Ich habe einen Traum Jerry Lewis

»Ich muss noch ein bisschen ausharren, um meine Tochter Danielle aufwachsen zu sehen. Mit 101 Jahren abzutreten, das wäre okay«

Wollen Sie meinen Lieblingstraum hören? Er hat mich in den Wochen vor der Ankunft meiner Tochter Danielle begleitet, viermal hatte ich nachts den gleichen Traum. Ich träumte, dass jemand sie mir nach der Geburt in meine Arme legt. Danielle guckt mich an und sagt: »Oh, du bist ja ganz schön lustig, Daddy.« Daraufhin ich zu ihr: »Woher weißt du das?« – »Weil ich mir dich ausgesucht habe, ich wollte keinen anderen Vater.« Als ich sie frage: »Wie hast du mich gefunden?«, erwidert sie lächelnd: »Ich sah dich von da oben auf meiner großen Wolke. Du hast Grimassen geschnitten, die Leute haben gelacht, und da dachte ich, du wärst ein Super-Dad!«

Zehn Jahre lang hatten meine zweite Frau Sam und ich vergeblich versucht, ein Kind zu zeugen. Schließlich entschlossen wir uns zu einer Adoption. Kurz darauf wurde unser kleiner Engel geschickt. Danielles Ankunft war eine außerordentliche Erfahrung. Ich war 66 Jahre alt und sie ein kleines rosafarbenes Etwas. Tränen rannen mir die Wangen herunter und fielen auf ihr winziges Gesicht. Ich war nicht mehr ich selbst, mein Ego, mein Über-Ich, meine Eitelkeiten und der ganze andere Selbstrechtfertigungsmüll waren wie weggepustet. Zwanzig Minuten dauerte dieser Ausnahmezustand, die längsten zwanzig Minuten meines Lebens. Dann übergab ich Dani meiner Frau, die schon aus dem Hintergrund rief: »Kann ich bitte schön auch mal meine Tochter haben?«

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Ich habe sechs erwachsene Söhne mit meiner ersten Frau Patti, mit der ich 36 Jahre lang verheiratet war. Allesamt wunderbar gewöhnliche Kinder: bei ihrer Geburt schmierige, süße rote Dinger, die den Kreißsaal voll pinkelten. Dani aber war von unserer ersten Begegnung an ein unbeschreibliches Wunder. Sie belebte in mir einen Geist, eine Energie und eine Liebesfähigkeit, die ich längst verloren glaubte. Das Blut schoss wieder durch meine Adern. Mit 66 fühlte ich mich wieder wie elf, nein, wie neun.

Die drei darauf folgenden Jahre waren die besten, die ein Vater haben kann. Ich arbeitete nicht, stand morgens um halb sechs auf, machte ihr die Windel, zog sie an, tanzte für sie, fütterte sie, spielte ihr irgendwas vor. Erst Stunden später kam ihre Mama dazu. So ging es drei unbeschwerte Jahre lang. Dani trug mich fort zu Gefühlen, die mir bis dahin unbekannt waren.

Jedes Mal, wenn sie mir in unserem Haus über den Weg läuft, kriege ich Gänsehaut, bis heute. Sie braucht mich nur anzugucken und »Hi, Dad!« zu sagen. Ich habe eine echte Macke ihr gegenüber. Eine solche Macke, dass Freunde, mit denen ich seit 50 Jahren eng befreundet bin, uns verboten haben, vor ihnen über Dani zu reden. Kürzlich saßen wir mit diesen Freunden zusammen. Wir hatten gerade bestellt, als ich aus Versehen Danis Namen fallen ließ; beide standen auf der Stelle auf und verließen das Restaurant. Tage später waren wir wieder mit ihnen aus, es war ein netter Abend. Beiläufig fragte ich: »Wisst ihr, was Dani gestern gesagt hat?« Und – bang! Er ließ die Gabel fallen, zog den Stuhl seiner Frau zurück und eilte mit ihr aus der Tür. Sam, meine Frau, daraufhin: »Kannst du nicht endlich mal deine Klappe halten?«

Meine Hingabe an Dani mag vielleicht wie eine Kompensation wirken für die Entbehrungen, die ich selbst als Kind erlebt habe – aber ich empfinde das nicht so. Ich wuchs in den Garderoben meiner Eltern auf, die für die Bühne lebten. Ich habe mich nie beschwert, ich hatte nie Probleme deswegen, außer vielleicht mit dem Gefühl großer Einsamkeit. Darüber kommt kein Kind je hinweg. Diese Erfahrung sitzt dir für den Rest deines Lebens im Nacken. Mein Selbstwertgefühl wuchs erst, als ich selbst begann aufzutreten. Es ist wunderbar, diese Anerkennung zu bekommen, auch wenn die Verbindung zum Publikum schrecklich flüchtig ist. Sobald du das Theater oder das Set verlässt, lässt du auch diese Bestätigung zurück.

Dani hat kein Problem damit, dass ich nach wie vor die halbe Welt unterhalte. Sie versteht, was ich tue, und hat es schon immer geliebt, wenn ich ihr Entertainer war und mit ihr gesungen habe. Aber das wird ihr jetzt zu viel. »Daddy«, sagt sie und rollt die Augen, »warum küsst du mich immer noch?« Sie ist jetzt 14, besteht auf ihrer Intimsphäre und hat angefangen, sich zu schminken. Sie liebt es, Rouge aufzutragen, ihre Augen hervorzuheben, und macht sich Gedanken über ihre Klamotten.

Vor kurzem waren wir zusammen shoppen, es war großartig. Ich gab ihr 30 Minuten, sich etwas auszusuchen. In dieser Zeit hat sie 29 Teile für insgesamt 7000 Dollar zusammengerafft. Als wir nach Hause kamen, war meine Frau auf hundertachtzig: »Du gehst nie wieder mit ihr Einkaufen, ist das klar?!« Dabei war es halb so wild. Weil natürlich die Hälfte von dem Zeug nicht passte, mussten wir es tütenweise wieder zurückschicken.

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