Kinder Was der Mann nicht kann

Je mehr sich Frauen emanzipieren, desto entbehrlicher fühlen sich viele Männer – und ziehen sich aus der Verantwortung. Eine Antwort auf Iris Radisch

Es ist wahr, und Iris Radisch hat Recht: An der neuesten Demografiedebatte ist etwas faul. Die Gründe, die sie in ihrem Essay ( Nr. 12/06) nennt, sind einleuchtend. Keine Frau wird ihre Entscheidung für oder gegen ein Kind von der Lage der Rentenversicherung und vom Blick auf die Alterspyramide abhängig machen. Auch orientiert sie sich, davon bin ich überzeugt, nicht an der Höhe der Freibeträge und an der Ausstattung des Landes mit Kindergärten und Ganztagsschulen. Und ich kann gut verstehen, dass sich die Kollegin Radisch über die Bigotterie empört, mit der eine scheinerregte Öffentlichkeit das Problem des Kindermangels einfach auf die jungen Frauen ablädt, während es doch in Wahrheit alle angeht.

Nun hat aber Iris Radisch die eigentlich Schuldigen ausgemacht, nämlich die Männer. Sie spricht von »den Herren, um die sich die Welt ja ohnehin überall dreht«, und wirft ihnen vor, sich im entscheidenden Augenblick aus dem Staub zu machen. Ich weiß nicht, ob das die Regel ist, aber ich gebe zu, dass es nicht selten vorkommt, und das ist zweifellos zu oft. Da ich nun ein Mann bin, was ich weder beklage noch begrüße, muss ich auf eine Tatsache hinweisen, die mir fundamental erscheint. Und ich wundere mich immer mehr, dass sich gerade die Frauen dieser Tatsache kaum mehr bewusst sind.

Ich spreche ganz simpel von der Gebärfähigkeit. Nach einem langen und mühsamen Kampf um Gleichstellung und Gleichberechtigung haben die Frauen es geschafft, jene Areale zu erobern, die bis dato den Männern vorbehalten waren. Sie können inzwischen ebenso gut schießen und rechnen, ebenso gut regieren und kujonieren wie die Männer. Ihnen gehören große Felder des Erziehungswesens, der Sozialpolitik und der Kultur. Frauen sehen inzwischen ebenso aus wie Männer, sie tragen Hosen und kurze Haare, sie kennen ordinäre Witze und die subtilen Tricks der Karriereplanung. Zwar verdienen sie meist etwas weniger als die Männer, zwar können sie noch nicht ganz so schnell laufen, aber das wird sich ändern.

Was sich aber nicht ändern wird: Männer können keine Kinder kriegen. Die Märchen, die Mythen der Völker und die Werke der Weltliteratur erzählen immer wieder von der einen und großen Kränkung des Mannes: dass er alles kann – aber keine Kinder kriegen. Deswegen hat der Mann die Frau immer umworben, ihre Schönheit besungen, ihren Leib gepriesen. Deswegen hat er sie in Schach gehalten, mit Schleiern verhüllt, in der Kemenate oder im Harem versteckt. In den alten Zeiten war eine gebärfähige Frau das größte denkbare politische wie emotionale Kapital. Schon immer hat der Mann alles unternommen, um diesen von der Natur eingerichteten ungeheuren Vorsprung der Frau wettzumachen. Die Furcht, die ihn dabei umtrieb, ist im Vokabular des römischen Rechts aufbewahrt: Pater semper incertus – den Vater weiß man nie genau.

Deswegen ist der Mann heute im Begriff, diese Schmach endgültig zu überwinden. Die Anstrengungen der Reproduktionsmedizin haben ihre innere Logik eben darin. In Steven Spielbergs Film A. I. bestellt ein Ehepaar, da der eigene Sohn im Koma liegt, einen Replikanten bei der gentechnisch am meisten avancierten Fabrik. Der Junge gleicht dem Halbtoten bis aufs Haar. Die Liebe zur Mutter ist ihm einprogrammiert und wird von der Frau mit einem Codewort abgerufen. Von da an ist er der liebste und hübscheste Junge, den man sich denken kann.

Solche Fantasien sind nicht bloß Science-Fiction, auch wenn der Zeitpunkt, da derlei machbar ist, wohl noch fern liegt. Auch wegen der Kosten wird es noch lange so bleiben, dass die Frauen es sind, die Kinder gebären. Sie werden diesen Vorsprung einstweilen behalten. Indem sie aber die männlichen Domänen nach und nach erobern, gibt es für den Mann keinen zwingenden Grund mehr, sich an der Aufzucht zu beteiligen. Die emanzipierte Frau erhebt Anspruch auf völlige Autonomie, sie will ihre Karriere ebenso realisieren wie der Mann. Da sie es nun kann, fehlt ihm das zentrale atavistische Motiv, das ihn früher dazu bewog, Verzicht auf egoistische Bedürfnisse zu leisten. Einst war er der Stärkere. Einst war er es, der die materiellen Bedingungen für die Familie garantierte. Er war es, der die Außenbeziehungen zum Schutz der inneren regulierte.

