Mit Träumen habe ich mich während meines Studiums viel beschäftigt. Seither versuche ich nicht mehr, in ihnen unbedingt eine Bedeutung zu finden. Die Forschung beschreibt Träume als einen Vorgang, mit dem das Gehirn all die nutzlosen Informationen loswerden will, die es im Lauf des Tages aufgenommen hat. Das Bewusstsein versucht dabei, aus allem eine schlüssige Geschichte zu machen. Auch im zusammenhanglosen Informationsabfall will es einen Sinn finden. Natalie Portman, 24, in Jerusalem geboren als Tochter eines israelischen Arztes und einer amerikanischen Mutter, zog im Alter von drei Jahren mit ihren Eltern in die USA. Mit zehn wurde sie von einem Talentsucher in einer Pizzeria entdeckt, mit zwölf spielte sie in Luc Bessons »Léon – Der Profi« ihre erste große Kinorolle. Zwischen ihren Auftritten in Filmen von Woody Allen, Tim Burton und in »Star Wars« studierte Natalie Portman in Harvard Psychologie. Von dieser Woche an ist sie in dem Science-Fiction-Film »V wie Vendetta« zu sehen. Natalie Portman träumt von einem US-Präsidenten, der weltweit gewählt wird. BILD

Menschen neigen dazu, aus allem eine Geschichte zu machen. Manche Leute träumen sogar etwas und halten es dann für eine reale Erfahrung. Seit Urzeiten haben die Menschen versucht, ihre Träume zu erforschen – und erstaunlicherweise wissen wir noch immer nicht genau, warum es Träume eigentlich gibt. Allerdings liebe ich es so sehr, zu schlafen, zu träumen und mich Fantasien hinzugeben, dass ich glaube: Träume haben ihren Wert in sich selbst.

Und dann gibt es noch die Träume, für die sich das Aufwachen lohnt. Es gibt einige Dinge in unserer Welt, die ruhig mal neu geordnet werden könnten. Man muss ja nicht gleich alles umkrempeln. Aber es wäre langsam Zeit, ein paar Dinge zu überarbeiten, zum Beispiel das Wahlsystem in den USA. Ich fände es gut, eine Wahlpflicht für alle Bürger einzuführen, so, wie es sie in Australien gibt. Das allein würde schon viel verändern, einfach weil das Ergebnis repräsentativer wäre. Ich würde mir auch mehr Parteien wünschen und eine Volksvertretung, die auch die Minderheit berücksichtigt. In den USA bekommt die Mehrheit nahezu alle Macht.

Man kann nicht nur dann in einer Demokratie leben wollen, wenn die eigene Meinung gewinnt. Bei der vorigen Wahl habe ich John Kerry unterstützt. Es gewinnt nun mal derjenige, der die meisten Stimmen bekommt. Trotzdem muss man nicht jeder Regierung bedingungslos folgen. Man muss dem Gesetz folgen, wenn es ein vernünftiges, für menschliche Wesen gemachtes Gesetz ist.

Nicht jeder freut sich darüber, wenn Schauspieler sich politisch äußern. Aber ich bin ein Bürger wie jeder andere. Niemand wird gezwungen, mir zuzuhören. Jeder darf mir widersprechen. Ich habe wie jeder Amerikaner das Recht, meine Meinung zu sagen. Ich bin bestimmt nicht der politischste Mensch auf der Welt. Es gibt Phasen, in denen ich mich engagiere, und dann wieder Zeiten, wo ich mich zurückziehen muss, wo mir Politik bedeutungslos und oberflächlich erscheint. Dann möchte ich mich auf Dinge konzentrieren, die wirklich wichtig sind: Liebe, Familie, Beziehungen, Kunst. Politik kann einen oft desillusionieren. Aber es ist wichtig, weiterzumachen.

Als Schauspieler weiß man, dass es sich bei den Künsten um Illusionen handelt, also im erweiterten Sinn um Lügen. Aber obwohl du weißt, dass es Lügen sind, zeigen sie dir eine bestimmte Wahrheit: Sich vorzustellen, wie das Leben anderer Menschen ist, sich in sie hineinzuversetzen, ihre Geschichte und ihre Gefühle zu verstehen – das ist eine Übung in Mitgefühl für Schauspieler und Publikum.