Schon wieder eine Frage aus der Rubrik »Nächtliche Streiche angetrunkener männlicher Jugendlicher«. Aber während wir das »Küheschubsen« an dieser Stelle ins Reich der Fabel verweisen konnten, kann man die Laternen tatsächlich austreten. Mit Erdbeben hat das jedoch nichts zu tun – Straßenlaternen haben keinen Wackelsensor, der bei Erschütterung die Stromzufuhr kappt. Die Erklärung ist viel profaner.

»Jawohl, dieses Phänomen kennen unsere Spezialisten«, erklärt Markus Rademacher von der Firma Osram. Bei der Straßenbeleuchtung kommen vor allem so genannte Quecksilberdampflampen und Natriumdampflampen zum Einsatz. Die leuchten, ähnlich wie eine Neonröhre, nicht dadurch, dass ein Glühfaden erhitzt wird, sondern durch einen Lichtbogen, der in einer entsprechenden Gasatmosphäre zwischen zwei Elektroden entsteht. Und der offenbar so empfindlich ist, dass er regelrecht abreißen kann, wenn die Laterne durch einen kräftigen Tritt erschüttert wird. Dann wird’s duster, obwohl die Lampe weiterhin mit Strom versorgt wird. Der Lichtbogen muss neu aufgebaut werden. »Das kann allerdings erst dann wieder geschehen, wenn die Lampe abgekühlt ist«, sagt Rademacher.

Die Dunkelheit dauert zwischen eineinhalb und zwei Minuten. So lässt sich theoretisch durchaus ein ganzer Straßenzug kurzzeitig verdunkeln. Praktisch gefährdet man damit allerdings die Verkehrssicherheit.
Cristoph Drösser

Die Adressen für »Stimmt’s«-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de . Das »Stimmt’s?«-Archiv: www.zeit.de/stimmts