Familienplanung
Der Preis des Glücks
Junge Frauen bekommen überall zu hören: Kriegt Kinder, und zwar schnell! Über die Folgen werden sie getäuscht. Ein paar unbequeme Wahrheiten.
Heute dreiundzwanzig zu sein ist ziemlich schwierig. Ich bin doppelt so alt, auch das hat seine Nachteile, aber davon soll hier nicht die Rede sein. Wäre ich heute dreiundzwanzig, so irritierbar, so gutgläubig, wie wir damals waren – ich glaube, ich würde verrückt werden. An allem, erzählt man den jungen, gut ausgebildeten Frauen, sollen sie schuld sein. Daran, dass die Republik um ihren Alterswohlstand bangt und sich vor islamischer Überfremdung fürchtet, an den unschönen Dellen am demografischen Kegel, an den ungedeckten Kosten für Gehhilfen und Gebissen und überhaupt: am drohenden Kollaps des Westens.
Der Spiegel, das alte Zentralorgan für Fortschritt und Emanzipation, beklagt, dass die jungen kinderlosen Frauen die »Schöpfungsnotwendigkeit« missachteten. Der Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung , des Hausblatts für Industrie und Intelligenz, moniert, dass sie die »Urgewalt« der Natur nicht anerkennen. Es vergeht kein Tag, an dem nicht irgendein neuer älterer Herr die jungen Frauen an ihren Auftrag für Vaterland, Rentenkasse und Kulturnation erinnert und sie darüber in Kenntnis setzt, worin das menschliche Glück besteht: in der Familie.
Männchen, Weibchen, Nest und Nachwuchs, das ist der Gang der Welt seit Anbeginn. Das ist wie Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Wie jung sein, reif sein, alt sein, tot sein. Und an den Grundgesetzen der Natur kommt man ohne Strafe nicht vorbei. Die Natur rächt sich, nicht gleich, sondern in ihrem Rhythmus. Sie bestraft das Rauchen durch Krebs, das Plastik-Leben durch Depressionen und die verbissene Empfängnisverhütung eben mit Engpässen in der Rentenfinanzierung. Schon wahr. Die Moderne beißt sich selbst in den Schwanz. Am Ende geht sie noch unter. »Wir haben an einem Programm gefingert und damit einen biologischen Gau ausgelöst«, schreibt Frank Schirrmacher. Und wir: das sind wir Frauen.
Wir Vierzigjährigen, die wir herumgefingert und nichts Urgewaltiges hervorgebracht haben. Nun müssen die Jüngeren das ausbaden. Mir tut das leid. Alle dürfen in unserer Gesellschaft machen, was sie wollen, wenn sie nur können. Sie dürfen den Himmel damit verpesten, dass sie die dreihundertvierzigste Kleinwagenvariante auf den Markt drücken, sie dürfen, weil es ja nun mal nicht anders geht, Atommüll, das RTL-Nachtprogramm und die Bild- Zeitung herstellen und ewig so weiter auf der Fortschrittsleiter. Von ein paar biblischen Grundsätzlichkeiten abgesehen, darf in der freien Welt jeder die Würde des Lebens missachten, so gut es sich für ihn auszahlt. Nur die jungen Frauen dürfen das plötzlich nicht mehr. Sie werden von Leuten, die mit der Buchstabenfolge »Natur« bestenfalls eine Aufschrift auf Jogurtbechern verbinden, auf ihre natürliche Bestimmung hingewiesen. Da ist etwas faul.
Aber reden wir nicht weiter von den Herren, um die sich die Welt ja ohnehin überall dreht. Wichtiger sind die jungen Frauen, die offenbar die Stimme der Natur nicht hören. Da es ja unmöglich die Ängste und Katastrophenszenarien der Publizisten sein können, die bei jungen Frauen einen Kinderwunsch hervorrufen, frage ich mich, was man ihnen ernsthaft über das Kinderbekommen und Kinderhaben erzählen könnte. Darin kenne ich mich ein wenig aus.
