Karriere Mama macht KarriereSeite 5/5

Draußen beginnt es zu regnen, Minuten später setzt ein Gewittersturm ein. Margot Käßmann stürzt auf den Balkon und schleppt Stoffpolster in die Wohnung, am Ende ist sie nass bis auf die Haut. Eckhard Käßmann räumt den Mittagstisch ab.

»Schauen Sie mal.« Margot Käßmann bläst den Staub von einem Fotorahmen, den sie von der Wand genommen hat. Das Hochzeitsfoto, fast fünfundzwanzig Jahre ist es jetzt her. Die zarte Braut trägt flache Schuhe und hat sich wenig verändert, aber der Bräutigam scheint heute ein anderer zu sein. Auf dem Foto trägt Eckhard Käßmann einen schwarzen Anzug aus Cord und wilde Locken auf dem Kopf, er wirkt wie ein Hippie, der die Welt einreißen will.

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Die Zweisamkeit mit ihrem Mann, hatte Margot Käßmann beim Gespräch unten im Büro erzählt, sei über die Jahre auf der Strecke geblieben. Dafür blieb keine Zeit, immer standen die Kinder obenan. »Junge Paare achten heute mehr darauf, etwas zu zweit zu machen, das ist sicher richtig«, sagte die Bischöfin, und es klang, als habe sie etwas versäumt. Vielleicht ist das der Preis, der gezahlt werden muss, denn alles haben zu können ist für Frauen heute offenbar noch immer eine Illusion.

Von den Autorinnen dieses Artikels erscheint dieser Tage das Buch »Die Unmöglichen. Mütter, die Karriere machen« im Diana-Verlag

 
Leser-Kommentare
  1. Schade, dass in ihren Arikeln immer nur Beispiele gegeben werden, in denen die Frau und Mutter ihre Familie, Karriere und Partnerschaft alleine regeln muss. In unserem Freundeskreis (uns eingeschlossen) gibt es auch einige Beispiele, in denen Vater und Mutter gemeinsam ihre Familie, ihre Partnerschaft und ihre Karrieren regeln. In diesen Fällen ist zwar auch nicht alles einfach, aber manches leichter. Es wäre schön, wenn sie auch mal positive Beispiele geben würden, anstatt immer nur den Frauen zu erklären, was eben gerade so geht oder wie die Frau ihre Familie, ihre Karriere (Das war in der letzten Ausgabe auch so ein wunderbarer Vorschlag, die Karriere auf die Schulzeit zu verlegen, da es ja eine flächendeckende Ganztagsschulversorgung in Deutschland gibt.) und ihre Partnerschaft regeln soll.
    Sabine & Timur Imamoglu

  2. ach nee, und was ist mit den ganzen Frauen, die auch Kinder haben, aber trotz Arbeitsstelle nicht die finanziellen oder entsprechenden familiären Möglichkeiten haben, um Karriere zu machen - mit der entsprechenden Ausbildung und der entsprechenden Kohle ist das ja wohl nicht so schwer.

    • Konko
    • 17.03.2006 um 18:20 Uhr

    alle diese beschriebenen frauen schaffen es doch ganz prima, wenn auch unter mühen, sie haben zumindest modelle, die funktionieren mit ächzen und stöhnen sicherlich. aber alle sind karrierefrauen, die fast schon klischeehaft beschrieben sind, so nach dem titelbild von "madame" frau, schlank attraktiv, jung, erfolgreich, hinter schreibtisch, auf dem schreibtisch das kind. wollen wir das nicht alle?! aber sind wir das auch alle? scheint mir ein artikel zu sein, der von privilegierten frauen für privilegierte frauen geschrieben ist. alle stehen gut in lohn und brot. existentielle/ finanzielle probleme gibt es nicht. Warum so pseudo -flott und einseitig?

  3. Jener generöse Ton, wie er auch in diesem Artikel angeschlagen wird, ärgert mich immer wieder. Ich frage mich, was diese Mitleidstour soll, die sich nur sehr dürftig als Hochachtung tarnt?

