Pharma Die Einsicht des PillenmachersSeite 2/2
So wendet sich Merckle bewusst an alle am Pharmageschäft beteiligten Kräfte. Denn die Angriffe der Medien gelten seiner Ansicht nach nicht nur Ratiopharm allein, sondern sie stellen das ganze Gewerbe an den Pranger. Deshalb strebt er über das Fachliche hinaus eine »Gesprächsebene mit der Öffentlichkeit« an, auf der endlich für klare Verhältnisse im Markt gesorgt werden müsse. »Uns interessiert auch die Meinung der anderen«, wirbt der Pillenproduzent um reformbereite Mitstreiter. »Wir wollen doch niemanden zum Missbrauch verführen, sondern uns an die Vorschriften halten«, gelobt Merckle. Doch die Gesetzestreue droht offenbar im Dschungel der Paragrafen und Verordnungen verloren zu gehen. Mit den undurchsichtigen Verhältnissen will der Überzeugungstäter Merckle nun aufräumen.
Für sein erklärtes Ziel, eine »neue Kultur zu schaffen«, installierte er deshalb einen »grünen Tisch« als Diskussionsplattform bei Ratiopharm. Diese Ulmer Runde soll erstmals am 29. März zusammenkommen und dann im Abstand von jeweils sechs Wochen regelmäßig über »systembedingte Schwächen im Pharmabereich« diskutieren. Eingeladen sind Politiker und Unternehmensfremde.
Merckle junior denkt dabei nicht nur an die eigene Firma, sondern darüber hinaus. Er möchte mit diesem permanenten Gesprächskreis am Ende »konkrete Änderungen und Forderungen beschlussfertig machen«, um »für unsere eigene Zukunft veränderte Vorgehensweisen zu entwickeln« – ein grüner Tisch zu Risiken und Nebenwirkungen der eigenen Zunft also. Auf diese Weise ist für Philipp Merckle der Weg, der zur Transparenz im Pharmageschäft führen soll, auch ein Stück weit das Ziel. »Wir brauchen eine Aufklärung der Öffentlichkeit durch wirkliches Nachdenken«, appelliert der Jungunternehmer an seine Branche wie an Politiker. Ein solcher Prozess, so stellt sich der idealistische Unternehmer vor, könne letztendlich viel dazu beitragen, schrittweise das allgemeine gesellschaftliche Misstrauen gegen Filz und Kumpanei im Gesundheitswesen abzubauen.
- Datum 23.03.2006 - 13:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT 23.03.2006 Nr.13
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im Artikel war sicher gemeint nichtnur das misstrauen der Öffentlichkeit abzubauen, sondern den Filz und die Kumpanei der Abzocker im Gesundheitswesen abzubauen zugunsten der Patienten und der Arbeitsplätze, die durch die überhöhten Ausgaben verlorengegangen sind, zugunsten der Villa in der Toskana oder einer Weltreise oder einer oder mehrerer erotischer Brasilianerinnen.
Regelkreise für Dekadenz sind sehr erbarmungslos.
Der Ratiopharm-Skandal war sicher ein Grund für Schering lieber mit Bayer weiterzumachen.
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