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Lehrer will der junge Hrabé de Angelis werden, wie seine Eltern. Er studiert in Marburg Biologie und Sport, macht ein Zusatzdiplom für den Blinden- und Sehbehindertenunterricht. Für sein Staatsexamen fängt er auf der Wiese Hummeln ein und studiert ihre Körpertemperatur. Dann steht das Referendariat an, und Hrabé de Angelis kommen Zweifel. »Nicht am Lehrberuf an sich«, sagt er, »aber daran, 40 Jahre lang dasselbe zu machen.«

Martin Hrabé de Angelis beginnt zu forschen. Zunächst in der Zoologie an der Universität Marburg, dann am amerikanischen Jackson Laboratory, dem größten Mauslabor mit dem größten Archiv für Mausmutanten auf der Welt. Hier bringen sie ihm das Handwerk der Mausgenetik bei. Wie man Mausmutanten herstellt, Knock-out-Mäuse zum Beispiel. Man schaltet bestimmte Gene in Mausstammzellen aus und zieht aus diesen mutierten Stammzellen ganze Mäuse heran. Weil eines ihrer Gene k. o. gegangen ist, können sie das entsprechende Protein nicht bilden. Die Gene, vor allem aber ihre komplexe Wirkung im Mauskörper, fangen an, den jungen Forscher zu faszinieren.

In den USA lernt der Biologe, wie man Gene k. o. schlägt

Den Umgang mit Komplexität hat Hrabé de Angelis im Studium gelernt. »Wenn man Blinden eine Sportart beibringen will«, sagt er, »muss man sie in semantische Einheiten zerlegen, in einzelne, abgeschlossene Bewegungsabläufe.« Sie werden nacheinander erlernt und dann wieder zur ganzen Disziplin zusammengesetzt. Den Weg vom Gen über das von ihm kodierte Protein bis hin zur Wirkung, die das Protein in den unterschiedlichen Geweben entfaltet, könne man genauso gut als semantische Einheit verstehen. Zigtausende davon ergeben gemeinsam ein biologisches System, eine Maus – oder einen Menschen.

Semantische Einheiten haben, im Sport wie in der Biologie, nur einen Haken: Sie müssen bis ins kleinste Detail stimmen. Sonst lassen sie sich nicht mehr sinnvoll zusammensetzen. Hrabé de Angelis will die semantischen Einheiten bei der Maus studieren. Am Jackson Lab nimmt er sich das so genannte Delta-Gen vor. Es beeinflusst das Entwicklungsschicksal der Zellen im Körper.

Als ihn die Deutschen 1997 aus Amerika zurücklocken, ist er 33 Jahre alt. Das internationale Human Genome Project ist gerade angelaufen, das menschliche Erbgut soll entziffert werden. Und beim Durchforsten der gewaltigen Datenmengen sollen Erkenntnisse aus der Mausgenetik helfen. Deutschland braucht Forscher wie ihn. Aber die Stimmung im Land ist mies. »Wer damals mit Genen arbeitete, war dubios, wer mit Tieren arbeitete, sowieso«, erinnert sich Hrabé de Angelis.

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