Pünktlich, sauber, zuverlässig

Die Bundesregierung will dafür sorgen, dass Privathaushalte mehr Jobs schaffen. Bislang schreckten Bürokratie und hohe Kosten viele mögliche Arbeitgeber ab von Sebastian Jost

Monika Schott löst für andere Menschen ein Problem, das ihr selbst die Karriere ruiniert hat. Sie hat Chemie an der Fachhochschule studiert, hätte in ein Großlabor gehen können oder zu einem Pharmahersteller. Wenn da nicht Johanna wäre, ihre vierjährige Tochter. Deren Vater hat schon vor der Geburt das Weite gesucht und die Mutter allein gelassen mit Kind und Hausarbeit. Für einen Vollzeitjob blieb keine Zeit. Und Halbtagsstellen gibt es kaum für Chemiker, sagt Schott. Deshalb arbeitet sie heute nicht zwischen Reagenzgläsern und Bunsenbrennern, sondern zwischen Bügelbrett, Spüle und Speisekammer, für acht Euro pro Stunde. Die 39-Jährige putzt im Auftrag von Home Services, einem Ableger der Zeitarbeitsfirma Manpower in Mainz. Die Firma hilft gestressten Managern, Anwälten oder Chemikern, ihren Hausflur und auch ihre Babys sauber zu halten. Und sie erschließt den Privathaushalt als Arbeitsplatz, als neuen Niedriglohnsektor.

Familienministerin Ursula von der Leyen setzt auf diesen Arbeitsmarkt: auf Menschen, die gegen Geld in fremden Wohnungen putzen, pudern oder pflegen.

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Der Bundesrat soll am Freitag dieser Woche neue Steuerrabatte beschließen, die unter anderem Kindermädchen oder Pflegekräfte für die Haushalte billiger machen. Für Putz- oder Bügelhilfen gibt es schon seit 2003 Vergünstigungen.

Die Steuernachlässe lohnten sich doppelt, verspricht von der Leyen: Einerseits könnten gut verdienende Frauen dank Kinderfrau oder Haushaltshilfe Familie und Arbeit leichter unter einen Hut bekommen. Andererseits entstünden neue Jobs in den Haushalten selbst. Schlecht bezahlte Jobs freilich: Bekäme Monika Schott nicht regelmäßig Geld von ihrer Familie, müsste sie Arbeitslosengeld II beantragen. Und für die Betreuung ihrer Tochter Johanna helfen ihr die Steuerrabatte wenig, weil sie sich trotzdem keine Tagesmutter leisten kann.

Trotz der sozialen Schlagseite steht hinter der Idee nicht nur die Lobby der Gutverdienenden, wie etwa Ludwig Georg Braun, der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags: Auch die Gewerkschaftslinke Ursula Engelen-Kefer hat die Steuervergünstigungen als richtigen Schritt begrüßt.

Und selbst als Subventionskritiker bekannte Ökonomen gewinnen der neuen Förderung Positives ab. Die Steuerrabatte können die Arbeitsteilung zwischen Hoch- und Geringqualifizierten fördern, erklärt Dominik Enste vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW).

Bereits von 1989 bis 2001 gab es Steuernachlässe für Haushaltshilfen. Solange Schwarz-Gelb regierte, beschimpfte die SPD diese Regelung als Dienstmädchenprivileg, weil sie nur Besserverdiener entlaste und nicht zu neuen Stellen führe. 2003 führte Rot-Grün dann selbst neue Steuerrabatte ein - um einen Niedriglohnsektor zu schaffen. Seither können Privathaushalte 20 Prozent der Kosten für Haushaltsdienstleistungen direkt von der Steuerschuld abziehen, maximal 600 Euro pro Jahr.

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