Nun aber hat sich alles geändert: Körperliche Stärke ist heute ein Handicap – abgesehen vom Sport und vom Zerrbild der Fitness-Kultur. Eine Fließbandfertigung, die früher körperliche Kraft und Präsenz erforderte, wird heute mit Computern gesteuert, die eine Frau ebenso gut oder besser bedienen kann. Der Mann mit Muskeln: von ihm mögen Teenies träumen, im Alltag ist er der Idiot auf der Baustelle. Aber auch die Intelligenzberufe werden immer mehr von Frauen besetzt, sodass der männliche Vorsprung, hier die Prämie davontragen und sie der treusorgenden Ehefrau zu Hause präsentieren zu können, rapide dahinschmilzt. Sein ursprünglicher Anteil wiederum am Zustandekommen der Familie, die Zeugung nämlich, hat an Wert deutlich verloren. Samen gibt es massenhaft, und Frauen, denen es an einem attraktiven Partner fehlt, werden sich überall zu bedienen wissen.

Es widerstrebt mir, andauernd von »der« Frau und »dem« Mann zu reden, aber die Debatte lässt sich anders nicht führen. Ich habe keinen Grund, »die« Männer in Politik und Wirtschaft zu verteidigen, aber ich fürchte, dass wir, wenn es »den« Frauen endlich gelänge, den Gleichheitskampf zu gewinnen, nicht besser dastünden. Dass auch Frauen Konzerne lenken und Kriege führen können, muss nicht bewiesen werden. Dass sie gebären und damit eine einzigartige Macht ausüben können, scheinen sie vergessen zu haben.

Sie haben es nicht nur vergessen. Niemand in der mir überschaubaren Zeit hat das Geheimnis, die Größe der Mutterschaft in Worten und in Taten mehr herabgewürdigt als die Frauen selber. Eine Frau, die sich dafür entschieden hat, Kinder zu gebären und unter Verzicht auf berufliches Fortkommen eigenhändig aufzuziehen, kann sich des Hohns ihrer Geschlechtsgenossinnen sicher sein. Wie der Mann, der auf traditionelle Weise den Ertrag seiner Arbeitskraft für die Familie aufwendet, ist auch die Frau, die sich im Austausch den Kindern widmet, nur mehr der Trottel der Gesellschaft.

Dabei sehe ich im Gebären und im Stillen, im Wechseln der Windeln und im einschläfernden Wiegen des Babys ein erotisches Erlebnis höchster und seltenster Art, das ein Mann niemals in derselben Weise wird haben können, eine Erfahrung des Glücks und zugleich auch der Entsagung, für die es kein Äquivalent gibt. Wohl wahr: So mögen Männer reden, und so haben die Ideologen geredet. Die Frau von heute jedenfalls scheint es anders zu sehen. Iris Radisch redet, als wäre Mutterschaft ein Fluch: »Eine Frau, die ein Kind bekommen hat, ist, solange sie ihr Kind nicht umbringt, verklappt, wegsperrt oder entsorgt, eine Mutter, lebenslang. Ein Mann, der ein Kind bekommen hat, ist noch lange kein Vater.«

Natürlich ist er das nicht. Er muss es lernen, und er braucht die Frau dazu. Denn nichts ist einem Mann unheimlicher als die Geburt. Die Frau, die ihm eben noch zutrauliche Gespielin war, verwandelt sich nun in eine immer fremdere Gestalt. An diesem Bruch können die überall angebotenen Kurse nichts ändern. Der Mann wird, wenn sich die Frau zu ihrer Andersheit bekennt und alles, was damit zusammenhängt, austrägt und aushält, bereit sein, seine alte Rolle als entsagender Beschützer zu übernehmen. Da aber nicht wenige Frauen, kaum haben sie die Geburt überstanden, alles daransetzen, mit den in der Tat teuren Hilfsmitteln wie Kinderfrau et cetera den Status quo ante wiederherzustellen und so rasch wie möglich ihre berufliche Position wieder einzunehmen, gibt es für den Mann keine emotionale Basis, an der Beseitigung dieses Problems wirklich mitzuarbeiten.

