Der deutsche Schachgroßmeister Matthias Wahls hat das Schachbrett an den berühmten Nagel gehängt. Seit kurzem verdient er sein Geld mit Poker, genauer gesagt mit der Online-Form "Texas Hold’em".

Wahls: "Hier wird Leistung viel besser belohnt als beim Schach. Beim Schach spielt keiner, der viel schlechter ist als ich, mit mir um Geld. Beim Pokern sehr wohl. Viele sind Zocker und Hasardeure und verfügen über keine systematische Ausbildung. Beim Poker kommen auch schwache Spieler zu Erfolgserlebnissen. Sie werden auf diese Weise bei Laune gehalten und kommen immer wieder, obwohl sie kontinuierlich Geld verlieren. So funktioniert halt unser Gedächtnis. Schöne Erinnerungen werden aufgebläht, Misserfolge werden verdrängt."

Wahls wurde von seinem Hamburger Großmeisterkollegen Jan Gustafsson "verführt", der allerdings nach wie vor auch dem Schach treu bleiben will, obwohl er beim Poker viel mehr verdient.

Gustafsson sah bei einem USA-Aufenthalt etliche seiner amerikanischen Großmeisterkollegen bei diesem lukrativen Gelderwerb. "Zwischen Poker und Schach gibt es viele Gemeinsamkeiten. Beide sind Strategiespiele und bedeuten Wettkampf. Bei beiden Spielen müssen unter Druck richtige Entscheidungen getroffen werden. Zwar ist Poker nicht so tiefgründig wie Schach, aber trivial ist es deswegen noch lange nicht", meint Wahls.

Etliche Schachmeister, vor allem in den USA, haben sich weitgehend dem Poker zugewandt – sei es das schnelle und reichliche Geld, sei es, ähnlich wie beim Blitzschach, der Kitzel des Augenblicks und des schnellen Spiels.

Jan Gustafsson betrachtet es allerdings auch sarkastisch: "Poker ist deshalb so anziehend für Schachprofis, weil wir so unseren faulen Lebensstil fortsetzen können, ohne mit anderen Leuten zu tun zu haben." Und was sagte er, noch vor seiner Poker-Ära? "Schach macht sehr schnell abhängig: Fangen Sie gar nicht erst damit an!"

Sollte das Gleiche gar auch für Poker gelten?

Bleiben wir bei der Schachabhängigkeit: Sehen Sie, wie Matthias Wahls in der kargen Vorpokerzeit bei der Schacholympiade 1990 in Novi Sad als Schwarzer seinen rumänischen Gegner Ionescu mit einem mächtigen, "aufbrechenden" Zug schnell besiegte?

Helmut Pfleger

Auflösung aus Nr. 14:

Wie setzt Weiß am Zug dank einer "Rolltreppe" im 12. Zug matt? Es gilt, die schwarze Bauernumwandlung durch b2–b1D bzw. a2–a1D zu verhindern und den schwarzen König "auf dem falschen Fuß" – nämlich wenn er auf b1 steht – mit einem Damenschach auf der ersten Reihe zu erwischen. Nun denn: 1.Dc3 Kb1 2.Dd3+ Ka1 3.Dd4 Kb1 4.De4+ Ka1 5.De5 Kb1 (Schwarz hat nur die Zwangszüge mit dem König) 6.Df5+ Ka1 7.Df6 Kb1 8.Dg6+ Ka1 9.Dg7 Kb1 10.Dh7+ Ka1 11.Dh8 Kb1 und nun der adlerartige Sturzflug: 12.Dh1 matt