu Ende gehen sollte. Am 8. September 1855 nahmen die Franzosen das Fort Malakoff bei Sewastopol. Die russische Besatzung wurde abgezogen, die Festung gesprengt und die Stadt geräumt. Nikolaus’ Nachfolger auf dem Zarenthron, AlexanderII., suchte den Frieden. Am 16.Januar 1856 schwiegen die Waffen.
Eine zweitrangige Mitgliedschaft kommt für die Türkei nicht in Frage
Die osmanischen Provinzen waren mit Ausnahme des Südkaukasus nur indirekt vom Krieg betroffen gewesen. Die mehrjährige Anwesenheit westlicher Militärs und Zivilisten in Istanbul veränderte jedoch den Habitus der Hauptstadt und ihrer Bewohner. Die bisher eher zaghafte Anpassung an westliche Kleidung, Mobiliar und Baustile erlebte eine neue Dynamik. Der Stadtteil Beyog˘lu wurde zum Modell-Arrondissement für eine moderne Verwaltung, Istanbul durch eine Telegrafenlinie an Europa angebunden. Die wenigen Zeitungen erfasste eine erste Blüte. Fotografen errichteten ihre Ateliers an der Grande Rue de Pera, der heutigen Istiklal Caddesi. Sultan Abdülmedschid zog aus dem Topkapi-Serail aus und in den Palast von Dolmabahçe gleich gegenüber, der von einem Dekorateur der Pariser Oper gestaltet worden war.
Erste Dampfer kreuzten den Bosporus; Importwaren eroberten die türkischen Märkte, vernichteten aber zugleich das einheimische Hausgewerbe und viele Manufakturen. Noch in den 1840er Jahren erfreute sich die Türkei einer halbwegs ausgeglichenen Außenhandelsbilanz, danach begann sich die Kluft zwischen den Ein- und Ausfuhren zu öffnen. Der Krieg zwang die Osmanen, Kredite bei Rothschild und anderen Banken aufzunehmen. Sondersteuern konnten die in den Staatsbankrott einmündende Verschuldung nicht aufhalten.
Der Sultan zählte Mitte des 19.Jahrhunderts etwa 18 Millionen Untertanen (ohne Ägypten), von denen weniger als die Hälfte in den Balkanländern lebten. Der Anteil der Christen an der Gesamtbevölkerung betrug etwa ein Drittel. Zu den wichtigsten Folgen des Krieges gegen Russland sollte die Flucht von 200000 Krimtataren und mehr als einer Million muslimischer Kaukasier (vor allem Tscherkessen) ins Osmanische Reich gehören.
Noch während auf der Krim der blutige Stellungskrieg tobte, wurde in Europas Hauptstädten und am Bosporus nach einer Lösung des Konflikts gesucht. Das Wiener Ultimatum an Russland vom 16. Dezember 1855 enthielt allerdings auch Forderungen an Istanbul. Am einschneidendsten war die nach einer Verbesserung der rechtlichen und wirtschaftlichen Lage der Christen – der Sultan sollte das garantieren. Bis dahin hatte das islamische Großreich seine andersgläubigen Untertanen als »Schutzbefohlene« betrachtet, als Zimmis (von arabisch Dhimma, »Schutzvertrag«); auf ihnen lasteten höhere Steuern als auf den Muslimen.
Die Forderungen trafen Istanbul mitten in einem Reformprozess, vorangetrieben von Abdülmedschid, der 1839 im Alter von 16 Jahren Sultan geworden war. Aufgerüttelt durch die erfolgreichen Aufstände der Serben (1815 bis 1817) und Griechen (1821 bis 1829), hatte er bereits wenige Monate nach seiner Thronbesteigung im Edikt von Gülhane allen Untertanen die Sicherheit des Lebens sowie den Schutz der Ehre und des Vermögens versprochen. Darüber hinaus sollten Steuerlast und Dauer des Militärdienstes genau festgelegt werden; die Zimmis waren vom Dienst befreit.
Im Laufe der Reformen hatte sich das Machtzentrum vom Palast auf die ihm gegenüberliegende Hohe Pforte, das Amtsgebäude des Großwesirs, verschoben. Schon vor dem Wiener Präliminarfrieden sandte Großwesir Mehmed Emin Âli Pascha dem englischen Außenminister Lord Clarendon ein Memorandum, in dem er jedes Patronat der europäischen Mächte über die Christen des Orients zurückwies. Dass dieses Schreiben durch einen Griechen, Musuros Pascha, überreicht wurde, der den Osmanenstaat in England über viele Jahrzehnte als Botschafter vertrat, war zugleich eine Demonstration, dass man auch als Nichtmuslim im Schatten des Großherrn Karriere machen konnte.