Vor allem muss man sie auf eines hinweisen: Sie werden getäuscht. Die Gebärkampagnen der letzten Tage und Monate sind Propaganda. Die Appelle an die jungen und (weil die Lage so ernst ist) auch älteren Akademikerinnen, Kinder in die Welt zu setzen, erzählen viel über männliche Planspiele und wenig über weibliche Wirklichkeit. Sie übergehen ein paar grundsätzliche Wahrheiten, die jeder kennt und keiner aussprechen will.
Die erste und einfachste Wahrheit geht so: Eine Frau, die Kinder bekommt, muss ihr Leben ändern; ein Mann, der Kinder bekommt, nur einen Lebensabschnitt. Wenn überhaupt. Eine Frau, die ein Kind bekommen hat, ist, solange sie ihr Kind nicht umbringt, verklappt, wegsperrt oder entsorgt, eine Mutter, lebenslang. Ein Mann, der ein Kind bekommen hat, ist noch lange kein Vater. Das klingt absurd, ist aber millionenfache Praxis.
Die zweite Wahrheit heißt deswegen: Ein Vater ist ein Vater – aber nur solange es ihm Spaß macht. Wenn das Kind oder die Mutter ihm keinen Spaß mehr macht, kann er für sein Kind auch per Bankdauerauftrag sorgen. Das kann er so oft wiederholen, wie sein Konto es ihm erlaubt. Für eine Frau sind diese Wiederholungschancen sehr beschränkt, und in den seltensten Fällen gelingt es ihr, per Online-Banking für ihr Kind zu sorgen.
Die dritte Wahrheit ist deshalb die: Ein Mann, der ein Kind bekommen hat, kann sich weiter verwirklichen. Er kann Biobauer in Timbuktu werden und so viele neue Leben beginnen, wie er will.
Eine Frau kann das nicht mehr. Sie muss, wenn der Vater beschließt, seine Vaterschaft an den Nagel zu hängen und nur noch als Gelegenheitsjob oder hobbymäßig auszuüben, jeden Abend, den Gott gibt, um neun noch Der Mond ist aufgegangen singen und am nächsten Morgen von halb sieben an Tierbaby-Lotto spielen, ob sie Lust dazu hat oder nicht. Da sollten die jungen Frauen sich nicht das Blaue vom Himmel herunterlügen lassen. Die Sache ist seit ein paar tausend Jahren dieselbe: Elternschaft ist weiblich. Und Familienschiffbrüche sind seit ein paar Jahrzehnten Legion. Den meisten Frauen, die ich kenne, ist es passiert. Und sehr viele Männer, die mir begegnen, haben einen Bankdauerauftrag (und die ganz Schlimmen nicht einmal das). Darüber redet man nicht. Sollte man aber.
So viel zum Grundsätzlichen. Bleibt noch der Mythos von der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Um hier für Klarheit zu sorgen, muss man sich aus dem Hochsitz der Programmatik in den Sinkflug der Konkretion begeben. Da unten geht es nicht ganz so ordentlich zu wie in der Familienpolitik, wo die Renten mit den Kosten für Ganztagskindergarten und Ganztagsschule verrechnet werden. Gegen Ganztagskindergärten und Ganztagsschulen ist nichts zu sagen. Außer dass sie die Probleme einer ganztags berufstätigen Mutter nicht lösen. Hier kommen wir zu den kleineren, den heimtückischen Wahrheiten: Auch im Ganztagskindergarten muss ein Kind sauber gekleidet und möglichst mit einem Paar gleicher Socken bestrumpft erscheinen (wer hier lacht, der wird es noch bereuen), muss pünktlich wieder abgeholt, beköstigt und bespielt werden. Auch im Ganztagskindergarten wird permanent Geburtstag (Geschenke), Fasching (Kostüme) und Erntedank (Obstkörbchen) gefeiert, müssen Läuse bekämpft, Sterne gebastelt und Kuchen gebacken werden. Klingt eigentlich gut, ein bisschen wie ein knisternder, gemütvoller Schwarz-Weiß-Film, ein bisschen wie Bullerbü. Ist aber für eine Mutter, die zwischen achtzehn und neunzehn Uhr nach Hause kommt, Einkaufen geht, Kind ins Bett stopft, ein familiäres Waterloo.