Wenn es der unbezweifelbare Wunsch, das unbezweifelbare Recht aller halbwegs vernünftigen Frauen sein sollte, einen befriedigenden und ordentlich bezahlten Beruf einzunehmen, dann ist der gleichzeitige Wunsch, verantwortliche Mutter zu sein, strukturell unerfüllbar, was bedeutet, dass er mit erheblicher Entsagung einhergeht. Der Vorwurf, die Väter entzögen sich der gemeinsamen Verantwortung, geht fehl: Der Vater hat in dieser neuen Konstellation keinen festgefügten Grund mehr. Er kann sich seiner Verantwortung stellen oder es bleiben lassen. Den Rest erledigen die Anwälte.

Von Liebe war bislang nicht die Rede. Auch Iris Radisch hat davon nicht geredet. Von der Liebe hängt letztlich alles ab. Aber darüber kann man nicht diskutieren. Und es wäre auch nicht fair, der Liebe alles aufzubürden, was unsere Lebensweise ständig verabsäumt. Sie hat für Kinder keinen selbstverständlichen Ort mehr. Das ist ein Jammer, aber wir sollten uns hüten, die alten Strukturen zurückzuwünschen. Sie sind, egal, ob sie uns verlockend oder verderblich erscheinen, unwiederbringlich.

Was mich selber betrifft: Ich bin Vater zweier Töchter, die beide intelligent genug scheinen, um ihren beruflichen Weg zu machen, wo immer er hinführen mag. Meine Frau ist, abgesehen von gelegentlichen und schlecht bezahlten universitären Lehraufträgen, Hausfrau, was sie in ein permanentes moralisches Legitimationsdefizit bringt. Hausfrau zu sein gilt in dieser Gesellschaft als das Letzte. Die nicht geringe Kunst, Kinder im häuslichen Umkreis zu bilden und zu erziehen, ist aber der Anfang der Kultur, und diese Aufgabe an den Staat zu delegieren hieße, ihn zu überfordern. Ich wünsche mir, dass die Leistung meiner Frau, nämlich zu Hause zu sein, wenn die Kinder sie brauchen, nicht von wohlmeinenden Freundinnen herabgesetzt wird. Und ich wünsche meinen Töchtern viel Erfolg. Ich könnte nicht sagen, worin er in meinen Augen bestehen sollte. Würden sie Karriere machen, ich wäre zufrieden. Bekämen sie Kinder, ich wäre glücklich.

Der Preis des Glücks - Junge Frauen bekommen überall zu hören: Kriegt Kinder, und zwar schnell! Über die Folgen werden sie getäuscht. Von iris Radisch

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Leser-Kommentare
  1. Jawohl, unsere Gesellschaft benötigt dringend Männer.
    Richtige Männer.
    Männer, die ein Haus bauen, Bäume pflanzen und Kinder zeugen.
    Und die dann männlich Verantwortung für das Haus, die Bäume und die Kinder übernehmen.
    Wir brauchen dringend männliche Erzieher und Lehrer in Kindergärten, Grundschulen und Hauptschulen. Sie fehlen dort schmerzlichst.
    Und wenn ich "männlich" schreibe, meine ich das auch. Wir brauchen keine Männer, die die besseren Frauen sind. Wir brauchen keine Männer, die eingach nur die Rolle einer Frau übernehmen und entsprechend weicheiig daherkommen. Wir brauchen starke Männer, die sich nicht fürchten vor den Kindern, von denen sie so dringend gebraucht werden, als Vorbilder, Reibefläche und Sparringspartner.

    Was Herr Greiner da zusammenfaselt ist nun wirklich Mist und macht mich sehr wütend.
    Seine bescheuerte Mythologisierung von Geburt, Stillen und Kinderpflege ist ja hier schon ausreichend kommentiert worden.

    Ich will gerne Kinder bekommen. Ich freue mich darauf und finde es auch ein bisschen schade, dass ich mich momentan noch nicht dran traue, v. a. aufgrund meiner finanziellen Situation und wegen bevorstehender Auslandspraktika und -semester.
    ABER ICH WILL KEINE HAUSFRAU WERDEN.
    Geht das in Ihren Kopf, Herr Greiner?
    Es sind Menschen wie Sie, die mit Ihren verqueren Vorstellungen vom Heimchen am Herd meine Karriere bedrohen und ich hasse sie aus tiefstem Herzen dafür.