Dieses Memorandum ist wohl das erste türkische Dokument, in dem vom »europäischen Konzert« die Rede ist. Das »Konzert« war durch den Vierbund der Siegermächte über Napoleon (England, Russland, Preußen, Österreich) 1815 institutionalisiert worden, drei Jahre danach hatte Frankreich als fünftes Mitglied Aufnahme gefunden.
Âli Pascha hob gleich zu Beginn des Schreibens hervor, dass eine zweitrangige Mitgliedschaft für die Türkei nicht infrage komme, sie müsse »vollständig« in das europäische Konzert aufgenommen werden, wobei »die Einheit und Integrität der souveränen Autorität jedes dieser Staaten die gemeinsame Regel für alle« sei. Im Übrigen gebe es, fuhr der Großwesir fort, keinen Grund, die Stellung der Christen zu beklagen. Die Zeiten der Intoleranz lägen weit zurück. Neben der Moschee der Muslime erhebe sich friedlich die Kirche der Christen. Die »tolérance« des Sultans sei geradezu einzigartig in der Geschichte, hätten doch die besiegten Völker ihre Nationalität, ihre Gesetze und ihre Religion bewahrt. »Unter dem Schleier eines vorgeblichen Interesses für die orthodoxe Christenheit« beabsichtige Russland nichts anderes, als das Osmanische Reich zu zerrütten. Einer neuen Garantie bedürfe es nicht.
Dieses brillant formulierte Papier verfehlte seine Wirkung nicht, auch wenn es die Lage der Nichtmuslime in allzu rosigen Farben malte; manche Passagen scheinen geradezu von Voltaires Dictionnaire philosophique inspiriert worden zu sein. Dort liest man unter dem Stichwort »Toleranz« jedenfalls sehr ähnliche, der osmanischen Minderheitenpolitik freundlichen Beifall spendende Sätze.
Wer waren Âli und sein Außenminister Mehmed Fuad? Mehmed Emin Âli und Fuad hatten den Geburtsort Istanbul und das Geburtsjahr 1815 gemeinsam. Âli hatte sich in der hauptstädtischen Bürokratie nach oben gearbeitet. An den Botschaften in Wien und London erwarb er die notwendigen Sprachkenntnisse und Einblicke in die internationale Politik. Als Großwesir stand Âli, dem ein kluger deutscher Beobachter ein scharfes Beobachtungstalent und eine eminente Begabung bescheinigte, auf dem Gipfelpunkt seiner Karriere.
»Alles, was der Folter gleicht«, wird abgeschafft
Sein Mitstreiter Fuad war ein Mediziner aus einer alten anatolischen Familie. Schon der Vater, ein Literat, hatte sich politisch betätigt, was ihm der Sultan mit Verbannung lohnte. Fuad, ein glänzender Diplomat, liebte es, seine Konversation mit maliziösen Aperçus zu schmücken, die man sich noch heute gern erzählt. Der überzeugte Agnostiker war allerdings nicht minder korrupt als viele seiner Kollegen; die »unverhofften Gewinne« ermöglichten ihm einen exquisiten Lebensstil.
Der wichtigste Gegenspieler der osmanischen Verhandlungsführer war Lord Stratford de Redcliffe, der die englische Krone in der Türkei vertrat. Stratford war ein militanter Christ, dessen hochfahrende Art die Gespräche belastete. Hinzu kam, dass er einen Kleinkrieg mit dem jüngeren, aber ebenso entschieden auftretenden französischen Botschafter Edouard Antoine Thouvenel führte. Beide bezichtigten sich gegenseitig, einander Informationen aus den Audienzen beim Sultan und den Gesprächen mit seinen Ministern vorzuenthalten.
Oft musste der Vertreter Österreichs, Anton von Prokesch-Osten, zwischen den Verbündeten vermitteln. »Wir haben erlebt«, schrieb er später, »daß der englische Botschafter vom Sultan geradezu die Preisgebung seiner Religion verlangte…« Der Proselytismus der englischen Missionsgesellschaften war Prokesch zuwider. Seine Herkunft aus einem Vielvölkerstaat bewahrte ihn vor der Turkophobie des englischen Kollegen. In Wien allerdings verfolgte man sein Vorgehen mit Misstrauen und warf ihm vor, »mehr ein Vertreter der Türkei in Österreich als Vertreter Österreichs in der Türkei« zu sein.