Kein Teilnehmer der laufenden Gebär-Animationskampagne wagt anzumerken, was – Hauptwahrheit Nummer vier – jede voll berufstätige Mutter von kleinen Kindern weiß: Die angepriesene Vereinbarkeit von Beruf und Kindern ist eine Schimäre. Da gibt es nämlich nichts zu vereinbaren. Da gibt es nur etwas zu addieren. Und zwar Arbeit plus Arbeit. Und das Ergebnis ist: Erschöpfung. In der Zeitung steht: Altruismus. Aber man sollte der Zeitung, in der so etwas steht, nicht glauben.
Diesem Problem, so wird in der Regel argumentiert, lässt sich mit schlecht und schwarz bezahlten russischen oder polnischen Hilfskräften auf den Leib rücken. Das stimmt. Jeder, der sich das leisten kann, macht das. Der berühmten Vereinbarkeit nutzt das dennoch wenig. Denn Kinder brauchen (merkwürdig, dass das in den Kampagnen nicht erwähnt wird) mehr als sortierte Socken. Wir erinnern uns: Sie brauchen liebevolle Ansprache, Vorlesen, Singen, Erzählen, gemeinsame Erlebnisse. Man muss ihnen zuhören, ihre Tuschbilder loben, ihre Blockflötenkonzerte anhören, ihren ersten Handstand bewundern. Auch das können russische und polnische Hilfskräfte in Maßen leisten. Aber die einfache, schreckliche Wahrheit heißt dennoch: Den Kindern genügt die Bewunderung der russischen oder polnischen Hilfskräfte nicht. Sie wollen ihre Eltern.
Deswegen muss die berufstätige Mutter abends zwischen neunzehn und zwanzig Uhr auch noch vorlesen, singen, liebevolle Ansprachen halten, Blockflötenvorspiele abnehmen und Tuschbilder bewundern. Außerdem sollte sie mal einen Blick in die Schulhefte der Kinder werfen, ab und zu überprüfen, ob sie überhaupt lesen und schreiben können, sie sollte die Musikerziehung organisieren, die Freunde ihrer Kinder kennen lernen, die Kinder mal in einen Wald, ein Schwimmbad, ein Theater oder schlicht zum Zahnarzt führen. Alles in allem ein ziemliches Programm zwischen neunzehn und zwanzig Uhr abends.
Nun wird man einwenden, dass die vielen anderen, die heldenhaften Väter, die sich nicht spätestens nach der Geburt des zweiten Kindes in irgendein Timbuktu abgesetzt haben, der berufstätigen Mutter unter die Arme greifen können. In so einem märchenhaften Fall ist es natürlich möglich, dass die Mutter zwischen neunzehn und zwanzig Uhr aus ihrer Führungsposition nach Hause kommt und die Kinder bereits Geige gespielt, liebevolle Ansprache erhalten, Lieder gesungen, Handstand gemacht, Schwimmen gelernt, Bücher gelesen, den Waldspaziergang absolviert und für den nächsten Tag ein gebügeltes Häufchen frischer Wäsche neben ihrem Bettchen liegen haben. So etwas soll es geben. Setzt aber voraus, dass der Vater spätestens am frühen Nachmittag seine ihn dennoch vollumfänglich beglückende Arbeitsstelle verlassen und das skizzierte Betreuungsprogramm in Auszügen absolvieren konnte.
Mit anderen Worten: Beide Eltern von Kleinkindern können nicht voll berufstätig sein. Die Erziehung von Kleinkindern lässt sich (von Nordkorea, Frankreich und der DDR sehen wir hier mal ab) nicht outsourcen. Einer muss immer einen Preis zahlen. Wenn es nicht die Kinder sind, sind es die Eltern. Im Krisenfall, also im Normalfall, ist es immer…aber das hatten wir. Es ist ein merkwürdig gut gehütetes Geheimnis, das sich aber nicht aus der Welt schweigen lässt.
