Ein Drittel der Bibliothek – vor allem neurologische, psychiatrische und psychoanalytische Fachliteratur – überließ er Paul Sonnenfeld, der 70Titel für sich behielt und den Rest an das Wiener Antiquariat Hinterberger veräußerte. Dieser Teil der Bibliothek wurde geschlossen in die USA verkauft, wo er sich heute im Besitz der Columbia University, New York, befindet.

Die Bücher Sonnenfelds werden dagegen in der Kongressbibliothek in Washington aufbewahrt. Die Bücher, die nach London mitgenommen wurden, sind heute im Freud Museum Maresfield Gardens 20, Freuds letztem Domizil, ausgestellt. Das Wiener Freud Museum besitzt weitere 35 Bände. Von 166 Büchern, die Freud vor oder nach seiner Emigration verschenkt hat, kennt man die heutigen Besitzer, während von etwa 500 Bänden jede Spur fehlt.

Es ist also mehr als ein Dienst an der Wissenschaft, den Davies und Fichtner geleistet haben. Es ist die virtuelle Wiederherstellung einer infolge politischer Barbarei in Stücke gerissenen Bibliothek. Anhand der dem Buch beigegebenen DVD kann sie nun aber wieder besichtigt werden. So sind alte Buchumschläge, handschriftliche Einträge und schließlich auch Freuds Exlibris zu betrachten, das der Jugendstilkünstler Berthold Löffler 1901 angefertigt hat.

Es zeigt Ödipus und die Sphinx und eine Fehlleistung, der – sollte die Theorie Freuds zutreffen – ein unausgesprochener Wunsch zugrunde lag: Der Künstler hat Freuds Vornamen falsch geschrieben – Siegmund statt Sigmund. Am Ende hat sich dieser Wunsch aber doch erfüllt, denn Freuds Name bleibt für immer mit dem Sieg der Vernunft über die Barbarei verbunden.