Bücher bestehen aus bedruckten Seiten, allesamt an einer Kante zusammengeleimt oder gebunden und stabilisiert mit festem Material wie zum Beispiel Karton. Sie werden von so genannten Autoren verfasst; die Leser haben die Möglichkeit, darin zu blättern, zu lesen, Sätze zu unterstreichen sowie am Seitenrand Notizen zu verfassen. Man kann Bücher verleihen oder weiterverkaufen, mit ihnen wacklige Tische stabilisieren oder offene Fenster am Zuschlagen hindern. Manche Titel erfahren aktualisierte Neuauflagen. Einige werden rezensiert. Im Literaturteil der ZEIT erfahren Sie regelmäßig mehr darüber.

Weblogs (auch Blogs genannt) sind eine jedermann zugängliche Form, im Internet zu publizieren. Die zugrunde liegende Software ist so einfach zu bedienen wie ein E-Mail-Programm. Das Ergebnis sieht im Prinzip aus wie eine Internet-Seite, auf der jeweils der jüngste Beitrag ganz oben erscheint. Fast immer erlauben die Autoren, Blogger genannt, ihren Lesern, sich kommentierend am Inhalt des Weblogs zu beteiligen. Außerdem hat es sich eingebürgert, dass Blogger aufeinander Bezug nehmen; sie machen dies durch Links und wechselseitige Benachrichtigungen kenntlich. Unter www.zeit.de/blogs erfahren Sie regelmäßig mehr.

Mit diesen Absätzen ist schon etwas über Bücher und Blogs gesagt, und doch sind die beiden Phänomene damit keineswegs erfasst, denn sie sind sozialer und nicht rein technischer Natur. Bücher beispielsweise haben Geschichte gemacht, die Bibel etwa oder die französische Enzyklopädie. Und Blogs – sind die überhaupt von Bedeutung?

Nach gut begründeten Schätzungen der Website Blog Herald existieren weltweit etwa 200 Millionen Blogs; allein in China mehr als 30 Millionen, 20 in Südkorea, 10 in Japan und in Indien 1,2 Millionen. Neben Großbritanniens 4 und Spaniens 1,6 Millionen sowie den 600000 Blogs in den Niederlanden nimmt sich die deutsche Zahl von 300 000 bisher eher bescheiden aus.

Die geschätzten Zahlen steigen indes Jahr für Jahr. Freilich umfassen sie alles Mögliche, sogar gewissermaßen aufgelassene Blogs, die wie ungepflegte Weinberge fortexistieren und nur noch selten einen Besucher sehen (für solche Fälle hat ZEIT online einen Blog-Friedhof eingerichtet, mehr dazu lesen Sie unter www.zeit.de/blogs/friedhof ). Teilt man die Zahlenangaben etwas willkürlich, aber zum Zwecke konservativer Schätzung durch vier, um die Menge der häufiger als wöchentlich aktualisierten Blogs zu ermitteln, blieben immerhin 50 Millionen weltweit übrig, in Deutschland 75 000.

Ihre Reichweite ist extrem ungleich verteilt; nur eine Minderheit erreicht Zehntausende oder Hunderttausende oder gar Millionen Besucher pro Monat. Die große Masse der Blogs lockt vielleicht hundert Besucher oder weniger an. Diese Reichweitenverteilung korreliert mit dem Maß, in dem die Blogs untereinander verlinkt sind. Es ist inzwischen eine Evolution von eng geknüpften Netzen wechselseitiger Bezugnahme zu beobachten, die den Großteil der Aufmerksamkeit auf sich konzentrieren.

Das politische Potenzial, das in dieser Selbstorganisation steckt, haben Aktivisten vielerlei Richtungen erkannt, die unter den unterschiedlichsten Bedingungen publizieren. Nicht nur in den Vereinigten Staaten oder in Frankreich bilden Weblogs bereits kritische Massen einer eigenen politischen Öffentlichkeit, sondern auch und gerade in Ländern ohne Meinungsfreiheit, wie etwa in China. Oder in Iran, wo mehrere hunderttausend Weblogs verfasst werden; etliche Blogger sitzen dort im Gefängnis, denn die wachsende Gegenöffentlichkeit im Netz untergräbt die Autorität der islamistischen Regierung.