DänemarkIn der Festung Dänemark

Ein nettes, kleines Land wird zum Ziel islamischer Wut, nur wegen ein paar Karikaturen. Unbemerkt davon schürt die dänische Politik seit Jahren Ausländerfeindlichkeit. von Wolfgang Zank

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Kaum ist der Besucher dem Taxi entstiegen, als sich auch schon ein beinahe zwei Meter hoher Mann direkt vor ihm aufbaut. Er trägt die blaugraue Uniform einer privaten Wachgesellschaft, eine Wollmütze bedeckt seine Glatze nur teilweise. Ein weiterer Wächter beäugt den Besucher kritisch aus etwas größerem Abstand, und über dem Eingang registriert eine Kamera alle Vorkommnisse. Was er denn wolle und ob er überhaupt eine Mitarbeiternummer habe, wird der Besucher gefragt. Als er sein Anliegen erklärt, darf er zumindest stehen bleiben und sich ein wenig umschauen. Das Redaktionsgebäude ist ein architektonisch wenig ansprechender Zweckbau aus gelben Ziegeln mit grauem Flachdach, und auf einer Lagerhalle linker Hand prangt der Name des Blattes: Morgenavisen Jyllands-Posten. Die Zeitung, die den mittlerweile weltweiten Karikaturenstreit durch Abruck der Mohammed-Porträts ausgelöst hat.

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Der Beinahe-zwei-Meter-Mann geht an die Tür, tippt eine Zahl in das elektronische Schloss und verhandelt durch ein Fenster mit einem weiteren Wächter. Der greift zum Telefon, führt einige Gespräche und erteilt dann dem Besucher die Genehmigung, durch zwei Sicherheitstüren in das Gebäude zu gehen. Die Journalisten drinnen sind im Stress – die Montagsausgabe muss fertig werden. Aber Redakteur Lars Fromm gibt gerne ein wenig Auskunft.

"Unsere Situation war ja in der letzten Zeit manchmal recht unangenehm, mit mehreren Bombendrohungen, unbehaglichen E-Mails und dergleichen. Am schwersten war es für die Kollegen, deren Kinder auf Schulen in der Nähe gehen. Nicht weit von hier liegt ein Stadtteil mit vielen Einwanderern, und das prägt natürlich auch die Schulen."

Aber gekündigt hat keiner. Auch Kulturredakteur Flemming Rose ist bald wieder zurück. Er war es, der die Mohammed-Zeichnungen ins Blatt schob. Als er dann gegenüber CNN erklärte, die Jyllands-Posten würde selbstverständlich im Namen der Meinungsfreiheit auch iranische Holocaust-Karikaturen abdrucken, schickte ihn Chefredakteur Carsten Juste erst einmal in Urlaub. "Der Stress war einfach zu viel für Rose", hieß es als Begründung. Die Auflage der Zeitung ist übrigens unverändert, der gestiegene Bekanntheitsgrad des Blattes führte nicht zu mehr Einnahmen.

Beim Verlassen des Redaktionsgebäudes stellt sich heraus, dass der Beinahe-zwei-Meter-Mann und der wartende Taxifahrer alte Bekannte sind. "Der hat mich schon zweimal weggeschickt, obwohl die Jyllands-Posten mich hierher bestellt hatte. Aber der Kunde war noch im Gebäude. Ich trage eine Taxifahrer-Uniform, und das Auto ist klar als Taxi zu erkennen, aber der Wächter sagte, ich darf hier nicht parken. Ich musste also leer wieder abfahren."

Der Taxifahrer – eher klein, schwarzes Haar, braune Augen – könnte vom Aussehen her durchaus Araber sein, das gab in den Augen des Wachpostens wohl den Ausschlag. Wobei es etwas absurd ist, Taxen das Parken zu verbieten, während gleichzeitig jeder mit dem Auto problemlos an das Gebäude heranfahren kann.

Und so taugt die kleine Festung Jyllands-Posten als Bild für das Image des ganzen Landes als der großen Festung Dänemark. Lars Kolind, lange Jahre an der Spitze von Erfolgsfirmen wie Oticon oder Radiometer und jetzt Leiter einer wirtschaftsnahen Denkfabrik, konnte die Entwicklung aus der Nähe verfolgen:

"Bis vor etwa fünf Jahren war es immer eine Freude, als Repräsentant der dänischen Wirtschaft in der Welt herumzureisen. Dänemark war als offenes, humanistisches und verantwortungsbewusstes Land bekannt." Damit sei nun Schluss. "Der Markenname, den aufzubauen fast hundert Jahre dauerte, ist zerstört. Mehrmals bin ich in den letzten Jahren der Auffassung begegnet, dass Dänemark ein abgeschlossenes Land sei, das es schlecht versteht, Menschen aufzunehmen, die anders als wir selbst sind."

