Integration Heimat, ja bitte!

Wie Integration gelingen kann: Ein Plädoyer für klare Regeln – und für eine gemeinsame Zukunft von Deutschen und Einwanderern

Die deutsche Gesellschaft hat mit dem Zuwanderungsgesetz – wenn auch spät – den Migranten ein Angebot zur Aufnahme in diese Gesellschaft gemacht. Seit Anfang des vorigen Jahres kann jeder Einwanderer bei Erfüllung bestimmter Voraussetzungen deutscher Staatsbürger werden. Aber wer Bürger dieses Landes werden will, sollte Grundsätzliches über das Leben dieses Landes wissen, seine Regeln und Gesetze akzeptieren und sich zur Verfassung dieses Landes bekennen. Es gibt keinen Automatismus, Deutscher zu werden, das Angebot ist vielmehr an die Zustimmung zu der Grundordnung gebunden, die sich dieses Land selbst gegeben hat.

Man kann die Migranten in Orientierungskursen auf ihre Staatsbürgerschaft vorbereiten; aber die Bundesrepublik ist mehr als die Summe ihrer Gesetze, Verordnungen und Institutionen. Sie ist ein Stück von Europa und seiner Geschichte. Und Europa ist eine durch die Erfahrungen von Kriegen und Krisen, von Aufklärung und Vernunft, von Freiheits- und Emanzipationskämpfen zusammengewachsene Gemeinschaft. Mit einem islamischen Welt- und Menschenbild, das, über Jahrhunderte hinweg »versiegelt«, wie Dan Diner es formuliert, von Generation zu Generation weitergereicht wird, hat diese nicht viel gemein – in den grundlegenden Prinzipien sind beide unvereinbar.

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Viele der traditionell gläubigen Muslime gehen davon aus, dass die im Koran niedergelegten Offenbarungen des Propheten Gottes Wort sind, Gesetzeskraft haben und gegenüber den von Menschen gemachten Gesetzen eine »überlegene Wahrheit« darstellen. Viele glauben, sie könnten auch in Europa nach dem Gesetz des Islams, nach der Scharia, leben. Die Scharia aber kollidiert mit säkularen Rechtsnormen. Sie ist ein Vergeltungsrecht, das körperliche Schmerzen für ein Vergehen verlangt. Wer Ehebruch begeht, ein so genanntes Hadd-Vergehen, verletzt Gottes Recht. Mit den Schuldigen gibt es laut Sure 24, Vers 2, kein Mitleid, hundert Peitschenhiebe oder Steinigung als Vergeltung gibt der Koran vor. Die Tötung eines Menschen hingegen – auch Mord – gehört nicht zu den Kapitalverbrechen, sondern zu den Qisas-Vergehen, den Verbrechen mit der Möglichkeit der Wiedervergeltung: »Ihr Gläubigen! Bei Totschlag ist euch die Wiedervergeltung vorgeschrieben: ein Freier für einen Freien…« (Sure 2, Vers 178). Und so reißt die Blutrache bis heute ganze Familien in den Abgrund.

Ohne die Ächtung der Scharia und des Prinzips der Vergeltung sind alle Bemühungen um Integration der Muslime zum Scheitern verurteilt.

Durch eine falsche Integrationspolitik, die ihre Herkunftsidentität stärkte, fühlen sich selbst türkische Migranten, die schon Jahrzehnte hier leben und einen deutschen Pass haben, immer noch als Türken. Sie gehören nirgendwo richtig dazu – für das Land, aus dem sie kommen, sind sie die »Deutschländer«, und zu dem Land, in dem sie leben, wollen sie nicht gehören. Diese ungeklärte Identität trägt zum Rückzug in die eigene Community, in die »Parallelgesellschaft« bei. Wer seinen Kindern nach 30 Jahren Aufenthalt in Deutschland immer noch die Türkei als die wahre Heimat verkauft, wer ihnen die Maxime en büyük türk, »Der Türke ist der Größte«, vorlebt, der diskreditiert seinen eigenen Lebensweg als Irrtum.

