Atomkraft Der deutsche Glaubenskrieg
Die Hysterie nach Tschernobyl war groß in Deutschland. Doch wie gefährdet waren wir wirklich? Ab wann ist radioaktive Strahlung schädlich?
»Keine akuten Gefahren«, beschwichtigte die Kohl-Regierung – aber Frischmilch mit mehr als 500 Becquerel radioaktiver Belastung sollte man seinen Kindern lieber nicht zu trinken geben. Oder waren schon 50 Becquerel zu viel, wie die hessische Regierung festlegte; gar bloß 15, so das damals noch junge Öko-Institut kritischer Wissenschaftler?
Hinter dem Chaos der unvorbereiteten Institutionen stand von Anfang an auch der Streit der Wissenschaftler über die gesundheitlichen Folgen der Atomkatastrophe.
20 Jahre nach Tschernobyl sollten die Studien eigentlich Gewissheit über Gefahr und Gesundheitsfolgen erbracht haben. Bei Kongressen zum Jahrestag ziehen die Forscher auch Bilanz – aber noch immer kontrovers und schön nach Fraktionen getrennt.
Kern des Streits war und ist die Frage, ob auch kleine Mengen radioaktiver Strahlung krank machen. Denn wer nicht kiloweise Wild, Salat und Pilze zu sich nahm, der war in Deutschland nur einer geringen Belastung ausgesetzt. Die effektive Dosis aufgenommener Strahlungsenergie wird als Millisievert (mSv) bezeichnet und im ersten Jahr nach der Katastrophe mit einem, über die restliche Lebenszeit einem weiteren mSv angegeben. Das sei deutlich niedriger als die Hintergrundstrahlung, sagt Herwig Paretzke, die sich aus natürlich vorkommender Radioaktivität sowie den Auswirkungen des Fallouts früherer Atomversuche ergebe.
Die Gegenspieler. Paretzke leitet das Institut für Strahlenschutz am GSF-Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit in München. Er vertritt wie die Mehrheit der Strahlenschutzkommission die vorherrschende Lehrmeinung: »Keine nachweisbaren Gesundheitsschäden in Deutschland.« Andere Einschätzungen verwirft er als »Prinzessin-auf-der-Erbse-Syndrom«: »Je geringer das Risiko, desto größer die Aufregung.«
Auf der anderen Seite steht eine kleine Gruppe von Mahnern, darunter Edmund Lengfelder, Strahlenbiologe an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität, der über Jahre in Weißrussland und der Ukraine recherchiert und dort krebskranke Kinder therapiert hat. Nach seiner Überzeugung gibt es gesundheitliche Auswirkungen der Reaktorkatastrophe »nachweislich auch im Westen«. Mit Mitstreitern wie dem ostdeutschen Physiker Sebastian Pflugbeil gründete er 1990 die Gesellschaft für Strahlenschutz. Aber auch andere, unabhängige Forscher hegen Misstrauen gegenüber der Niedrigstrahlung, das unter anderem auf Studien aus der Röntgenmedizin und aus der Umgebung von Kernkraftwerken basiert.
- Datum 30.03.2006 - 14:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT 30.03.2006 Nr.14
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und der darf gemäß Westeuropäischen Zulassungsvorschriften zu keiner nennenswerten Freisetzung von Radioaktivität führen.
In Deutschland ist der GAU der beidseitige(!) Abriß der Hauptkühlleitung, diesen Zustand müssen die Notkühlsysteme dauerhaft beherrschen, und es darf dabei eben zu keiner Kernschmelze kommen.
Der dortige Unfall kann nur bei so einem RBMK Reaktor oder bei gewissen Varianten des Schnellen Brüters eintreten, wassergekühlte bzw. -moderierte Reaktoren sind dazu aus physikalischen Gründen nicht fähig.
Tschernobyl ist kein Maßstab für Reaktorsicherheit, sondern der Popanz, den die Anti-AKW Bewegung am liebsten durchs Dorf treibt. Genauso könnte man die Nutzung des Automobils verbieten, weil das Sicherheitsniveau eines Trabbis katastrophal ist.
"Dennoch würde Panik vermutlich kaum zu vermeiden sein, wenn ein solcher GAU, wie derzeit im Spielfilm Die Wolke in den Kinos gezeigt, das nächste Mal im dicht besiedelten Deutschland stattfände."
Dieser Abschnitt zeigt ganz eindeutig, dass sich der Autor mit dem Thema nicht hinreichend beschäftigt hat. Damit es zu einem solchen Gau wie in Tschernobyl, also einer Kernschmelze, kommt, müßte der Reaktor einen positiven Void-Blasen-Koeffizienten besitzen. Die Reaktoren in Deutschland benutzen aber Wasser und nicht Graphit als Moderator. Diese Reaktoren haben einen negativen Voidblasenkoeffizienten. Bei zu zunehmender Hitze, bilden sich Wasserdampfblasen im Moderator, was dessen Wirkung vermindert, womit es zu einer automatischen Abkühlung wegen mangelnder Moderierung der Neutronen kommt. Ein Unglück wie Tschernobyl ist daher nicht möglich. Es können in Europa nur noch Reaktoren zugelassen werden, die inhärent sicher sind.
Grüße
Trench
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