BerufsimageDie Nebendarsteller

Ingenieure sind in Filmen immer die Dummen. Eine Bestandsaufnahme von Andrea Benda

Machen wir uns nichts vor: Wer kann auf Anhieb einen Film nennen, in dem ein Ingenieur eine nennenswerte Rolle spielt? Gegenprobe: Wer kann auf Anhieb einen Film nennen, in dem ein Anwalt eine nennenswerte Rolle spielt? Aha.

Die Ingenieurswissenschaften sind ein unübersichtliches Feld, mit dem sich Drehbuchautoren wirklich nicht auch noch beschäftigen können. Deshalb bedienen sie sich gerne des folgenden Dialoges: »Wer sind Sie?« – »Ich bin der Ingenieur.« Fall abgeschlossen, Kamera auf den Piloten/Kapitän/Söldner oder beliebigen anderen markigen Helden. Den erkennt man wenigstens gleich an der Uniform oder an Bruce Willis. Trotzdem lassen sich einige Typen festlegen, denn ohne Ingenieure geht’s auch nicht.

DAS OPFER

Ingenieure, die im Katastrophenfall in Flugzeugen ( Airport), Kreuzfahrtschiffen (Die Höllenfahrt der Poseidon) oder Raumgleitern (Alien) sitzen, werden gerne spätestens dann um die Ecke gebracht, wenn ihre Anwesenheit wirklich wertvoll sein könnte, etwa beim Ausfall des Höhenruders/der Schiffsschraube/der Klimaanlage. Perfiderweise werden sie meist von herumfliegenden Teilen erschlagen, die entweder sie selbst oder andere Dipl.-Ings vorher nicht richtig befestigt haben. Üblicher Dialog, bevor der Held übernimmt: »Wer war das?« – »Der Ingenieur.« – »Verdammt.« Wenn der Ingenieur die ersten Minuten überlebt, wird er in einem exotischen Land entführt, in dem er gerade eine dringend benötigte Brücke/Eisenbahn/Baugrube konstruiert. Auch hier hilft ihm meist nicht sein Abschluss weiter, sondern ein unstudierter Rambo aus der Heimat. In diesem Fall gilt: »Wen soll ich retten?« – »Einen Ingenieur. Er ist Amerikaner.«

DER HANDLANGER

Der Handlanger hält seinen Freunden den Rücken frei, weil er der Einzige ist, der sich mit dem Computer auskennt (aber nicht so gut mit Frauen, vergleiche Matrix). Bekanntester Vertreter dieser Gattung ist Scotty, der Schiffsingenieur der Enterprise (Star Trek 1 bis 7). Der Liftboy des 23. Jahrhunderts ist im Grunde nur dafür zuständig, seine abenteuerlustigen Kollegen ständig auf und von diversen Planeten zu beamen. Um die Wartezeit zu überbrücken, schraubt er an den klapprigen Schilden des Schiffs herum, während ihn der Computer ungefragt mit Hiobsbotschaften versorgt (»noch 20 Sekunden bis zum Versagen der Außenhülle«). Zum Dank wird der Handlanger von seinen Vorgesetzten permanent unter Druck gesetzt: »Wie lange wird die Reparatur dauern?« »Etwa zehn Stunden.«

»Gut. Du hast zehn Minuten.«

DER PLATZANWEISER

Der Platzanweiser fungiert als menschliches Navigationssystem, wenn sein Kollege vor Ort bereits das Zeitliche gesegnet hat. Er leitet den Helden durch hoch komplexe Armaturen und kann durch einen lapidar hingeworfenen Satz wie »Houston, wir haben ein Problem« (Apollo 13) aktiviert werden. Der Platzanweiser wechselt in den aktiven Status, indem er die Ärmel hochkrempelt und zu schwitzen beginnt. Ist das Katastrophenfahrzeug wieder im sicheren Heimathafen gelandet, darf der Platzanweiser wie ein Gestörter applaudieren und dabei zusehen, wie der ungelernte Held gefeiert wird, obwohl er im letzten Moment noch alle teure Technik kaputtgemacht hat.

DIE AUSNAHME

Den Architekten lacht in der schattigen Welt der Ingenieure immer das Glück: Sie können mit Blaupausen und Modellen herumfuchteln und dabei die Liebe ihres Lebens finden, ohne sich dreckig zu machen oder fremde Hilfe in Anspruch zu nehmen (Schlaflos in Seattle, Tage wie dieser). Architekten sind auch die Einzigen, die sich mit ihrer korrekten Berufsbezeichnung vorstellen dürfen, was möglicherweise daran liegt, dass sogar Drehbuchautoren verstehen, was sie tun. (»Und was machen Sie?« – »Ich baue Häuser.«)

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  • Schlagworte Film | Airport | Apollo | Architekt | Bruce Willis | Computer
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