    Missverstehen Sie mich nicht, ich habe nichts gegen Menschen, die im Haus und anderswo ehrenamtlich tätig sind, statt Geld zu verdienen. Sie sind ein wichtiger Bestandteil unserer Wirtschaft.
    Ich kenne höchstpersönlich zwei sehr zufriedene Hausfrauen und würde ihnen ihre Lebensgestaltung nicht verbieten wollen. Warum auch? Allerdings haben sie sich ihre Fähigkeiten im Haushalt und der Erziehung meist mühsam im trial-and-error-Verfahren erarbeitet. Da ist nichts mit Mutterinstinkt und besonderer erotischer ... Herr, wirf Hirn vom Himmel, BITTE!

    Herr Greiner behauptet, wir Frauen hätten den Männern ihre Nische genommen. Sie würden als Beschützer, Alleinversorger und überhaupt nicht mehr gebraucht. Deshalb würden sie sich nun komplett aus der Verantwortung stehlen. Das ist ja wohl die lausigste Ausrede, die ich in letzter Zeit so gehört habe.

    Erstens gibt es immer noch genügend Frauen, die nicht unbedingt ihren erlernten Beruf ausüben wollen, sondern sich einigermaßen gerne auf die traditionelle Rollenverteilung einlassen.

    Zweitens werden die Männer gerade von der Mehrheit der Frauen gebraucht, die sich mit ihrem Partner den Broterwerb und die Kinderaufzucht gleichmäßig teilen wollen.

    Und drittens werden sie erst Recht von Frauen wie mir gebraucht, die für ihre Kinder nicht ihre Karriere aufgebgen und zuhause versauern wollen. Ich suche langfristig einen intelligenten, gebildeten, attraktiven, kinderlieben Mann, dem ich meine Kinder und die Führung unseres Haushalts anvertrauen kann. Noch habe ich die Hoffnung nicht aufgegeben, bin ja erst zwanzig Jahre alt.

    Irgendjemand hatte sich weiter unten über LaTortugas zustimmenswerten Komentar lustig gemacht.

    Dazu zweierlei:

    Erstens wissen auch wir über die Macht von Vitamin B Bescheid. Und woher bekommt man Kontakte? Zum Beispiel über Praktika bei hochkarätigen Unternehmen und Uni-Jobs. Wie kommt man da heran? In der Regel jedenfalls nicht ohne gute bis sehr gute Leistungen. Mal ganz abgesehen davon, dass es auch unter meiner Würde wäre, mittel- oder längerfristig mittelmäßige Arbeit zu machen.

    Zweitens hatte derjenige gefragt, warum manche Frauen lieber für Geld arbeiten, als sich der Kindererziehung zu widmen.
    Falsche Frage. Ich würde mich gerne der Kindererziehung widmen. Aber in dem Moment, wo ich dafür auf eine AGanztagsstelle verzichte, habe ich den Haushalt an der Backe. Und darauf verzichte ich dankend.
    Verdammt noch mal, warum ist das so schwer zu verstehen? Hausarbeit ist eine bestimmte Art von Arbeit und die macht nun mal nicht jedem Spaß. Ich will ja auch nicht Putzfrau oder Ingenieur oder Journalist werden und erwarte nicht, dass alle Leute Jura mögen, bloß weil es mir solchen Spaß macht.

  2. Ich verstehe Ihr Argument eigentlich ganz gut.

    Sie mißtrauen eben einer Bewegung, die nur eine bestimmte Klientel im Auge hat - Frauen eben. Ihrer Meinung nach sollte sich Frauenrechtler eben für Gleichberechtigung und Gleichverpflichtung der Geschlechter (Wehrpflicht für alle) einsetzen, was in Ihrer Perspektive mit der Einseitigkeit der Forderungen VON Frauen FÜR Frauen in Konflikt steht.
    Das mag idealerweise ja der richtige Ansatz sein, aber Sie ignorieren, dass sich die ganze Bewegung aus einem zeitlichen Kontext entwickelt hat, der Frauen wenig mehr als die drei Ks (Kinder, Küche, Kirche) zugestanden hat, und sich (fast) kein Mann für weiter Teilhabe von Frauen in der Gesellschaft einsetzen wollte. Und jetzt sollen Frauen für Männerrechte auf die Straße gehen? Was soll denn dieser Blödsinn?

    Zudem, wenn man die z.T. noch immer gravierenden Nachteile von Frauen berücksichtigt (im Schnitt 20 bis 30% weniger Lohn für die gleiche Arbeit, Weltdurchschnitt von weiblichen Vertretern in Parlamenten 15,6% - in Deutschland allerdings lobenswerte 31%)) ist es einfach ein bißchen viel verlangt, ausgerechnet von Frauen die Initiative für Jungs und Männer zu verlangen - wenn nicht gar einfach dreist und dumm. Mit Rosinenpickerei hat das wenig zu tun, es geht ganz einfach um nackte Verteilungskämpfe.