Wer als Migrant gekommen ist, muss Deutschland als seine »wahre Heimat« annehmen. Er muss aufhören, die Deutschen als Fremde zu sehen, deren Sitten und Gebräuche er verachtet; er muss lernen, sich mit diesem Land auseinander zu setzen, und er muss respektieren, dass auch ein Migrant vor Einmischungen in seine »Angelegenheiten«, vor Kritik nicht gefeit ist. »Es ist völlig in Ordnung, dass Muslime, dass alle Menschen in einer freien Gesellschaft Glaubensfreiheit genießen sollten«, schreibt der Muslim Salman Rushdie. »Es ist völlig in Ordnung, dass sie gegen Diskriminierung protestieren, wann und wo immer sie ihr ausgesetzt sind. Absolut nicht in Ordnung ist dagegen ihre Forderung, ihr Glaubenssystem müsse vor Kritik, Respektlosigkeit, Spott und auch Verunglimpfung geschützt werden.« Diesen selbstbewussten Umgang mit den Errungenschaften der Aufklärung wünschte ich den Muslimen, aber auch ihren selbst ernannten Verteidigern, die auf Kritik reagieren, als würde damit ein Dschinn, ein böser Geist, losgelassen.

Wir dürfen die Migranten, ihr Verhältnis zu ihren Söhnen und Töchtern, ihre Einstellung zu Glauben und Religion, zu Rechtsstaatlichkeit und Demokratie nicht länger unter Naturschutz stellen. Migranten sind nicht per se »Opfer«. Mit ihnen auf gleicher Augenhöhe zu verkehren heißt, sich überall dort einzumischen, wo sie den »Geist der Gesetze« dieser Republik verletzen, aber auch jede vormundschaftliche Politik aufzugeben, die sie zu Mündeln degradiert. Niemand kann ihnen die Verantwortung für ihr eigenes Leben abnehmen. Wir müssen alles tun, um sie vor der Willkür, besonders auch der ihrer eigenen Väter, zu schützen, aber wir sollten aufhören, sie als Bedürftige zu sehen. Wir müssen sie anspornen und fördern, aber wir müssen auch etwas von ihnen fordern.

Ich möchte, dass die Integration gelingt, dass wir gemeinsam diese Gesellschaft gestalten. Viele Migranten, das ist mir bewusst, fühlen sich überfordert. Sie wollen von der Gesellschaft, von den Deutschen, von den Behörden in Ruhe gelassen werden, um nach ihren Traditionen und religiösen Vorstellungen leben zu können. Aber es sind gerade diese archaischen Traditionen, die einem freien Leben im Wege stehen. Kinder von Migranten sind Kinder dieser Gesellschaft, ihre Not und ihr Scheitern trifft uns alle. Den Söhnen fehlt oft der Mut und auch die Perspektive, sich aus den Verstrickungen der Tradition zu lösen. Dabei müssen wir ihnen helfen. Und das fängt mit ganz einfachen Dingen an:

Jedes Kind muss vor Gewalt geschützt werden. Körperliche Züchtigung ist in Deutschland verboten und muss geahndet werden. Wer Kindesmisshandlung nicht anzeigt, macht sich unterlassener Hilfeleistung schuldig. Gewalt gegenüber Kindern und Frauen ist, so zeigen Untersuchungen, unter Migranten ein häufig auftretendes Problem. Kinderärzte, Kindergärten und Schulen müssen darüber gezielte Aufklärung unter Eltern, Schülern und Lehrern betreiben, und sie sollten jede Möglichkeit der Kontrolle zum Schutz der Kinder wahrnehmen. Beschneidung ohne medizinische Indikation ist eine Körperverletzung und nicht zulässig.

Gewalt, Rassismus, diskriminierendes Verhalten werden nicht geduldet – weder gegen Migranten noch von ihnen. Schulen sollten entsprechende Schulverfassungen formulieren, auf die sich alle Beteiligten verpflichten. Besonders Jugendliche sollten durch Kampagnen über ihre Rechte informiert werden. Es muss verhindert werden, dass 16-jährige Schülerinnen in den Sommerferien in der Türkei gegen ihren Willen verheiratet werden und aus Deutschland verschwinden.

Die Schule ist generell als deutscher Sprach- und Kulturraum zu begreifen; es wird Wert darauf gelegt, dass während der Schulzeit, auch auf dem Schulgelände, Deutsch gesprochen wird. Die Migrantenkinder haben oft keinen anderen Ort als die Schule, um die deutsche Sprache zu sprechen und die deutsche Kultur kennen zu lernen. Ziel ist es, möglichst früh sprachliche Defizite abzubauen und Deutsch als Umgangssprache der Kinder zu etablieren. Gute Deutschkenntnisse sind Voraussetzung für einen Schul- und Integrationserfolg. In einer von Eltern, Schülern und Lehrern gemeinsam beschlossenen Hausordnung einer überwiegend von Migrantenkindern besuchten Schule im Berliner Stadtteil Wedding steht: »Die Schulsprache unserer Schule ist Deutsch, die Amtssprache der Bundesrepublik Deutschland. Jeder Schüler ist verpflichtet, sich im Geltungsbereich der Hausordnung nur in dieser Sprache zu verständigen.«