Dies sind im Groben die Basisinformationen, die man den jungen Frauen, die den biologischen Super-GAU verhindern müssen, nicht vorenthalten sollte. Ein paar Kleinigkeiten kommen noch hinzu. Auch hier hilft nur Ehrlichkeit. Kleine Wahrheit Nummer eins: Eltern verspießern. Sie haben, zumal die Familie, wie beschrieben, mit zwei vollen Gehältern nicht gesegnet ist, die Wahl zwischen einer kleinen Wohnung in der Innenstadt, in der sie sich nach dem dritten Kind die Windeln an den Kopf schmeißen, oder einem Häuschen im Grünen, wo sie sich dem Gespött der hippen Freunde und der Zeitgeist-Journaille aussetzt, die solche Leute als Pendlerpauschalisten verhöhnt.
Doch selbst wenn man die schickere Innenstadtvariante wählt, wird man, ohne es zu wollen – kleine Wahrheit zwei – bald zur spießigen Zicke, die sich beim Schuster über die Pin-ups und auf dem Spielplatz über die kackenden Hunde beschwert. Und im Kinderkino ruft man panisch nach dem Geschäftsführer, wenn die Vierjährigen, bevor Pippi Langstrumpf kommt, erst durch Marlboro Country reiten und Bacardi-Rum trinken müssen. Aber das sind nun wirklich schon Nickeligkeiten, eigentlich nicht der Rede wert.
Ein Wort zum Schluss: Die Gleichberechtigung von Mann und Frau ist eine wunderbare Sache. Wir müssen sie verteidigen, auch wenn sie nicht funktioniert. Mit Kindern funktioniert sie nicht. Mit Kindern kommt die Moderne ins Stottern. Ohne Kinder allerdings auch. In diesem Paradox leben wir. Es soll sich trotzdem niemand vom Kinderbekommen abschrecken lassen. Dass Kinder glücklich machen, stand hier nicht zur Debatte. Ist auch schon oft genug beschrieben worden. Man sollte dem Glück nur offen in die Augen sehen. Dann sieht man, dass man es nicht umsonst bekommt.
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- Quelle DIE ZEIT 16.03.2006 Nr.12
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Die Gratwanderung zwischen Familie und Beruf ist für Mutter UND Vater gleichermaßen kompliziert und aufreibend. Es besteht kein Anlass - wie im Artikel geschehen -, dies fast ausschließlich als ein Problem der Frau darzustellen und den im Haushalt mitarbeitenden und an der Kindererziehung teilhabenden Vater als märchenhafte Ausnahme darzustellen. Und unter den unbestritten (zu) vielen Scheidungsfällen gibt es, ebenso wie den sich in die Selbstverwirklichung flüchtenden Zahl-Papi, nicht selten den durch gesellschaftliche und juristische Konventionen aus der Vaterrolle gedrängten Vater. Dass ein Vater für seine Kinder sorgen will, statt sich auf Weltreisen auszutoben, ist der Regelfall, kommt aber in der von diesem Artikel beschriebenen Welt kaum vor.
Eine Anmerkung zur Horrorvision des "Verspießerns": Was "spießig" ist, ist abhängig vom Lebensalter. Mit 20 mag der Traum vom Eigenheim und geregeltem Tagesablauf "spießig" sein. Aber ist er das mit Mitte 30 immer noch? Ist es ab einem bestimmten Alter nicht viel "spießiger", immer noch täglich in seinem Stammcafe rumzusitzen, sein Hauptaugenmerk darauf zu lenken, noch jung und attraktiv zu wirken oder unter Freiheit primär die Möglichkeit zu verstehen, jederzeit "spontan" einen Kurzurlaub in Paris verbringen zu können - all das im immer krampfhafteren Bemühen, nicht zu "verspießern"? Urheber dieser Angst ist der vom Jugendkult der Moderne vermittelte Zwang, die Phase der eigenen Jugendlichkeit bis mindestens ins sechste Lebensjahrzehnt ausdehnen zu müssen. Zwischen diesem und dem Wunsch nach Kindern wird jede(r) sich entscheiden müssen - wenn auch vielleicht noch nicht mit 23.
