Linke Guck mal, wer da kandidiertSeite 3/3
Und die SPD? Sie leidet in der Großen Koalition. Die Bundeskanzlerin winkend auf dem Sonnendeck und die SPD schwitzend im Maschinenraum – SPD-Generalsekretär Hubertus Heil hat da ein hübsches Bild der Lage geprägt. Gibt es einen besseren Weg, der CDU den eigenen Anspruch auf einen Platz am Pool zu demonstrieren, als durch eine rot-rote Koalition in Sachsen-Anhalt? »Das Land hat keine große strategische Bedeutung; die roten Parteien sind hier politisch beinahe deckungsgleich – und die Spitzenkandidaten Jens Bullerjahn von der SPD und Wulf Gallert von der PDS sind regelrecht befreundet«, sagt Jan Korte. Als Geschäftsführer ihrer Fraktionen hatten Bullerjahn und Gallert ja seinerzeit ihren Anteil am »Magdeburger Modell« der Tolerierung einer SPD-Minderheitsregierung durch die PDS. Und auch diesmal öffnet die PDS die Arme wieder ganz weit. »Natürlich würden wir das hinbekommen. Sehr zügig sogar«, sagt Korte. Aber er glaubt nicht daran. »Zu früh!«, sagt er, noch mal hundert Tage in der Großen Koalition, und die SPD wäre vielleicht so weit. Aber jetzt hat sich Bullerjahn erst mal festgelegt, er will nicht mit der Linken. Lieber mit der CDU. Gerne auch als Juniorpartner.
- Datum 09.03.2006 - 13:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT 09.03.2006 Nr.11
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Bin eben dabei Tucholsky zu lesen, obwohl in Frankreich lebend, stand er auf der ersten Ausbürgerungsliste des deutschen Reiches, schon 1933.
Die Linke stört den Kapitalfluss, die Bösen, also mussten sie als Erste dran glauben in Zeiten în welchen Keinen das im Ausland quälte und in Deutschland immer weniger Leute.
Hat sich etwas geändert? Nein, eigentlich seit Tucholsky haben wir nur einen kleine Ausflug in den Wohlstand für alle gemacht, eine sehr kleinen.
Es war ja so dass wir gekauft werden mussten sagte mir ein Philosoph, sonst hätte das Volk womöglich Kommi gestimmt. Dieses Volk ist ja so dumm.
Nun als die Mauer fiel, die UdSSR auseinanderbrach war der Kauf nicht mehr nötig. Wenn es brenzlig wird, zeigen wir die bösen Russen beim Tschetchenien Krieg und dann ist das Volk wieder bei Stange. Im Zweifelsfalle die Guten.
Ob wir zwar so gut sind sei dahingestellt angesichts unserem unheimlichen Drang den blauen Planeten in eine Kloake zu verwandeln, und weil wir da gehemmt sind exportieren wir unseren eigenen Dreck.
Wie wäre es mit dem Atommülllager in Mozambik oder in Somalien, wir die Gutmenschen, die Bürger.Das Elend Gottes würde besser zu uns passen.
Wir können bei Tucholsky Zahlen lesen die heute auch noch war sind, wieviele Rechte verurteilt werden und wieviele Linke für selbe Vergehen. Es hat sich nichts geändert, fehlt nur noch dass einer singt: wir wollen unseren alten Kanzler.... wiederhaben.
Das war Sarkasmus ganz nach Tucholsky Manier.
Da gibt es nun endlich einmal in einer politischen Partei eine ganze Menge Menschen, die sich nicht der deutschen Politiktradition unterwefen wollen, die da lautet: Führer befiehl, wir folgen.
Die großen Parteien, voll durchdizipliniert von oben nach unten, zur Not auch mit der Drohung des Mandat-Entzuges (= Nötigung des Verfassungsorganes Bundestag) praktizieren dieses Prinzig leider ungeniert.
Und da gibt es nun in dieser WASG Menschen, die nicht den Befehlen der Führer folgen wollen, sondern selber denken, diskutieren und entscheiden wollen.
Und was sagt die deutsche Presse fast einhellig: Spalter nennen es die Einen. Undiszipinierter Haufen sagen Andere dazu.
Ja, die WASG hat ein Problem. Sie hat mündige Bürger gerufen, denen eine ganz, ganz andere Partei als die Anderen es sind, versprochen wurde. Nun hat sie die Quittung: Die Geister , die rief werd ich nun nicht los.
Ich meine, die deutsche Presse sollte dieses demokratische Selbstverständnis würdigen, noch bevor auch die Presse durch-disziliniert wird.
Rainer Pakosch, Rellingen
Sie hat ja in vielem Recht, die Linke. Ob sie sich nun Linkspartei, WASG oder PDS nennt. Die vielbeklagte Verlagerung von Industrie und Arbeit nach Polen, Ungarn oder China. Die Arroganz der Wirtschaftselite, die immer weiter auseinanderklaffende Lücke zwischen Arm und Reich, der Abbau sozialer Leistungen, Rentenkürzungen, die Liste ließe sich noch lange fortsetzten und ist zu Genüge bekannt.
