Energie 80 Millionen VerschwenderSeite 5/5

Kein Wunder. Während kaum ein Verbraucher die Sparchancen kennt, weigern sich die Politiker, gleich welcher Couleur, wenigstens für Aufklärung zu sorgen. Das Energieverbrauchslabel für Haushaltsgeräte basiert auf veralteten technischen Grundlagen, die EU-Richtlinie zur Kennzeichnung des Spritverbrauchs ist verspätet und lieblos umgesetzt worden, der Energiepass für Gebäude lässt auf sich warten, und eine Kennzeichnung des Leerlaufverbrauchs elektronischer Geräte ist nicht in Sicht. Gar nicht denkbar scheint in diesem Umfeld eine Vorschrift, die den Energieverbrauch von Autos oder Elektrogeräten begrenzt. Nicht einmal das »Nutzer-Investor-Dilemma«, das seit einem Vierteljahrhundert berüchtigt ist, wurde abgeschafft. Es hindert Hauseigentümer daran, ihre Gebäude auf Vordermann zu bringen, weil das Mietrecht nicht sie, sondern vor allem ihre Mieter davon profitieren lässt.

Statt um die Nachfrage tobt der Energiestreit daher um das Angebot. Um längere Laufzeiten für Atommeiler und die Ästhetik von Windmühlen, um Kohlekraftwerke und Sprit aus Biomasse, um neue Pipelines und Steinkohlesubventionen. Selbst die Ökogemeinde hat sich vom Angebotsdenken infizieren lassen. Der Nabu, der BUND und eine Reihe anderer Verbände kämpfen zwar für jede Kilowattstunde grünen Stroms, tun sich aber mit dem Versuch schwer, eine Kampagne für mehr Energieeffizienz zu starten. »Energieeffizienz bedeutet, dass im Erfolgsfall ein ausgemustertes Kraftwerk nicht ersetzt wird«, sagt Gerd Rosenkranz, Leiter der Politikabteilung der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Sexy sei das nicht. Nicht für Minister. Nicht für Parlamentarier. Und nicht für Umweltschützer.

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»Ganz im Gegenteil«, sagt Stephan Kohler. Der Geschäftsführer der Deutschen Energie-Agentur (Dena) gehört zu dem kleinen Kreis, den Angela Merkel zum Gipfel geladen hat. »Die Ausweitung des Energieangebots ist keine Lösung«, sagt er und wird damit beim Energiegipfel ziemlich allein sein. Denn dort wird sich fast alles ums Angebot drehen. Merkel und ihre Minister wünschen Zusagen für den Bau neuer Stromfabriken; die Kraftwerksbetreiber sind dazu bereit, wenn die Regierung ihnen beim Emissionshandel entgegenkommt.

Das war er dann, der Gipfel.

Oder nicht? Kohler ist schon von Berufs wegen optimistisch. Mit seiner Dena, zur Hälfte im Staatsbesitz und zur Hälfte der KfW-Bank gehörend, kämpft er schließlich seit fünf Jahren nur für das eine: mehr Effizienz. Über die Erfolge lässt sich streiten – kaum aber darüber, dass langsam, ganz langsam die Zeit für ihn arbeitet. Erstmals seit langem haben die hohen Preise des vergangenen Jahres die Verbraucher mit Energie wieder deutlich sparsamer umgehen lassen. Die neue Regierung fördert die Altbausanierung so üppig wie nie zuvor. Und Merkel & Co reden auffällig laut vom Sparen.

Ihr Wirtschaftsminister, Michael Glos, hat sogar eine »nationale Energieeffizienzstrategie« angekündigt. Abwarten, das Wort geredet haben der Effizienz schon viele. Soll jetzt mehr daraus werden, müsste Glos eine Graswurzelrevolution anzetteln.

