Energie 80 Millionen Verschwender

Ein Energiegipfel soll die Versorgung sichern. Doch wichtiger als neue Kraftwerke sind sparsame Bürger und Unternehmen

Am Montag in einer Woche ist der Tag des Spitzentreffens in Berlin. Mit 28 auserwählten Personen will Angela Merkel die Energiezukunft des Landes im Bundeskanzleramt sichern. Auf dem Gipfel gegen die Angst.

Jahrelang kam Energie aus Steckdosen, Zapfpistolen und Heizungskellern, einfach so, ein Dreh oder ein Griff genügte. Doch als Anfang des Jahres Russland der Ukraine die Gaszufuhr kappte, sank auch der Druck in deutschen Leitungen. Öl ist knapp und teuer wie nie zuvor, Kohle umweltschädlich, Atomkraft umstritten und Sonne sowie Wind sind noch keine zuverlässigen und ergiebigen Energiequellen. Der Stoff, ohne den sich nichts bewegt, ohne den es kalt und dunkel bleibt, beschäftigt deshalb das Spitzenpersonal von Politik und Wirtschaft. Überall. Auch Deutschland steckt mitten in der Debatte um die sichere »Energieversorgung«, wie die Bundesregierung in einem Report zum Gipfel schreibt.

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»Versorgung«. Schon der Begriff weist in die falsche Richtung. Die Teilnehmer des Energiegipfels, Angela Merkel, fünf Minister und die Chefs von Unternehmen wie RWE und E.on, von DaimlerChrysler und Siemens könnten es besser wissen. Sie brauchten nur einen Mann zu fragen, der einen für deutsche Zungen komplizierten Namen hat: Nebojsˇa Nakiƒenoviƒ. Er ist Professor in Wien und wäre nicht nur ein Kandidat für den Nobelpreis, sondern auch für Merkels Energiegipfel. Denn Naki, wie sich der in Belgrad geborene Kernphysiker nennt, hat überraschende Erkenntnisse gewonnen, als er die Logik von Energiesystemen studierte. Für den Gipfel hätte er eine ganz einfache Botschaft: Die Beschaffung von mehr Energie löst kein einziges Problem – solange Energie weiter verschwendet wird.

Jahrelang hat Naki am Internationalen Institut für Angewandte Systemanalyse (IIASA), einer Denkfabrik in Laxenburg bei Wien, mit Hilfe von Computern geforscht, wohin die energiepolitische Reise gehen könnte. Er teilt seine zu Szenarien geronnenen Erkenntnisse sogar mit all jenen, die im Big Business der Energie Rang und Namen haben; das Buch, in dem sie nachzulesen sind, gab der Weltenergierat, das Netzwerk der Konzerne, mit heraus. Doch es blieb weitgehend unbeachtet.

Szenarien sind keine Prognosen, aber in sich stimmige, denkbare Entwicklungen. Sie geben Auskunft darüber, was möglich und was unmöglich ist. Unmöglich ist es nach Nakis Erkenntnis, allein mit neuer Energie, sei sie nuklear oder regenerativ erzeugt, die alte loszuwerden: Kohle, Öl und Gas. Ebenso unmöglich ist es, allein mit neuer Energie in Schach zu halten, was alle bekämpfen wollen: die Erderwärmung. Sichere Energie und erträgliche Temperaturen gehorchen einem Imperativ, der schwarzem, rotem und selbst grünem Denken eher fremd ist: Energie muss sparsamer genutzt werden.

Es gebe keine bessere Möglichkeit, sagt Naki, »gleichzeitig für mehr Klimaschutz und für mehr Sicherheit zu sorgen«.

Am letzten Freitag im Februar herrscht in der größten Raffinerie Saudi-Arabiens Alarm. Scharfschützen gehen in Stellung. Zwei Autos voll mit Sprengstoff haben die Absperrungen der Ölfabrik von Abqaiq durchbrochen. Sie rasen auf die Raffinerie zu. Sicherheitstrupps schneiden ihnen den Weg ab, gezielte Schüsse setzen die Autos in Brand, sie explodieren. Der Anschlag ist vereitelt. Er hätte eine Katastrophe verursacht, die auch deutsche Autofahrer schwer getroffen hätte.

Es war nicht das erste Mal, dass al-Qaida versuchte, Ölanlagen zu sprengen. Das Ziel ist klar: Panik am Golf schüren, die Lebensader der Weltwirtschaft kappen. Mehr als 60 Prozent des Erdöls, das weltweit täglich verbraucht wird, muss durch die Meerenge von Hormus geschleust werden. Saudi-Arabien hat seine am Golf weithin aufragenden Raffinerien, die gewaltigen Erdöltanks von Ras Tanura, das größte Erdölfeld der Welt von Ghawar, zwar militärisch geschützt. Aber al-Qaida sucht die Lücke.