Der Artikel "Der Preis des Glücks" gibt einige Wahrheiten preis, denen ich als berufstätige Mutter von zwei Kindern nur zustimmen kann. Es ist wahr , dass es keine Vereinbarkeit von Beruf und Familie gibt. Zumindest nicht, wenn man Vollzeit arbeitet. Unser Ganztagskindergarten verlangt, dass man seine Kinder um 16 Uhr wieder abholt. Aber dafuer kann das Kind ja auch schon um 8 Uhr kommen! Wer bitte hatte eine Vollzeitstelle, wo man diese Zeiten einhalten kann? Fuer Kinder unter 3 Jahren ganz zu schweigen. In unserem Fall geht die "Vereinbarkeit" nur dadurch, dass mein Mann auf seine Karriere verzichtet und er sich um die Erziehung kümmert. Wir leben also nur von einem Gehalt. Das schlimmste ist jedoch, dass es leider von anderen Menschen als negativ angesehen wird, wenn der Mann sich nicht klassisch um die Versorgung der Familie kümmert. Und als Mutter gerät man leicht in das Klischee der Rabenmutter. Daher hat man noch mit viel mehr Problemen zu kämpfen als nur die genannten in dem Artikel.
Jedoch möchte ich nochmals betonen, das es auch Väter gibt, die sich nicht aus dem Staub machen und ihre Interessen zurückstellen. Ganz zum Wohl der Kinder!
Dr. Alexandra Pehlken
Zugegebenermaßen schossen mir die Tränen in die Augen als ich den Artikel von Iris Radisch las. Welcome to reality!! Ich hatte doch tatsächlich das Gefühl meine eigene Biograpghy zu lesen. Ich, 34, habe meinen mind. 50 Stunden-Job und bin Mutter eines 7 jährigen Sohnes. Ich arbeitete schon immer, weil mir das wichtig war. Also Tagesmütter und die damit verbundene schwierige Suche habe ich schon alles hinter mir und immer noch als ständigen Begleiter. Ganz zu schweigen, von den hohen Kosten, die man damals gar nicht und nun nur begrenzt geltend machen kann. Zum Glück kümmert sich auch der Papa, geht auch nur weil er selbständig und daher etwas flexibler ist, aber um das nicht falsch zu verstehen, wir sind getrennt. Morgens früh, abends spät - 7:30 oder auch schon mal um 06:45 das Haus verlassen, um dann gegen 19:30 wieder zu Hause anzukommen. Zwischen 19:30 und 20:30 Hausaufgabenkontrolle und Nachbearbeitung, Kuscheln, Vorlesen, Reden, zusammen 15 min. englisches Lernvideo anschauen, Tagbesprechung, Tagvorbesprechung, Kuscheln, Kuscheln, Kuscheln ....zwischendurch Wäsche kurz rein in die Maschine, denn sie läuft ja von alleine, Katzenklo leeren, schon mal den PC anmachen, könnten ja eMails reingekommen sein. Saugen, aufräumen, bügeln vielleicht nochmal was essen. Fitnessstudio mal wieder auf dass Wochenende schieben und dann festzustellen, dass es dann doch wieder zu spät ist die Freundin anzurufen, weil sie ja noch mal um die Häuser ziehen wollte... Das schlimmste dabei ist, das man als arbeitende Mutter von anderen Müttern, die nicht arbeiten, und der Gesellschaft als Rabenmutter deklariert wird, wenn man mehr als "nur" halbtags abeitet. Erwähnenswert ist, dass es diesen Begriff nur in Deutschland gibt, keine andere Sprache hat dieses Wort in ihrem Wortschatz!! Das aber die zur Verfügung stehende Zeit, die man mit seinem Kind verbringt, eine hohe Qualität besitzt und nicht nur durch Quantität definiert wird - ist meistens unterschätzt. Und während nicht arbeitende Mütter noch auf dem Schulhof ihren Frühstücksplausch abhalten sind wir schon produktiv und dienen der Gesellschaft doppelt. Ein zweites Kind, hätte ich gerne, kann es aber finanziell einfach nicht stämmen! So einfach, aber auch so traurig ist das! Schon gar nicht, wenn man als alleinerziehende von der Gesllschaft und der Politik bestraft wird, und ein Kind nicht, weil man getrennt ist plötzlich nur noch die Hälfte der Betreuungskosten hat, aber diese nur noch zur Hälfte angerechnet werden können. Verstehe einer diese Logik?!! Auch, wenn man in zweifacher Hinsicht dem Gemeinwohl dient -durch Kind und Produktivität dient.