    Ihre Verweise auf höhere Mathematik und Physik haben einen dermaßen langen Bart, dass es nicht mehr schön ist. Als wären die Mathematiker die Krone der Schöpfung und das Rückgrat jeder Gesellschaft. Ein Bekannter von mir meinte auch mal, dass man nach einem Atomkrieg nur ein paar Physiker, Botaniker und Ingenieure braucht, um die Gesellschaft und Zivilisation wieder aufzubauen. Nur leider wachsen Gesellschaftsverträge nicht auf Bäumen, und mathematische Theorien entwickeln nur selten die nötigen sozialen Kräfte, um Menschen auf ein Gemeinwesen zu verpflichten. Das übersehen Leute wie Sie aber gerne, für die technischer Fortschritt das einzig "wertvolle" und "zählbare" ist. DetlevBarkmann reitet auch immer gerne auf der "das sind die schwierigen Fächer" Schiene rum. Kunst und Kultur sind ja nur die Spinnereien von einzelnen, die halt den Dreisatz nicht kapieren. Und die, die das interessiert, laufen halt im Herdentrieb hinterher - weil sie den Dreisatz nicht kapieren - v.a. Frauen. Gähn, gähn, gähn.

    Im übrigen finde ich Ihren Ansatz wahnsinnig revolutionär. Wieso sind die Frauen eigentlich nie für ihr Recht bei der Müllabfuhr oder auffm Bau zu arbeiten protestieren gegangen? Vielleicht weil da hauptsächlich Leute arbeiten, die den Dreisatz nicht beherschen? Die Frauen, um die es in hier geht, kämpf(t)en darum, auch auf höheren Entscheidungsebene mitwirken zu können - nicht darum, endlich Mülltonnen leeren zu dürfen. Merken Sie nicht, was Sie für einen Quatsch erzählen? Sie mißverstehen Feminismus und dessen Ausganssituation von A bis Z.

    Und erzählen Sie mir nicht, dass Frauen nicht harte Arbeit leisten und sich nur die Rosinen rauspicken wollen, wenn Sie ledigleich in gute, ihren Fähigkeiten entsprechende Positionen wollen.

    • WIHE
    • 08.04.2006 um 9:00 Uhr

    Ganze 40% der deutschen Akademikerinnnen sind also unfruchtbar? Unglaublich!>

    Die Akademikerinnen sind anfangs natürlich nicht unfruchtbar. Irgendwann sind sie aber einfach zu alt, um Kinder in die Welt zu setzen, ein Punkt in dem sich Mann und Frau gründlich unterscheiden.
    Irgendetwas muß sich die Natur dabei gedacht haben.

  3. marypastor, wie sagte doch schon der alte Adenauer so schön? "Kinder kriegen die Leute immer!" und richtete den Generationenvertrag so ein, dass seine Generation alle Vorteile hatte, potentielle Eltern aber außer dem eigenen Altruismus keinerlei Anreize. Dass Altruismus nicht ausreicht, sehen wir jetzt. Vielen Dank an die Frauenbewegung der 70er Jahre für diesen überaus erfolgreichen Gebärstreik. Vielleicht können wir ja dann demnächst wieder daran denken, wieder etwas stärker unseren eigenen weiblichen Wünschen nachzugeben. Aber wenn sich nichts ändert, halten wir auch noch ein paar Jahre durch.

    • gorgo
    • 14.04.2006 um 9:24 Uhr

    Lieber Mannomann Danke für die schnelle Antwort – ich schreibe so viel, weil ich es zunehmend faszinierend finde, sich auf diese Weise mit Leuten „zu unterhalten“ von denen man kaum was weiss - und bei Ihnen kriege ich mal mehr intellektuelles „Futter“ als bei diesen Polemiken.

    Ich hoffe, Sie lesen auch gerne – Ihre Antworten sind jedenfalls so gebaut, dass ich das gern tue.

    Ich halte es vorweg für sehr wichtig, wenn sie sagen, dass man niemanden in starre Normen pressen darf. Es gibt z.B. viel mehr Schwule, Lesben, Transen in jeder Gesellschaft, als die Leute, auch hier wahrnehmen möchten, viel mehr Menschen, die im Laufe ihres Lebens auch beide Geschlechter lieben etc. – die fallen aus einfachen Männer-Frauen-wollen’s schon per definitionem raus. So fielen und fallen z.T. auch die jungen Frauen, die jetzt auf Ihr Recht pochen, die Kinder-arbeit nicht allein machen zu müssen, fallen auf andere Art „raus“ – auch wenn Sie inzwischen zum Glück starke Unterstützung finden.