Am Ende gelang es den Osmanen, eine ausdrückliche »Christenschutzklausel« zu verhindern und durch den Verweis auf eine Willenserklärung des Sultans zu ersetzen. Âli Pascha rief während der entscheidenden Sitzung in der englischen Gesandtschaft aus: »Möchte man den Tod der Türkei?« In dieser angespannten Atmosphäre wurde zu Tisch gebeten, und man einigte sich, gestärkt durch Braten und Wein, über die empfindlichen Artikel zur Religionsfreiheit. Statt eines Absatzes innerhalb des zu schließenden Friedensvertrages gab es eine in der islamischen Welt vorbildlose Charta in Form eines »kaiserlichen Handschreibens« (Hatt-i Hümayun), die bei den bevorstehenden Verhandlungen in Paris nur noch »zur Kenntnis genommen« werden sollte.
Der Hatt wurde termingerecht am 18. Februar 1856 verkündet und Anfang März im Staatsanzeiger veröffentlicht. In der offiziellen französischen Übersetzung ist er in 21 Punkte unterteilt und hat auch hier die Form eines Schreibens des Sultans an seinen Großwesir. In der Präambel äußert Abdülmedschid seine Absicht, die Wohlfahrt zu steigern und das Glück seiner Untertanen, die ihm alle gleich teuer seien, zu befördern. Er bekräftigt die Privilegien, die seine Vorfahren – Mehmed der Eroberer (1451 bis 1481) wird ausdrücklich genannt – den Christen und anderen nichtislamischen Riten (damit waren die Juden gemeint) eingeräumt hatten.
Die ausdrückliche Erlaubnis, in einheitlich von Christen bewohnten Dörfern und Städten Kirchen zu errichten, war keine wirkliche Neuerung. Die Osmanen hatten den Kirchenbau in größeren christlichen Agglomerationen, wie auf den griechischen Inseln, in Bulgarien oder im Libanon, nie verhindert. Hingegen war es gängige Praxis, den Bau neuer Kirchen oder die Instandhaltung alter christlicher Gotteshäuser in den muslimischen Zentren auf schikanöse Weise zu behindern.
Hinter dem schlichten Satz in Punkt 5 des Hatt, niemand dürfe zum Wechsel der Religion gezwungen werden, steht eine diplomatische Meisterleistung. Vor allem die Engländer hatten darauf gedrungen, dass Konvertiten nicht länger mit dem Tode bedroht wurden. Die Formulierung, auf die man sich einigte, erinnert entfernt an die koranische Maxime »Es gibt keinen Zwang in Glaubenssachen«. Muslime konnten darunter eine Klausel gegen die Bekehrung ihrer Glaubensgenossen verstehen, Christen einen Schutz der Apostaten. Die letzte Hinrichtung eines armenischen Konvertiten, der nach dem Übertritt zum Islam zum Christentum zurückgekehrt war, lag gerade mal 13 Jahre zurück.
Weitere Punkte betrafen den freien Zugang sämtlicher Untertanen zum Staatsdienst, was die nun ebenfalls garantierte Aufnahme an allen staatlichen Schulen voraussetzte. Die Abschaffung der Kopfsteuer für Nichtmuslime wurde mit der Ankündigung verbunden, dass sie nun den Kriegsdienst ableisten müssten. (Bis dato hatte man Nichtmuslime mit einer Militärkontributionssteuer belastet. Dabei blieb es allerdings – entgegen der Ankündigung – bis 1913.) Mehrere Punkte betrafen die Gerichtsbarkeit und den Strafvollzug: »Alles, was der Folter gleicht, sei abgeschafft.«
Mit dem Hatt wurde der in den islamischen Gesellschaften verfestigte rechtliche Minderstatus für Nichtmuslime für beendet erklärt. Selbst herabwürdigende und verletzende Bezeichnungen für Nichtmuslime waren fürderhin verboten.
Wenige Tage nach der Verkündigung des Hatt war es so weit: Vom 25. Februar bis zum 30. März 1856 tagte auf Einladung NapoleonsIII. in Paris der Friedenskongress. Der Neffe Napoleon Bonapartes, der sich erst wenige Jahre zuvor an die Macht geputscht hatte, zelebrierte ihn mit Festen und Bällen als einen ersten Höhepunkt seiner Herrschaft. Am 30. März wurde der Vertrag mit einer ausgerupften Feder des Aigle Impériale unterzeichnet, des kaiserlichen Adlers, der in der Menagerie des Jardin des Plantes sein Dasein fristete. Die Zugehörigkeit der Türkei zum »europäischen Konzert« wurde mit etlichen Unterschriften und Siegeln bekräftigt. Neben den fünf Hauptakteuren waren Piemont-Sardinien als Kriegsteilnehmer und Preußen, das erst ganz am Ende der Konferenz hinzugestoßen war, unter den Vertragspartnern. Der Text der Urkunde »im Namen des Allmächtigen Gottes« enthält als Note zu Artikel 7 die wichtige Zusage, dass die Majestäten die Unabhängigkeit und territoriale Integrität des Osmanischen Reiches respektierten. In Artikel 9 erklärte der Kongress, er »nehme den hohen Wert des Hatt zur Kenntnis« .