Danke für diesen Artikel, vielleicht schafft das ein bischen Awareness in den Köpfen der Politiker und der Gesellschaft.
Nur zum Abschluß, wir Frauen, würden uns ja nicht beschweren und wir würden auch Kinder trotz Doppeltbelastung zur Welt bringen, doch, wenn wir ihnen keine Zukunft und Arbeit bieten können, wären wir verantwortungslos, wenn wir ohne Nachzudenken trotzdem Kinder in diese Welt setzen würden. Gebt uns eine Pespektive und wir schenken diesem Land die ZUKUNFT - nämlich Kinder.
Der Verfasserin kann ich in einem Zustimmen, der Schilderung der Verhältnisse. Allerdings ist die Bewertung des Rollenschemas zu einseitig, wenn auch verständlich.
"Männer können ihr Leben weiterleben wie bisher", ja das ist so und nicht zu ändern, weil Frau nunmal durch Schwangerschaft und Geburt einen Produktionsausfall haben.
Das Frauen nicht einfach ein Scheckbuch zücken können für die Versorgung ist allerdings eine Lebenslüge, sie könnten schon, aber ihr deutlich ausgeprägterer Fürsorgeinstinkt macht ihnen das deutlich schwerer.
Das Männer heute so häufig das Weite suchen, hat auch etwas mit Erwartungshaltungen in der Partnerschaft zu tun.
Ein beruftätige Mutter ist so in Anspruch genommen, dass sich eine Familie für viele Männer einfach nicht lohnt, nur Belastungen, kein Gewinn. Allein lebt man da deutlich komfortabler, zumal wenn sexuelle Bedürfnisse auch ohne feste Partnerschaft zu befriedigen sind.
Auch auf die Gefahr hin als Chauvinist abgestempelt zu werden. In einer arbeitsteiligen Gesellschaft ist es von Vorteil, wenn einer einem Erwerbseinkommen nachgeht und der andere in der Familie arbeitet.
Leider ist uns nichts besseres als Berufstätigkeit und männliche Karriereplanung eingefallen, um die Abhängigkeit (i. d. R. der Frauen) vom Erwerbseinkommen des Partners und damit vom Partner selbst aufzulösen. Auch die Möglichkeiten neben der Familie anspruchsvolle, wichtige und gesellschaftlich bedeutende Tätigkeiten für Frauen zu erschließen ist bisher nur im Rahmen der "männlichen" Berufstätigkeit gedacht worden, weil alles am Gelde hängt.
Das ist aber eine rein kapitalistische Denkweise, zudem auch noch eine der ausbeutenden Art.
Die Wiedersprüche, die Unzufriedenheit die diese "Lösungen" schaffen sind systembedingt und alles Wehklagen wird das nicht ändern.
Mutter sein ist ein Beruf und Vollzeitjob, der eine andere Karriere ausschließt, wenn sie nicht hervorragend vergütet wird und damit Hilfskräfte bezahlbar macht.
Und ganz ehrlich wieviele Frauen haben denn wirklich einen solch tollen Job, der abgesehen von den finanziellen Umständen diesen so erstrebenswert machen?
Der Job, das ist Lebensunterhalt, manchmal Selbstverwirklichung für Männer (aber längst nicht allen) und Frauen.
Frauen können Selbstverwirklichung weit mehr als Männer auch über Kinder und Familie erreichen, was sie unter diesem Gesichtspunkt begünstigt. Die "männliche" Berufttätigkeit stellt dabei eher nur eine neue Diskriminierung dar.