    Weiter finde ich Ihre Vermutung begründbar, dass in der Hauptschule bzw. für den überproportional hohen Anteil an Jungs darin – Sonderschule kenne ich kaum, und würde hier zu weit führen - die Geschlechterproportionen des Lehrkörpers mit eine Rolle spielen dürften.

    Bevor ich darauf eingehe: Nach meiner Vorstellung von der Wirkung von Geschlechterkonstruktionen müssten die Geschlechterproportionen auch eine Rolle spielen. Viele westliche Männer und Frauen leben ja heute in gewissen Hinsichten auch in ganz bestimmten „Kulturen“, die, in Abstufungen, ihre je geschlechtsspezifischen Verhaltensanforderungen, Sanktionen, (Selbst-)bilder und Erwartungen haben. Ein nicht unerheblicher Teil an Ehe- und anderen Problemen scheint mir auch daraus zu entstehen, dass Männer und Frauen sich unbewusst gegenseitig verletzen, weil sie die Grundregeln der anderen „Kultur“ nicht kennen, nicht verstehen, nicht ernstnehmen.

    Natürlich ist die Schwierigkeit immer, sich aus diesen Bildern auch herauszubewegen – ohne sich selbst oder anderen allzu sehr Gewalt anzutun – wir sind historische Menschen und nicht die von morgen. Frauen haben da aber viel größeren Druck gehabt und gemacht in den letzten Jahrzehnten.

    Andererseits gibt es viele Verhaltensweisen von Männern, die selbstverständlich voraussetzen, dass mann unter sich bleibt und Frauen nicht „mitspielen“ – bestimmte Konkkurrenzformen, bestimmte Selbstbilder etc.

    Ein einfaches: Zurück zum Männer- oder Jungenverhalten von früher – das war viel natürlicher – das kann es für mich nicht sein, denn das lässt wieder außer Acht, dass damit Machtwirkungen einhergingen – es verdeckt, welche Implikationen das hatte für alle, die kein „Jungsverhalten“ hatten oder haben sollen.

    Damit zurück zu den Hauptschülern. Wenn ich denke, wie schwierig die Geschlechterbeziehungen unter einander liebenden Erwachsenen sein kann, dann könnte das auch in der Schule der Fall sein. Ich finde natürlich, dann man das hier so kaum klären kann, aber es macht Sinn über die Möglichkeiten nachzudenken. Es wäre zumindest eine sehr geschickt angelegte Untersuchung wert, zu sehen, ob sich Geschlechterbilder von Frauen in irgendeiner Weise auf die Entscheidungen auswirkt, ob ein Junge auf der Hauptschule bleibt oder nicht. Zu überprüfen wäre aber zu allererst, ob männliche bzw. weibliche Lehrerschaft, sich überhaupt signifikant auf die Ergebnisse von Hauptschüler/inn/en auswirken – das steht m.W. gar nicht fest.

    Falls doch, wären sehr viele Erklärungshypothesen möglich: Ich erinnere auch daran, dass wir eine Differenz von 15 % (25 % Sonderschule) zwischen den Jungen und Mädchen erklären müssen – wenn denn die Zahlen von frank75 stimmen – das ist schwierig! Zunächst mal müssten auch ganz andere Auswirkungen der Geschlechterdifferenz in Betracht gezogen werden – oder falsifiziert werden:

    Auch Frauen könnten bei männlichen Kinder „Versagen“ als Enttäuschen von Männlichkeitserwartungen negativ beurteilen; auch die männlichen Hauptschullehrer die ja immer noch vorhanden sind ( ich erinnere auch an die männlichen Direktoren), und immer noch Einfluss haben, könnten das Versagen der Jungs als un-männlich anders bewerten, als das von Mädchen (In beiden Fällen würde Geschlecht eine Rolle spielen!). Dann wäre nicht „Bravheit“ die Erwartung an Jungs, sondern konstante Leistungsfähigkeit, Erfolg, Durchsetzungsfähigkeit – „Männlichkeit“. Das Problem wäre damit aber immer noch nicht geschlechtsneutral!

    Es wäre m.E. nicht undenkbar, dass bei einigen Lehrerinnen die Jungen deutlich schlechter abschneiden, aber auch bei einigen Lehrern. Es dürfte ein Mittelfeld von Lehrerinnen und Lehrern geben, bei denen der Unterschied nicht signifikant ist usw. - Warum ich das für wahrscheinlich halte: Heutzutage existieren stark unterschiedlich ausgeformte Geschlechterbilder auch innerhalb der Gruppe Männer und der Gruppe Frauen (die Diskussion ist ein gutes Beispiel dafür). 15 % Differenz könnte also von einem Teil des Lehrpersonals bewirkt werden...Um das herauszubekommen müsste man die tatsächlichen Geschlechterbilder der Lehrer/innen erst mal erfragen...

