Wohnen mit Tiefgang

Eine Werft in Schleswig-Holstein schließt die Lücke zwischen Yacht und Schrebergarten

Kiel

Die schleswig-holsteinische Landeshauptstadt ist nüchtern, nordisch und wenig verspielt. Ihr Fördeufer hat sie über Jahrzehnte zum Broterwerb genutzt, für Schiffbau und Hafenwirtschaft. Eine schmucklose Promenade, die von der Innenstadt bis zum Marinehafen führt, erwachte nur während der alljährlichen Kieler Woche zu bierseligem Leben.

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Doch die Dinge ändern sich auch in Kiel. Die Gastronomie entdeckt den Wert des unverstellten Meerblicks - die Werften beschränken sich nicht mehr auf Kriegs- und Handelsschiffbau, sondern widmen sich seit geraumer Zeit auch der Fertigung von Megayachten. Eine halbe Milliarde Euro soll Microsoft-Mitbegründer Paul Allen der größten Kieler Werft für sein Superboot Octopus gezahlt haben - eine High-Tech-Yacht mit Hubschrauberlandeplätzen, versenkbarem Bootsanleger und bordeigenem U-Boot.

Kieler, die dem Yachtgefühl in etwas bescheidenerem Umfang frönen wollten, konnten das schon bisher in einigen Sportboothäfen rund um die Förde tun, wo Kaffee trinkende Familien in den Cockpits ihrer Boote an warmen Sommernachmittagen ein hübsches Bild abgeben. Natürlich wird auch gesegelt, aber die funktionale Nähe des Segelbootes zur Gartenlaube lässt sich nicht vollkommen übersehen. Ein Kieler Familienunternehmen hat die Lücke zwischen Yacht und Schrebergarten jetzt auf intelligente Weise geschlossen: Die Gebrüder Friedrich Werft kommt dem maritimen Lebensgefühl entgegen und bietet seit diesem Winter so genannte Schwimmhäuser an. Auf denen kann man ganz ausgezeichnet Kaffee trinken, statt Unkrautjäten fällt höchstens Deckschrubben an, und U-Boote lassen sich in der Förde recht häufig beobachten, sodass man nicht gleich eines besitzen muss.

Der Prototyp der neuen Mobilie heißt Living on Water I und kostet in der einfachsten Ausführung etwa 500 000 Euro. Das klingt nach einer Menge Geld, doch immerhin braucht man für das schwimmende Haus kein Grundstück zu kaufen - die Seehafen Kiel GmbH verpachtet Wasserflächen an die Hausbooteigentümer.

Für Living on Water mit etwa 140 Quadratmetern Wohnfläche ergäbe sich eine Liegeplatzmiete von rund 9000 Euro im Jahr. Allerdings muss das Schwimmhaus in regelmäßigen Abständen zur Wartung in die Werft. Von Liegeplatz zu Liegeplatz wird es per Schlepper befördert.

Der Kieler Architekt Ludwig Fromm, Professor an der Muthesius-Hochschule für Kunst und Gestaltung, hat das Haus entworfen und dabei offenbar durchaus an Leute gedacht, die mehr Geld als Zeit für richtige Seefahrt haben.

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