Wohnen mit TiefgangSeite 2/2
Architektonisch ist das Ergebnis denkbar weit vom Schrebergartenhäuschen entfernt. Fromm hat einen Innenraum geschaffen, der fast nahtlos in Wolken und Wellen überzugehen scheint. Da nur die äußeren Wände tragend sind, können die Zimmerzuschnitte ganz frei nach den Bedürfnissen der Bewohner gestaltet werden. Im Augenblick wird Living on Water möbliert: mit Designerküche, zweigeschossigem Wohnzimmer und Bett mit Meerblick. Auf einem der vielen Sonnendecks, vor dem großen Badezimmer, findet sich eine geräumige Außenbadewanne - von dort kann man das Meer behaglich planschend betrachten, auch wenn es zum Baden noch zu kalt ist.
Beim Probe-Stapellauf bin ich fast gestorben, sagt Katrin Birr, die Geschäftsführerin der Werft: Um die Frage >Was wiegt das Haus?< brauchen sich Architekten normalerweise nicht zu kümmern. Wir uns aber schon, denn wenn sie falsch beantwortet wird, geht es unter.
Das Wohnschiff ist ein Niedrigenergiehaus und verfügt über Holzpelletofen, Wärmetauscher und Solaranlage. Hinter den Lehmputzwänden befindet sich eine Wandheizung, die im Winter wärmt und im Sommer als Klimaanlage dient. Sinken, wie beinahe jüngst das Hausboot des Schlagersängers Gunter Gabriel in Hamburg, kann es kaum: Sein Stahlrumpf mit wasserdicht abtrennbaren Schotten verhindert das. Doch sonst verhält es sich durchaus wie ein Boot - wer zur Seekrankheit neigt, sollte sein Schwimmhaus nicht ans offene Meer, sondern lieber in eine geschützte Flussmündung legen, denn Seegang spürt man an Bord sehr wohl. Und wie ein Software-Magnat kann man sich vermutlich auch auf Binnengewässern fühlen.
- Datum 30.03.2006 - 14:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 14/2006
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