    In diesen Überlegungen ist jetzt aber immer noch nicht drin: Familienverhältnisse, Vater- und Mutterverhalten (deren Geschlechterbilder!!), Zugang zu Bildung, Zugang zu anderen Erwachsenen, Erziehungstile der Eltern (Respektorientiert, Gewaltorientiert, Vernachlässigung etc.) Peergroops, Rituale, Werbung, usw. – keiner dieser Faktoren ist in der heutigen Gesellschaft geschlechtsneutral!!!

    Ich nenne diese Faktoren natürlich, weil ich die Vielfalt der Erklärungsmöglichkeiten deutlich machen will – es sind sicher noch nicht alle, die denkbar und zu untersuchen wären.

    Gegen Begriffe wie „Verweiblichung“ als Erklärung und die Vorstellung, dass so was als einziger zentraler Faktor in Frage käme würde ich mich auch aus anderen Gründen verwahren: Weil er in seiner Verallgemeinerung auch frauenfeindlich klingt bzw. männerfeindlich ist: Mir verdächtig schon deshalb, weil in den ganzen historischen Debatten um die Rolle von Frauen wenigstens seit dem 18. Jahrhundert „Effeminisierung“ der Männer ein – oft durch Karikaturen an die Wand gemaltes – Schreckgespenst ist, mit dem vor allem Männer andere Männer zur Ordnung rufen, die Frauenanliegen offener gegenüber sind.

    In Kriegen und Kämpfen, in alltäglichen Konkurrenzen etc. – so häufig werden die jeweils anderen Männer als „verweiblicht“ beschimpft oder subtil in diese Ecke gerückt, ganz ähnlich wie der Schwulsein-Vorwurf – es scheint mir eine der obersten Befürchtungen, die unter Männern eine große Rolle spielen – und als Frau – vielleicht auch als Schwuler - fragt man sich: Was ist die ablehnende, starke, fast verzweifelte Emotion, die sich so stark gegen das, was mit mir assoziiert ist, wehren muss?

    Ób Hauptschule oder andere Felder: Frauen werden nicht alleine alles für alle richtig machen. Männer werden sich – im eigenen Interesse, m.E. auch in dem von Frauen – viel stärker als bisher damit auseinandersetzen müssen, was Männlichkeiten für sie sind, sein sollen und wie sich das umsetzen könnte. Die Forderung ist alt, aber der Druck wächst und das ist gut so.

    Mir scheint, es gibt eine Gruppe vor allem von gebildeten Frauen, die haben im Moment in vielen Feldern biegsamere, vielfältigere Selbstbilder, verändern die Selbst-Wahrnehmung radikaler, als das die Mehrheit der Männer tun. Wenn ich diese Diskussion ansehe, dann ist die Spannung zwischen Männern groß: Denn es gibt auch viele vor allem junge Männer, die mit sich und der Welt positiv am experimentieren sind und sich nicht auf Anti-Weiblichkeit festlegen lassen. Es gibt offenbar auch Männer, die mit bestimmten Männerrollen unzufrieden sind. Und Wiedersprüche: Die organisierten Scheidungsväter, die oft kein gutes Haar an irgendeiner Frau lassen - müssen sich aus eigenem Interessen für Berufstätigkeit der Frauen einsetzen... Auch das Thema Hausarbeit ist schließlich mit Erwerbsarbeit und damit mit den Bildern und Idealen vom erwerbstätigen Mann dicht verknüpft.

    Warum nicht auch Verunsicherung wahrnehmen – "sicher" bin ich mir auch nicht immer - und produktiv wenden? Aber unsere Wahrnehmungen sind geprägt auch von Geschlecht...

    Danke an alle, die diese Diskussion produktiv geführt haben, ich habe was gelernt – muss mich hiermit verabschieden, denn meine Arbeit leidet...

    • gorgo
    • 14.04.2006 um 9:26 Uhr
    6. PS.

    mannomann, noch etwas wichtiges zu den Jungen: Warum sollen eigentlich nicht Mädchen auch was davon haben, sich zu messen - ihre Agressionen zu kanalisieren etc.!

  4. Frau Ministerin von der Leyen hat in einem Interview gesagt dass Anfang 20 noch naiv genug sei um Kinder in die Welt zu setzen!
    Fazit das Studium stört die Gebärfähigkeit! Daher weht der Wind und weil die Gesellschaft zu Faul ist etwas zu ändern wir eben drangsaliert!
    Es könnte ja auch anders sein, zB könnten die Betriebe welche Bezüge an Abgeordnete überwiesen diese Geld in Kitas im eignen Betrieb investieren, usw!
    Aber der rechte Pulk gewinnt Oberhand mit Kirche tatütata! Und der Logik welche einhergeht.

