Einzelhandel Öko in Ketten

Deutschland gilt als attraktivster Markt für Bio-Lebensmittel in Europa. Ein Überblick

Sie heißen Bio Company und eo, Erdkorn, Alnatura und Basic – Supermärkte, die ein komplettes Sortiment ausschließlich biologischer Ware anbieten. Rund 300 solcher Geschäfte mit bis zu 1800 Quadratmeter Verkaufsfläche gibt es inzwischen in Deutschland, und ständig werden neue Filialen eröffnet. Im vergangenen Jahr wuchs der Umsatz der Biomärkte um 15 bis 25 Prozent, schätzt der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft.

»Ein großes Wachstumspotenzial« sieht Professor Roland Mattmüller für die Bio- supermärkte. Der Handelsspezialist lehrt Strategisches Marketing an der European Business School in Oestrich-Winkel. Schon in kleineren Städten ab 10000 Einwohnern könne sich ein solcher Markt rechnen. Schließlich steigt das Interesse der Verbraucher an ökologischen Nahrungsmitteln permanent: Nach vorläufigen Angaben der Zentralen Preis- und Marktberichtstelle der Agrarwirtschaft gaben sie im vergangenen Jahr in vier Milliarden Euro für Biolebensmittel aus, eine halbe Milliarde mehr als 2004. Zwar wird gut ein Drittel der Bioware im konventionellen Lebensmitteleinzelhandel umgesetzt, doch gehen bereits 26 Prozent im Naturkost-Fachhandel über die Theke, zu der auch die Biosupermärkte zählen. »Der Biosupermarkt ist eine der besten Angebotsformen für Bio«, sagt Kai Kreuzer vom Online-Branchendienst bio-markt.info. Hauptgrund sei »die deutlich größere Auswahl im Biosupermarkt, wo man aus bis zu 10000 Artikeln wählen kann«. Hinzu komme der Preis, der »in vielen Fällen oft günstiger ist als im kleinen Bioladen um die Ecke«.

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Branchenführer ist die Alnatura GmbH, die deutschlandweit 22 Filialen betreibt. Das südhessische Unternehmen macht aktuell einen Jahresumsatz von 145 Millionen Euro, der zweistellig wächst. Firmengründer Götz Rehn peilt bis 2010 die Verdopplung der Alnatura-Märkte an. Zu seinen Verfolgern gehört Basic aus München. Die Kette wurde 1997 von Georg Schweißfurth mit gegründet. Er ist einer der Söhne des legendären Wurstfabrikanten Karl Ludwig Schweißfurth, der die deutsche Bioszene seit Jahren als geläuteter Landwirt mit Hang zur liebevollen Schweinezucht prägt. Basic betreibt derzeit 14 Filialen, bis Ende des Jahres sind fünf bis acht weitere geplant. Als erster großer Handelskonzern hat die Rewe-Gruppe das Konzept der Newcomer kopiert. Im vergangenen Jahr eröffnete Rewe zwei reine Biosupermärkte in Köln und Düsseldorf. Unter dem Namen Vierlinden finden Kunden Bioprodukte im Landleben-Ambiente: Handmalereien über den Milchprodukten, Weinregale aus dem Holz der wilden Birne und Springbrunnen, aus denen man Wasser zapfen kann.

Angesichts der steigenden Nachfrage nach Lebensmitteln aus ökologischer Landwirtschaft werden manche Produkte sogar knapp. »Deutsches Schweinefleisch und hiesige Kartoffeln sind im Moment nicht zu haben, auch Rindfleisch in großen Mengen gibt es kaum«, sagt Bioland-Bundesvorstand Thomas Dosch. Deshalb kaufen Großhändler und Supermärkte zunehmend im europäischen Ausland ein. Österreich, Holland, Frankreich und die skandinavischen Länder haben auch deshalb Aktionspläne für die Ausweitung ihres Ökolandbaus entwickelt. »Deutschland gilt mit Abstand als der attraktivste Markt für Bioprodukte in Europa«, sagt Dosch. Jeder dritte Euro, den die Verbraucher in der Europäischen Union für Biowaren ausgeben, wird in der Bundesrepublik umgesetzt.

 
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