Kindergärten mit Sprachförderung, Vorschule und Sprachtests werden vom fünften Lebensjahr an obligatorisch; Sexualkunde-, Schwimm- und Sportunterricht sind Regelunterricht. Eine Befreiung aus religiösen Gründen wird abgelehnt. Die Schule muss als »Integrationsagentur« verstanden werden, die die Kinder auf ein selbstbestimmtes Leben in dieser Gesellschaft vorbereiten soll.

Jede Frau, jeder Mann muss das Recht haben, selbst zu entscheiden, ob sie oder er heiraten will, wann und wen. Um Zwangsehen zumindest zu erschweren, wird eine Familienzusammenführung erst vom 21. Lebensjahr an zugelassen. Es wird verstärkt darüber aufgeklärt, welche Gesundheitsrisiken Ehen zwischen Cousin und Cousine für die Nachkommen haben. Elternschulen unterrichten Väter und Mütter in der Kinderpflege und -erziehung. Schwangerschafts- und Babykurse sollen junge Migrantenmütter und -väter auf die Geburt vorbereiten.

Die Mehrehe wird geächtet. In den Sozialversicherungssystemen werden entsprechende Regelungen geschaffen, die eine Unterstützung der Polygamie verhindern. Polygamie ist ein Grund, die Aufenthaltsgenehmigung zu entziehen.

Der organisierte Islam hat eine besondere Verantwortung für die Integration. Auch an ihn sind Forderungen zu richten:

Koranschulen müssen ihr Programm und ihr pädagogisches Konzept öffentlicher Kontrolle zugänglich machen; Unterricht und Predigten müssen in deutscher Sprache erfolgen; Männern und Frauen ist gleichberechtigter Zutritt zu allen Veranstaltungen zu gewähren; die Betreiber von Moscheen haben ihre Satzung und ihre Finanzen offen zu legen; Moscheevereine verpflichten sich, ein Angebot für Sprachförderung anzubieten; Hodschas haben neben Sprachkenntnissen auch Kenntnisse in Landes- und Gesetzeskunde nachzuweisen.

Ich plädiere für diese klaren Regeln, statt die Integrationspolitik weiterhin dem Zufall zu überlassen – wohl wissend, dass die politischen Vertreter der Migrantenorganisationen und ihre Freunde diese Vorschläge mit Entrüstung zur Kenntnis nehmen werden und sich gegen jeden »Generalverdacht« und gegen jede »Gängelung« der Muslime und Migranten wehren werden. Aber ich bin davon überzeugt, dass uns gar nichts anderes übrig bleibt, wenn wir die Söhne und Töchter der Migranten nicht verlieren wollen. Wir brauchen ihre Talente und Tatkraft für unsere gemeinsame Zukunft.

Sich an die Arbeit der Integration zu machen bedeutet nicht, seine Muttersprache zu vergessen, seine Identität zu verraten oder seinen Glauben aufzugeben. Bis heute berührt mich nichts so sehr wie meine türk halkmüzigi, türkische Volksmusik, ich esse immer noch nur zu gern meinen Döner und tanze leidenschaftlich gern tscherkessische Tänze – so wie ich Latte Macchiato, Grünkohl, Bach und Jazzrock schätzen gelernt habe. Kultur ist ein ständiger Lernprozess, eine sinnliche Erfahrung, die anderes hören, anderes sehen, anderes schmecken, anderes fühlen lässt – eine Erweiterung für alle.

Es kann nicht darum gehen, Identitätspolitik zu betreiben, wie es die türkisch-muslimischen Vereine immer noch gern tun. Es kann nicht darum gehen, normativ für alle Türken und Muslime zu definieren, was es heißt, »türkisch« oder »muslimisch« zu sein, wie die Gesellschaft den Türken zu begegnen hat und was die Türken selbst zu tun und zu lassen haben. Verräterisch sind Formeln wie »wir Türken« oder »wir Muslime«, sie erheben immer noch das »Türkentum« und das »Muslim-Sein« zur kollektiven Identität. An dem »Sprachenstreit« auf deutschen Schulhöfen wird deutlich, dass die Auseinandersetzung um die Integration erst jetzt begonnen hat. Jeder in dieser Gesellschaft hat das Recht, Türke, Deutscher, Muslim, Christ oder etwas anderes zu sein. Als Individuum kann er frei wählen, seine Integration als Türke oder Türkin, als Muslim oder Muslimin muss daran keineswegs scheitern – wohl aber, wenn er sich zurückzieht auf die kollektive Identität. Ein Einzelner kann integriert werden, ein Kollektiv nicht.