Reichlich Angriffsziele bietet auch Russland, Europas wichtigster Gaslieferant. Die Kreml-Führung hat mit dem andauernden Krieg in Tschetschenien ein Terrorproblem selbst miterschaffen, und so verwundert es nicht, dass am 22. Januar eine Pipeline nach Georgien attackiert wurde. Der nächste Angriff könnte den Westen treffen.

Leser-Kommentare
    • khwalk
    • 29.03.2006 um 10:29 Uhr

    Wer sich umfassender über die schon heute möglichen Energiespar-Möglichkeiten informieren möchte, sollte einen Blick auf die Homepage des Rocky Mountain Institutes (www.rmi.org) werfen. Das Bürohaus des Institues wurde vor 20 Jahren von Amory Lovins geplant und gebaut und nutzt die schon damals verfügbaren Einsparmöglichkeiten voll aus. Das Haus ist zu 99% energieautark, obwohl es in 2200 Meter Höhe in den Rocky Mountains liegt, wo es nur an 52 Tagen im Jahr frostfrei ist. Trotzdem wachnen im Januar dort Bananen. Weitere Details sind im Buch "Faktor vier" von E. U. Weizsäcker / A. B. und L. H.Lovins ab Seite 39 zu finden.

    Im Buch "Ökokapitalismus" von P. Hawken / A. B. und L. H.Lovins sind auf über 450 Seiten eine Unmenge an praktischen Beispielen zur Energie-Effizienz aus den unterschiedlichsten Bereich zu finden. Man kommt aus dem Staunen nicht heraus, was heute schon möglich ist.

    Angesichts all dieser heute schon bestehenden Möglichkeiten zur Eneregieeinsparung stellen sich viele Fragen: Warum wird dieses Potenzial nicht genutzt, obwohl sich damit viel Geld verdienen läßt? Wer hat ein Interesse daran und wem nützt es, dass Energie in diesem unglaublichen Maße verschwendet wird? Wie läßt sich ein Bewußtseinswandel beim Verbraucher und bei den Verantwortlichen in Politik und Industrie herbeiführen? Was kann jeder einzelne tun?

    Ich denke, dass es wichtig wäre, junge Menschen für das Energiesparen zu begeistern. Wie wäre es mit einem Engery Saving Cyberspace in Anlehung an das Habbo-Hotel, wie es in der letzten ZEIT im Artikel "Die Eingeborenen des Internets" beschrieben wurde. Packen wir's an ....

  1. es gibt zwei möglichkeiten die hier gemeint sein könnten.

    1. ein einsatz mit dem die durchflußmenge verringert wird,
    und damit die erhitzte Wassermenge und damit auch weniger kwh

    2. es ist ein stopventil um mit einem handgriff die zufuhr abzuriegeln ohne an der mischbatterie zu verstellen.
    das ventil hat ein kleines loch, damit es nicht zu einem druckstoss kommt.

    ansonsten sollte jeder, der eienen Durchlauferhitzer betreibt, sich fragen, ob es nicht eine bessere Lösung gibt.
    Durch die Verluste im Kraftwerk und im Netz kommt nur 1/3 der Primärenergie mit dem Strom an.
    Deshalb ist auch die Wärme mit Strom so teuer.

    Solarthermie und Wärmepumpen sind der ideale Ersatz für Nachtstromheizungen mit Durchlauferhitzer.
    Allein mit dieser Maßnahme könnten mehr als 5% des Stroms eingespart werden.

    Isolierung der Aussenhülle und gute Fenster setze ich mal hier voraus. Leider verbrauchen 75% der Häuser 95% der Energie, weil Heizöl und Erdgas in den letzten 30 Jahren kaum besteuert wurden, gab es nur in Ölkrisen mit hohen Preissprüngen ein Aufflackern im Einsparen.

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    • aki2
    • 23.08.2008 um 17:39 Uhr

    Ausserdem kann man den Durchlauferhitzer über Nacht per Zeitschaltuhr abschalten. Und das richtige Einstellen der Höchsttemperatur nicht vergessen (lassen).

    • aki2
    • 23.08.2008 um 17:39 Uhr

    Ausserdem kann man den Durchlauferhitzer über Nacht per Zeitschaltuhr abschalten. Und das richtige Einstellen der Höchsttemperatur nicht vergessen (lassen).