Leserkommentare
    • kurtvw
    • 09. März 2006 14:30 Uhr

    Wäre es für Ihn denn nicht konsequent zu sagen, dass eine Luftbrücke einzurichten sei, für all diejenigen, die täglich unter Einsatz ihres Lebens, mindestens aber unter Opferung der Ersparnisse ihrer Verwandtschaft, nach Europa wollen, aus Ländern mit 100 Millionen und mehr Einwohnern? Das wäre doch wirkliche altruistischer Humanismus.
    Eine Luftbrücke die mehr Zustrom ermöglicht, als fünf Jumbos a 400 Passagiere in 365 Tagen im Jahr schaffen, denn soviel kommen schon heute pro Jahr nach Deutschland. Davon werden zwar weniger als zwei Prozent als Asylberechtigte anerkannt, aber der Rest geht nicht zurück. Warum diskutiert der Autor nicht die Konsequenzen der alles andere als unrealistischen Vision, dass wir dann in zwanzig Jahren in Deutschland oder in Dänemark nicht zehn sondern 25 Prozent Bevölkerungsnateil haben, der dann hier so leben will wie dort wo er herkommt?

    Diese völlig einseitige Propaganda für Multikulti durch die ZEIT ist unerträglich.

    • yksi
    • 09. März 2006 15:19 Uhr

    Ich zitiere zunächst aus dem Artikel:

    "Das Dänische – die Sprache wirkt auf Nichtdänen, als sei sie eigens zu dem Zweck konstruiert worden, ihnen das Erlernen so schwer wie möglich zu machen. Es wimmelt von Unregelmäßigkeiten und unlogischem Gebrauch von Präpositionen; Dänen liegen beispielsweise nicht »im«, sondern »auf« dem Krankenhaus. Und dann natürlich die Aussprache: Auslautendes d hört sich an, als habe der Sprecher eine Kartoffel hinter die Unterlippe geschoben. Andere Laute werden verschluckt, und viele Silben sind durch die gezielte Andeutung eines Schluckaufs zu untermalen.

    »Die aus den warmen Ländern.« Schwer auszuloten ist das Ausmaß alltäglicher Diskriminierung, über das viele Einwanderer klagen. Es wäre zweifellos verfehlt, sich alle Dänen oder auch nur die meisten von ihnen als fremdenfeindliche Rüpel vorzustellen." ... "Verhöhnung also als Erziehung zur Demokratie."

    Was da oben steht, ist natürlich keine DISKRIMINIERUNG einer Sprache oder gar VERHÖHNUNG, sondern sachliche, wenn nicht sogar "wissenschaftliche" Feststellung. Zumal der Artikelschreiber nicht von sich oder von einigen Nichtdänen spricht, sondern von "Nichtdänen" schelchthin, also allen. Außerdem muss er sehr viele Sprachen mehr als nur oberflächlich studiert haben.
    Meine Wenigkeit - leider - keine Däne findet die dänische Sprache aber viel melodiöser als etwa die schwedische und bei weitem nicht so schwierig wie die polnische, von der russischen oder gar von fernöstlichen ganz zu schweigen.

    Falls aber der Artikelschreiber nicht über die vorgenannten Sprachkenntnisse verfügt, wäre es natürlich verfehlt, sich alle Artikelschreiber in "DIE ZEIT" oder auch nur die meisten von ihnen als oberflächliche, geistig recht primitive Rüpel vorstzustellen.

    Was den übrigen Text betrifft, empfehle ich dem Artikelschreiber und allen seinen Lesern in eine gute Suchmaschine folgende Begriffe einzugeben:
    "Moses UND Jesus UND Mohammed UND Betrüger". Dann werden sie auf ein Buch aus der Zeit der europäisschen Aufklärung hingewiesen. Es sollte baldmöglichst neu aufgelegt werden - auch auf die Gefahr weiterer Fatwa-Mordurteile hin. Auszugsweiser Vorabdruck Abdruck in "DIE ZEIT" dringend!