Viele Söhne haben sich verloren, weil sie den Gesetzen der Väter folgen. Sie imitieren ein Ideal oder spielen eine Rolle, die sie im Leben scheitern lässt. Macht nichts, wird ihnen beigebracht, die Familie sorgt für dich, sie schützt dich, die Familie ist das, woher du kommst, was du bist, wohin du gehen wirst. Sie ist alles, was du hast. In Wahrheit ist die Familie ein Kontrollsystem, in dem das Wort der Väter Gesetz ist und die Söhne die Rolle der Wächter über Frauen und Kinder spielen. Sie sind Mitglied eines fest gefügten Ensembles, das ein Stück mit festgelegten Rollen aufführt, auf einer Bühne, die sie nicht erbaut haben, mit Texten, die ihnen vorgegeben werden. Ihre Zuschauer sind die Mitglieder der Umma, der Gemeinde. Sie achten darauf, dass keiner das Theater verlässt. Aber auf eine Teilhabe an der Welt außerhalb des Theaters sind die muslimischen Söhne ohnehin nicht vorbereitet. Dafür taugt das Repertoire nicht, das sie erlernen müssen. Macht nichts, wird ihnen beigebracht, denn – »Alles ist vorherbestimmt«, so hat der Hodscha bei meinem Moscheebesuch gepredigt. »Nur Gott kennt unser Schicksal«, warnt der Vorbeter, »wollt ihr euch in Gottes Handwerk einmischen?«

Niemand hat den »verlorenen Söhnen« beigebracht, Fragen zu stellen, an Autoritäten zu zweifeln; niemand hat sie gelehrt, sich fremden Einflüssen zu öffnen, die Welt mit den Augen der anderen zu sehen. Sie bleiben Fremde in einem fremden Land, eingeschlossen in eine versiegelte Welt.

Der türkisch-muslimische Mann in Deutschland wird, wenn er sich dem Leben, der Liebe und der Freiheit aussetzt, seinem eigenen Empfinden nach zunächst »verlieren«. Er wird die Welt künftig mit seiner Frau und seinen Kindern teilen müssen. Mit Widerspruch und Kritik wird er leben müssen, denn seine Auffassung wird nur noch eine Meinung unter mehreren Meinungen sein, kein Gesetz. Er wird sie begründen müssen und nicht mehr mit Gewalt durchsetzen können. Glauben werden ihm nur die, die keine Angst vor ihm haben, sondern ihm vertrauen. Geliebt wird er nur werden, wenn er selbst lieben kann. Und das heißt auch, die Söhne und Töchter loslassen zu können, sie in »die Fremde« ziehen zu lassen. Sie dafür zu lieben, nicht zu strafen, dass sie andere werden, als ihre Väter und Mütter gewesen sind. Sie bleiben die Kinder ihrer Mütter und Väter, was immer auch passiert, und eines Tages werden sie heimkehren, als Menschen mit einer eigenen Geschichte, ihrer Geschichte.

Es ist ein ganz anderes Leben, als der türkisch-muslimische Mann es kennt. Vielleicht ist es nicht das Paradies, aber es ist ein Leben, das auch ihn selbst reicher und freier machen wird.

Necla Kelek steht seit einigen Wochen im Mittelpunkt einer scharfen Debatte über Immigranten in Deutschland. Nachdem sie in ihrem Bestseller »Die fremde Braut« die Zwangsehe angeprangert hatte, kritisierten Migrationsforscher in einem offenen Brief (ZEIT Nr. 6/06) Keleks Methoden als »unwissenschaftlich« und deren öffentliche Wirkung als »besorgniserregend«. In diesen Tagen erscheint nun das neue Buch der 1957 in Istanbul geborenen Soziologin. Unter dem Titel »Die verlorenen Söhne. Plädoyer für die Befreiung des türkisch-muslimischen Mannes« (Kiepenheuer & Witsch, Köln 224 S., 18,90 Euro) porträtiert Kelek türkisch-deutsche Väter, Söhne und Brüder. Wir drucken einen Auszug mit den Schlussfolgerungen der Autorin.

