DIE ZEIT: Herr Töpfer, wir kennen Sie als notorischen Optimisten. Haben acht Jahre als oberster UN-Umweltschützer Sie kuriert? Klaus Töpfer leitet seit 1998 das UN-Umweltprogramm. Ende März läuft seine Amtszeit aus BILD

Klaus Töpfer: Sie wollen wohl hören, dass ich resigniert habe? Da muss ich Sie enttäuschen.

ZEIT: Das heißt: Der Planet ist gerettet?

Töpfer: Nein, im Gegenteil. Die Klimagase, insbesondere CO2, steigen weiter an, Artenvielfalt geht verloren, Wasser wird bald zum umkämpften Naturgut, die abgewälzten Umweltkosten unseres Wohlstandes nehmen zu. Aber in den schnell wachsenden Entwicklungsländern setzt sich auch die Einsicht durch, dass Wohlstand ohne intakte Umwelt nicht möglich ist. Nicht Finanz- und Humankapital begrenzen heute das Wachstum, sondern das Naturkapital. Das spricht sich herum. Auch im Milliardenvolk China.

ZEIT: Wird die Regierung in Peking umsteuern, ehe es zur globalen Katastrophe kommt?

Töpfer: Ich weiß jedenfalls, dass das neue Denken bis hinein in die Spitze der chinesischen Regierung verankert ist. Man wird ein »grünes Sozialprodukt« berechnen, also die Abschreibungen auf das Umweltkapital berücksichtigen. Wir erleben schon jetzt eine Renaissance der Umweltpolitik.

ZEIT: Wie bitte?

Töpfer: Nicht bei uns, sondern im Süden.

ZEIT: In den Industrienationen heißt es, die Entwicklungsländer wirtschaften ihre Umwelt herunter und deshalb…

Töpfer: …können wir uns Umweltpolitik auch nicht mehr leisten, ich weiß. Nur, das stimmt einfach nicht. Gerade in den Entwicklungsländern wird Umweltpolitik eingefordert – aus ökonomischen Gründen.

ZEIT: Was können Politiker tun, um den Ressourcenverbrauch zu begrenzen?

Töpfer: Sie können dafür sorgen, dass Knappheiten sich in Preisen niederschlagen.

ZEIT: Das wäre das Modell der von Ihren Parteifreunden ungeliebten Ökosteuer.

Töpfer: Ökologische Ergänzungen im Steuersystem sind erforderlich – ohne Erhöhung der Steuerlast. Nötig ist aber auch eine stärkere Verzahnung von Staat und Zivilgesellschaft. Schauen Sie in Richtung Vereinigte Staaten. Die Administration in Washington ist nicht gerade umweltbewegt. Doch wenn Sie im amerikanischen Fernsehen zappen, sehen Sie eine Werbung von BP, in der Menschen nach ihrem »ökologischen Fußabdruck«, dem Gesamtausstoß von Kohlendioxid, gefragt werden. Bürger und Manager sind oft mutiger als viele Politiker. Aber selbst George Bush hat in einer Rede neulich selbstkritisch gesagt: Wir sind ölsüchtig. Hätten wir mit so einem Satz vor zwei Jahren gerechnet?

ZEIT: Auf multilateraler Ebene aber hat die US-Regierung Lösungen der Umweltprobleme immer wieder torpediert.

Töpfer: Natürlich ist es eine große Einschränkung, dass aufgrund der amerikanischen Zurückhaltung – um es diplomatisch zu sagen – viele Fragen auf globaler Ebene rechtlich nicht bindend zu regeln sind. Allerdings sind nicht nur die Amerikaner so zurückhaltend.