  1. fuer Immigranten zu schwer? So ein Kommentar ist doch laecherlich.Schlage allen,die mit der daenischen Sprache Probleme haben vor nicht dorthin auszuwandern,damit waere es kein Problem mehr.Wenn man bedenkt wie klein Daenemark ist dann kann ich verstehen dass sich die Daenen so langsam Gedanken machen ueber den staendigen Zufluss von Leuten die sicherlich kaum wussten dass es so ein Land ueberhaupt gibt dann ist das sehr vertaendlich.Kein europaeisches Land kann die vielen Asylanten die in der Welt umher reisen aufnehmen.Irgendwo ist dann Feierabend.Immigranten muessen das auch erkennen.

    Eine Leserempfehlung
  2. "Das Dänische – die Sprache wirkt auf Nichtdänen, als sei sie eigens zu dem Zweck konstruiert worden, ihnen das Erlernen so schwer wie möglich zu machen. Es wimmelt von Unregelmäßigkeiten und unlogischem Gebrauch von Präpositionen; Dänen liegen beispielsweise nicht »im«, sondern »auf« dem Krankenhaus. Und dann natürlich die Aussprache: Auslautendes d hört sich an, als habe der Sprecher eine Kartoffel hinter die Unterlippe geschoben. Andere Laute werden verschluckt, und viele Silben sind durch die gezielte Andeutung eines Schluckaufs zu untermalen."

    Ach Gottchen ...

    Bei diesem Text musste ich zunächst auch etwas schlucken, erfreue mich allerdings mittlerweile an seiner unfreiwilligen Komik. Man hätte ihn vielleicht eher in einer Martenstein-Kolumne erwartet als in einem bierernsten Dossier über Fremdenfeindlichkeit in Dänemark. (In diesem Fall hätte ich allerdings eine kreative Krise bei Herrn Martenstein vermutet.)

    Die Aufzählung der Dämlichkeiten in diesem kurzen Absatz würde seine Länge um ein Vielfaches übertreffen. Die kreative Beschreibung von Phonemen der dänischen Sprache. Die erstaunliche These, es gebe so etwas wie logische und unlogische Sprachen. Die Tatsache, dass dies dann auch noch an Präpositionen festgemacht wird, und das im Deutschen, einer Sprache, die wie wir wissen, MIT DEM Dativ vertraut ist, aber OHNE DEN Akkusativ auch nicht auskommt. Das ist alles ganz großes Kabarett, das eine Linguistenparty nach dem vierten Glas Champagner wohl zu Beifallsstürmen hinreissen würde.

    Eine solche Naivität gegenüber Sprache(n) würde ich der Bauernjugend von Iowa jederzeit nachsehen. Aber einem ZEIT-Journalisten?

    Eine Leserempfehlung
  3. Warum is denn das so schlecht wenn als Ureinwohner keine permanente Einwanderung moechte, und sich nicht an fremde Sitten anpassen mag?

    Das wird immer als 'unfreundlich' or auch 'rassistisch' dagestellt, und das finde ich unfair.

    Ich habe nichts dagegen wenn Menschen aus aller Welt uns besuchen und hier fuer eine begrenzte Zeit studieren oder auch Geld verdienen, das halte ich fuer eine sehr gute Methode der Entwicklungshilfe und der Begegnung.

    Allerdings waere es mir lieb wenn wir 'uns' bleiben duerfen!

  4. Danke Wolfgang Zanks! Ihr beinharter Enthüllungsjournalismus hat mir die Augen geöffnet für die Perfidie unserer Nachbarn im Norden. Wer hätte das von den Dänen gedacht, dass sie jahrhundertelang an der Perfektionierung einer superschweren Sprache gefeilt haben, nur um im günstigen Augenblick arglose Immigranten damit abzuschrecken! Welche Abgründe!

  5. Ich bin Ihrer Empfehlung gefolgt und habe die vier Worte einmal eingegeben. Ergebnis:

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    Text französ.-dtsch.. Hrsg., eingel., komment. u. übers. v. Winfried Schröder Philosophische Bibliothek Bd.452 LII, 168 S. 240g
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    ISBN 3-7873-1174-2 | KNV-Titelnr.: 05366792

  6. besonders fuer die tuerkischen Immigranten auch zu schwer denn die meisten haben trotz der Tatsache dass sie schon seit 30 Jahren im Land leben noch enorme Sprachdefizite;was schlaegt der Schreiber denn vor, eine immigranten-freundliche Landessprache?!Was fuer ein ausgemachter Unsinn.
    Aber da kann man sehen zu welchen Auswuechsen es kommen kann.

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