 
Leser-Kommentare
    • khwalk
    • 29.03.2006 um 10:29 Uhr

    Wer sich umfassender über die schon heute möglichen Energiespar-Möglichkeiten informieren möchte, sollte einen Blick auf die Homepage des Rocky Mountain Institutes (www.rmi.org) werfen. Das Bürohaus des Institues wurde vor 20 Jahren von Amory Lovins geplant und gebaut und nutzt die schon damals verfügbaren Einsparmöglichkeiten voll aus. Das Haus ist zu 99% energieautark, obwohl es in 2200 Meter Höhe in den Rocky Mountains liegt, wo es nur an 52 Tagen im Jahr frostfrei ist. Trotzdem wachnen im Januar dort Bananen. Weitere Details sind im Buch "Faktor vier" von E. U. Weizsäcker / A. B. und L. H.Lovins ab Seite 39 zu finden.

    Im Buch "Ökokapitalismus" von P. Hawken / A. B. und L. H.Lovins sind auf über 450 Seiten eine Unmenge an praktischen Beispielen zur Energie-Effizienz aus den unterschiedlichsten Bereich zu finden. Man kommt aus dem Staunen nicht heraus, was heute schon möglich ist.

    Angesichts all dieser heute schon bestehenden Möglichkeiten zur Eneregieeinsparung stellen sich viele Fragen: Warum wird dieses Potenzial nicht genutzt, obwohl sich damit viel Geld verdienen läßt? Wer hat ein Interesse daran und wem nützt es, dass Energie in diesem unglaublichen Maße verschwendet wird? Wie läßt sich ein Bewußtseinswandel beim Verbraucher und bei den Verantwortlichen in Politik und Industrie herbeiführen? Was kann jeder einzelne tun?

    Ich denke, dass es wichtig wäre, junge Menschen für das Energiesparen zu begeistern. Wie wäre es mit einem Engery Saving Cyberspace in Anlehung an das Habbo-Hotel, wie es in der letzten ZEIT im Artikel "Die Eingeborenen des Internets" beschrieben wurde. Packen wir's an ....

  1. es gibt zwei möglichkeiten die hier gemeint sein könnten.

    1. ein einsatz mit dem die durchflußmenge verringert wird,
    und damit die erhitzte Wassermenge und damit auch weniger kwh

    2. es ist ein stopventil um mit einem handgriff die zufuhr abzuriegeln ohne an der mischbatterie zu verstellen.
    das ventil hat ein kleines loch, damit es nicht zu einem druckstoss kommt.

    ansonsten sollte jeder, der eienen Durchlauferhitzer betreibt, sich fragen, ob es nicht eine bessere Lösung gibt.
    Durch die Verluste im Kraftwerk und im Netz kommt nur 1/3 der Primärenergie mit dem Strom an.
    Deshalb ist auch die Wärme mit Strom so teuer.

    Solarthermie und Wärmepumpen sind der ideale Ersatz für Nachtstromheizungen mit Durchlauferhitzer.
    Allein mit dieser Maßnahme könnten mehr als 5% des Stroms eingespart werden.

    Isolierung der Aussenhülle und gute Fenster setze ich mal hier voraus. Leider verbrauchen 75% der Häuser 95% der Energie, weil Heizöl und Erdgas in den letzten 30 Jahren kaum besteuert wurden, gab es nur in Ölkrisen mit hohen Preissprüngen ein Aufflackern im Einsparen.

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    • aki2
    • 23.08.2008 um 17:39 Uhr

    Ausserdem kann man den Durchlauferhitzer über Nacht per Zeitschaltuhr abschalten. Und das richtige Einstellen der Höchsttemperatur nicht vergessen (lassen).

    • aki2
    • 23.08.2008 um 17:39 Uhr

    Ausserdem kann man den Durchlauferhitzer über Nacht per Zeitschaltuhr abschalten. Und das richtige Einstellen der Höchsttemperatur nicht vergessen (lassen).

