Afrika Geschäftsmann des KriegesSeite 2/2

Allerdings blieben Rückschläge nicht aus: RUF-Führer Foday Sankoh starb 2003 in Haft, noch bevor ein Urteil erging. Sein Militärchef Sam Bockarie wurde in Liberia ermordet. Und der »größte Fisch«, Charles Taylor, hatte sich im Sommer 2003 als Preis für seinen Rücktritt vom Amt des liberianischen Präsidenten – und damit das Ende des Bürgerkriegs in Liberia – ein luxuriöses Exil in Nigeria ausgehandelt.

Eine der Bedingungen lautete jedoch, dass Taylor sich nicht mehr in die liberianische Politik einmischen dürfe, woran er sich mitnichten hielt. Über Konten in der Schweiz, Liechtenstein, Panama oder Ghana finanzierte er neue Parteien, über eine liberianische Mobilfunk-Firma kassierte er weiterhin Millionen und beauftragte zwei seiner ehemaligen Kommandanten, neue Söldnertruppen zusammenzustellen. Bargeld nach Nigeria brachte ihm nach Erkenntnissen des Sondertribunals unter anderem ein Geschäftsmann mit Al-Qaida-Kontakten. Mit Mittelsmännern der islamistischen Terrororganisation soll Taylor bereits 1998 einen schwunghaften Diamantenhandel gestartet haben – fast zur gleichen Zeit investierte der amerikanische Fernsehprediger Pat Robertson acht Millionen Dollar in ein von Taylor kontrolliertes Unternehmen zum Schürfen von Gold. »Ich bin eben ein knallharter Kapitalist«, sagte der über sich selbst.

Dass Taylor nun doch noch auf der Anklagebank Platz nehmen muss, ist zwei Akteuren zu verdanken, die derzeit eher selten am selben Strang ziehen: Die US-Regierung übte massiven Druck auf die nigerianische Regierung aus, die UN bedrängten Liberias neue Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf, offiziell Taylors Auslieferung zu fordern. Johnson-Sirleaf weiß sehr wohl um die Macht, die ihr Erzfeind und Amtsvorgänger immer noch besitzt. Deshalb wird sein Prozess womöglich aus Freetown nach Den Haag verlegt, wo die Richter des Sondertribunals in Räumen des Internationalen Strafgerichtshofs gegen ihn verhandeln werden. »So Gott will, komme ich zurück«, hatte er im August 2003 seinen Landsleuten vor dem Gang ins Exil zugerufen. Die fürchten diese Drohung auch heute noch.

 
Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    Service