Italien Rechte FreundeSeite 3/3
»Die Tatsache, dass es auf die Allianz zwischen Regierungskoalition und neofaschistischen Parteien praktisch keine Reaktion gibt, ist sehr besorgniserregend«, hat die Christdemokratin Tina Anselmi gesagt, die als junges Mädchen selbst im antifaschistischen Widerstand aktiv war und später als Vorsitzende der Parlamentarischen Untersuchungskommission zur Ermordung von Aldo Moro bekannt wurde. »Es tut mir weh, dass man heute in Italien wieder Faschist sein kann, ohne dass sich jemand daran stört.«
Die Europaabgeordnete Alessandra Mussolini ist seit Jahren Stammgast in der wichtigsten Polit-Talkshow des Staatsfernsehens Rai, Porta a Porta. Als sie nach dem Israel-Besuch von Parteichef Fini türenschlagend die Alleanza Nazionale verließ, widmete Porta a Porta ihr zwei Stunden Sendezeit ohne den Hauch einer Kritik. Die blonde, leicht reizbare Mutter dreier Kinder ist quotenträchtig, weil sie nie ein Blatt vor den Mund nimmt – und als Nichte von Sophia Loren so gut wie unantastbar. Kein Fernsehjournalist schneidet ihr das Wort ab, wenn sie politische Gegner beleidigt oder zum wiederholten Male den Faschismus als Familienangelegenheit darstellt, bei der ihr »Opa« als gütiger Patriarch über jede Kritik erhaben ist.
Keiner seiner bürgerlichen Verbündeten hat versucht, Silvio Berlusconi das Wahlbündnis mit den Rechtsextremen auszureden. Für Pierferdinando Casini, den ehrgeizigen Parlamentspräsidenten und Vorsitzenden der konservativen UDC, ist die Enkelin des Duce kein Thema. »Wer mich auf Alessandra Mussolini anspricht, dem zeige ich, welche Gesetze sie in der vergangenen Legislaturperiode gemeinsam mit der Linken durchgebracht hat«, blafft er. Stimmt es, dass Berlusconi gegenüber Frau Mussolini darauf bestanden hat, wenigstens einige verurteilte Rechtsterroristen wie Roberto Fiore von der rechten Schlägertruppe Forza Nuova nicht als Kandidaten aufzustellen? »Weiß ich nicht. Da haben Sie wohl etwas falsch verstanden.«
Auch Casini möchte lieber über etwas anderes reden. Es ist Wahlkampf. Und da darf man in diesen Zeiten nicht so kleinlich sein. Schließlich ist ja auch Anna Serafini neben dem Neofaschisten an ihrer Seite sitzen geblieben.
- Datum 23.03.2006 - 13:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT 23.03.2006 Nr.13
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Armes Europa du Land der Werte, fragt sich nur welcher. Da paktiert einer mit Faschisten und ist Ministerpräsident, geisselt die Medien und beugt den Rechtsstaat so wie es ihm zu Genüge ist. Da deklariert eine Göre des Mussolini den Faschismus als Privatangelegenheit. Ob man dies bei den überfallenen Nationen auch so sieht, wage ich zu bezweifeln. Es haben ja so viele mitgemacht, da möchte man doch lieber nicht mehr daran denken, nicht wahr die Frau Ministerin Plassnik und Waldner.
Für Faschisten gibts Mandate im Europaparlament und Demonstrationsfreiheit von den Behörden genehmigt, für Links die Keile des "Recht(s)staates". Da lobt man sich doch "Demokratien" wie die in Weissrussland, wo man die ganzen Verlogenheit doch mal beiseite gelassen hat, ist doch lästig, immer diese Scheinheiligkeit aufrecht erhalten zu müssen. Eine helfende Hand bei der Kaschierung von gewissen Umständen könnte da doch sicherlich Herrn Lukaschenko geboten werden, ist ja im gerechten Europa erhebliche Erfahrung diesbezüglich vorhanden.
Sollten Sie Ironie in diesem Artikel vermuten, so nehmen Sie doch an, dass es sich auch um diese handelt.
Che D(ol)uce Vita.
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