Google lässt auf sich warten, Web.de ist seit Anfang März dabei, und das deutsche Start-up Qype geht am Freitag online. Das Rennen um die beste Internet-Suchmaschine für lokale Fragen ist entbrannt – und Google gilt überraschenderweise nicht als natürlicher Sieger.

Jedes dritte Wort, das die Surfer heute beim Internet-Portal Web.de eingeben, dreht sich ums Naheliegende. Wo ist der nächste Klempner, ein italienisches Restaurant oder eine Tagesmutter? Bei Google handelt jede vierte Suchanfrage davon, doch das Unternehmen konnte bisher selten eine gute Antwort liefern. Erstens haben Klempner in der Regel keinen eigenen Internet-Auftritt, den eine Suchmaschine finden könnte. Und die Gelben Seiten bleiben Google und Co. verschlossen. »Uns hat noch niemand ein attraktives Angebot gemacht, bei dem für den Nutzer später klar wäre, dass wir die eigentliche Leistung erbringen«, sagt Ulrich Grundmann, bei den Gelben Seiten fürs Marketing verantwortlich.


















Die Gelben Seiten, Deutschlands führender Adressverlag, legen keinen gesteigerten Wert darauf, die eigene Datenbank zu öffnen. Warum, das liegt im wahrsten Sinn des Wortes nahe. Suchmaschinen versuchen »den Gelben Seiten das Geschäft streitig zu machen«, sagt Hellen Omwando von Forrester Research. Der einfache Eintrag ist überall kostenlos. Deshalb wetteifern alle darum, wo Kleinunternehmen und Selbstständige größere Flächen buchen. Web.de verlangt ein paar Euro im Monat für »einen hervorgehobenen Eintrag«, sagt Web.de-Chef Matthias Greve. Genau das ist das Geschäft der Gelben Seiten.

In den USA, Großbritannien und Frankreich findet dieser Wettbewerb längst statt. Google Local und Anbieter wie Yell, This is London oder Voilà haben sich etabliert. Eine zweiter Weg zum Geldverdienen liefe darauf hinaus, Werbung nach Google-Vorbild zu verkaufen: Wenn ein Surfer den Begriff »Klempner« und eine Postleitzahl eingäbe, erschiene die Werbung prominent neben der Ergebnisliste in der Suchmaschine. Das Potenzial dafür scheint groß, weil heute nur wenig Online-Werbung aufs Lokale zielt.

Einen reifen Eindruck macht bereits das Angebot von Web.de (lokales.suche.web.de). Die Stichworte »Reinigung« und »Hamburg«, »Weidenallee« liefern zehn Ergebnisse im nahen Umkreis, sortiert nach ihrer Entfernung. Sie werden auf einem Stadtplan genau angezeigt, und in einer Liste unterhalb der Karte sind Adresse und Telefonnummer aufgeführt. Statt dieser zehn zeigt gelbeseiten.de nur vier an und weist darauf hin, dass sich ein Drittel der Adressen übers Jahr ändere und die eigenen alle drei Tage aktualisiert würden. Suchen.de von T-Info fällt dagegen erheblich ab. Wie weit es für die Tochtergesellschaft der Deutschen Telekom bis zur Alltagstauglichkeit ist, zeigt die Eingabe derselben Stichworte. Statt einer Reinigung wird als bestes Suchergebnis ausgeworfen: »Plehnert’s Mietmaschinen – Dielen und Parkett abschleifen«.

Von den Branchenbüchern versucht sich Qype aus Hamburg abzusetzen, in dem es dem Nutzer erlaubt, Kommentare zu verfassen und sich einen Namen in seinem Viertel zu machen. Ein Lob für den Lieblingswirt. Eines für den Schuster. Dem Schreiber bringt es Status und dem Gelobten ein paar Kunden – so die Idee. Folglich sind Restaurants bei Qype nicht nur »indisch« oder »italienisch«, sondern »authentisch«. Die Kategorie bestimmen die Nutzer, und deshalb gehöre seine Suchmaschine zur »Folksonomy«, sagt der Gründer Stefan Uhrenbacher. Er liefere das Programm und die folks, die Nutzer, den Inhalt. Zusammen ergäben sie ein wirtschaftliches Ganzes. »So funktioniert das Web 2.0«, meint Uhrenbacher. »Immer mehr Nutzer wollen mitgestalten, wollen Experten für etwas sein.« Doch erst wenn lokale Werbekunden den Dienst annehmen, wird Qype zum Geschäft.

Uhrenbacher ist in der Internet-Branche kein Neuling. In den Neunzigern baute er das Portal Travelchannel auf, arbeitete in der Reisebranche bei Lastminute und opodo, bevor er als Vorstand zur Internet-Apotheke DocMorris wechselte.

Für sein eigenes Unternehmen hat er innerhalb weniger Monate acht so genannte Business-Angels gefunden. Es sind private Investoren wie Gil Penchina, der von sich sagt: »Andere gehen Ski-Fahren. Ich berate nachts Start-ups.« Seit sechs Jahren mache er das schon, erzählt der Mann aus San Francisco. In dieser Zeit hat er ins Online-Bezahlsystem PayPal und in LinkedIn, ein virtuelles Netzwerk für Geschäftskontakte, investiert – und damit viel Geld verdient. »Ich habe mich über Uhrenbacher informiert und ihn dann gesprochen. Danach war klar: Ich will dabei sein«, sagt Penchina. Er glaube an die Idee.

Bei so viel Trend steht Google nicht abseits, doch der Start verzögert sich. Es gab Verzögerungen, doch in Kürze sei man so weit, heißt es. Offenbar ziehen sich die Verhandlungen mit den großen Adressverwaltern. Dafür soll die Suche von Anfang an mit dem Mobiltelefon möglich sein, und auch die Software wolle man so verbessern, dass sie Einträge in Blogs und Communitys wie Qype leicht finde. So soll alles von allem und kostenlos zusammenkommen. Google eben.