Wer in Paris der Besiegte war und wer der Sieger, blieb selbst für die Verhandlungsführer am Ende offen. Mit Ausnahme einer kleineren Gebietsabtretung Russlands und der Neutralisierung des Schwarzen Meers wurde im Großen und Ganzen der Status quo ante wieder hergestellt. Vielleicht hat der Frieden von Paris aber auch gerade wegen dieser Undeutlichkeit mehr als zwanzig Jahre gehalten.
Der Hatt-i Hümayun löste in der Türkei weder unter Muslimen noch unter Christen Begeisterung aus. Selbst Reformpolitiker der ersten Stunde wie Mustafa Reschid, der 1839 das Edikt von Gülhane verantwortet hatte, lehnten ihn ab, weil sie sehr wohl verstanden, dass das Papier letztlich eine unter Druck entstandene Konzession an den Westen war. Sie erkannten klarsichtig, dass die gegebenen Zusagen weitere Interventionen der Mächte nicht ausschlossen und den Nationalismus bestimmter Minderheiten befördern könnten.
Immerhin: Die Christen erhielten Zugang zu den staatlichen Schulen. Gleichzeitig bauten sie christliche Einrichtungen weiter aus. Die Muslime wurden durch diese Konkurrenz zur Modernisierung der eigenen Lehranstalten herausgefordert. Schon im Jahr des Pariser Friedens trat zum ersten Mal eine »Ratsversammlung für gemischte Erziehung« zusammen, in der sich unter sechs Mitgliedern nur ein Muslim befand. Die Übrigen waren Vertreter der Griechisch-Orthodoxen, Armenier, Katholiken, Protestanten und Juden.
Auf dem Berliner Kongress gehen die Hoffnungen Istanbuls zu Bruch
Die Hoffnungen, die Âli und Fuad im Pariser Frieden auf eine Garantie der Grenzen und die Unabhängigkeit der Türkei gesetzt hatten, gingen 1878 in Berlin endgültig zu Bruch. Unter dem Vorsitz des deutschen Reichskanzlers Otto von Bismarck (»der ehrliche Makler«) wurde nach der katastrophalen Niederlage der Türkei in einem erneuten Krieg gegen Russland ein Vertrag verabschiedet, der Europas Mächten gestattete, in Makedonien und den »von Armeniern bewohnten Provinzen« zu intervenieren. Die Türkei verpflichtete sich, die Armenier vor Übergriffen der Tscherkessen (die aus Russland vertrieben worden waren) und nomadisierenden Kurden zu schützen. Russland erhielt im Südkaukasus die Gebiete, aus denen es sich 1856 hatte zurückziehen müssen. Österreich-Ungarn marschierte in Bosnien ein; England griff nach Zypern.
Der Schlussakt sollte dann 1920 im Pariser Vorort Sèvres gegeben werden. Die Sieger des Weltkriegs schritten zur endgültigen Aufteilung der Erbmasse des »schwer kranken Mannes« am Bosporus. Im Gegensatz zum Pariser Frieden von 1856 und zum Berliner Kongress von 1878 wurde der Vertrag von Sèvres freilich nie ratifiziert: Die neue Türkei unter Mustafa Kemal (Atatürk) war der einzige Verliererstaat, der sich den so genannten Pariser Vorortverträgen nicht unterwarf.
Die Abkommen von Paris, Berlin und Sèvres und ihre Geschichte gehören noch heute zum Unterrichtsstoff für Ankaras angehende Diplomaten. Für alle jedoch, die bei der Debatte um die Aufnahme der Türkei in die Europäische Union mitdiskutieren, sollten sie Pflichtlektüre sein.
- Datum
- Quelle DIE ZEIT 09.03.2006 Nr.11
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des Buches: Untergang des osmanischen Reiches bin noch mehr ueberzeugt dass die Tuerkei kein Partner fuer die EU sein kann.Diese so voellig andere Kultur,die voellig von der Religion beeinflusst ist mischt sich nicht mit den kulturellen Werten der westlich gepraegten Laendern. In der Tuerkei muss noch viel Wasser den Berg runterfliessen ...und damit die achaeischen Sitten weg spuelen die auf dem Lande herrschen,schliesslich besteht die Tuerkei nicht nur aus Istanbul und Ankara.
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