Zeitläufte Das Eiland am Ende der WeltSeite 5/5
Erst 1964 setzt die Wende ein. Chiles neu gewählter christdemokratischer Präsident Eduardo Frei legt dem Parlament eine Gesetzesvorlage vor, um die Gleichstellung der Insulaner mit den Festlandchilenen durchzusetzen. Kurz danach sorgt Alfonso Rapu, ein 22-jähriger Rapa Nui, der von einer Chilenin aufs Festland geholt wurde und nach einer Ausbildung auf die Insel zurückkehrte, für Aufruhr. In einem Brief an Frei beklagt er sich über den Terror auf der Insel. Der Brief, der in der chilenischen Presse veröffentlicht wird, schlägt in Santiago wie eine Bombe ein. Soldaten nehmen Rapu auf der Insel fest. In der Hauptstadt debattiert das Parlament. Die Insulaner blockieren die Straßen, um eine Deportation des Aufmüpfigen zu verhindern. Im allgemeinen Aufruhr gelingt es ihm, den Soldaten zu entwischen. Frauen verstecken ihn in einer Höhle. 1965 müssen die Behörden eine freie Bürgermeisterwahl zulassen. Rapu gewinnt sie. Ein Jahr später erhalten die Rapa Nui die chilenische Staatsbürgerschaft. Der Stacheldraht des Lagers wird niedergerissen.
Heute, 40 Jahre nach diesen dramatischen Ereignissen, zählt die Osterinsel an die 4000 Einwohner. Die Rapa Nui sind gegenüber den Zugewanderten noch knapp in der Mehrheit. 1967 baut man einen Flughafen, seit den siebziger Jahren können hier auch große Jets landen. Sie bringen Touristen aus aller Welt auf die Insel, die 1995 von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt wird. Die meisten Rapa Nui leben inzwischen vom Fremdenverkehr. Und viele Besucher fliegen mit einer kleinen Statue im Gepäck in ihre Heimat zurück – pittoreske Erinnerung an eine grandiose Insel, deren tragische Geschichte wohl nur die wenigsten von ihnen kennen.
- Datum 29.05.2009 - 13:40 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT 12.04.2006 Nr.16
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