Ich denke, dieser leicht chauvinistisch mißzuverstehende Ansatz sollte geeignet sein, den Blickwinkel zu verändern, um der Sackgasse, in die Emanzipation droht zu versauern ,zu entgehen und neue Ansätze jenseits der üblichen Schemata zu suchen und auch den Wert, wie den Unwert tradierter Geschlechterrollen neu zu bewerten.
B Grabe
Vater von 3 Kindern, Ehemann einer berufstätigen Frau
Danke, Frau Radisch! Ich kann Ihnen als berufstätige Mutter von bald 2 Kindern nur von ganzem Herzen zustimmen. Und ich kann diese Artikel der "neuen älteren Herren" einfach nicht mehr ertragen! Ihre Nadja Schlieps
Für die Leute, deren Horizont an den Landesgrenzen endet besteht in der Tat ein Problem. Es herrscht nämlich absolut kein Mangel an Kindern auf diesem kleinen blauen Planeten. Wir müssten sie nur reinlassen, wenn sie den kommen wollten.
Aber wahrscheinlich gehen die lieber nach Grossbritannien oder in die USA. Dort gibt es nämlich genügend Jobs und kaum Arbeitslose. Da nämlich liegt der Hund begraben. Deutschland ist unter den entwickelten Nationen Schlusslicht bei der Kinderbetreung aber ganz vorn dabei bei den Langzeitarbeislosen und dem Verarmungsrisiko. Man muss sich wundern, dass überhaupt noch soviele Kinder geboren werden.
Ich gehöre mit 25 Jahren wohl gerade noch so zu der angepeilten Zielgruppe, und kann mich nur ehrlich für diesen Artikel bedanken. Nachdem ich die letzten Wochen und Monate von anfänglicher Hoffnung (wenn ich soweit bin wird die Kinderbetreuung sicherlich fantastisch sein!) über Irritation (oh, Artikel/Buch/Kommentar Nr. 368 zum Thema) bis hin zu blanker Wut und Frustration, einschließlich SPIEGEL durch das Zimmer pfeffern und Dieses-Drecksblatt-les-ich-nie-wieder Schrei-Anfall, gewandert bin, kam ihr Artikel gerade richtig. Nochmal, Danke sehr. Es ist schön dass, wenn man schon im falschen Film gelandet ist, es noch ein paar Leute merken.
Selten so eine Ansammlung von Klischees gelesen (außerdem auch ganz schlecht geschrieben, den Anfang sollte man um 80% kürzen, erst im 7. Absatz kommt Frau Radisch zur Sache). Hier meine Wahrheiten:
1. Eine Frau hat immer die Wahl: sie kann sich im Beruf selbst verwirklichen, sie kann kinderlos zu Hause bleiben und vom Fitnessstudio über Spanischkurse bis Modehäuser wandern, oder nach Wunsch auch Kinder kriegen. Dann kann sie immer noch entscheiden, ob sie Vollzeit-, Teilzeit- oder Abendmutter wird. Besonders günstig: wenn sie eine Berufsversagerin ist, ganz dick und für Sprachen unbegabt, kann sie sich in ihre Mutterrolle zurückziehen. Ein Mann hat zu arbeiten, er wird daran gemessen, wie erfolgreich er im Beruf ist. Hat eine Familie, beide Eltern berufstätig, sieben Kinder großgezogen, wird die Mutter bewundert: "Wie schafft sie es nur?". Den Vater fragt man höchstens, wie er das finanziert.
