Google"Das ganze Web auf dem PC"

Wie Google von einer fixen Idee zu einem mächtigen Konzern wurde, erzählen die amerikanischen Journalisten David Vise und Mark Malseed in ihrem Buch, das in diesem Monat auf Deutsch erscheint. Wir zeigen Auszüge daraus

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Google entstand, als Sergey und ich an der Stanford University Doktoranden in Informatik waren", begann Larry Page. "Wir wussten nicht genau, was wir machen wollten. Ich hatte den verrückten Einfall, das gesamte Web auf meinen Computer herunterzuladen. Ich ließ meinen Doktorvater wissen, dass es nur eine Woche dauern würde. Nach ungefähr einem Jahr besaß ich einen kleinen Teil davon." (…)

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"Optimismus spielt also eine wichtige Rolle", fuhr er fort. "Man muss ein wenig albern sein, was die eigenen Ziele betrifft. Am College habe ich die Wendung gehört, dass man sich nie vom Unmöglichen einschüchtern lassen soll. Das ist eine wirklich gute Formulierung. Man sollte unbedingt Dinge versuchen, vor denen die meisten zurückschrecken würden." (…) "Ich fing also an, das Web runterzuladen, und Sergey (Brin, Anm. d. Red.) half mir, weil er an Data-Mining und an der Verwertbarkeit von Informationen interessiert war", führte Page aus. (…)

Page hatte eine Theorie: Man zählt die Links zu einer Website und erhält damit ein Verfahren, um die Popularität der Site einzustufen. Popularität und Qualität gehen zwar nicht unbedingt einher, doch Brin und er waren in Familien aufgewachsen, in denen man zu würdigen wusste, wenn Arbeiten so prominent veröffentlicht wurden, dass der Citation Index sie erfasste. Die Links erinnerten Page an die Zählweise wissenschaftlicher Aufsätze nach Häufigkeit der Zitate. Wissenschaftler führen die veröffentlichten Artikel an, die sie für ihre Arbeit benutzt haben, und dies ist hilfreich, wenn man Ansehen und Einfluss in der Hochschulgemeinschaft bewerten will.

Das Gleiche ließ sich, wie Page meinte, über Websites sagen. Er ging einen Schritt weiter, und damit gelang ihm ein konzeptioneller Durchbruch: Nicht alle Links waren gleich. Manche hatten ein höheres Gewicht. Er nahm sich vor, Links von wichtigen Sites eine größere Bedeutung einzuräumen. Aber wie sollte er entscheiden, welche Sites wichtig waren? Ganz einfach: Diejenigen, auf die die meisten Links verwiesen, hatten einen höheren Rang. Mit anderen Worten, wenn die populäre Yahoo!-Homepage mit einer Website verknüpft war, wurde Letztere sofort wichtiger. Unter Anspielung auf seinen eigenen Familiennamen und die Webdokumente, die er untersuchte, nannte Page sein Link-Rating-System"PageRank". (…)

Während sie ihren Freunden von Google erzählten, hätten immer mehr angefangen, es zu nutzen. "Sehr bald hatten wir in Stanford 10000 Suchanfragen pro Tag. Dann guckten wir uns die Geräte an und sagten: Das ist das Limit, wir brauchen mehr Computer. So war es immer. Dauernd brauchten wir mehr Computer." (…) "Also gründeten wir eine Firma. Das war damals im Silicon Valley relativ leicht. Wir gründeten die Firma, und sie wuchs und wuchs und wuchs – und darum sind wir hier. Das also ist die Google-Story." (…)

Seit Gutenberg die moderne Druckerpresse vor mehr als fünfhundert Jahren erfand, wodurch literarische und wissenschaftliche Werke für die Massen erschwinglich und weithin verfügbar wurden, hat keine Erfindung die Möglichkeiten von Individuen derart vergrößert und den Zugang zu Informationen so grundlegend umgewandelt wie Google. Mit dem bunten, kindlichen Logo vor rein weißem Hintergrund, seiner Fähigkeit, täglich blitzartig Millionen relevanter Antworten auf Suchanfragen zu liefern, hat es die Art und Weise, wie man sich heute informiert und auf dem Laufenden bleibt, radikal verändert. Als Teil unseres Alltagslebens ist Google unentbehrlich geworden. Millionen Menschen benutzen es täglich in über hundert Sprachen, und viele setzen Google mit dem Internet gleich. Das Streben nach Informationen über jegliches Thema wird durch das "Googeln" auf einem Computer oder einem Handy befriedigt. Männer, Frauen und Kinder verlassen sich so sehr auf Google, dass sie nicht mehr wissen, wie sie je ohne die Suchmaschine auskommen konnten. (…)

Für einen Dollar bekommt Google dreimal mehr Computerleistung als andere

John Hennessy, ein Spitzeninformatiker, der als Präsident der Stanford University amtiert und dem Google-Vorstand angehört, meint, die Firma sei einzigartig in der geteilten Welt hoch spezialisierter Software- und Hardware-Unternehmen, weil sie in beiden Bereichen marktführend sei. Für seine Suchdienste und die damit verwandten Aktivitäten betreibt Google patentierte, spezialgefertigte Programme auf Hunderttausenden von Geräten, die es speziell für diesen Zweck herstellt. Die optimale Mischung von Technologien durch das fortschrittlichste Unternehmen der Welt liefert von einer Sekunde zur anderen die besten Suchergebnisse. Es gibt kein Wort für diese nahtlose Verbindung von Hardware und Software in einem derart gewaltigen Maßstab, deshalb wollen wir sie als Googleware bezeichnen. (…)

Als Google (im Jahr 1999, Anm. d. Red.) sein Computernetzwerk auf Touren bringen sollte, engagierten Larry und Sergey einen Hirnchirurgen, Dr. Jim Reese, der die Harvard und die Yale Medical School abgeschlossen hatte. Er hatte in einem Stanford-Forschungslabor gearbeitet, bevor er sich Google 1999 als Angestellter Nr.18 anschloss. Als Einsatzleiter war Reese für die wachsende Sammlung von Computer-Hardware zuständig.

Leserkommentare
  1. Bonjour,
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    <br />ist es Absicht, dass in einer Anmerkung der Redation google ein "Bösengang" angedichtet wird?
    <br />
    <br />Grüße
    <br />Bastian

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