  2. 3. Frage

    Ich habe ein ganz praktisches Anliegen: Was genau ist der 'kleine Helfer', mit dem ich den Energieverbrauch unserer Duchlauferhitzer senken kann? MfG. Eine krasse Herde

  3. Es wird immer gern vom Energiesparen geredet. Erstens ist einfach die Gewohnheit beim Verbraucher so stark und zweites Energiekonzerne und auch das Staatssäckel verdienen einfach zu gut daran und tun alles, um Ihre Monopole zu sichern.
    So unangenehm mir auch der hohe Benzinpreis ist, so zwingt er uns doch zum Umdenken. Energiesparmöglichkeiten gibt es sehr viele, ohne Komfortverlust. Förderprogramme wie Einspeisungsgesetz, Wärmeschutzverordnung usw. sind sehr wichtig und müssten eher ausgebaut werden.
    Aber billiger wird Energie sicher nicht mehr. Selbst wenn die Primärenergie kostenlos wäre - würden diejenigen, die das Monopol auf die Verteilung haben sie uns ohne Not günstiger abgeben?
    Warum hat noch nicht jedes Haus eine Wärmepumpe, wenn man doch aus 1kW Strom ca. 5kW Wärme bekommt, oder Sonnenkollektoren? Und die bessere Wärmedämmung? Oder energiesparendere Auto's(Leider sind "Engerieaktionäre" oft auch gleichzeitig "Autoaktionäre")?
    Ohne den Druck des Verbrauchers sich nach Alternativen umzusehen werden wir immer nur mehr zahlen.

  4. solange in D 7% des Stromverbrauchs mit nachtspeicherheizungen verschwendet werden können, gibt es kein problem. solange Arbeit mit mehr als 50% mit Abgaben und steuern belastet werden, jedoch kerosin steuerfrei bleibt ist etwas faul. die energiebesteuerung ist dekadent.
    auch die grünen haben sich von ihren grundsätzen schon weit entfernt, mit der 14-milliarden-förderung von ausländischen Si-Herstellern für PV. Geldverbrennen geht einfacher mit Kohlesubventionen der SPD.
    Diese Republik ist in keinem Feld in der Welt positive Avantgarde. In jedem Bereich sind Länder besser und effizienter sprich nachhaltiger als D.

  5. In Schweden werden zur Zeit 7 von 10 Neubauten mit Wärmepumpen ausgerüstet. (Quelle Viessmann)

    • sbo78
    • 25.03.2006 um 19:57 Uhr

    Sehr schöner Vorschlag - wäre schön, wenn einiges davon bis ins Kabinett durchsickert! Nebenbei sollte man einführen, dass pro Mensch etwa 8.000,- Euro Einkommen im Jahr - das ist etwa der Betrag den ein Sozialhilfeempfänger incl. Wohnung und Krankenversicherung etc. den Staat jährlich kostet - völlig ohne Belastung durch Einkommenssteuern und Sozialversicherungsbeiträge bekommen kann. Damit würden Arbeitskosten weiter gesenkt, der Beitragsausfall könnte über Verbrauchssteuern finanziert werden. Denn diese belasten den Niedrigverdiener prozentual stärker als den Besserverdienenden.

    Weil jeder Mensch (auch Partner und Kinder) einen solchen Freibetrag bekommt, ist dann auch für Besserverdienende wieder interessant, Kinder zu haben und (hoffentlich) zu erziehen (Ehepaar plus zwei Kinder = 32.000 Euro Freibetrag im Jahr).

    Ich warte sehnsüchtig darauf, dass höhere Energiesteuern kommen und dass die Vermieter die Effizienzkosten bzw. Gewinne tragen dürfen/müssen: Dann hätte ich geringere Mietnebenkosten und höhere Miete = gleichbleibend und die Umwelt würde dennoch geschont!

  6. wie sieht es denn bei der "Zeit"-Redaktion mit dem Energieverbrauch aus. Gebäude, Verkehrsmittel, Heimverbrauch

    Wo steht der Zeitredakteur bei 2KW Leistung (Ziel der Schweiz bis 2050) ? oder 5 oder 10 oder sogar 20 kW ?!!

    die Wärmekamera schon gezückt, um das eigene Tun zu reflektieren ? Die Rechnungen schon durchgeschaut ? Die Meilen gezählt. Die Energiebilanz schon fertig ???

    selbstanalyse und vorbild sein ist der weg zur Besserung.
    die Ingenieure haben schon alles entwickelt.

    Gute Besserung Zeit

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