  2. 3. Frage

    Ich habe ein ganz praktisches Anliegen: Was genau ist der 'kleine Helfer', mit dem ich den Energieverbrauch unserer Duchlauferhitzer senken kann? MfG. Eine krasse Herde

  3. Es wird immer gern vom Energiesparen geredet. Erstens ist einfach die Gewohnheit beim Verbraucher so stark und zweites Energiekonzerne und auch das Staatssäckel verdienen einfach zu gut daran und tun alles, um Ihre Monopole zu sichern.
    So unangenehm mir auch der hohe Benzinpreis ist, so zwingt er uns doch zum Umdenken. Energiesparmöglichkeiten gibt es sehr viele, ohne Komfortverlust. Förderprogramme wie Einspeisungsgesetz, Wärmeschutzverordnung usw. sind sehr wichtig und müssten eher ausgebaut werden.
    Aber billiger wird Energie sicher nicht mehr. Selbst wenn die Primärenergie kostenlos wäre - würden diejenigen, die das Monopol auf die Verteilung haben sie uns ohne Not günstiger abgeben?
    Warum hat noch nicht jedes Haus eine Wärmepumpe, wenn man doch aus 1kW Strom ca. 5kW Wärme bekommt, oder Sonnenkollektoren? Und die bessere Wärmedämmung? Oder energiesparendere Auto's(Leider sind "Engerieaktionäre" oft auch gleichzeitig "Autoaktionäre")?
    Ohne den Druck des Verbrauchers sich nach Alternativen umzusehen werden wir immer nur mehr zahlen.

  4. solange in D 7% des Stromverbrauchs mit nachtspeicherheizungen verschwendet werden können, gibt es kein problem. solange Arbeit mit mehr als 50% mit Abgaben und steuern belastet werden, jedoch kerosin steuerfrei bleibt ist etwas faul. die energiebesteuerung ist dekadent.
    auch die grünen haben sich von ihren grundsätzen schon weit entfernt, mit der 14-milliarden-förderung von ausländischen Si-Herstellern für PV. Geldverbrennen geht einfacher mit Kohlesubventionen der SPD.
    Diese Republik ist in keinem Feld in der Welt positive Avantgarde. In jedem Bereich sind Länder besser und effizienter sprich nachhaltiger als D.

  5. In Schweden werden zur Zeit 7 von 10 Neubauten mit Wärmepumpen ausgerüstet. (Quelle Viessmann)

    • sbo78
    • 25.03.2006 um 19:57 Uhr

    Sehr schöner Vorschlag - wäre schön, wenn einiges davon bis ins Kabinett durchsickert! Nebenbei sollte man einführen, dass pro Mensch etwa 8.000,- Euro Einkommen im Jahr - das ist etwa der Betrag den ein Sozialhilfeempfänger incl. Wohnung und Krankenversicherung etc. den Staat jährlich kostet - völlig ohne Belastung durch Einkommenssteuern und Sozialversicherungsbeiträge bekommen kann. Damit würden Arbeitskosten weiter gesenkt, der Beitragsausfall könnte über Verbrauchssteuern finanziert werden. Denn diese belasten den Niedrigverdiener prozentual stärker als den Besserverdienenden.

    Weil jeder Mensch (auch Partner und Kinder) einen solchen Freibetrag bekommt, ist dann auch für Besserverdienende wieder interessant, Kinder zu haben und (hoffentlich) zu erziehen (Ehepaar plus zwei Kinder = 32.000 Euro Freibetrag im Jahr).

    Ich warte sehnsüchtig darauf, dass höhere Energiesteuern kommen und dass die Vermieter die Effizienzkosten bzw. Gewinne tragen dürfen/müssen: Dann hätte ich geringere Mietnebenkosten und höhere Miete = gleichbleibend und die Umwelt würde dennoch geschont!

  6. wie sieht es denn bei der "Zeit"-Redaktion mit dem Energieverbrauch aus. Gebäude, Verkehrsmittel, Heimverbrauch

    Wo steht der Zeitredakteur bei 2KW Leistung (Ziel der Schweiz bis 2050) ? oder 5 oder 10 oder sogar 20 kW ?!!

    die Wärmekamera schon gezückt, um das eigene Tun zu reflektieren ? Die Rechnungen schon durchgeschaut ? Die Meilen gezählt. Die Energiebilanz schon fertig ???

    selbstanalyse und vorbild sein ist der weg zur Besserung.
    die Ingenieure haben schon alles entwickelt.

    Gute Besserung Zeit

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