    Männer sind, wenn sie denn Karriere machen, meistens schon mit einem Drittel des Lebens zufrieden. Sie wollen nicht einmal zwei, von dreien ganz zu schweigen. Hat der eine oder andere von ihnen mit Fünfzig das dumpfe Gefühl, etwas zu vermissen, sucht er sich eine junge Geliebte und damit ist der Fall erledigt. Niemand bedauert ihn dafür. Wenn Frauen verkünden, "alles haben" zu wollen und dann auch nur den aller kleinsten Abstrich davon machen, dann wird das seltsamer Weise sofort zum gesellschaftlichen Problem stilisiert. Von den Männern. Und von Frauen, die sich an Männern orientieren.

    Die Muster, nach denen berufliche Erfolge gehäkelt werden, sind offenbar noch immer die gleichen, wie vor hundert Jahren. Dabei scheint es völlig egal zu sein, ob der Karrierist nun ein Mann oder eine Frau ist. Immer muss jemand da sein, der die "weniger anspruchsvollen" Dinge des Lebens für die Damen und Herren Chefs erledigt. Schließlich kommt weder ein Spitzenmanager noch eine Bischöfin ohne warme Mahlzeiten, saubere Klamotten oder ein gemachtes Bett aus. Jedenfalls nicht, wenn er oder sie sich für Kinder entschieden hat. Wenn also die Frau und Mutter nicht bereit ist das Aschenputtel zu geben, bleibt diese Rolle dem Mann. Und wenn der sich ebenfalls weigert, muss das gute alte Dienstmädchen ran. Und kein Mensch fragt, ob sich das Dienstmädchen womöglich auch "alles" wünscht für sein Leben - schon, weil die Zeitungen immer so lobend darüber berichten, wenn eine Andere es tut.

    Die Mär von der selbst organisierten Karrierefrau mit glücklicher Kinderschaar, stolzem, berufstätigem Ehemann und selbstorganisierendem Haushalt basiert auf der uralten Arbeitsteilung zwischen Oben und Unten, arm und reich, gebildet und ungebildet, egoistisch und altruistisch, selbst- und fremdbestimmt, frei und unfrei. So lange sich an dieser Tatsache nichts ändert, wird keine "neue Zeit" anbrechen, egal, wie viele Superfrauen die Medien am Horizont ausmachen. Schon deswegen nicht, weil die Männer keine Sekunde lang zweifeln müssen an sich, ihren Prämissen oder an der albernen 12-Stunden-Job-, Statussymbol- und Reisezwang-Welt, die sie sich eingerichtet haben.

  4. Toll, wie es diese Frauen bislang geschafft haben. Gerade Ihr Vergleich mit der Fernsehwerbung im ersten Absatz zeigt jedoch, welche außergewöhnlichen Bilder hier erzeugt werden. Zwischen der zunehmenden Berichterstattung über Top-Managerinnen mit Kindern und der Darstellung überforderter und von Sozialhilfe abhängiger Alleinerziehender fehlt mir ein Blick auf die zahlreichen Zwischenräume, die von Frauen mit Kindern besetzt werden. Was nützen die Fähigkeiten, Kinderbetreuung optimal organisieren und sich vom sozialisationsbedingten Rabenmutter-Gewissen befreien zu können, wenn Mütter erst gar nicht die Chance haben, einen Arbeitsplatz zu ergattern. Wie weit werden Mütter tatsächlich auf einem knappen Arbeitsmarkt benachteiligt? Wie schaffen es Akademikerinnen, die schon Kinder haben, in den Beruf einzusteigen? Wo gibt es einige der raren Männer, die Gleichberechtigung kapiert haben, wie ihn Frau Käßmann abbekommen hat? Wann, vor allem, ist mal die Rede davon, dass die Vereinbarung von Kindern und Beruf ein Weg mit Höhen und Tiefen ist, dass frau es nicht nur einmal "geschafft hat", sondern dass es immer wieder Durststrecken, Abhänger, Überforderungen gibt, natürlich (hoffentlich) auch Erfolg, aber meistens nicht sehr viel Anerkennung.
    Wann, so mein Fazit, müssen wir Mütter mit Berufen uns weder von den gerne medial zitierten "Superfrauen" unter Druck setzen lasssen noch einer skeptischen Gesellschaft beweisen, dass wir beidem gerecht werden können? Wann sind wir endlich einfach nur normal, gut oder schlecht in unserem Beruf, gut oder schlecht in der Erziehung unserer Kinder - so wie berufstätige Väter halt auch?

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