Weblogs Es bloggen die Blogger im rauschenden NetzSeite 3/3
Aus alledem könnte also noch etwas werden. Freilich nicht notwendigerweise etwas Grundstürzendes. Auch dem Kabelfernsehen gingen einmal mächtige Verheißungen voraus. Die Rede war vom Bürgerfernsehen, und siehe da: Das gibt es mittlerweile. Aber wie sieht es aus! Woraus sich ergibt, dass nicht alle neuen Potenziale auch Wirklichkeit werden. Sie müssen schon in die Welt passen. Gewiss, Weblogs sind heute viel weiter, als es das Bürgerfernsehen jemals war. Aber wohin geht die Reise? Das weiß niemand. Das Gelände ist unkartiert. Entdeckungen sind möglich.
- Datum 09.03.2006 - 13:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT 09.03.2006 Nr.11
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Mir gefällt das Urdemokratische, einfache Prinzip an der Sache. Weniger schön ist, dass durch den Reiz, sein eigener Verleger sein zu können, man leicht seine ursprünglichen Ziele verlegen kann. Dann beginnst Du Dich nach einem Mainstream zu richten und versuchst, Deinen Leserstamm zu erweitern, was sehr anstrengend werden kann und sehr technisch. Plötzlich ist die ganze Sache nicht mehr so einfach und Du hörst von Fachbegriffen und Communities, von denen Du noch vor wenigen Tagen keine Ahnung hattest. War bisher Dein Bestreben, Dir den Kopf zu zerbrechen, wie Du Deine Gedanken zu Papier bringst, verwendest Du plötzlich Deine Energie darauf, was denn "ziehen könnte" und wie bitte schön man auf Dich aufmerksam werden kann? Du wirst zum PR-Mann - und schreibst plötzlich Kommentare bei online-Ausgaben grosser Zeitungen, in der Hoffnung, dass auch das Dir ein paar Links und Besuche in Deinem kleinen aber feinen Blog einträgt.
Eigentlich doch schön, wenn er das bleiben kann und wenn ich ihn wieder zu erkenen vermag, auch wenn er "wächst"... Und darum gehe ich jetzt auch dahin zurück, an diesen im Grunde wirklich kuscheligen und persönlichen Ort, der dennoch so schön anonym sein kann und irgendwie doch verbindlich. Heimelig einfach weil ein Stück von mir selbst.
Genau das sind und bleiben die meisten Blogs. Das macht sie nicht bedeutend noch seicht. Das macht sie einfach zu einer Art Spiegelbild dessen, wie wir und unsere Gesellschaft heute funktionieren. Sehr spannend. Wirklich. Ich verspreche es. Hast Du schon ein Blog oder schläfst Du noch?
Thinkabout
Es ist doch ganz einfach - letzten Endes kommt es auf den Inhalt an; die Verpackung ist unwesentlich. Natürlich kann man über Quantitäten sinnieren, aber da fällt mir immer der Witz von der Bild-Zeitung ein. Schlagzeile: "Leute, eßt Scheiße! Millionen Fliegen können sich nicht irren!"
Die Technologie ist interessant. Das ist die Bedeutung Gutenbergs: Er hat die Möglichkeit, Inhalte zu produzieren, billiger und effektiver gemacht. Ein Ende dieser Entwicklung ist noch nicht abzusehen, siehe Book on Demand. Das ist auch die Bedeutung des Fernsehens: Man kann damit Müll transportieren, aber auch wichtige und unvergeßliche Inhalte. Ebenso das Internet mit allen seinen Möglichkeiten, unter anderem den Blogs.
Das sind absolut neue und unerhörte Chancen, die die Menschheit vorher nicht hatte und jetzt begierig aufgreift. Ob dabei Müll oder wertvolle Inhalte produziert werden, steht auf einem anderen Blatt. Selbst wenn Tausende von Bloggern untereinander vernetzt sind, sagt das überhaupt nichts über die Qualität aus. Wer hat schon Kant gelesen? Muß man Kant lesen? Wer hat Konsalik gelesen? Muß man Konsalik lesen? Eben.
