Energie Energie aus dem Eismeer
In der russischen Arktis lagern gigantische Öl- und Erdgasvorräte. Lange Zeit galten sie als unerreichbar. Mit Hilfe der EU entwickelt Russland jetzt neue Techniken, um die Schätze zu heben
Alle Welt redet vom Klimawandel – vom Eis der Arktis, das immer dünner wird, vom schwindenden Lebensraum, der den Eisbären unter den Tatzen wegschmilzt. Manche Klimaforscher sehen sogar den Nordpol Ende des Jahrhunderts eisfrei. In Murmansk, St. Petersburg und Helsinki zuckt man da nur mit den Schultern. Hier überholen Fachleute die alten, nuklear betriebenen russischen Eisbrecher, damit sie auch künftig durch die Arktis stampfen können. Schiffbauingenieure konstruieren Tanker mit hoher Eisklasse. Andere bereiten eine neue Generation atomarer Eisbrecher vor. Warum das?
Russland beginnt, seine riesigen Öl- und Gasvorräte im arktischen Schelf abzubauen. Sie umfassen ein Viertel aller weltweit bekannten Lagerstätten fossiler Energieträger und liegen vor allem in der Barentssee, rund tausend Kilometer östlich von Norwegen, und weiter östlich in der Karasee. Doch das brennbare Gold ist hier extrem schwierig zu gewinnen. Fördern von Öl und Gas im arktischen Eis ist technisches Neuland, kein Ölkonzern dieser Welt hat darin Erfahrungen. Vor allem der Transport der fossilen Energie stellt höchste Anforderungen an Mensch, Material und Technik. Zudem setzt die Strategie der zentralistischen Energiepolitik Moskaus der Entwicklung in der Arktis enge Grenzen: In erster Linie sollen westliche Ölfirmen keinen Einfluss gewinnen – und die Macht des Staates soll wachsen. Daher werden dringend notwendige Milliardeninvestitionen in große Pipelines oder westliches Know-how immer wieder hinausgeschoben.
Wer nur darauf hofft, der Klimawandel werde die Probleme bald lösen, das eisige Nordmeer freischmelzen und so die jahrhundertealten Hoffnungen auf den direkten Seeweg nach Ostasien verwirklichen, der ist auf dem falschen Dampfer. Dünneres Eis bedeutet nicht, dass die Gefahren für die Schifffahrt entsprechend abnehmen, sie verlagern sich nur. »Dickes Eis hält dem Wind länger stand, dünnes Eis hingegen bricht bei Wind leichter und türmt sich zu Eisbarrieren auf«, sagt Karl-Heinz Rupp, Ingenieur bei der Hamburgischen Schiffbau-Versuchsanstalt. Es entstehen bis zu zwanzig Meter hohe Barrieren. Selbst für große Eisbrecher sind sie eine Herausforderung. Während sich mancherorts eisfreie Wasserflächen bilden, können die Gefahren in der Arktis bei wärmerem Klima durch Eisbewegungen sogar zunehmen. »Es ist auf jeden Fall erforderlich, Eisbrecher zu bauen. Denn im Winter wird es immer Eis in der Arktis geben, auch noch in hundert Jahren«, versichert Christian Haas, Glaziologe beim Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven.
Eine Beinahe-Havarie brachte die Entscheidung für die Pipeline
Russland müsste die Förderung im Eis keineswegs allein wagen. Schon lange hofft die Europäische Union darauf, ihren Energiebedarf teilweise mit Öl aus der russischen Arktis zu decken. So finanzierte Brüssel eine »arktische Entwicklungs- und Erkundungsfahrt«, die im April 1998 von Murmansk in die Ob-Bucht führte. Die Fahrt in der Karasee zeigte zwar, dass von Eisbrechern begleitete Tanker Öl transportieren können. Aber allein die Transportkosten von 11 US-Dollar pro Barrel waren fast so hoch wie der damalige Preis von 12 Dollar für Nordseeöl. Inzwischen kostet ein Barrel das Fünffache, und die EU hat Ende vergangenen Jahres ihr Folgeprogramm zur Probefahrt in der Karasee abgeschlossen: Es heißt Arctic Operational Platform (Arcop) und sollte vor allem die Bedingungen eines sicheren Transportsystems klären. Die meisten Ergebnisse sind im Internet veröffentlicht (www.arcop.fi). Doch zufrieden sind die Beteiligten damit nicht, zu viele Fragen sind ungeklärt.
Beispielsweise entwerfen Ingenieure eisgehende Tanker, die als Eisbrecher einen Konvoi anführen können – auf dem Bildschirm. Tatsächlich hat es bisher jedoch nur eine einzige Fahrt eines großen eisbrechenden Tankers in der Arktis gegeben. Er hieß Manhattan und fuhr 1969 von der Ostküste der Vereinigten Staaten durch die Nordwestpassage nach Alaska. Das Experiment endete fast in einer Katastrophe, als die Manhattan vom Presseis erfasst und gegen die Küste getrieben wurde. Politisch war der Fall damit klar: Kurz darauf fiel die Entscheidung gegen eine Eistankerflotte, für den Bau der Alaska-Pipeline.
- Datum 23.03.2006 - 13:00 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | 4 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT 23.03.2006 Nr.13
- Kommentare 3
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







Ich weiß nach Lektüre dieses Artikels nicht mehr, wo ich dran bin.
In der gleichen Ausgabe der Zeit wird an anderer Stelle berichtet (80 Mio Verschwender) , das sich die Ressourcen, gerade an Öl, dramatisch schnell dem Ende neigen. Aber da ja gigantische Vorräte unter dem EIS lagern, wie hier berichtet, ist ja alles doch nicht so schlimm.