 
Leser-Kommentare
    • iceman
    • 13.03.2006 um 22:45 Uhr

    Der Koran ist, von seinen Inhalten her, sicher nicht ganz so harmlos wie die Rezeptur für österreichische Topfencreme (Joghurtspeise).
    Und ganz sicher ist die traditionelle (!) Auslegung des Koran ein Hemmschuh für ökonomische und emanzipatorische Entwicklung.

    Aber: Die Frage sollte sein, wie eine bessere Integration konkret erreicht werden kann.

    Erstens:
    Der Familiennachzug sollte auf nahe Null zurückgefahren werden (Dänemark hat das Problem erkannt, Dänemark hat gehandelt - jede Kritik daran ist irrational).

    Zweitens:
    Eine Umgestaltung der Kinderförderung in nötig - also weg von der Kindergeldzahlung, hin zu:

    a. einer besseren staatlichen Betreuung der Kinder.
    Es ist nicht sinnvoll, die Familienstrukturen von Agrargesellschaften zu finanzieren, während für die Unterstützung berufstätiger Paare oder Alleinerziehender zu wenig getan wird.
    Im Idealfall wird ein staatliches Erziehungssystem auf hohem Niveau geschaffen, in dem jedes Kind sehr gute pädagogische Betreuung erfährt, und der Staat einen grösseren Teil der pädagogischen Verantwortung übernimmt (ganztags).
    Ein gutes Zeichen für mehr Gleichstellung wäre auch die Einführung von Schuluniformen.

    b. Einführung eines steuerfreien Existenzminimums!
    Und zwar pro Person eines Familienmitglieds, unabhängig vom Alter.
    Paul Kirchhof schlug 8.000 Euro jährlich pro Person vor.
    Das wäre klasse, dann bekäme man einerseits eine höhere Kaufkraft bei Erwerbstätigen mit Kindern, andererseits fiele zum Beispiel für einen Arbeitslosen oder Geringverdiener der Anreiz weg, die Haushaltskasse der Familie über möglichst viele Kinder aufzubessern.
    "Sozial ungerecht" wäre das nicht, lediglich bestünde eine stärkere Notwendigkeit, die Höhe der Kinderzahl nach den eigenen Vermögensverhältnissen auszurichten.

    Drittens:
    Stärkere Einbindung der Migranteneltern durch Bildungsvereine.
    Diese sollten flächendeckend und mit politischer Begleitung (= Finanzierung) eingerichtet werden.
    Die ZEIT hat diese Woche ein schönes Beispiel eingestellt mit dem Projekt ´Hippy´.

    Viertens:
    Der inter-kulturelle Dialog darf nicht nur von den Kirchen geführt werden.
    "Koranküsser" Johannes Paul II in Ehren, aber die christlichen Kirchen haben weitgehend ihre politische Bedeutung verloren.
    Aus Bequemlichkeit haben deutsche Politiker die Dialogführung abgetreten an Kirchen, Verbände und eigene Migrationsbeauftragte - das reicht nicht, Migrations- und Integrationspolitik muss Chefsache werden.
    Eine vierteljährliche kritische Äusserung Schäubles reicht nicht.
    Es geht um nichts weniger als eine nationale oder historische Aufgabe.

    Fünftens:
    Deutsche Politiker sind wie Hunde, die man zum Jagen tragen muss.
    Die liberale Presse wird ihrer Verantwortung nicht gerecht, wenn sie im Karikaturenstreit die Segel streicht, oder gar Artikel veröffentlicht wie den von Susanne Mayer ("Zwangsdeutsch? Typisch deutsch!"), oder den Dänemark-Artikel von Wolfgang Zank.
    Mit solchen Artikeln liefert man integrationsunwilligen (oder auch nur zu bequemen) Migranten bloss Alibis, und fällt Frauen wie Necla Kelek in den Rücken.

  1. koennen muslimische Maenner es nicht ausstehen wenn eine Frau mal so richtig Tacheles redet die Retorte ist dann : Frau soll den Mund halten!

    • Anonym
    • 14.03.2006 um 4:03 Uhr

    So recht sie fuer sich betrachtet haben moegen, sie laufen aber beide Gefahr, das eigentliche Problem zu verkennen: fuer viele Muslims ist der Koran noch immer die reine Wahrheit, Worte geoffenbart aus dem Munde Gottes!

    Wenn es dann irgendwann zum Schwur kommt, ergibt sich moeglicherweise fuer den glaeubigen Muslim keine andere Wahl, als sich gegen das Grundgesetz zu bekennen und fuer den Koran.

    Was noetig ist, ist auch eine Diskussion ueber die Bedeutung des Korans und ueber die Bedeutung Mohammeds.

    Solange Mohammed fuer sakrosant erklaert wird, ergibt sich daraus, dass die sharia hoechste Rechtsnorm ist!

    Die Vaeter des Grundgesetzes haben ja niemals behauptet, ihnen waere das Grundgesetz von Gott geoffenbart worden!

  2. Übrigens, nur so am Rande, das Koranzitat entspricht der auch hierzulande üblich gewesenen Handhabung der Sühne bei Mord - also entweder das biblisch-alttestamentarische Auge und Auge (also nicht mehr, aber auch nicht weniger), welche demnach Privatsache der Geschädigten war - die Zahlung eines Blutgeldes allerdings ebenfalls eingeschlossen. Als dies im 18. Jahrhundert geändert wurde, war das dann die Geburt unseres heutigen Kriminal-Apparats. Die Mafia fällt diesbezüglich allerdings noch etwas aus dem Rahmen...

  3. Übrigens, nur so am Rande, das Koranzitat entspricht der auch hierzulande üblich gewesenen Handhabung der Sühne bei Mord - also entweder das biblisch-alttestamentarische Auge und Auge (also nicht mehr, aber auch nicht weniger), welche demnach Privatsache der Geschädigten war - die Zahlung eines Blutgeldes allerdings ebenfalls eingeschlossen. Als dies im 18. Jahrhundert geändert wurde, war das dann die Geburt unseres heutigen Kriminal-Apparats. Die Mafia fällt diesbezüglich allerdings noch etwas aus dem Rahmen ;)

  4. Vorweg: mich interessiert an Religionen nur, was sie zum Zusammenleben der Menschen zu sagen haben.

    Frau Celeks Zitat aus dem Koran zur Blutrache habe ich in der Ahmadiyya-Übersetzung (Version von 2002) nachgeschlagen. Dort finde ich in Sure 2, Vers 179 nach deren Zählung:

    "O die ihr glaubt, Vergeltung nach rechtem Maß ist euch vorgeschrieben für die Ermordeten: der Freie für den Freien, der Sklave für den Sklaven, und das Weib für das Weib. Wird einem aber etwas erlassen von seinem Bruder, dann soll (die Sühneforderung) mit Billigkeit erhoben werden, und (der Mörder) soll ihm gutwillig Blutgeld zahlen..."

    Es geht also offenbar zunächst um die Begrenzung der Rache "nach rechtem Maß" und darüber hinaus um deren Ersatz durch eine Entschädigungszahlung und damit um die Befriedung der Gesellschaft. Anders als von Frau Celek behauptet erzwingt der Koran also nicht die Blutrache. Wenn es nicht noch eine Lumpen-Version des Korans mit dem von Frau Celek behaupteten Zitat gibt, mangelt es Frau Celek hier an der gebotenen intellektuellen Redlichkeit, und ich frage mich, ob man ihr überhaupt noch etwas ungeprüft glauben kann.

    Ansonsten schießt sie mit ihren Vorschlägen zum Teil über das Ziel hinaus; so wird ihre Forderung nach einem Beschneidungsverbot unsere mosaischen Mitbürger mit Sicherheit begeistern.

  5. Frau Kelek's Artikel ist zwar ganz schoen, aber er dreht sich nur um einen Teil der in Deutschland lebenden Tuerken, Muslime, etc. Ich kenne sehr viele, sehr gebildete, weltoffene Tuerken, Araber, die mit "Beschneidungen", "Zwangsehen", etc. ueberhaupt nichts am Hut haben. Es nervt diese Menschen (verstaendlicherweise) staendig mit den verquerten Praktiken einer Minderheit identifiziert zu werden.

    Das ist genauso wie es uns Deutsche nervt, im Ausland mit "Heil Hitler" begruesst zu werden. Es ist genauso ignorant. Natuerlich gibt es bei uns auch Neonazis, aber die grosser Mehrheit der Deutschen hat damit nichts zu tun. Ich glaube, genauso verhaelt es sich mit dem fundamentalistischen Islam.

    • ckuss
    • 15.03.2006 um 9:54 Uhr

    auf der Seite sollte dieser Text stehen, nicht versteckt in Untertiteln!

    Klare Ideen, konkrete Vorschläge, keine verschönernde Ideologie: Bravo, Frau Kelek. Ich würde vorschlagen, dass Sie Integrationsministerin werden.

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