Beim »Küheschubsen« handelt es sich um einen weltweit verbreiteten Mythos. Es ist eine Geschichte, wie sie die Leute aus ländlichen Gegenden gern den Städtern erzählen: Die angetrunkene Landjugend begibt sich des Nachts auf die Weiden und schmeißt Kühe um. Aber diesen Brauch gibt es nicht, und die anekdotischen Berichte sind sehr unglaubwürdig.

Tun wir zunächst einmal so, als würde die Kuh völlig starr wie ein Holzmodell auf der Weide stehen. Vielleicht macht sich der durchschnittliche Stadtbewohner nicht klar, was für eine Masse er da vor sich hätte: 700 Kilo Rindvieh sind kein Pappenstiel. Im Internet gibt es einige Musterberechnungen für die Dynamik des cow tipping. Die Ergebnisse variieren, aber die Autoren sind sich einig, dass ein einzelner Mensch keine Kuh umwerfen könnte. Die Zahl der benötigten Schubser schwankt je nach Quelle zwischen zwei und fünf.

Aber eine Kuh steht nicht starr schlafend auf der Wiese, im Gegensatz zu Pferden, die ihre Beine regelrecht versteifen können. Kühe schlafen im Liegen. Im Stehen dösen sie lediglich vor sich hin. Bei einem Schubsversuch würden sie entweder der Attacke ausweichen oder aber gleich zum Gegenangriff übergehen. Die Berechnungen sind also graue Theorie – selbst mehrere angetrunkene Bauernjungen werden es wohl nicht schaffen, ein Rindvieh umzuwerfen. Christoph Drösser

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