  5. Lieber Herr Greiner,
    und alle anderen konservativen Männer, die hier ihre Kommentare zur Freude der Mutterschaft und der angeblichen Macht der Frauen abgelassen haben: Lesen Sie eigentlich ab und an Zeitung? Haben Sie schon mal von den geplanten Änderungen des Unterhaltsrechts gehört? An erster Stelle kommen die Kinder, sowohl eheliche wie uneheliche, danach dann diejenige, die kleine Kinder zu betreuen hat, egal, ob es sich dabei um die Ex-Frau oder um die neue Ehefrau bzw. Freundin handelt. Erst wenn dann noch was übrig ist, wird vielleicht auch noch an den Lebensstandard der Ex-Frau gedacht, den diese als Hausfrau und Mutter in der Ehe gewöhnt war. Mehr Eigenverantwortung, frühere Rückkehr in den Beruf etc., dass sind die Schlagworte, die heute die Diskussion um das Unterhaltsrecht dominieren. Eine unterhaltsrechtliche Besserstellung der Ex-Ehefrau gibt es erst bei langjähriger Ehe, ab ca. 10-15 Jahren. Dummerweise reichen aber schon drei Jahre Abwesenheit vom Arbeitsmarkt vollkommen aus, um die späteren Verdienstmöglichkeiten drastisch zu verringern. Das Ergebnis: Sozialhilfe, miese Rente.
    Es gilt nämlich nicht nur der Spruch "pater semper incertus". Für Frauen gibt es das durchaus reale Risiko, dass ihre Männer hingehen und irgendeiner anderen Frau ein Kind machen, mit dem und deren Mutter dann das Geld geteilt werden muss. Keine schöne Vorstellung, und die meisten von uns vertrauen ihrem Partner und hoffen, dass ihnen diese Erfahrung erspart bleibt. But let's get real: Die Scheidungsrate im ehem. Westdeutschland lag 2003 bei 43,6%. Eine junge Frau, die heutzutage diese Tatsache plus die Änderungen im Unterhaltsrecht nicht in ihre Lebensplanung einbezieht, ist schlichtweg bescheuert. Es geht bei den sog. "Karrieren" der heutigen Frauen nicht unbedingt immer nur um Selbstverwirklichung, sondern vor allem um Absicherung des eigenen Lebensstandards.
    Was die angebliche Verhöhnung der Nur-Hausfrauen angeht: Das ist weniger Hohn als eher der Ärger darüber, dass diese Frauen mit ihrer Bereitschaft, sich den beruflichen Plänen ihrer Partner unterzuordnen und ihm die Kinder großzuziehen, die Preise auf dem Heiratsmarkt verderben. Jede Frau will doch einen gut ausgebildeten, netten, fürsorglichen Mann, der intellektuell mit ihr auf einem Level ist. Leider haben diese Männer (glücklicherweise nicht alle, bin selbst mit einer löblichen Ausnahme verheiratet) immer noch die Tendenz, den Weg des geringsten Widerstands zu gehen und sich solche Frauen zu suchen, bei denen sie die wenigsten Kompromisse in ihrer eigenen beruflichen Entwicklung machen müssen. Und Frauen, die auf einen eigenen Beruf verzichten, bieten ihnen diese komfortable Möglichkeit. Das ist für Frauen, die Beruf und Familie verbinden möchten und auf einen Partner hoffen, der zu beidem (dem Geldverdienen und dem Kindererziehen) seinen Teil beiträgt, bitter.
    Es ist mir vollkommen unverständlich, wie Sie als Vater zweiter Töchter darauf hoffen können, dass diese lieber Kinder bekommen als im Beruf erfolgreich zu sein. Wie können Sie sich wünschen, dass Ihre Töchter abhängig sind? Naja, jedem das seine. Ich jedenfalls will zwar nicht unbedingt Karriere machen, soviel zu verdienen, dass es zu einer normalen Mittelschichtsexistenz reicht, ist vollkommen ausreichend. Ich liebe meinen Mann und halte ihn für einen der vertrauenswürdigsten Menschen, die ich je kennengelernt habe. Aber ich habe - in meinem Elternhaus, bei anderen und in früheren Beziehungen - zuviel Mist erlebt, als dass ich auf mein "Run-Away-Money" jemals verzichten könnte.

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  • Quelle DIE ZEIT 06.04.2006 Nr.15
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