CEBIT Wie im RauschSeite 2/2
Natürlich hat der Fortschritt seinen Preis. »Blackberry-Daumen« (wegen Sehnenscheidenentzündung) und »CrackBerry« (wegen des Suchtfaktors) gehören inzwischen zum Small-Talk-Standardrepertoire auf allen Partys. Schlimmer: Wer ständig auf die Minitasten drückt, wirkt wie ein kleiner Junge, der Autorennen auf dem Gameboy fährt. Wirklich lässig sieht niemand aus, wenn er mit dem Blackberry hantiert. Und schließlich ist da noch die Datensicherheit: Weil alle europäischen Blackberry-Mails über einen einzigen Server in England laufen, fürchtet das deutsche Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, der Blackberry sei »für den Einsatz in sicherheitsempfindlichen Bereichen der öffentlichen Verwaltung und spionagegefährdeten Unternehmen nicht geeignet«.
Durch die ständige Erreichbarkeit via Blackberry verschwimmen die Grenzen zwischen Arbeitswelt und Freizeit noch weiter. Während eine Mail vom Freitagnachmittag bislang gerne mal bis Montagmittag liegen blieb, kann der Chef von seinem Blackberry-führenden Untergebenen nun stets eine schnelle Antwort erwarten. Wenn die Technik gut funktioniert, ist die Anfrage »Können Sie mir bitte noch schnell die folgenden Unterlagen schicken…« allenfalls lästig. Wenn plötzlich jedoch der Akku leer ist oder – Schwachstelle vor allem älterer Blackberrys – Dateianhänge nicht geöffnet werden können, sehnen sich Blackberry-Besitzer nach der Zeit zurück, in der das Fax die modernste Möglichkeit war, Texte zu übermitteln.
Kabinette, Chefetagen und Premierenpartys hat der Blackberry längst erobert. Was macht das Gerät auch jenseits der Kommunikationselite interessant? Neben den sinkenden Preisen für Anschaffung (zwischen rund 400 bis 600 Euro) und Betrieb (derzeit rund 15 Euro pro Monat) ist es die einfache Bedienung. Das Garantiehandbuch ist dicker als die Bedienungsanleitung – und die braucht man im Grunde nicht. Im Gegensatz zu den meisten Mobiltelefonen bekam das Blackberry nicht noch diverse Zusatzfunktionen aufgebrummt.
Da gibt es keine Digitalkamera, die unscharfe Bilder macht, keinen MP3-Player und kein eingebautes Radio. Noch nicht – denn RIM kündigte leider bereits an, solche Zusatzfunktionen bei kommenden Modellen einbauen zu wollen. Bislang ist nur das an Bord, was der Arbeiter der Neuzeit braucht: Mail-Programm, Terminkalender, Adressbuch, Telefon, Notizblock und Taschenrechner.
Eine weitere Funktion hat das Model Naomi Campbell eingeführt, das dafür bekannt ist, bei Wutanfällen auf ihre Assistentinnen einzuprügeln. Benutzte sie zur Züchtigung bislang nur Handy oder flache Hand, greift sie inzwischen gerne auch zum Blackberry.
- Datum 09.03.2006 - 13:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT 09.03.2006 Nr.11
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Die Aufregung ist vorbei. Die kanadische Firma Research in Motion(RIM) hat den amerikanischen Klaeger abgefunden, und die Gefahr, dass den US-Kunden der "Gashahn" abgedreht werden koennte, ist gebannt. Fuer alle Faelle hatte RIM jedoch bereits Vorkehrungen getroffen, um die Weiterbenutzung des Geraets im Falle eines US-Boykotts zu ermoeglichen. Experten hatten jedoch von Anbeginn vermutet, dass es sich um eine leere Drohung handle, denn das Instrument ist in den USA bereits viel zu verbreitet. Selbst Condoleeza Rice ist nie ohne ihr Blackberry anzutreffen.
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