Selbstverständlich ist das meiste dessen, was produziert wird, höchstens für den Produzenten oder seine Kumpels interessant, wobei man über die Gründe auch noch trefflich philosophieren und psychologisieren kann. Das Argument mit den aktuellen Nachrichten in Blogs kann nicht für die Blogs sprechen - es ist ein Argument für das Internet, für das Medium, und diese Nachrichten hätten ebensogut per Forum, Newsgroup oder E-Mail verbreitet werden können.
Eine Neuigkeit der Blog-Technologie ist die Möglichkeit, automatisch über Änderungen benachrichtigt zu werden. Das ist aber eigentlich ein alter Hut und war in den neunziger Jahren schon eine unabhängige Dienstleistung, die sich allerdings nicht durchgesetzt hat. Der Anbieter konnte dem Leser einen Fremddienst anbieten, der den Leser benachrichtigte, wenn sich eine Seite etwas änderte. Dazu mußte der Fremddienst die Seite natürlich regelmäßig besuchen und kontrollieren, ähnlich wie eine Suchmaschine.
Die zweite gepriesene Neuerung ist die Möglichkeit, die Rückverweise auf die eigene Seite erfassen zu können. Das ist im Grunde auch ein alter Hut, die Ranking-Technologie von Google beruht darauf. Daß diese jetzt für private Seiten zur Verfügung steht, mag ein Fortschritt sein - der Preis ist die Nutzung neuer Dienstleistungen, denn irgend woher müssen die Informationen ja kommen, irgendwer muß sie zusammentragen.
Ob sich die Sache hält, muß sich erst noch erweisen. Die reine Quantität beweist noch gar nichts. Geocities lebt noch, weil Yahoo dieses Unternehmen geschluckt hat, aber von dem ursprünglichen Hype ist nichts mehr übrig. Wie hieß nochmal das Unternehmen, das die Marconi-Hypothese beweisen wollte? Ach ja, Six Degrees. Der Beweis ist wohl gelungen, aber das Unternehmen scheint untergegangen zu sein.
Gehen wir also ruhig davon aus, daß unter den vielen Millionen Blogs einige wertvolle Beiträge enthalten. Da diese im Prinzip privat organisiert sein können, könnten sie den Absturz der Hype-Unternehmen überleben. Und damit auch zukünftigen Generationen zur Verfügung stehen. Das konnte aber jede beliebige Homepage schon immer. Auf einer dieser Übersichtsseiten, die versuchen, innerhalb des neuen Schaumberges zu orientieren, wurde ein Beitrag als sehr populär empfohlen. Der Titel lautete: "How to Build a High-Traffic Web Site (or Blog)". Selbstverständlich hatte der Autor den Beweis bereits erbracht. Und zwar, indem er sich bei der Abfassung seiner Inhalte fragte, ob seine Beiträge auch für künftige Generationen noch von Bedeutung sein könnten. Womit wir wieder beim Buch sind. Nicht die Masse macht es, sondern der Inhalt.
"Klo-Wand" kam von der Werbeagentur JungvonMatt, die auch DuBistDeutschland an die MedienWände geschmiert hat. Insofern steht es wohl 1:1. Nur!
Es hat schon seinen Grund warum repressive Regierungen ein großes Auge auf Blogs werfen. Diese Form der (interdiziplinären) Vernetzung ist einzigartig und birgt eine Menge an Möglichkeiten der Organisation.
Die deutsche Bloglandschaft ist in dieser Hinsicht noch nicht gefordert worden, sieht man eben von den Entgleisungen der "du-bist-deutschland vonMatt Klowand" ab. Wobei dies wohl eher als grosser Spass innerhalb der Gemeinde gesehen wurde.
Die Premiere steht den Blogger hierzulande noch bevor und ich vermute mal, dass sie erst dann in vollem Umfang wahrgenommen werden.
Taucht man etwas tiefer in die Blog-Welt kann man bereits jetzt Informationen bekommen die noch nicht einmal am Rand der Medienlandschaft zu finden sind. Abgesehen von vielen Blogautoren die wirklich lesenswerte Beiträge schreiben und dies mit gleichbleibender Qualität.
Meineserachtens ist das BlogPotentional bei weitem noch nicht ausgeschöpft und es gesteht die Möglichkeit, dass sie sich zur 5. Macht im Staat entwickeln könnten.
ein persönlicher erfahrungsbericht
Das wächst.
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