Doch sie haben keine Lösung für die anstehenden Probleme. Sie versuchen mit Rezepten von vorgestern eine Welt von gestern zu kurieren, die es schon lange nicht mehr gibt. Die in den stürmischen ökonomischen Wachstumsraten Asiens, in der harten Konkurrenz Osteuropas unterging und deren letzte Reste vom globalisierten Kapitalverkehr hinweggefegt wurden.
Sicher mag auch im "Musterländle" Baden-Württemberg Einiges
zu kritisieren sein, die herrschende Chancenungerechtigkeit ist nur ein Beispiel. Trotzdem steht Baden-Württemberg im Vergleich glänzend da: Wirtschaftswachstum, relativ niedrige Arbeitslosenquote, geringe Kriminalitätsrate.
Trotz der Ungerechtigkeit der Chancen hat hier ein Hauptschüler bessere Chancen auf einen Job als anderswo ein Abiturient. Paradox?!
Was Deutschland benötigt, ist keine Linkspartei, oder deren zwei oder drei: Nicht auszumalen, wenn diese - zweifellos mit guten Absichten - in die Nähe einer Regierungsbeteiligung kämen. Was Deutschland braucht, ist das Umdenken von Verteilungsgerechtigkeit hin zur Chancengerechtigkeit:
Mit jeder Forderung nach sozialen Leistungen werden die Mittel des Staates knapper um eine höhere Chancengerechtigkeit herbeizuführen: Dringend und immer dringender benötigte massive Investitionen in Forschung, Bildung, Ausbildung in zweistelliger Milliardenhöhe. Nicht nur, um unsere Versäumnisse der letzten Jahre und Jahrzehnte hereinzuholen, sondern auch, um mit dem Rest der Welt mithalten zu können.
Daher untergräbt gerade die Linke mit ihren gutgemeinten Forderungen die Chancen für ein gerechteres Land. Sie schmälert mit ihrem Festhalten an überkommenen Leistungserwartungen an den Staat direkt oder indirekt
die Ressourcen für Chancengerechtigkeit.
So hoffe ich, dass trotz berechtigter Kritik in vielen Punkten an der CDU/FDP-Regierung in Baden-Württemberg politisch alles beim Alten bleibt und die Linkspartei ein Gespenst des Ostens bleibt. Mehr kann man realistischerweise nicht erhoffen.
cruor, mannheim
Sehr geehrter Herr Augstein,
"Seine Leute streiken seit bald fünf Wochen. Aber die Öffentlichkeit ist gegen ihn."
Wer ist die Öffentlichkeit? Was verleitet Sie nur zu der Annahme, dass sie gegen den Streik wäre? Bei Attac läuft bspw. gerade eine Online-Protestaktion (www.attac.de/18min), bei der innerhalb von zwei Tagen bereits 3500 Teilnehmer ihre Protestmails an die Verhandlungsführer der öffentlichen Arbeitgeber gesandt haben.
Hier zeigt sich doch überdeutlich, dass gerade die Medien derzeit kein adäquates Bild der öffentlichen Meinung spiegeln.
Inzwischen befindet sich ja - Gott sei dank - die Arbeitgeberfront in Auflösung. Ich hoffe, dass die Arbeitnehmer, gegen die Sie unter dem Begriff "Arbeiterklasse" polemisieren, endlich merken, dass sie nur mit starken Gewerkschaften faire Verträge mit den Arbeitgebern aushandeln können. Denn wohin mangelndes Engagement in den Gewerkschaften führt, kann man hier im Osten Deutschlands ablesen: längere Arbeitszeiten und geringere Einkommen.
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Viele Grüße
Burkhard Gocht
Spreedorfer Straße 144
02730 Ebersbach
kontakt.gocht@arcor.de
@cruor: Sie sprechen mir aus der Seele. Die Probleme, die die Linke beschreibt, sind -groesstenteils- vorhanden, aber es fehlt an konkreten Lösungsvorschlägen, die nicht mit noch grösseren Folgeschäden behaftet sind.
Es sollte in diesem Sinne gerade die Bildungspolitik sein, auf die die Linke sich stürzt. Bildung als Aufstiegschance in der globalisierten Welt. Statt dessen nur abgedroschene Phrasen. Da muss mehr kommen!
Schade um die vielen verschenkten Möglichkeiten, denn es ist noch immer die Linke, die viele Junge für die Politik begeistert und so Veränderungen bewirken könnte.
Noch eins zum Abschluss: Es ärgert mich unendlich, dass die PDS immer noch als Inkarnation der Linken gilt. Eine Partei die Modrow als Ehrenvorsitzenden hatte (immer noch hat?), die mit Lafontaine und Gysi zwei ausgewiesene Egomanen an der Spitze hat (das Pressegesetz des Saarlands ist schärfer als in Bayern). Ganz zu schweigen von den vielen Altlasten der SED. Für mich sind die Grünen mit ihrer offeneren Diskussionskultur noch immer die deutlich bessere Linkspartei!
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