2. Es ist wahr, die Mutter (oder wer auch immer sich um die Kinder kümmert) muss 12 Stunden täglich ansprechbar sein. Aber nicht kontinuierlich! Man (frau) kann Kinder auch eine Zeit lang auch alleine spielen, schlafen, malen usw. lassen. Außerdem kann man mit ihnen auch vieles machen, was man auch sonst machen würde: spazieren gehen, in die Kneipe gehen (blöd nur, dass in man (frau) in Deutschland dort wahrscheinlich der einzige mit Kindern wird), einkaufen, Sport machen
3. Die Mutter (oder wer auch immer sich um die Kinder kümmert) steht unter keinem Leistungsdruck, es gibt keine Vorgaben, keine Qualitätskontrolle, keine Vorgesetzten, keine Deadlines. Sie ist die Herrin, macht im Haushalt und mit den Kindern was sie will und wie sie es für richtig hält. Ob gut oder schlecht, egal. Und jede behauptet, natürlich, die beste zu sein. Ob sie sich um die Kinder kümmert oder sie vernachlässigt, ob sie sie schlägt und anschreit oder nach besten pädagogischen Maßstäben erzieht, mit tief gefrorenen Pizzas und Schokolade oder selbst gekochtem vom Biomarkt füttert, ihnen vorließt oder sie vors Fernsehen setzt niemand erfährt das, und selbst wenn, niemand darf ihr was sagen.
4. Eine Mutter ist eine Mutter, solange es ihr gefällt. Wenn sie sich vor der Geburt dagegen entscheidet, kann sie das Kind straflos töten. Wenn das Kind schon da ist, kann sie sich immer noch im gleichen Maße wie der Vater zurückziehen. Aber: ein Vater ist ein Vater nur solange ihm die Mutter das erlaubt. Hat sie mal genug von ihm, schmeißt sie ihn aus dem (womöglich sogar seinem eigenen!) Haus raus, behält die Waschmaschine und Kinder, und er muss noch den Unterhalt zahlen -- für die Frau und für die Kinder (die womöglich gar nicht seine eigenen sind, er darf es auch nicht erfahren). Dabei soll er sich glücklich schätzen, wenn er die Kinder alle zwei Wochen sehen darf. Von wegen "Das kann er so oft wiederholen, wie sein Konto es ihm erlaubt": der Unterhalt wird proportional zu seinem Einkommen angesetzt, die Gerichte sorgen schon dafür, dass er sich das bestenfalls einmal im Leben leisten kann, wenn überhaupt.
5. Eine nicht berufstätige Mutter kann sich spätestens wenn das jüngst Kind 15 ist ruhig zurücklehnen. Um die Kinder braucht sie sich nicht mehr zu kümmern (nicht mehr als der Vater), der Unterhalt ist ihr gesetzlich gesichert, sie kann ihr Leben genießen. Ein berufstätiger Vater muss doppelt bis dreimal so lange Arbeiten, bis er seine Rente erreicht. Also, Mädels: mit 25 ein Kind kriegen, und wenn ihr so alt seid wie Frau Radisch, könnt ihr euch selbst verwirklichen wie ihr wollt. Der Mann wird schon zahlen, auch für das Studium der Kinder.
6. Die viel angepriesene Vereinbarkeit von Beruf und Kindern ist eine Schimäre, das stimmt. Mit einer Einschränkung: IN DEUTSCHLAND! Ich kenne einige Länder, neben den erwähnten Nordkorea und Frankreich (lustiges Paar, übrigens), wo man berufstätig sein kann und gleichzeitig Kinder haben kann. Eigentlich ist Deutschland das einzige mir bekannte Land, wo das nicht möglich ist. Warum ist es so? Weil die Ganztagsbetreuung fehlt? Da habe ich gerade am Wochenende eine andere Erfahrung gemacht: in den wenigen Kitas, die auch Ganztagsbetreuung anbieten, sind ab 14:30 nur zwei bis drei Kinder noch da. Es fehlt schlicht und einfach die Nachfrage. Meine Vermutung: weil die Mütter meinen, selbst am besten für die Kinder sorgen zu können und holen sie nach dem morgendlichen Fitnessstudio/Spanisch/Einkaufen ab (siehe Punkt Nr. 3 oben).
Noch ein paar Anmerkungen zum Schluss: die ganz überwiegende Mehrheit der Scheidungen (über 80%) geht heute von Frauen aus, in über 90% der Streitfälle bekommt die Frau die Kinder und ich habe noch keinen einzigen geschiedenen Vater getroffen, der nicht darum gekämpft hat, das Sorgerecht zu bekommen. Jetzt den Vätern vorzuwerfen, sie würden für ihre Kinder "per Online-Banking" sorgen ist blanker Hohn.
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