Interview »Wir sind gewappnet«Seite 2/2

ZEIT: Sehen Sie durch den Boom an Fusionen und Übernahmen den Wettbewerb bedroht? Werden die Konzerne zu groß?

Röller: Erstens wird ein Unternehmen nicht wettbewerbsfähig durch Größe – es wird groß, weil es wettbewerbsfähig ist. Und zweitens haben wir kein Problem mit großen Unternehmen – solange genug Wettbewerb herrscht. Im Moment habe ich noch keine großen Sorgen, dass der Boom den Wettbewerb bedroht. Im Übrigen orientiert sich die EU-Wettbewerbspolitik an der Wohlfahrt der Verbraucher, also zum Beispiel auch daran, wie sich Fusionen auf Preise, Produktmengen und Ähnliches auswirken. Es geht nicht mehr nur allein um Marktstrukturen und Marktkonzentration.

ZEIT: Länder wie Frankreich, Spanien, Luxemburg, in Teilen auch Italien, wehren sich derzeit gegen Übernahmen einheimischer Firmen. Droht hier von ganz anderer Seite Gefahr für den Wettbewerb?

Röller: Das macht mir schon mehr Sorgen. Damit macht Europa einen riesigen Schritt nach hinten. Es besteht die Gefahr, dass diese Entwicklung eskaliert. Am Ende sind dann alle die Verlierer. Man kann diesen neuen Protektionismus allerdings auch als Folge der Liberalisierung und damit als Zeichen sehen, dass der Wettbewerbsdruck faktisch zunimmt. Als Versuch also, das Offensichtliche zu verhindern. Dieser Versuch wird aber nicht zum Erfolg führen.

Die Fragen stellte Arne Storn

 
Leser-Kommentare
    • uff
    • 09.03.2006 um 13:33 Uhr
    1. ALBA?

    Habe ich zuerst jedenfalls gedacht, weil ich zu den wenig informierten Zeit-online-Leserinnen gehöre. Wenn Herr Röller Professor ist, dann könnte er doch aber auch viel durchdachter.
    Ich finde, man sollte immer auch das bergende Konfliktpotential mitbedenken. "Protektionismus" ist in der heutigen Zeit, relativ selbstbewußt agierender Individuen, meine ich, das falsche Wort.

    • Akaer
    • 09.03.2006 um 9:53 Uhr

    ... oder wurde hier vergessen zu erwähnen, wer Herr Röller eigentlich ist? Man kann natürlich voraussetzen, dass ZEIT online Leser alle irgendwie wichtigen Figuren in der EU kennen - sollte man aber vielleicht nicht. (Für alle die so unwissend sind wie ich: Lars Hendrik Röller ist seit 1995 Professor an der Humboldt Universität zu Berlin, ist/war außerdem Direktor der Abteilung "Wettbewerbsfähigkeit und industrieller Wandel" am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) und wurde 2003 zum Chefökonom der EU-Kommission berufen)

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