Kaum ist der Besucher dem Taxi entstiegen, als sich auch schon ein beinahe zwei Meter hoher Mann direkt vor ihm aufbaut. Er trägt die blaugraue Uniform einer privaten Wachgesellschaft, eine Wollmütze bedeckt seine Glatze nur teilweise. Ein weiterer Wächter beäugt den Besucher kritisch aus etwas größerem Abstand, und über dem Eingang registriert eine Kamera alle Vorkommnisse. Was er denn wolle und ob er überhaupt eine Mitarbeiternummer habe, wird der Besucher gefragt. Als er sein Anliegen erklärt, darf er zumindest stehen bleiben und sich ein wenig umschauen. Das Redaktionsgebäude ist ein architektonisch wenig ansprechender Zweckbau aus gelben Ziegeln mit grauem Flachdach, und auf einer Lagerhalle linker Hand prangt der Name des Blattes: Morgenavisen Jyllands-Posten. Die Zeitung, die den mittlerweile weltweiten Karikaturenstreit durch Abruck der Mohammed-Porträts ausgelöst hat.

Der Beinahe-zwei-Meter-Mann geht an die Tür, tippt eine Zahl in das elektronische Schloss und verhandelt durch ein Fenster mit einem weiteren Wächter. Der greift zum Telefon, führt einige Gespräche und erteilt dann dem Besucher die Genehmigung, durch zwei Sicherheitstüren in das Gebäude zu gehen. Die Journalisten drinnen sind im Stress – die Montagsausgabe muss fertig werden. Aber Redakteur Lars Fromm gibt gerne ein wenig Auskunft.

"Unsere Situation war ja in der letzten Zeit manchmal recht unangenehm, mit mehreren Bombendrohungen, unbehaglichen E-Mails und dergleichen. Am schwersten war es für die Kollegen, deren Kinder auf Schulen in der Nähe gehen. Nicht weit von hier liegt ein Stadtteil mit vielen Einwanderern, und das prägt natürlich auch die Schulen."

Aber gekündigt hat keiner. Auch Kulturredakteur Flemming Rose ist bald wieder zurück. Er war es, der die Mohammed-Zeichnungen ins Blatt schob. Als er dann gegenüber CNN erklärte, die Jyllands-Posten würde selbstverständlich im Namen der Meinungsfreiheit auch iranische Holocaust-Karikaturen abdrucken, schickte ihn Chefredakteur Carsten Juste erst einmal in Urlaub. "Der Stress war einfach zu viel für Rose", hieß es als Begründung. Die Auflage der Zeitung ist übrigens unverändert, der gestiegene Bekanntheitsgrad des Blattes führte nicht zu mehr Einnahmen.

Beim Verlassen des Redaktionsgebäudes stellt sich heraus, dass der Beinahe-zwei-Meter-Mann und der wartende Taxifahrer alte Bekannte sind. "Der hat mich schon zweimal weggeschickt, obwohl die Jyllands-Posten mich hierher bestellt hatte. Aber der Kunde war noch im Gebäude. Ich trage eine Taxifahrer-Uniform, und das Auto ist klar als Taxi zu erkennen, aber der Wächter sagte, ich darf hier nicht parken. Ich musste also leer wieder abfahren."

Der Taxifahrer – eher klein, schwarzes Haar, braune Augen – könnte vom Aussehen her durchaus Araber sein, das gab in den Augen des Wachpostens wohl den Ausschlag. Wobei es etwas absurd ist, Taxen das Parken zu verbieten, während gleichzeitig jeder mit dem Auto problemlos an das Gebäude heranfahren kann.

Und so taugt die kleine Festung Jyllands-Posten als Bild für das Image des ganzen Landes als der großen Festung Dänemark. Lars Kolind, lange Jahre an der Spitze von Erfolgsfirmen wie Oticon oder Radiometer und jetzt Leiter einer wirtschaftsnahen Denkfabrik, konnte die Entwicklung aus der Nähe verfolgen:

"Bis vor etwa fünf Jahren war es immer eine Freude, als Repräsentant der dänischen Wirtschaft in der Welt herumzureisen. Dänemark war als offenes, humanistisches und verantwortungsbewusstes Land bekannt." Damit sei nun Schluss. "Der Markenname, den aufzubauen fast hundert Jahre dauerte, ist zerstört. Mehrmals bin ich in den letzten Jahren der Auffassung begegnet, dass Dänemark ein abgeschlossenes Land sei, das es schlecht versteht, Menschen aufzunehmen, die anders als wir selbst sind."