Religion Furchtbarnistan

Eine Glosse über die Religionsfreiheit

In Afghanistan droht dem 40-jährigen Abdul Rahman, zum Tode verurteilt zu werden, weil er zum Christentum übergetreten ist. Die Empörung darüber ist groß. Zu Recht, denn es darf nicht sein, dass ein Mensch wegen seiner religiösen Überzeugung hingerichtet wird. Man kann nur hoffen – und muss alles dafür tun –, dass Abdul Rahman nicht hingerichtet wird. So weit, so schlimm. Trotzdem, dem allseits geäußerten Protest wohnt opportunistische Selbstvergessenheit inne.

2004 hat die afghanische Loya Jirga eine Verfassung verabschiedet. Der gesamte Westen hatte dies gefeiert. Auf die Afghanen prasselte der Applaus nieder wie vorher die Bomben – und tatsächlich besteht ein Zusammenhang. Krieg ist doch nur legitim, wenn man nachher was zum Feiern hat: Wahlen, Demokratie oder so etwas Ähnliches. Und nun stellt sich heraus, dass ebendiese Verfassung das Urteil gegen Rahman erlaubt. Denn laut Verfassung sind Gerichte an islamische Gesetze gebunden – und die sehen die Todesstrafe für Abtrünnige vor. Das ist bitter, aber es war kein Geheimnis.

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Der Fall Rahman wird vielen Vereinfachern hierzulande wieder die Möglichkeit geben, über den »Kampf der Kulturen« zu schwadronieren. Das wäre irreführend. Stattdessen sollten wir ein paar schlichte Tatsachen feststellen. Afghanistan ist kein Musterland, nur weil der Westen es von den Taliban befreit hat. Es gibt ein reales Afghanistan und das in den Köpfen der Befreier – dazwischen liegt ein Abgrund. Ihn zu schließen nennt man nation-building.

 
Leser-Kommentare
  1. Da lese ich doch tatsächlich in einem Kommentar etwas von Islam = Faschismus?
    Seltsam. Bisherige Beiträge von mir mit eher zarten Analogien in dieser Richtung wurden erst gar nicht angezeigt,
    bez. waren ganz schnell wieder verschwunden.
    Zeigen die "Zeit"-Zensoren hier etwa Lernfähigkeit?

    • lef
    • 26.03.2006 um 22:38 Uhr

    Sie haben nur deswegen Hemmungen, weil der Begriff "Faschismus" leider immer noch als "böse" definiert wird.
    Das ist nicht so:
    Jeder Faschismus tritt IMMER zuerst als sehr positiv auf:
    Mit liebevollen Müttern, die ihre Kinder wohlerzogen in geordnete Strukturen hineinerziehen, mit Arbeitsprogrammen für Alle, mit netten Gemeinschaftsausflügen, Jugendtreffen, auf denen es sehr geordnet und "sauber" zugeht, mit viel Begeisterung für den großen Gott (Allah) oder Führer.

    DAS ist bereits Faschismus, oder wo bzw. wann meinen Sie, ist in Deutschland die Vorkriegszeit zum Faschismus geworden? Das ist ein schleichender Prozess!

    Nur liegt es eben auch in diesem System, dass unterschieden werden muss - in die "Guten" (Gläubigen, Arier ff) und in die "Bösen" (Ungläubige, Westler, Amerikaner fff), sonst wissen die "Guten" ja nicht, wie sie sich von den "Bösen" unterscheiden.

    Und erst DANN wird aus einem positiv empfundenen Wertesystem (bzw. einer "ordentlichen" Stuktur) dann ein Unrechtssystem - wie eben zur Zeit dort, wo der Islam in Reinform auftritt.

    Aber:
    Ein Faschismus ist es bereits vorher, auch wenn es nicht "böse" aussieht.

    Dass jedes Ordnungssystem mit gleichen, aber in Funktion getrennten Teilnehmern (die einzig richtige Definition für Faschismus) in einen Unrechtssystem ausartet, liegt leider in der Natur der Menschen - das Stanfordexperiment (USA) zeigte es überdeutlich.

    Gegen Faschismus hilft eben NUR:
    konsequent aufgebaute und ausgelebte Demokratie.

    Aber:
    Ein Schimpfwort ist das Wort Faschismus sicher nicht!
    Nur ein Zustand.

  2. ist keine Ausnahme.Die gleiche Situation herrscht in den restlichen islamischen Laendern ebenso.Ex-Muslime leben gefaehrlich und es ist streng verboten in diesen Laendern zu versuchen sie zum Christentum zu bekehren.Es gibt weder Meinungs-noch Religionsfreiheit.

  3. Islam = Faschismus?
    Die Frage, weshalb Moslems nicht auch ungestraft zum Christentum konvertieren können kann ich nur als "rhetorische" Frage verstehen.
    Falls der Islam nicht von vornherein (Mohamed war ja ein brutaler Krieger) faschistischer Natur war, so ist er es jedenfalls in den meisten islamischen Ländern geworden.
    Bei uns gibt man sich zwar noch moderat, jedoch nur, weil Muslime sich noch in der Minderheitenposition befinden.
    Der Ausschließlichkeitsanspruch - ohne Toleranz -Andersgläubigen gegenüber kenne ich nur im Islam ...
    und eben im Faschismus, was ja auch schon für manche den Charakter einer Religion angenommen hatte.

  4. SELTEN SO GELACHT...aber es passt zu Farce von der abgebrochenen Gerichtsverhandlung in Afghanistan wo man einen zum christlichen Glauben uebergetretenen Mann fuer geistig unzurechnungsfaehig sprechen will da man ihn sonst zum Tode verurteilen muesste da der tolerante Islam und seine Imame,wie der Mann auf der Strasse in Afghanistan es so fordert.

  5. Islam ist eine tolerante Religion genauso wie Christentum.
    Es gibt aber einige Leute wie Sie, die eine Gelegenheit gefunden haben, um Ihre Rassismus und Hasse gegen den Islam zu zeigen.
    Ich möchte Sie nur an die Gräueltaten erinnern, die die Europäer mit den Uhreinwohner Amerikas,Afrika,Australien in Namen der Christentum getan haben.
    Ich bin aber nicht kleinkarätig und oberflächlich wie Sie und bezeichne Christentum = Faschismus, weil ich weiß, dass Leute wie Sie, die die Relegion als vorwand benutzen, um ihre Verbrechen zu rechtfertigen.

    • KEMAN
    • 27.03.2006 um 0:38 Uhr

    Die Regeln, nach denen Abdul Rahman in Afghanistan vor Gericht gestellt wurde sind kein bizarrer Auswuchs des Rechtssystems eines krisengeschüttelten Landes. Sie sind integraler Bestandteil des angeblich so toleranten Islam (Sure 4, 89) und da gibt es noch mehr solche Regeln. Wir sollten das gerade nach der Aufregung um und Aufhetzung wegen der dänischen Karikaturen nicht vergessen: Wer den Respekt Anders- und Nichtgläubiger vor dem Islam verlangt, muss sich von diesen Regeln unmissverständlich distanzieren und sie für endgültig obsolet erklären. Anderenfalls hat er jedes Recht verspielt Respekt einzufordern.

    • ChoG
    • 23.03.2006 um 17:00 Uhr

    Überall in der Welt können Christen ungestraft zum Islam übertreten. Warum gilt in so vielen Ländern das Gleiche nicht für Moslems, die zum Christentum übertreten wollen?

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