Literaturbeilage Blitzschlag, Glück gehabt
Jede Zeile ist ein neuer Anfang: Die Tagebücher von Charles Bukowski sind ein Geschenk für alle, die in der Literatur nach Haltung, Trost und Leidenschaft suchen
Ich muss erst mal was Persönliches loswerden. Der Ärger muss raus, er sitzt schon ein paar Monate in mir, wie viele genau, weiß ich nicht. Ich las im Spiegel eine Kritik über Charles Bukowski. Nicht über die jetzt erscheinenden Tagebücher, es ging um sein Gesamtwerk, und Anlass war die Verfilmung eines seiner Bücher. Und der Redakteur oder die Redakteurin schrieb, Bukowski mache »großmäulige Proletenliteratur«.
Wie ist das gemeint? Literarisch oder soziologisch? Werden Schriftsteller aus der Arbeiterklasse grundsätzlich anders kategorisiert als ihre akademischen Kollegen? Weil sie ungebildeter sind? Oder schlechtere Manieren haben? Dürfen Proletarier überhaupt schreiben? Oder ist es auf jeden Fall »großmäulig«, wenn sie es wagen? Viele Fragen.
Vielleicht erklärt mir das mal einer, wie es wirklich gemeint war. Und auch das: Mal sei Bukowski ein armes Schwein gewesen und mal ein geniales Schwein, aber immer ein Schwein. Und schon wieder so viele Fragen. Leben wir in einer Zeit, in der Bücher jetzt tatsächlich danach bewertet werden, wie politically correct der Lebensstil ihrer Verfasser ist? Müssen wir jetzt auch Dostojewskij in den Mülleimer werfen, weil er den Pelzmantel seiner Frau im Kasino verspielt hat? Brauchen Verleger ab sofort Bluttests und Urinproben zum Manuskript? Und, letzte Frage, HABT IHR SIE NOCH ALLE?
Okay, der Ärger ist raus. Nun zum Erfreulichen. Es gibt ein neues Buch von Bukowski. Es löst auf seine Weise ein Problem des Buchmarkts. Dessen größtes Problem ist ja heute, dass alle Leute Bücher schreiben wollen, aber keiner will mehr Bücher lesen. Deshalb müssten die kurz vor seinem Ableben verfassten Tagebücher auf ein Mega-Interesse stoßen, denn sie beschäftigen sich zwar auch mit dem Tod und mit dem Pferderennen, aber hauptsächlich und immer wieder geht es in ihnen ums Schreiben. Den Göttern kommt das große Kotzen ist das Lehrbuch für Schreibseminare, aber auch fürs Fernstudium. Man sollte es sogar Kindern im Deutschunterricht geben, damit sie nicht die Lust am Schreiben verlieren. Kleines Exzerpt:
Über Mut. »Die Zeilen flutschen nur so raus. Blitzschlag. Glück gehabt. Das Zwitschern der letzten Amsel. Ich kann sagen, was ich will, es hört sich prima an, weil ich beim Schreiben was riskiere. Es gibt zu viele, die zu vorsichtig sind. Sie studieren das Schreiben, und sie unterrichten es, und es geht ihnen daneben. Die Entscheidung fürs Konventionelle raubt ihnen ihr Feuer.«
»Du hast nur eine Chance, sie kommt nicht wieder«
- Datum 16.03.2006 - 13:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT 16.03.2006 Nr.12
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Beinah verschwendete Perlen, noch keen Eintrag seit dem 16.03.06, unserm Geburtstag seit 57 Jahren. Bist ja noch'n Zacken schärfer als meen Kumpel, och'n richtiger Helge, ein vertrottelter, aber leidenschaftlicher Datenbankprogrammierer. Um so trockener, staubiger, komplizierter die Daten-Materie, desto intensiver der Einsatz, gelle Helge? jetzt sind'wa inne Zeitung. Haben dir Helge, erst vorjestern im [Wir können leider nicht alle Verweise auf andere Internetseiten prüfen. Bitte haben Sie Verständnis, dass Links gelöscht werden. gez. Die Redaktion] kennen jelernt, d.h. einen ellenlangen Text von dich, der's wider Erwarten in sich hat. Beim Recherchieren, um evtl. eene Verlinkung für die "bösen Kids" herzustellen, sind'wa in die vornehme Zeit jelandet, Mensch Keule, welch Ehre, sprichst uns aus die Seele. Doch wat regste dir uff, bist doch in Deutschland und hier lieben'se weder die eigenen, wahrscheinlich nichmal sich selbst, noch die ausländischen Exzentriker. Unser ewich Untergang besteht in humorlosen, unglücklichen, steifen Kopfmenschen, Politikern, "Erwachsenen", die ihre Fähigkeiten zum spontanen, absichtlosen Spiel verloren.
Tritt man nun zwecks Inspiration und Erquickung z.B. mit dich oder Bukowski uff, sind leidenschaftlicher online Troll (unser Zitatefix kannte angeblich deine Olle, nur so am Rande.) um dir evtl. als kreative Schreibkartoffel unters Volk zu rollen, musste doch damit rechnen, wieder von'de Inquisition, der Sitte, dem Drogenspürhund Wolfgang verfolgt zu werden, dir den Zorn ängstlicher Eltern zuzuziehn etc. wie zu Sokrates Zeiten, der Wiege der Demokratie, dem man vorwarf der Jugend den Kopp zu verdrehn und dem deshalb der Gifttrank kredenzt wurde. Wie auch all die anderen hellen Jungs der Geschichte, die sich selbst erkannten, es teilten und wegen ihrer Wahrheit des Pöbels Beute wurden. Doch da rebellische Geister nun mal weder Tod noch Deiwel fürchten, ihrer Unsterblichkeit entgegen gehen, folge dessen nischt mehr zu verlieren haben, im Gegenteil, haben wir och schon eene Einleitung jefunden: Wackere, erfolgreiche Kartoffeln, meine natürlisch Krieger, die, vor denen unsere Eltern schon immer warnten oder sooo ähnlisch, würden uns sehr freuen, wennste uns mal besuchen kommst.))
http://de.wikipedia.org/w...
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