Ich denke in Amerika ist die Diskussion viel weiter fortgeschritten, was man hier allerdings nicht wahr haben will. Eine Empfehlung: lifeaftertheoilcrash.net
Dort kommen auch jede Menge Leute zur Sprache, die nicht von irgendeiner Lobby abhängig sind.
Gruß
Georg
Der Autor geht leider nicht auf ein Risiko ein, welches nach der Meinung der Main-Stream Klimatologen mit ihren Computerberechnungen nicht bestehen sollte, welches aber durchaus real ist : Dass eine Erwärmung der Arktis nicht stattfindet, dass es im Gegenteil im Laufe des 21. Jahrhunderts erheblich kälter werden kann.
In der Arktis wird es, ganz entgegen der herrschenden Anschauung, bei weitem nicht überall wärmer. Bereits die Arctic Climate Impact Assessment (ACIA) Group, die einen umfassenden Bericht über die Arktis herausgab, konnte seine Angaben über arktische Temperaturerhöhungen nur dadurch machen, dass es entgegen den wissenschaftlichen Gepflogenheit plötzlich Sibirien, wo es wärmer geworden ist, als zusätzliches arktisches Gebiet deklarierte.
Die Klimarechenmodelle gehen prinzipiell davon aus, dass die Zunahme von CO2 die überwiegende Ursache der Erwärmung der Erdatmosphäre im 20. Jahrhundert ist.
Der Einfluss der Sonne wird in Form der Solarkonstanten neutralisiert. Ihr wird, zumindest während der letzten 20 Jahre, kein messbarer Einfluss zugeschrieben.
Diese Auffassung wird von den Mitgliedern der Russischen Akademie der Wissenschaften nicht geteilt. Khabibulo Absudamatov, der Leiter der Russian Sciences Academy Observatory wird wie folgt zitiert :
Vom Jahr 2012 an wird ein Prozess des globalen Temperaturrückganges einsetzen und in der Mitte des 21. Jahrhunderts wird der Planet erfasst sein von niedrigen Temperaturen.
Der Grund für die globale Abkühlung liegt in der Abnahme der Sonneneinstrahlung.
Wir hatten bereits eine Abkühlung dieser Art in Europa, Nord-Amerika und Grönland von 1645 bis 1705. Das ist es was wir in einigen Jahrzehnten erwarten.
Bis jetzt wird mittels der Klimamodelle ein Einfluss der Sonne bestritten. Aber neueste Forschungen, wie z. B. in der Schweiz, führen eine Erwärmung auf eine erhöhte Sonneneinstrahlung in den letzten 20. Jahren zurück.
Sollten russische Forscher richtig liegen, und dafür spricht eine ganze Menge, so ergäbe sich für die Erschließung der arktischen Öl- und Gasfelder vollkommen geänderte Umweltbedingungen mit einem außerordentlich erhöhten Investitionsrisiko.
Es wird deshalb einmal interessant sein festzustellen, wer das Investitionsrisiko überwiegend trägt.
Und die Investoren sollten sich nicht so sehr auf die Berechnungen der Klimarechenmodelle verlassen.
Der Autor geht leider nicht auf ein Risiko ein, welches nach der Meinung der Main-Stream Klimatologen mit ihren Computerberechnungen nicht bestehen sollte, welches aber durchaus real ist : Dass eine Erwärmung der Arktis nicht stattfindet, dass es im Gegenteil im Laufe des 21. Jahrhunderts erheblich kälter werden kann.
In der Arktis wird es, ganz entgegen der herrschenden Anschauung, bei weitem nicht überall wärmer. Bereits die Arctic Climate Impact Assessment (ACIA) Group, die einen umfassenden Bericht über die Arktis herausgab, konnte seine Angaben über arktische Temperaturerhöhungen nur dadurch machen, dass es entgegen den wissenschaftlichen Gepflogenheit plötzlich Sibirien, wo es wärmer geworden ist, als zusätzliches arktisches Gebiet deklarierte.
Die Klimarechenmodelle gehen prinzipiell davon aus, dass die Zunahme von CO2 die überwiegende Ursache der Erwärmung der Erdatmosphäre im 20. Jahrhundert ist.
Der Einfluss der Sonne wird in Form der Solarkonstanten neutralisiert. Ihr wird, zumindest während der letzten 20 Jahre, kein messbarer Einfluss zugeschrieben.
Diese Auffassung wird von den Mitgliedern der Russischen Akademie der Wissenschaften nicht geteilt. Khabibulo Absudamatov, der Leiter der Russian Sciences Academy Observatory wird wie folgt zitiert :
Vom Jahr 2012 an wird ein Prozess des globalen Temperaturrückganges einsetzen und in der Mitte des 21. Jahrhunderts wird der Planet erfasst sein von niedrigen Temperaturen.
Der Grund für die globale Abkühlung liegt in der Abnahme der Sonneneinstrahlung.
Wir hatten bereits eine Abkühlung dieser Art in Europa, Nord-Amerika und Grönland von 1645 bis 1705. Das ist es was wir in einigen Jahrzehnten erwarten.
Bis jetzt wird mittels der Klimamodelle ein Einfluss der Sonne bestritten. Aber neueste Forschungen, wie z. B. in der Schweiz, führen eine Erwärmung auf eine erhöhte Sonneneinstrahlung in den letzten 20. Jahren zurück.
Sollten russische Forscher richtig liegen, und dafür spricht eine ganze Menge, so ergäbe sich für die Erschließung der arktischen Öl- und Gasfelder vollkommen geänderte Umweltbedingungen mit einem außerordentlich erhöhten Investitionsrisiko.
Es wird deshalb einmal interessant sein festzustellen, wer das Investitionsrisiko überwiegend trägt.
Und die Investoren sollten sich nicht so sehr auf die Berechnungen der Klimarechenmodelle verlassen.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren